Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 55 (23.4.1893)
- Date
- 1893-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441404--0557-4887077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Żnin 1× ep/1048185
OCR text
Nr. 55, Seite 8. Freies Blatt. beider Observanz »ocb immer nicht genug z» thnn, und so wolle» seit etwa einem Jahre die Geiüchte über die Gründung neuer antisemitischer Tage«, blätter nicht verstummen, ReuerdingS wird in aniiseinitischen Preisen wieder . die Rachricht lancirt, daß demnächst in Wien ein „Ckristlichsociale« Tagblatt" das Licht der'Welt erblicken solle, als dessen Nährväter mehrere geistliche «liste, hohe kiechlichc Würdenträger und Feudale genannt werden. Veiler des Blatte« soll niemand Anderer a!« der bekannte antisemitische Preßcaplau Opitz an« Wain-sdon toerden. Tie herzlichste» Glückwünsche;n einer solchen Completiiiing der antisemitischen „Schornalisten'Gilde! , Tas Ülttntmt auf Den Furstprimas Cardinal BaSzary i <ki» entlassener Bediensteter, der Csolic« heißt, begeht ein Attentat aus den Fürstprima« von Ungarn Cardinal Baszary, Ta« „Teutsche Bolksblatt" ist nun bemüht, den Missetbätcr, denen Name sich in leinen semitischen nmwandcln läßt, zu recht'ertigcn und-das Berbrcchx» auf jüdischen Giiifing zurückzuführe», Tas Antisemiteublatt schreibt: „Unter dem Borgänger des jetzigen Fürstpiima«, Johann Simor. hattestch zivischen diesem und säniintlichen Bediensteten.ein patriarchalisches BerKältniß herausgcbildet. Wie mit einem Schlage äüdertc sich die Situation, als der jetzige Primas. Claudius Baszary, das hohe Rirchenamt antia/. glicht als ob es demselben vielleicht au Edelsinn und Hochherzigkeit mangeln würde — jedoch brachte er als Mitglied des Benedictiucr Ordens eine selbstverständl che Anhänglichkeit zu diesem Otden mit sich und diese deeumeiitiite sich vorent darin, daß er den Bencdietiner X oI>l zu feinem Seeretar, den Ordenspriester Los-tay hingegen zum Güteldirector ernannte," Tie Wall Loekan's b-zeichnet das e.Teutschc Bolksblatt" als eine unglückliche, und erzählt Folgende« als das „Interessanteste": „En einem, dem Primas gehörigen Hann' in Grau webnt 'eit zwei Madien ein zu Grunde gegangener tild,schcr Getreidehändler, Rameii-s Bernlmrd Manovil. ein alter Bekannter Lestan'Satts eieszthelu. und dieser ist der Entimns des dcrmaligeu Güterdireetors, er b einstußi das ganze Gebahren. io daß man in Gran schon wieder ' hol: recht lattt hiergegen sprach, Hiermit steht auch der Hall Cfoties in eitgem .jilsaninieiihatige. E'okie«, der als treu, ehrlich nnd äußerst tüchtig in seinem .rache geschildert wird, diente durch zwölf oahif dem frühere» Primas zu ressen voller Zu'riedenbeii. Moskau gencl der Mann nicht, es kam die bekaiuite Cbampagilerg-'chichte eine i^eschickne, ivclche die Redlichkeit C'olies in sehr zneiserhashem Liebte erstcheiiu".! ließ, A d, Red >, und die-Folge war, daß ein geiriffer Ehrlich, ein Ende, zun, O berkellermcister ernannt wurde, dem Esolies n n tcrgeo rdn et wa r, Ties uiusitc natürlich da s Selbst be ,1'lißtseiii C-olies' rief verletzen, jedoch nützte ihm keiner seiner u irt e r n o ui m e»e» « ch r i 11 