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Freies Blatt · 1893-05-21 · 59 (21.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
59 (21.5.1893)
Date
1893-05-21
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite VIII. Beilage zum Freien Blatt, «vraan zur Abwehr des Antisemitismus. foiniiit, mag der Israelit in Pari? und London ignoriren. erlu’llt daran?, wie irrig unsere Borttellung, welche die Juden für i» alle ifiuigfoit an den Talmud, fein Rituale und feine Grund' regeln, angefchmicdel hält. In Wahrheit in die Herrschaft de? Talmud im schwinden bcgrinen, und die Zeit naht heran, wo für die meisten Israeliten die Müchna nur mehr ein- Tcukmal der Allcrthum?kunde sein dürfte. - vielleicht wird die? bereit? in einem oder zwei Jahrhunderten der ,vall sein, ^jion jetzt behauptet der Talmud feine ganze Macht " nur mehr in jcndii Vändcrn, wo Gesetz und Litte die Pcrcinsamuug der ^uden noch aufrechterhallen. Zumeist wird die jüdische Au?- schliesüichkeil durch jene der Christen erhalten und dadurch die Herrschaft de? Talmud verlängert. Selbst im 'Trient-, in Rnmünicn, in Rußland in mit jeder ü'cneralion die r'lnzahl der Juden, welche sein Zoch abschütleln, im wachsen begriffen. «F? hat sich bi? unter den argneir Fanatikern, den iFhanidim de? Reu >iabbali?niu?, ein Leider stand gegen die Ueberireünmgcn de? talmndischeu Ritualicmius geltend geuimkn. Wa? den Westen, Frankreich. «Fugland, Italien, den größeren Thcil Teulsckiland? anbelangt, so kennen dort die meisten Juden den Talmud nicht. Man erkundige sich doch bei seinen israelitischen Bekannten nach deren Talmud Wissen. —. Rh wa?! We ''ollen wir denn den Talmud nndirl haben? wird die Antwort lausen': weder ans dem vueeum noch-auf der Hochschule har man i!>n un? gelebri: aus unseren Vchrvläncn >sl weder Raum »och Zen '..r ilm. Haben Sie etwa Thonia? von Aguiu gelesen? Run a!>'>'! Ter Talmud '.ü für die Rabbiner, die „Summa tlu-fl«»i''i;n-_ i »nr di> R'arrer. Xlagen doch die Altglauber im Crinit über den j Berkall der Talmndsiudieu selbst unter den Rabbinern. „>iaum die Miü-tnia kenueu »ie-." äußerte zu mir geringschäl-ig rin junger - ..Talnnd". der runlschen Judeuschast. Mag d:e geschichtliche Bedeutung der Talmude noch so groß sein, di? Judeulh.im in nicht daran gekettet. Weil e? während fünszelm I mrlmiiderleii erstarrt geiorseu, erscheint e? un? unwandelbar. Ta? in noch lein «"'rund. «Fy in durchau? nicht yi ewigem «Fingewu-kell s< ln in den Berganieuibläuern de? Talmud verdammt. Vangc Zeit die engnerzigste und in der Formel versunkensic Religion, kann c? s«ch.;u>- entwicheln. Und e? neigt dazu. Teil Israel? Fall >::> Stillstand, rülnut e? 'ich doch die Forln.-hreiteiicnre aller Religionen, die wenig'! im Ritual Besaugene. Umbildungcnähigste zu sein. «F? bar nch die .Neuen an seinem veibe selbst geschmiedet, aber diese sind nicht mit seinem Fleische verwachsen, e? kann'sie zerbrechen oder abslreifen. «Fm vgar Taluiudnellcn sind zur Berdaminuug de? Judculhum? nicht Hinreichend, welche Religion ertrüge eine derartige Zergliederung? „ Selbst die inagdliche Reinheit der äirisilichen Moralbestünde nicht. «Finige der Mischna oder der »'emara cntnoiuniene Vehrsprüche l.est'rn ebensowenig einen Bewei? für die Berdcrbniß der jüdischen Moral al? ein vaar Au?sprüche der .stastiistiker eine «newisseu? enlannng der statholiken darlhun. Ter hinterlistige Fallen und Schcingenkrieg, der sich dieser Schulwaffen gegen die Juden bedient, in eine-Sampsweise der Botemiker, kleinlich und pedantisch zugleich: bi?weilen habe» sich auch die «Fhristeu mitsolchen Wasfep bekriegt. Ter Jude brauchte zu seiner Bcrlhcjdigung sich einfach auf den .stalboliken gegen dön Protestanten, auf den Protestanten gegen den .starliolikeu, auf Beide gegen den Orthodoxen;u berufen. Leit Jahrhunderten in in allen Sprachen"') da? „Judeiithum enthüllt" i Tas Werk ^risenmrngcr's: „Entdecktes Judeiithum" (XonigSberg 1711) boi mit 'Beginndes Will. JahrhnndertS eine derartige Zusammenstellung der Albernheiten une Wunderlichkeiten, die man im Talmud beanstanden kann. Ein von Reuchlin >'einer;eil bekämvster Renegat, P'eüerkorn, war übrigens Eisenmenger schon im XVI. Jahrhundert