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Freies Blatt · 1893-06-18 · 63 (18.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
63 (18.6.1893)
Date
1893-06-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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AbonnementSpreiS: Saiijjähiig mit Postzulrndung . . ft. ».SO. Halbjöb'ig >1. l.iS. Bicrtcljährig fl. —.SS. Sinzcl»« Nummern 1 kr. Organ 5111* Abwcbr dcs 2lutii?mitismus. ' Erscheint an jedem Sonntage. Rcdaclion und Administration: Vien 1. Seikerstütte 10. 9iunuuer <».». Wien, I!!. Juni 1893. 7 : : - II. Jahrgang. Mit der heutigen Nniunlrr erhalte» nufere Vrjer die siinste Fortsetzung des Werkes: Die Mntniib bet Antifciiiilisiiuis, 3fvael’ unter den Stationen von Anatofe Leroy-Araukicu vom fx'imjöfifilk’u pnftilut. '.'Itii eintrettiidc Vlüouucntcu erhalten auf verlangen dir bereits rrflliirnenc» Fortsetzlinge» nachgeliesert. ^bi*iftlici7 Sociales aus (ßalisicn. (Crißinal=‘.Wittf)cilmt!] t>c# ,,^roion BlalicS Przr m flsl, I5>. Au»i. Der Abgeordnete von Brody, welcher vor einiger Zeit in einer ReichSrathssitzung ans daö Bcstimnitestk erklärte, daß der Antisemitismus in Galizien ei» »»bekanntes Ding fei, gab sich einer Selbsttäuschung hi». Die Anfänge einer christlich-socialen Bewegung machen sich da schon seil Jahr und Tag bemerkbar, und die bäitnisse begünstigen in hohem Grade ihre Entwicklung. Wohl ihnn sich die Polen nicht wenig darauf zugute, daß das -Jagelloncnreich stets ein Hort der Gewissensfreiheit gewesen sei. Aber stlbst das fdit» man mir mit sehr wesentlichen Einschränkuuge» gellen lassen. Reben dem Reichstage »ich der königlichen Gewalt machten sich immer mehr und mehr die bischöfliche» Synoden breit, und ihr Einfluß war oft viel stärker als jener der staatlichen Faclorcn. Wie sehr sie auf die Geschicke Polens bestimniend einwirklen, hat im Jahre 1S158 anläßlich einer Debatte.über die Beseitigung der mit den LiaalSgrundgesktze» nicht mehr im Einklänge stehenden Bestim niunge» auS dem galizischen Gemcindegejetze Dr. Franz Smolka in ausgezeichneter Weise kargelegt. Rach der Theilnng Polens hat die Idee der Gleichberechtigung dir Eonfessionen bei der »alionatpolnischen Bevölkerung umsoweniger Wurzel gefaßt, als der UalholsiiSnins zugleich daS Erilerium des Polevlhums gegenüber dem griechisch orthodoxen Ezarenrciche und dem protestantischen Preußen bildete. Die gesammle. polnische Literatur des letzten Jahrhunderts trägt einen vorwiegend katholischen Eharakter und ist selbst bei den hervorragkiidsten Schriftstellern von Jiiiolcranz gegen Andersgläubige nicht frei. I» der „Richtgöttlicheu Eomödic" von Siegmund Krafiiiski, in den „Büchern des polnischen PilgrrthumS" von Adam Mickicwicz. in vielen Dramen von Josef KorzeniowSki :c. findeir sich Stellen gegen das Judenlhum von einer Gehässigkeit, wie sie die modernen antisemitischen Schriftsteller Berlins nicht überbieten können. In den Sechzigerjahren war wenigstens die polnische Tagespresse sorgfältig darauf bedacht, in ihre» Artikel» Alles zu vcr ineiden, was den in der Bevölkerung vorhandene» judenfeiudlichen Gesinnungen neue Nahrung hätte zuführen können. Sie ließ nur bei jeder Gelegenheit an die Inden Mahnungen ergehen, sich dein polnischen Rationalismus anzuschließcn. I» diesem Bc>haltcn trat . aber nachher eine gründliche Aentcrung ein.'Wohl vei wahrten sich die polnische» Blätter bei jedem Anlasse dagegen, die Ausgeburt „preußischer