f, und in > eine r B c r zwc i fl u n g verübte er dann das Attentat, Ter Jude Ehrlich ist nach wie vor Kellermeister, und wo einmal einer ist, da werten bald auch mehrere sein, >'o daß man ganz wohl daraus gefaßt, 'ein darr, daß aus dem Be sine des' ersten »ngarjsche» xirchen'ürsten eine Beigorgungsanstalt 'ür"Hebräer gemacht wird!" Ans der galizen Erz-rblung wjrd schließl'ch gefolgert, inan könne mit Recht behaupten, daß znin nicht geringen Tbe'ile jüdischer Einguß an dem ’.’l 11,i:a tc ' ch uld lei Ri.bt der beredteste Ankläger könnte bester den Beiveis eibrii.zeu, daß dein anti>eli>itl'chen Gesindel jede« Rechtsgefühl fehlt, als kies durch die volanstcheuden Auslastungen geschieht. En der Bestellung eines Enden zum Oberkellermeister ''oll eine derart natürliche liest' Bcrlctzung des «elbstbeirrißiieius C'olies' gelegen stin, daß denen Mordverstich zum nicht getingen 'Tbeile jüdischem Einfluste zur Vast 'alle. Tas spricht Bände! ' Bcrgani's Grschästsprafts oder Sic Hose um Den zwei «ätftu.) Koma ,,,, ,;:,i t?r. Ter Tanncrsrobn von Rosenau schleudert wahre Fnnsnndzivanzig- Psieklder gegen das Haupt d^ ciustweileu Freigeiprochenen aus dem letzteii Pan ch llenvroeeßl Tie ausschließlich den Rainen Schönerer« und Bismarcks ge- :en «vadien der „Unverfälschten dcutichen Worte" triefen Kiesnut!.von dem Blute "es moralisch hii,ge>'chlachtete» Bergani. Ea, Schönerer merkt in seiner , Eiu'rüstung nicht einmal, daß ihm das Messer, mit Ivelchem er in den sm, u, ::,u d.s MuarierS wühlt, von eine,» Enden in' die Hand gegeben ue.dea ist, Tee'rnsttilf'ebe Et «'ctg des Pr-cene« ist >ür Bergani in den'national, auu-einil, ä :: .v. ' •» al'o sehr gering, und die Einschüchterung «chöuerer's, 77eüb. >r aus :,m Becc.ffe -,bont baue, durchaus nicht eingetreten, Eni Gegen ch-sw. o,.:' me dti-eten C.dltungcii Bergani« in der Riäming nach Rosenau! m du „Nur, ' u'chten deutschen 'Worte": „Wir bemerken dazu, daß .u-.t «"eutü'.hstuko der Tinge harre», dis da lomnieu sollen: daß wie s ,u.. min,: st all, : Material g."'atnt,t>il haben, das gesichtet und geordnet dazu i. um een Bolkstichtern ni.tcibreitei zu iverdeu, Ungleich bemeiken wir bei dieser Gelegenheit mit Rücksicht auf eine Anzahl von Zuschriften, die uns au« Anlaß des oben erwähnten Procestes zugekominen sind, Folgendes: WaS die Behäuptung von der Trennuiig zwischen Rekaction und Administrativ» betrifft, so ist dies am 'besten mit einer ganz gewöhnlichen Hose mit zwei Säcken zu vergleiche»; tagsüber wird rechts und auch link« eingesackt und de« Abends der Inhalt beider Säcke entleert und darüber von dem Besitzer der einen Hole verfügt. Ter am 28, und 28. März d. I. in Wie» stattgehabte „BolkSblatt"-Proceß hat erwiesen, daß das „antisemitische" „Bolksblatt" in verhältnißmäßig kurzer Zeit de» Betrag von 22C00 fl. (!!!) von „vcrjudcten" großcapitaliftischen Unternehmungen alS „Instratengelder" bezogen hat, unb wurde bei diesem Proceffe auch unumwunde» eingestanden, daß das „antisemitische" „Bolksblatt" die „Inseraten" Gelder der „Acticngesellschasten" nicht entratbcii könne, weil sonst der Bestand des Blatte« gefährdet sei! Auf der ersteu «eite jeder Numnier