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Freies Blatt · 1893-06-11 · 62 (11.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
62 (11.6.1893)
Date
1893-06-11
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Freies Blatt. ri'iff 8 (sdjiiirtlt den Adlwardtisnius ab!» Tie Lienrer „F »dklis rage" fordert die Antisemiten in Lesterreich ans. dcn Ahlwardtismns abzuschültel». Lie ist namentlich aut den österreichische» Ablwardk, den Piechaniker Lchneider, schlecht 'precheii. Leine von Gregorig u»lerstül?teii Angriffe ans den Deutsche,, Lchutvereiu in der!>vie» Lession de« nikderösieireichifchen Landtages werde» von ihr,, nachdem sie ihren antisemitischen Rücksichten durch eine kurze Beine, knng »der dcn angeblichen jüdischen Einfluß, nntcr welchem der Lchulvcrein stelle. Rechnung getragen hat, wie folgt gewürdigt: „Erstens tonnte man da unter der Maske des Antisemitismus rumoren und von sich reden machen, und dann qe'chad da? im Inieresie der tschechisch feudal clericalen Partei, der sie aiigebörcn. Tic Clericglei, faben in dein Teuischen Lchulvcrein einen Coninrieutc» deS Xakholi'chen LchnIvercinS, die Ezecheii ein Hindernis? der Czechisirnng und d:e ,feudalen einen poliinchen Gegner. - Herr Lchneider ist aber Agent nnd Agi'alvr dieser Partei. Lange vor der antisemitischen Bewegung war Lchneider alS solcher Agitator ibälig, >md mit allen clericalen Vereine» halte er Verbindungen. Er ist'aber auch Agent der tschechischen Aristokratie, wenigstens von einen, Tbeil derselben, und wir glauben auch, daß, diese Aristokratie-den AgiiattonSkondS dcs Herrn Lchneider speist. Eine solche Agitation kostet ja viel Geld, er innß Weil,enge besolden, bringt eine Zeitung Berichte Über seine LKangkeii, io ,»»ß er sich solch« Rnniineru an>chane» und verbreiten, n»l den Leuten damit die Augen auSzirwischen. Andererlcils muß inan wieder anneluneu, daß die tschechischen Cavaliere daS Geld nicht umsonst hergeben, sondern dafür eine Gegenleistung-wollen, und die. besteht nicht allein in der Bekämpfung des .politischen Gegners, sondern auch dcs »atioualcii, hier-'d^s deutschen. Wenn man daher die Thärigkeit des Herln Lchneider und seine iinnicrwährcuden Reisen nach Böhmen verfolgt, >'o wird man ihn mehr an der Leite der Tscheche», höchstens iioä' bei cleiicalen Teut'chen sindeii. int Verkehr mit wirklich Leutschen trifit nia» einen Lchneider nie an. 'Tie Bekäinpsling des TeulichcnLchulverei,!» ge'ch.ib daher nicht vom deutschen Ltandpunkle aus oder im Interesse der Tenlichen. sonder» im Interesse der Tschechisch Elcriealen — der Antisemitismus ist »nr'eine Maske. Jedes deutsche Blakt hat daher die Ausgabe, ein solches Treiben zn bekäinpsen, nniioweniger darf man dasselbe uiilerstiitzdn. Wir glauben in Tentichland hak man mit dem AhlwardtisniuS reichliche Erfahrungen gemacht, aber Alles, was mau Herrn Ablwardt jevt von antisemitischer Leite zinn Bor ivurse macht, ist in einem viel größeren Grade bei Lchneider und seine» Iren,iden zu sinken. Wir haben gleich vn Anfänge wegen Herrn Ahlwardt eine große Zurückhaltung beobachtet, weil wir voranssaben, was da herauskoninicn ivird und Kerauskomme» muß, weil wir eben logisch denken. ... Wir l auen süelegenbeit. uns bei der