zuvorgekominen. worden: wie viele Seitenstücke gäbe' es dazu von „enthülltem Papiomus" und „entlarvtem Protestantismus" feit drei Jahrhunderten! Mit Hcrvorbringungen von solcher Marke hat gewöhnlich die Wissenschaft nichts;u schaffen. Ob jüdisch, ob christlich, die Werkstatt, der sie entstammen, kommt nicht in Betracht. Will man aus Reformlehren die unsittlichsten Beweissätzc. gewinnen, so hat man nur gewisse Sprüche der Reformatoren auszupresseu. Deutsche Theologen haben dies cingcstanden; 3;>) wollte man die Schriften Vuther's behandeln, wie Rohling :!") und seine Rachcifcrer den TaUnud behandelt haben, man lieferte mühelos den Beweis, daß da? Vutherthum nicht? als ein Gewebe von Albernheiten und Rohheiten sei. ”rT) Eine Religion oder Vrhrc läßt sich eben nicht nach verstümmelten Tcrtstellen oder vereinzelten Sprüchen beurtheilen. Allerding? haben die Gegner des Ehristcnthnm? — und darunter gewisse Juden — diese Methode ohne'jcdc? Bedenke» auf die «iirche, das Papstthum, die geistlichen Orden angcwendct. Taugt jedoch ein solche? Berfahrcn wenig gegen den .«iatholici?»!»?, so ist c? gegen da? Judenthum nicht mehr werth. Vasseu e? die Christen für den Talmud zu, den Riemand für inspirirt ausgibt, so müssen sie cs auch für die Bibel gelten lasse», deren Autorität «Fhristcn und Juden anerkennen. Tie Bibel komint bei solchen. Angrisscn nicht allemal besser weg al? der Talmud. Gewisse Antisemiten konnten sich'? nicht versage», au der Bibel ihr Müthchen zu kühlen, und vergaßen dabei, daß man beim Zielen nach dem Juden durch die Bibel hindurch Gefahr läuft, Fhristu?;u treffen. Diesen frommen ü'cgncru Israel? kommt e? dabei ui>hl in den Siun, daß ihnen bei',solchem Wasfcngaug ein berühmter Fechtmeister zuvorgekominen ist. Hat nicht Boltaire, der große Spötter, vor ihnen erklärt, „kein Bolk habe jemals abscheulichere Sitten gehabt, al? die Juden!" Trägt nicht irgend, ei» «Fapitel bei ihm die llcberschrift: „daß da? jüdische «besetz da? «Finzige auf der Welt ist, welche? Menschenopfer vorgcschrieben"? Jene Anlisemiteu, welche da?stlbc noch nicht kennen sollten, seien hicmil darauf aufmerksam gemacht, freilich, wen» Boltaire solchergestaltden Juden und der Bibel zu Veibe ging, wußte er, wen er damit meinte. «F? gebt den Religionen wie den altehrwürdigen -stirchcn an? Stein und Marmor. Während drinnen die Beter aus den Steinplatten auf den »iiiicen lagen, war draußen ring?um Vebe.n, Spiel, .stampf, der bi?weileu bi? in die Hallen selbst sich fortsctzte. In manche .«iirchc drang >irieg?volk ein und wandelte die Glockcnlhürme in Truhthürme, die .«iirchcnschiffe in Jenungen uni. Wa? ist da (Frstaunlichc?, wenn ihre Blnuern noch die Spuren der gcgcil sic gerichltlen Sturmangriffe tragen? So itt'? mit den Religionen. Sic haben ebensowenig Jahrhunderte überdauern können, ohne von deren Berührung besudelt zu werden; auch sic sind bi?wcilcn in Fitadcllcn und feste Burgen umgewaudelt worden; entrüsten wir un? nicht, wenn ihnen hie und da noch Blut- und Schmutzflecke ailklcbcn. (,>orlfe?u„g folgt.) ,1 •-"i?o, M. a- TclilZ'ch, Professor tcr Theologie an der beip;iger Universität, „Noliliugs Talinukjude beleuchtet", in» Russische unter kein Titel: „Slovo pravdy o/Falmiiiljo“ übersem. Tr. Rohling, Verfasser de« „Ter Talinutjute" (Viiinchcn IS76). Gegen tiefes neucstcns in Frankreich nachgeahintc Werk ist seitens eines Wiener Rabbiners, Tr. Bloch, ein Proecß angestrengt tvorden, durch welchen die Unrichtigkeiten Rohlings erwieieil tvccrten. Liehe: „Zur ZZutenfrage »ach den 'Acten des 'proccsies Rohling-Bloch" von Fof. tiopp: Leipzig, Jul. .«tlinkhardt 1886. *’’) Tie katholischen Polemiker haben übrigens den Beweis inehnach sowohl bezüglich Ealvin's als Vuther's geliefert. Ich führe u. A. an: „La Vie <le Luther“ und „La Vie de Calvin“ von Aubin. 3S) Böltairc's Werke, Ausgabe von 177», Band XXXVIII. Man abonnirt das ftreif Blatt in der Administration, Wien, I., Scilcrstätte 10. Abonuementspreis: ganzjährig ö. W. 2 fl. 50 fr., halbjährig 1 fl. 25 fr., vierteljährig 05 fr. -------4--- Heevusgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. —DruL von Eh. Reißer L M. Werthner, Wien.

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