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Freies Blatt · 1893-05-07 · 57 (7.5.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
57 (7.5.1893)
Date
1893-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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/ ■4* Freies Blatt AbonuemenlSprelS: SanjjSlnig mit Poslzuskudung . . fl. S.ru. Halbjährig fl. I.»L. Birrtrljährig fl. —.05 Einzelne Nummern 4 kr. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. sredalno» »„t> «iDmiiüfuatimi: ----- Dien Erscheint an jedem Sonntage. l. Seiu-rstüttc 10. Nummer 57. Wien, 7. m\ 1893. II. Jahrgang. Caritas et Fax! „Nächstenliebe und Friede!" Unter diese» Wapp>nsprnch jencö walirr» Fortschrittes, welcher die Menschheit;» immer reineren Höhen emporführen soll, stellt ein französischer Publicist ersten Ranges sein in hohem Grade zeitgemäßes Buch, dessen Anshängedogen vor uns liegen. Der Autor ist kein Geringerer als Mr. A n alole Ler0y- Bca»1 i cn vom französischem Institut, ein älterer Brndcr des berühmten Rationalökonom.'n. Sein Bnch führt den Titel: „Israel eliez les nations“. Analoie Lcroy Beanlic» steht heute im 52 Lebensjahre. Seine Schriften über die Politik d S zweiten Kaiserreiches, in welchem er politisch und literarisch wurzelt, seine kritischen und geschichtlichen Essays über die Revolution ' und den Liberalismus, sei, e geistvollen Studien über Papstlhum, Socialisinus und Demokratie, und nicht zum Letzte» sein großes Werk über das Ezarctireich und die Russen, die Frucht gewissenhafter Forschungen und auf mehrjährige» Ausenlhalt im Lande gegründeter Beobachtungen, habe» in politischen und literarischen Kreisen berechtigtes Anfsehe» erregt und den Raine» des Verfassers weit über die Gren-en seines Vaterlandes hinauSgclragen. Und fein iiknesteS Bnch ist wohl geeignet, diesen Ruf weiter zu beflstigen und zu verbreiten. Stellt sich dasselbe schon für den flüchtigen Leser als ein wissenschaftlich vertiefter, werthvoller Bei- ' trag zu Ursprung, Wesen und Geschichte des Antis miiismnS dar, jo muß der voruriheilsfreie Kenner, der sich mit d>m Werke eingehend beschäftigt, alsbald vir Ueberzcngnrg gelange», daß hier geradezu eine publicistijchc Th.rt auf dein Gebiete der psychisch.» Senchenforschung vorliegt, deren Ergebnisse in den weitesten BevölkernngSkrcisen verbreitet zu werden verdienen. Wir glaubten, daß daS „Freie Blatt", welches sich die Abwehr und Bekämpfung einer der beschümendsten, schmachvollste» Krankheit? - eischeinnngen der Volksseele in dieser Zeit zur heiligen Aufgabe gemacht hat, wohl berufen, ja verpflichtet sei, hier die Vermittlerrolle zu übeLnehincn. So haben wir denn kein Opfer gescheut, um von der Pari'er Vcrlagsfirma Ealmann Levy das ausschließliche Ulbersctznngörecht des Werkes „Israel chez les nations" für Oesterreich linear» und Deutschland -zu erwerben, ynd werden das epochemachende Werk des französischen Publicisten in wortgetreuer, sorgfältiger Uebertragung in allwöchentlichen Beilnge» von der nächsten R'ummer ab den Lesern des „Freien Blattcö" zu bieten in der Lage sein. Der Vertrag'verpflichtet uns;»m Wortlaut ohne, jede Abschwächuna, Abänderung, Auslassnng oder Enlstcllunzs des französische» Textes. Und wir werden diese Verpflichtung gewissenhaft einhaltcn, sollten sich auch die Ansichten des berühnilcn Herrn Verfassers nicht allemal und in Allem genau mit den in unserem Blatte vertretene» decken. Für unsere Leser ergeben sich etwaige Vorbehalte von selbst. Blicken wir doch trotz Allem zukunflsfroher hinaus als- Herr Leroy-Beaulicu, der, von düsteren Zweifeln hcimgesucht, in die kranke Zeit schaut! So vermögen wir vor- > nehmlich nicht der Ansicht zu sein, daß der AnlisemilisniuS „vitllcicht I noch daS XX. Jahrhundert überlebe» könne", sondern Hallen viel« mehr, auf die Diagnose anderer geistiger Epidemiologen gestützt, an dem Glauben fest, daß