Unduldsamkeit", de». Anti'kinilismuS, uachahm^n zu wollen; in der Thal-aber übte» sie praktische Raecst- und Evsi fessionshetze. So oftTrgend ein Grundbesitz in'die Hände cinjs Juden überging,, unterließen es nationale Publicisten nicht, diese Thalsache mit euer allerdings schüchternen levis iiola zu verzeichnen. Ohne de» Ruf Kauft nicht bei Juden!" auszustoßen, wurde» dennolih alle mögliche» Rathschlägc und Winke ertheist, die darauf lsinauSliefeu, daS Erwerbsleben der Juden einzu dämmen;, eö geschah aber iminer nur in verclausulirtcr Form. Erst in neuester Zeit legen sich die polnischen Blätter gar keine» Zwagg auf. Wohl stellen sie eS noch immer in Abredej die anti semitischen Zwecke fördern zu wollen, aber sie Haschen gierig »ach Allem, was geeignet ist,- die Abneigung der christliche» Bevölkerung gegen die Juden zu erwecken und zu verstärken. Sic reproduciren ohne Reserve die haarsträubendste» Meldungen Wiener und Berliner antisemitischer Partciblätter und schließen sogar solche Organe hievo» nicht auö, welche -nebst ihrem Antisemitismus eine ausgesprochene Polenfeindschaft u» den Tag. legen-. Sie n.hmc» auch keine» Anstand, judenfeindliche Rotizen gns russischen Blätter» wicderzugebcu. Gleichzeitig machen auch eiiizclne Abgeordnete, Bezirks- und Gcnieiudcauöschüsse, welche' im autonomen Leben Galizienö eine hervorragende Rolle spielen, auS ihrer antijüdischcn Gesinnung kein Hehl mehr. Sie gründen Vereine mit dem ausgesprochensten Zwecke einer Boycotlirung ' der jüdische» Mitbürger; sie nehme» an alle» Versammlungen österreichischer Reactionäre außerhalb GalizienS lhcil, welche zu Kundgebungen im Sinne der schon wiederholt nach Gebühr gewürdigten christlich socialen „Reform" veranstaltet werden; ja, sie'schrecken davor nicht zurück, die Bor »rlheitc, welche die Landbevölkerung-in religiöser- Beziehung hegt,' zu bestärken, nur um die Juden zu schädigen. Aber auch diese' Männer habe» in der Regel nicht den-Math, ihr Treiben offen' cinzubekenncn, eS beim rechten Rainen zu peiienncu, und nehme» zu d » hochtrabendsten Phrasen Zuflucht, »in daö Werk eenfesüoneller Unduldsamkeit und nationaler.Engherzigkeit als patriotisch ersprießliche Leistung hinzustellen. ES ist ein gefährliches Spiel, welches die Herren hier anfangen. Gefährlicher als anderwärts könnte die antisemitische Bewegung für ihre Urheber in Galizien ' sich gestalten. Jene Großgrundbesitzer, welche vor Ablösung des PropinationSrechtes sich mit 'den jüdischen Schaukwirlhen gewisser-' maßen solidarisch fühlte» und ein Int»resse daran hatte», daß die Letzteren einen möglichst hohen Profil heransschkagcu, erachten sich nun aller Rücksichten gegen dje Juden ledig und sind inden vordersten^ Reihe» thälig, wo es sich darum handelt, donselbeu die Exislcn; auf dem flachen Lande unmöglich;u machen. Adelig-, welche, wie dies in einer schwachen Stunde Einer der Ihren ver rieth, durch sogenannte „Portionen" die bäuerliche Bevölkerung in schmählichster Weise auöbeuteten, führen sitzt eine aufreizende Sprache gegcn „jüdische Wucherer". Geistliche »na Lehrer sccundircii ihnen auf daS Eifrigste. ' Die Herren mögen aber nicht vergessen, daß der galizn'che Bauer, wid ja die jüngste AuSwandcruugSbewegung iiach Rußland gezeigt hat, auch anderen agitatorisch n Eitlftüssea zugänglich ist. ES läßt sich nicht ermessen, welche,Wege er ci»- schlagen wird, wenn einstial sein Haß und iciuc Begehrlichkeit

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