Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 63 (18.6.1893)
- Date
- 1893-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441420--0653-4887165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 Nr. 63. Freies Blatt. famtnlung brünetten. — Ein kleines Malheur paffirte Herrn Tr. Böckel in 8 lein Ge münde», ,vo er eine Wahlrede für »einen Genosse» „S immer um n ii hielt Joi t war ein liberaler so neugierig, Herrn Böckel zu fragen, ob e-J um he fei daß er von je hundert Mail, die für WälWeubeznge seine» „Mitleldemictie» Bauernvereins ' den cü, oßhäi'dlern, Fabrikanten re. gezahlt würden, zwei Mark erhalte? Herr Tr. Böck.l war entrüstet und ichrie: „DaS ift eine ■ infame üüge!" Ter neugierige Frager zog hierauf einen Brief au? der Tasche, mitmcnfiiict vom Borsthe..deii deS ^Mitteldeutschen Bauernvereins", und verlas tim* Ter Znhalt war kur; folgender: Ter Adressat, ein Großlieseraitt, wird ansgeforderl. in seinen Rechnungen für die Ortsgruppen zu dein Preise seiner Waare» zwei Peree-.tt auf;us>hlagen. diese also mehr zu erheben und den Betrag der Eeutralsiclle einzlifendei, Ter unenlwegle .Hämpe für deutsche Wahrheit, Freiheit unk Recht meinte nun, daß der Brief gefälscht fei. Sosoit erhob sich ein Großhändler, offenbar der Adressat de« BriescS, und erklärte, tr sei bereit, zciigeueidlich vor Gerich/zu erhärte», daß er zwei Perceut Ausschlag aus den Preis feiner Viefermigct für den Bereu, habe machen und diese dem Borslande des „Mitteldeutschen Bauernvereins" znweiiden muffe». Tas leugnen war dann freilich Herrn Böckel pnmöglich geworden, aber als echt „deutscher' Mann mit gewandten Manieren wußte er sich in diesem Heilte,, Unfälle zu helfen. Tie Gelder siöffen, sagte er, in die Parteieasse. Bei eittem Um'atz von mindestens -n t,(_¥X> i'i'arf, womit man sich rühmt, macht daS ei» hübsches Süinmche» für die Partei des Herrn Böckel. — Zu iSaiiel empfingen Soeialdeniokrate» Herrn r totfei', alS tiefer in einer von Anlisemiten eitihenifencn Bersamiiilung iprettien wellte, mit den Ritteni „Pfui! Meineidiger! Ahlwardt iffeiiosse!" und ließen ihn nicht zu Worte, konimen: sie sprengten die Beifaniinlung 2luf anti|Vimtifd?en 3lattmi. it'tn gnliscmilischkr Fälschrr.i Wie wir in der levien Rümmer berichteten, bat ein gewisser Paul Heichen vor einiger Zeit die , Ueberfcl.miig" eines Romaves von AlpbonS Tandet erscheinen lassen, noch ehe Tandet denfelben geschrieben batte. TaS „Teutfche BolkSblatl" hat den Humor, Heichen zu einem Zn de» zu stempeln. Wie wir schon erwähnt, ist Heichen an .ontraire 'Partei und Gesinnungsgenosse Bergani's. Zur besseren Orientirrmg des Lehtereu ss-i eonssatirt, daß Paul Heichen der Berleger der Broschüren „Zudenbordelle", der „Ziideiilaiis im Ehristeupelz" und anderer Zierden des aiiii'emitischen LchriftthninS iss. Bezeichnenderweise bat Paul Heikheu auch über den „jüdischen Schwindel" im Buchhandel gefchrieben. Run, Herr Bergani, ivie heißt eS in, Solecer Latein? l!i--»iu lenere onmes! . I Tic berichtigte» Berüchtigten., Tie Antifeiniten haben ihre ''Eamvagne gegen de» Teut'cheii Schulverei» nicht darauf beschränkt, daß sie sich die interi'iaiue ttü'äiichie einer angeblichen Schulverein« Schule in Skworep anS de» Fingetn fogen. Auch anderSwo alS in