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Freies Blatt · 1893-05-28 · 60 (28.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
60 (28.5.1893)
Date
1893-05-28
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Freies Blatt. beite 8. Aus antisemitischen Blättern. (Tie „inofficielle Judenschutztruppe") Tie dem freisinnigen Politiker Tr. Weitloi, der zugleich Obmann des Diiilschen SchulvereiukS ist, von Seile unseres Abwehrvereines zutbeil gewordene Ehrung hat begreiflich die Antilemiten arg veistimmt. Wenigstens die socultaiivc» Antiiemiien haben de» Periuch noch immer nicht aufgegeben, diesen großen — wenn man de» „reinen" Amisemilen glauben wollte, bloß aus Inden bestehenden Verein zu einer AgiraiionSgrnppc lür Sleinwender und seine Anhänger zu machen. Mit diesem Projecte karmonirt nun der Umstand sehr wenig, daß Tr. Wcitlos Ehre» Mitglied der . Zudeiiichutztruppe" ist. Tie „Nationalen Blätter" benutzten daher den Anlaß der am Pfingstmontag in Teplitz stattgehabten Hauptversaminlnng der Teul'chen Schulvereines, um die Mitglieder gegen Tr Weitlof anfzuhctzen und schlankweg die Entfernung desselben von der Leitung de- BereineS zu iordein. Trotz allem guten Willen erreichte» die „Nationalen Blättchen" ihr Ziel nicht, da sich unter den Theilnehmern des Trplitzcr Festes lei» einziger fand, der den Muth oder die Absicht hatte, Tr. Writloi im Sinne der Herren Steinwender Sueti zu interpclliren. Aber iiiibefragt erklärte Tr. Weitlof in nicht mißzuverstehendcr Weise, daß er jede Einmischung in «eine persönliche Ucberzeugung als Politiker entschieden zuriickweiscn und von dem Schulverein als einer ausschließlichen Stätte für opferwillige nationale Arbeit jeden poliwchen Hader fernhallen wurde. Taß nnnmehr der Teut'che Schnlverein von dem „Teutschen Volksblatt" die „inofficielle Fukenschnyiruppe Oesterreichs" genannt wird, ist die alte bekgnntc Taktik der Anwemiic», Alles, was sich nicht ihrer Ticlatur fügen will, als jüdi'äi oder verludet hinzustellen. i„Rcvollltion gegen Altar uud Thron.") Tie Anlisemiienpresse ist auf Ungarn seblecht z» svrcchcn und »imml keine» Anstand, dasselbe einer schleichenden „Ncvoiulion gegen Tbron und Altar" zu bezichtigen. Tabei bedient sie sich der unvcriebämlcsten Lügen. So schreibt der Pienner'sche „Bo lkssreuu d"j nachdrm er des Honveddenlu al« eiiräbui. Folgendes: „Nimmt mau dazu noch, daß das Ministcrinm Wekerlc sich um die Unterstützung seines kirchenfeindliche» Tulturkampsprogammls bei .dem Todfeinde des HameS Habsburg und Oesterreichs, bei dein Erzrevolutionär diofluih beworben hat, ja daß sie ihin eine lebenslängliche Nenie von fl. ausge'etzi haben soll, dann muß mau zugebcn, daß die Tinge soweit gedichegi^siud, daß die offene Revolution nicht mehr weit ist. Alles dies aber geschieht. nur über Wunlch und zu Gefalle» des in Ungarn all mächtigen FudenihumS und der inilverbündeteil Freimaurerloge. Und die judculiberale» Xreiie in Oesterreich, die so häufig mit ihrer Kaisertreue zu flunkern die beispiellose Frechheit besitzen, töldern und »iinpalhisircu aufs Wärmste mit dieser schleichende» Revolution gegen Thron und Altar." So viele Worte, so viele Lüge» Tie Geschichte von -lossulh's. Unterstützung ivnrde selbst von dem Ridaeteur ie»eS Blattes, dao sie in Budapest gebracht halte, öffentlich alS eine unwahre bedauert. Müßte P'enner diese Lüge» vor Gericht verantworten, so lbäte er ivahricheinlich wieder sehr harmlos, und der verlcninderische Tenuueiaut wäre nicht «u ermitteln. t ,Zur Gkjchickle dcs „dtutschnationalrn" Autiskmiiismus in der Ostmark » Tie „Oesterreichsiiche Landzc itu n g" bringt folgende Miliheilungen ans Straß „Am Christi Himmelfahrlslage kam Herr Schönerer i» Gesellschaft eiticher Freunde i» Herrn Schienerl's Gastbof Kaum halte sich von Mund zu Mund die .stunde von diesem niivrrmnthele» Besuch hier verbreitet, als schon Alles, was Beine batte, herbeistiönile, »m den gefeierten Bolksmann von An gesicht zu Angesicht zu kehcn Bald war der Saal bei Schieneil dicht gefüllt. Schönerer war denn auch sichtlich erfreut, daß die (»ackeren Slraßer, trotz der dumrnen Zeilungsickmierereien, doch noch auf ihren Schönerer was Hallen. Er sprach mit dem und jenem über dies und daS, was de» Leuten am Herzen liegt, »ich daß er dabei immer den Nagel auf den stop' straf, dar sah man Fcdem, mit den, der praktische Mann der Thar worlwcchielte, sofort an der Miene an. Leider verließ uns Schönerer viel zu früh, doch ist es geiviß, daß er.auch in dieser kurzen Zeit io manchen neuen treuen Anhänger erwoiben bat." Mil Miltbkiluligen, die ebenw wie die