Iiideiistinikn-Bro'chilre zu überzeugen, wie leicht sinnig da Herr Ablivardk vorging daß er nicht einmal 'einen Begrisi halte, voy der Materie, die er behandelte. Lo hieß cs. daß er einen Brief aus Lleyr erbauen habe, worin ihm gesagt wird, daß die Ltcnrer Waüen'abrik mit der iiauenjschen Regierung eine Lieferung von Gewehren, das Ltück zu 62 Lire, abgeschlossen habe. Run ist das gar nicht wahr, denn tieier Preis wäre circa nur das Triuel von dein, was bisher die Repetirgewebre kostclen. Von dcin- 'e.ben Äugenblicke an" war unser Uciheil üd-r Aolwardt schon gebildet. Tas l auen aber auch andere Leute recht gut sehen und daun die logischen Folge» berechnen können. Würden wir damals schon ans die Folge» des Ahlwardt Rnmniels ausmerksam geinacht haben, io würde man über uns wieder so bö>'e aenwrdeit 'ein als 'ruber, wenn wir vor großen Fehlern warnten.... Tie anti 'enittt'che Bewegung muß auch in Tistcrrcich de» AhlwardtisinnS abschütreln, 'dt 'i schüttelt der Ahüvarttisiniis di' Bewegung ab, das beißt, wenn man die c- .regnng ganz ansgebeuter „nd tiscrcdiiirk hat, so schlüp''cn unsere Ahlwardliner . ..s clericale Lager und schimpfen am ärgsten Uber den Radau Aniisemilis i den toll, Riemand wie ne selbst betrieben hat." Tie Alilisciniien können,! .: t'rdn ir:r, allenfalls einen Ahlwardt oder Lchneider abschütkeln, den Ahlwardtis- -nu t ab.-r nicht. Er ist mit der ganzen Bewegung io verwachsen, daß diese ohne | :: nach: t dt! kann Wurde die „Ittdensrage" wirklich so logisch denke», wie sie j 'ich d-ssn nu, v müßte sie cinsehe». daß die Worte: „Lchüttelt de» Ahl-! :.a dtisntüs ad'", w.-.chc sie an die Antisemiten lichtet, einer Äiisfordcrniig znm j Le.chsttno..'.- :: nunev! Zur Wahl Luegers iu den Ltadtratd, Alle Antiitniilenblätter, von ‘ : . .->i r zum „Grazer Tagblatt" herunter empfinden : Fi.. dt : t :: -ich lener Wiener „Fortschrittsmänner", welche . ‘."'.‘t -,ii L:id:.atlsst>ne verhol',-»'. baden. Auch Alles, was deuifchfeind -:ch ist. uz', lt di./.ber Lc -'chreibk ans diejein Anlane der lirakauer „CzaS'l- - ,.T: Epe che der G:::::a-.t-.>'aricn und des confe'nonslo'tn Liberalismus ist vorj Nr. 62. über." Selbstverständlich ist die Prager „Politik" ebenfalls-damit ztlsrieden, daß Freund Lueger einen guten Posten erhalten hat. Gegner des Deutsch ihttinS in Lestcrrcich sympathisiren stets mit den Antisemiten, und sie wisse», warum sie cs thun. - lAntisrniitischc Rohheit.) Tie antisemitische, der Richtung Licbernian» von Loiiiicnbergs angehörige Zeitung „Die Lstwacht" in Breslau hatte sich die Geschmacklosigkeit eilaubt, hon dein berühmten Afrikasor-cher nnd Lolonisator Einiu Pascha zu schreiben: „Ter Colonial- und Elfenbcinjiide Schnitzer, ge »aiiut Enii» Pascha, der im .Berliner Tageblatt' schon Xmal gestorben ist, ist von diesem Blatte nochmals zui» Lebe,/erweckt worden " Die» veranlaßt denn selbst den conservatlv antisemitischen „Reich»boten" zu einer hartenRepriinandc; er nennt, das Vorgehen der „Tslwacht" eine „Rohheit" nnd sagt: „An der Wahrheit) daß dieser ,Eolo>iial- und Elsenbciiijndc' nach Wesen und Verdienste» mehr wiegt, als alle Ahlwardt», Pickenbachs, Schwcnnhagens und Böckels ziisaniineii genoininen, wird duich solche Geschniacklosigkeilen eine« politischen