der Linken Babngaffe verstehen sich die atttifrimtiiebeii ZertungSmacher ausS Lügen, So brachten die „Teuti'che Wehr" in Trorrau und daS „Grazer Wochenblatt" Rotizcn, welchen zufolge der Teut'che Schulverein in .Holin eine deutsche Schule erhalten soll, in welcher nur die dortigen Zudenkinder „um ihres eigenen Rubens willen, pcherlich aber picht zum Segen de? Tent'chthumS" Teut'ch lernen, 'filtern sich die Zudeu .tolinS überwiegend zum Tschechentluim bekennen, woran die Beinerlung ge kusspfss war, daß deut che Gemeinden an den Grenzen und Sprachinseln theil nahmSlo» preiSgegeben werden. Tiefe Rotizen wurden von anderer Seile dalli» auSgebeutet. um die lebte» Ercesse in .Holin mit dieser angeblichen Schulvereins Schule in Berbindung zu bringen Selbsiverssänklich verhält es sich mit der Wahrheit die-er Ge'chichte genau io wie um die Skworetzer Schule. Zn einer j il-atiächlichen Berichtigung erklärt der Schuloerein gegenüber der antisemitifchen i Erssndimg: Er ist vollkommen iinrichtig, daß in .Holt» eine deutsche SchulvcremSssch..le besieht oder je bestanden hat; es ist ebenfo vollkommen unrichtig, l daß vom Teittfchen Schulverein deutsche Gemeinden an den Grenzen mid! Sprach,n'e!» tbeilnabniSloS preisgegeben werden. Für Holin hat der Teutiche! Schulvciein ntemals auch nur Einen .Hreuzer verausgabt,'und verweist derselbe j lunsichilich »eyier Tbätigkeit an den Grenzen und Sprachinseln, sowie hinsichtlich j 'einer Bemühung, die »ür tiefe Tbäligkeit nöthige» Geldmittel troß—der An! fcinkuiig von eiuiaen StammeSgenossen aufzubringeu, auf seinen alljährlich ver offcittlichien Thätigkeits, und Rechenschaftsbericht. > i Zildischc Gcschworur ill Galizien., Tie aittisemitifche Presse in Sesterreich j be'aßt sich in jüngster Zerr mit den jüdischen Geschwcrnen in Galizien, welche in rilligen Fälle» schuldige Zude» sreigesprochen haben sollen Tas Blättchen s des .sianipfcaplan« Spiss führt "diese freisprechenden Berdicte ans die„„Talmudi moral" zurück Gemach, ihr Herren! Liegen wirklich den thatsächlichen Ber hältnissen widersprechende Jury Aeußernngen vor,'^>aS beweist das gegen die Zude»? Auch nichtjüdische Geschworne haben schon ähnliche Berdicte gefällt, Bor Zähren wurden in Galizien ein Mittelschuldireclor, der sich Schulgelder äuge, eignet. n»d ein SrdenSpriester, der das.Hlosteroermöge» angetastet, freigefproche». Habe» nicht auch Prager Geschworne Berunglimpser des Beamlenstandes „nicht schuldig" befunden, und sah sich nicht schon der Oberste Gerichtshof veranlaßt, Entscheidnngen deS Wiener Schwurgerichtes zn cassiren? Geschworne, mögen sie welcher Eonsession immer angehören, sind eben nur Mensche» und können daher anäi Jrrthümer begehen. Aber daraus läßt sich nicht einmal ein wirksame« Arguinenl gegen da? Znflilut' der Znru ableileu, geschweige denn eine Waffe für antisemitische Heber schmieden. chchch (AnSiiahmSgksrltc für Zudcn.s Tie „Slaalsbürgdr-Zeitung" verlangt AiiSnahmSgesehe für die Juden. Tieselbe», sagt sie, niüsien von öffentlichen Aemtern, von öffentliche» Lieferungen und von der Handhabung der Presse ausgeiHlosseu werden. Wen» aber die Amvälte deS JudenlhumS fragen, was denn h^un noch den anständigen Inden bleibe, so sei ihnen zu antworten: „TaS ganze große Gebiet des