diese psychische Kranlheit in nicht allzuferner Z.eit erstorben sein dürfte, wozu unzweifelhaft das vorliegende, so dankenSwerthe Werk sein Verdienstliches beigetragen haben wird. Mr. Leroy-Beaulien spricht — wie er in der Vorrede deS BucheS erklärt — als Christ und Franzose und verdammt in dieser Doppeteigcnschasl die anhisemitische Bewegung. Als Christ, weil der Geist der Undnldnng dem Wesen des Ehrislenihums aufs Tiefste widerstrebt, alS Franzose, weil er Dir heiligen Ucbcrzcugung lebt, daß Frankreich um k.incn Preis seiner Ueberliefceung von Gerechtigkeit und Freiheit untreu werde» könne und" dürfe. Sein Standpunkt ist der französische, gleichwohl muß ihm das Per seine» LandSleul.n nicht allzu häufige Verdienst' vollauf zirgestaiiden werden, daß sein Horizont durch seine» nationale» Standpunkt in keiner Weise^cingeengt erscheint. "Er gehl gründlich vor, Schritt für Schritt, um auf den sittlichen Kirn der Frage zu komme»; er faßt sie kübl, kühn und scharf von Frei Gesichtspunkte», dein religiösen, nationalen, socialen. Er weist nach, wie kindisch die An »ahme ist, welche in einer, Handvotl Semiten die Ursache aller Nebel der heutigen Gesellschaft erblicken will, und ruft den Anti semiten zu: „Israel verschwände von der Oberfläche Europas, dieses EuLopa wäre darum nicht gesünder." Ei' stellt sich aufrichtig i» den Dienst der Wahrheit und scheut sich mich nicht, kte Wechra heil zu sage», mag sie hier im einen, dort ii» aiweien Vager vielleicht nicht ohne Unbehagen gehört werde». Manches, was er in de» Capitcl» über die Physiologie und die Psychologie der Juden sagt, will mit Rücksicht-aus de» hohen Slmidpiuill, d>e wcilansschanende Idee deS Werkes, mit ernster Srlbstprüfung gelesen werdcri. Mangel an Objeetivität wird.wan dem Verfasser lischt vorwcrse» können, im Gegentheil, man wird sei» Werk ein du.chaus objeelivcs. nenne» müssen, zu welchem Aufgebot man sich ^ruch bekennen mag. Und auch'wir glauben darum, durch eine obj clivc Wiedergabe der freimüthigen, ebenso lichtvollen als wissenschaftlich getragenen Ansfnhrnnge» Leroy Beanlieu's den Dank unserer Leser, aller voruriheilsfreie», einsichtigen und wohlwollend abwägenden Menschenzu verdienen. Wir geben - uns der Hchfnurg hin, daß wir mit dieser Verösfeiitlichnng einer guten, einer best!» Sache idealen wie sachlichen Rutze» ftiften und bessere Einsicht in einer Frage vcr breiten werde», welche, ein dem tiefsten.,Dämmer der Geschichte entstiegenes Gespenst, trotz einer l benslüujchcndkn modernen Maske längst in Dunst verflossrii wäre, hätten sich nicht unter der Gunst naturgemäß erschwerter Lebenskämpfe und drohende'' Zcitpreblcure die lichlfeinblichen Geister d.s Hasses und Neides, der Scheelsucht und Mißgunst, der Vevheyung- und Verrohung zujainmenge.ha v um über die Gemüther jene verwirrende Dämmerung hinzubrciten, welche G spenstcrn günstig ist Wir glaube», wer, .durch Gtlnst und Haß unbeirrt, »ach Kräslen bemüht ist, ausklärend, aasgleicheird, zur Einlehr in sich selbst mahnend, fricd,ngebcnd zu wirken, auf eine brennende Wunde der Zeit Linderndes zu lc>,cn, der handelt wahrhaft im" Geiste jenes heilkräftige» Wahrspruches, den wir diesem Einführungsworlean die Stirne geschrieben haben: .Enritns e-r l'ax." Unter ihn stellen wir denn auch verlranensvoll unsere Veröffentlichung. Möge sie ei» Gutes zum großen Versöhnungsw.rke beitragen, das wir dringend vollbringe» müsse»,' sollen wir nicht eruralleu und verzweifeln-, wenn die bangen Eitllurrälhsel. welche in der Tiefe des XX. Jahrhunderts schlummern, an uns herant'rclen werden. Earl v. Vineenli: Zum Kapitel: OerrObuna der fugend. ' Als bei der Mililärstelluiig im. Jahre 511111 erneninale Nach dein Principe der aUgeineinen Wehrpflicht vorgegange» wurde, da fühlte nran cs aus der Haltung'vieler Familien ' heraus, wie die er"

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