Fanatismus »ickiis geändert." Nur jammerschade, daß die gute Ein sicht der Tivoli-Antisemiten immer so rasch wieder in Brüche gcrälh. lIildciifkindschaft vor Allem.) Tic „Tägliche Rundschau", gegenwärtig eines der wülhendsten Antisemitenblätter Berlin», schreibt in einem die Reichslagsmahle» behandelnden Artikel, „daß alle jetzige» Parteien zusammen mit erbärmlicher Feigheit das deutsche Gewisie» an daS Iudenthuni und den jüdischen Geist verralhen haben". Alle ,.Bundesgenossen" müsse inan für einen Haiipt'chlag sammeln, daß das Gicichbcrechtigungsgesctz vom Jahre 1869 wieder aufgehoben werde. Auch den Landwirthschaflscandidaten oder Handwcrkercandi. bitten müsse cingeprägt werde», „daß der L-ählcr Zudenseindschast von ihn« fordert und nicht im Denken und Empfinde» bloß, sondern ganz frei heraus auch in Tbalen, zuvörderst durch die Aufhebung dcs GleichberechtigungsgesetzeS". Lo viel „zuvörderst"; iva» will die „Rundschau" nachher'? tAiltiscmitismiiS »nd Prcnßrnfrrsscrci.i Ein bayrisches Antiseiniteiibjäticheii bringt folgende Verse: - Wirs ihn 'naus den Inden Itzig, Weil er is heut gar so hitzig. Arrogant nnd naseweis, Wie der Brndcr Mosjö Prenß. Briefkasten. T., Wir», Vl :. „Tie geriiicmische Volksbühne" zeigt, daß die Herren, ivelchc io lange daS „Christlich" in den Vordergrund schoben, nun die „palästinensiiche" AnschailungSweise durch die „nordische" ersetzen wollen. O, ivenn daS der znin Christenihum bekehrte Pchrlitzer erlebt hätte! G. <6., Wik», XVI: Ja wohl, wiser GewührLinanti verlegte irrthünilicherweise einen Vorfall, der sich in Gersthof abspielte, nach WeinhaiiS. R. und C. W. in Rrichenbrrg. Run ist Alles in Lrdining; Ihr. Äboiinenient endet :K». April 1891. Lassen Lic sich durch die Bandschleise nicht beirre». Ist. (*., EzrrnowiN: Ter Gcscllcnvercin in H. und dessen Vorstand erfreuen sich eines guten Rufes und hallen sich von allen Umtrieben fern. Zur gefälligen Beachtung! Tcr crftc Zahrstanst dcs „Frcicn Blattcs" ist durch unser Bnrcan stcqcn Einscndilng dcs hcrabgcscyte» Preises von ö. W. fl. 1. oder 2 Krone» (statt ö. W. fl. 2.ä0 oder ä Kronen) zn beziehen. Wir erlauben uns darauf anfincrksain;» machen, das) wir . bei Ueberscndung von Abonnciueittsbeträgen zwar Postinarkcn, nicht aber Stempel au (^cldcsstatt annchmen können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Vlbonncments-Aumeldilngrn als stieclainationen Name und Abreise (besonders Lrt und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der il!agc sind, eine Perautwortnng für nichtbestelltc Exemplare zn nbcrnehme». Die Administration. Beitritlserklarungen znin „Percin zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgcgengenoininen im secretariate deS Vereines, Wien, I., Pariscrgasie 4. - Avonnrmentsanmkldnttgkn auf das „Freie Blakt" »i»»»t die Administration, Wir», I., Seilerstätte tt), jederzeit entgegen. Gbendaselbst werden auch einzelne Rummcrn abgegeben. Probenummern zur weiteren Bcrbrcitung des „Frcicn Blattes" wrrdcn Gesiunuligsgenossetl aus Verlangen brreitwilligst zur Brrfiignug gestellt. HtrauSgiöer und ue.-aativartlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Truck von Eh. Reißer & M- Derthner, Wien.

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