ehrliche» Erwerbes. Genügt das ihrem Ehrgeize nicht, so müssen sie freilich auSwauder». Wir werden eS mit Fassung tragen." Rach der Art, wie die Bachler und Heichen die Presse handhabe», kann e« nicht he-" fremde», daß hie „Staatsbürger-Zeitung" diese Handhabung nicht als redliche» Erwerb ansieht. Das Aiitiseniitenorgan mag in seinen .Hreifen auch Erfahrungen gemacht haben, aus denen eS die Berechtigung ableitel, die Ansicht zu äußer», daß das ganze große Gebiet deS redliche» Erwerbes nicht auch öffentliche Aemler und öffentliche Lieferunge» nnifasie; dem Richtanlisemiten fehlt indessen jeder AnbaltSpuiilt, um diese eigenthüinliche Ausfassung auch nur zu begreifen. Ber» stäiidlicber ist der fromme Wunsch, die Zude» möchten aus Teutschland auSwandein. Tie Antisemitei: haben aber jedenfalls mehr Eignung zuin Emigranten ge'chäff, wie die weiland Föisterssche Eolonie bewiese» hat. i Eine „Zildcnstklikr"., Ein .sächsisches Antiseniitenblatl kleidet den Bor schlag, die durch die Ausführung der Militärvorlage zur Berstärkung de« deutschen Heeres bedingte» .Höste» mit Hilfe einer „Zudenfleuer" hereinzubringen, in die Form eines Briefes eine» „patriotischen deutschen Israeliten". DaS ist anlisemitifcher Humor! Tie Racenhelzer würden aber fuchsteufelswild werden, weint ein Mainzer oder Magdeburger Blall, welches speciell jüdische Znteressen vertritt, sich von einem „nicht jedes Anstandes baren Antifemiten" schreiben ließe, daß die EintrittSgebühren, welche antisemitische Wanderredner xinheben, jedesmal im Znteresse der deutsche» Wehrkraft mit Beschlag zu belege» wären. Wie würden sie da über „jüdische Bosheit und Verlogenheit" zelern! Briefkasten. Z. W. -: Bcsirn Tank! Wir bringen gfiiudfählich leine Gedichte. Anti, Anti, Beatrixgassc: Ja wohl, reiner Eoncurreiizneid, iveil Paulus Bieuer s gelchävte Mitarbeiterschaft dem „Balerland" und nicht dem „BolkSblatt" zugute kam. Zetzt aus einmal traut er. ihm nicht, aber trovalledem wird der faniose Brief als authentische O-nelle citlrt. Zur gefälligen Scachlnng! Ter erste Lahrgaiiss des „Freien- Blattes" ift durch unser Bureau qcssen Einscudiiuss des herabssefelzteu Preises vou ö. W. fl. l.— oder 2 Äroneii iftatt ö. W. fl. 2.50 oder 5 .siroimi) zu bczichcu. Wir erlauben uns daraus aufmerksain zu »lache», daß wir bei Ucbcrscndung von AbonncnicutSbrträsscn Mar Postuiarkc», nicht aber Stempel an Gcldcsstatt annchlncn können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Aboilntinents-Anintldnngrn als Neclainationcu Aame und Adresse (besonders Ort und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Vage sind, eine Bcraulwortnng für nichtbestelltc Exemplare zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Bcrcin zur Abwehr des Antisemitismus" werden elOgcgengcnomnien im Secretariate des Bereines, Wien, I., Parisergafle Abonnemcrrtpanmeldungr« auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I.. Seilerstätte IN, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Anmmern abgegeben. Prabennmmern zur weiteren Lerbreitung des „Freien Blattes" werden Gesiunungsgeitofse» auf Lerlangen bereitwilligst zur Bersügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Rddacteur: Ernst Bictor Zenker. — Druck von Eh. Reißer & M. Werthner, Wien.