voranstehende von Eigenlob dnflelen, übeischwemmte einst da4 Zwenler Preßbnreau die „judenliberalen" Blätter. \ XirV ließen sie in den Papierkoib wandern, und dieser Umstand trug Haupt sachlich dazu bei, den „teul'chuarionalcn" AntifemitisinuS in der Ostmark Kerroiziirli'en. Nr. 60. I>. (Tie „Unverfälschten" über Schmerling.) Au» «rem« wird un« geschrieben: Man mag über Anton v. Schmerling, seine Ideen »nd Schöpfungen dieser oder jener Ansicht sein. Eines steht fest: in der Geschichte Oesterreichs hat der verstorbene Staatsmann eine bedeutsame Rolle gespielt. Welchen Nekrolog wird ihm aber da» Blatt zur Berherrlichung Georg Schönerer'« widme»? Nach Allen,, wa« die „Unverfälschten" bisher geleistet haben, dürsten sie i» der nächsten Nummer schreiben: „In der Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde Schönerer'- vor dem Obersts» Gerichtshöfe führte Schmerling den Borsitz." Ta« Frankfurter Parlament, das Institut der Juri), die Februar Verfassung rc. — sind Lappalien, die Hauptsache bleibt Schönerer. «Zur Wahlbrwegllvg in Ttutschland.) Dar Wiener Organ zur Pflege de« AhlivardtismuS läßt sich aus stöln, derzeit der Residenz eines so friedliebende» stirchenfürsten, schreiben: Die katholische Geistlichkeit sei cS müde, sich in der „Judenfrage" von den protestantischen College» den Rang ablaufen zu lassen, zumal sie bei längerer Passivität in antisemitischen Dingen leicht de» Einfluß aus die Wählerschaft verlieren könnte. Inzwischen erschien aber der Wahlaufruf dcS deutschen CentrumS, enthält das bei dieser Partei selbstverständliche Bekenntniß zu illiberalen Anschauungen, jedoch keine Spur eine« Tivoli- Programms. Tie „reinen" Antisemiten sind in steter Fehde mit ihre» nach dem „Tivoli" bcnannte» Verbündeten. Letztere wollen die Gunst der obersten .greise erringen, weise» darauf hin, daß Stöcker'S „Volk" zu sei,ic» fleißigste» Leserinnt» die regierende deutsche Kaiserin zähle, daß Heinrich Oberwinder, ehemal« Wiener GeschäftSsocialis» und gegenwärtig Berliner Geschäftsantisemit, von «aiser Wilhelm begnadigt worden sei, nachdem ein kaiserIicher"Adjnta»t den Sachverhalt „dargelegt" hatte ». s. w. Alle diese Hinweise bezwecken, für die Militärvorlage Siimmung zu mache». Ei» Theil der Tivoli-Antiseniiten billigt die Bekämpfung.AHlwardt'S durch einen Gegencandidate», als welcher in letzter Zeit der famose Landralh v. B o rn stedt genannt wurde, und tadelt namentlich jene antisemitische Richtung, welche „sogar de» Gott deS Alten Testamente« und die christliche Kirche in ihrem Glaube» bedroht". — Tie „reinen" Antisemiten erklären, daß sie „keinen AntisemitiSmnS von Gotte« Gnaden", anstreben und nicht nach dem Beifall hoher Persönlichkeiten auSblicken; die „Westfälische Reform" schreibt, derzeit müssen die Anlisemite» die Militär- Vorlage ablehnen, zugleich aber solle» sie ihre „Erbötigkeit" bekunden, „ans Grund einer Neufassung der Vorlage und ■ unter Voraussetzung von resorinerischen Compensatione» und annehmbare» finanziellen Tcckungsmethode» die so veränderten Regiernngsvori'chläge eventuell gelten zu lassen". Briefkasten. H. A., Wirn-Tobling: Ihr Abonnement ist schon mit 31. März abgelaufeii. Tr. Sch„ Salzburg: Besten Tank! H. S.» Lodzow: Für NN» leider nicht ■'geeignet, da wir uns auf unsere Abwehridee beschränken müssen. College», Warschau: Tankend benützt. Zur gefälligen Beachtung! Ter erste Jahrgang des „Freien Blattes" ist durch unser Bureau gegen Einsendung des herabgesetzten Preises von ö. W. fl. 1.— oder 2 Kronen (statt ö. W. fl. 2.50 oder 5 Kronen) zn beziehen. Wir erlauben uns darauf aufmerksam zn machen, daß wir bei llebcrsendung von Abounemeutsbetriigeu zwar Postmarken, nicht aber Stempel an Geldcsstatt annchmcn können. Ferner ersuchen wir dringend, sowohl bei Abonnements-Anmeldungen als Reklamationen Aame «nd Adresse (besonders Lrt und Post) leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der Page sind, eine Berantwortung für nichtbestellte Exemplare zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Berlin zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommen im Sekretariate des Vereines, Wien. I., Parisergaffe 4. At>»«nement«antnrlr>unge» auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I., Seilerstätte 10, jederzeit rutgegeo. Ebendaselbst werden auch eiuzclne Nummern abgegeben. Probenummern zur weiteren Berbreituug des „Freien Blattes" werden Gesillaungsgeuofseu aus Berlaugen bereitwilligst zur Bersüguug gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Th. Reißer & M. Werthner, Wien.

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