des „BolksblatteS" steht bekanntlich stets zu lese»: „Kauft nur bei Christen!" Auf der letzte» «eite desselben „BolksblatteS" aber wird daS P. T. Publicum mittelst gut bezahlter „Ankündigungen" auf so manche „verjudete" Actiengescllschasten aufmerksain gemacht, um im „allgemeinen Intercffe" z, B. „Croatischc Artien" zu kaufen u. dgl. »t. Rach dieser „antisemilischeu" Gei'chästsgebahrung st la „Bolksblatt" könnte ja auch einmal ejn findiger stopf, entsprechend dem Grundsätze: Rcdaction und Administratio» haben getrennt zu marschiren, jedoch die bei ihren Märschen „er—haltenen" Gelder in eine gemeinschaftliche Caffe zu legen, de» Einfall habe», den Iiiseratentheil eines antisemitischen Blaues an einen Inden lnatürlich „getauft"!) zu v, ipachte». Wir »agen nun schließlich, weiiii die Herren „Bolksblatt",Antisemitc» nicht imstande sind, ohne die genauntc» Gelder der Actiengesellschastc» ein täglich erscheinendes Blatt zu erhallen, so solle» sie doch wenigsten« der Wahibeit die Ehre geben und sagen: Tie „Bolksblatt" Leute könne» die Jude» nicht leiden, doch Südbahn Inseratengetder nimmt man gerne!" , Koma loonk-fost. (Paulus Mcncr.) Ter Antisemit jüdischer Abstammung, der berüchtigte Paulus Meyer, rrscheiiit wieder einmal ans der Bildfläche, iiidem er gegen die „Zudenmiision" und die Bielefelder Anstaltc» eine Schmähschrift veröffentlicht, weicher der Autiseinit Tr. Wesendonck ei» Empsehlungswort mit ans den Weg gibt. „Biel widerwärtiger", schreibt der im Sinne der Tivoli Antisemile» cedigirje „Rci chsbo tc", „als die abstoßendsten Erscheinungen des ScinitiSinus, ist diese Art von Antisemitismus, Ein jüdischer Schnorrer, der verschiedene Iudenmiisionäre, JtidenmissionSgesellschafteil und christliche Anstalten auszubeuten vermcht und sich überall uuinöglich gemacht hat, tritt hie* als Teunneiant gegen die Eudenmiision und die Bielefelder Anstalten aus. Unter der hcnchleri ickzen Maske eine« Edcalisten, dem e« nur um Wahrheit und Gerechtigkeit zu thu» ist/und der um dieses »eines edlen Streben-; willen überall verfolgt wird, be, schiinpjt er nicht nur das Bolk, aus welchem ec hcrvorgegangen ist, sonder» versucht in der Pose eine«'Antisemiten und Märtyrer« christliche Bestreduiigen alS heuchlerisch zu brandmarken. Tas verleumderische Lügengewebe ist so geschickt angelegt, daß die große Menge der Leser, welche weder die Person des Beisaffers, »och die Berhültuiffe und Personen, über welche er feine giftigen Berlenliidnttgen ansstrcut. näher kennt, dieser Schandschrisi wehrlos gegenüber steht. Um so uöthiger istc«, daß die Leiter der antisemitischcn Bewegung ein solches- Slibjeet von sich abschütteln," Seine ersten Preßersolge erzielte Paulus Meyer in der „StaatsPürgerzcitung", später ist er Mitarbeiter der „Teutsch Socialen Blätter" geworden. AlS' seine Ausweisung aus Preuße» bekannt ivurde, war es die „kreuz; ei tung", welche sich dazu hergab, die Mär zu verbreiten, dieselbx sei aus Beranläffuug der Juden erfolgt. ES stellte sich aber heraus, daß Pastor Bodelschwing^ die Anzeige bei der Be-, Hörde erstattet hatte. Rur bei den Alitiseiiiiten köuncu Leute vom Schlage eines Paulus Meyer ein,» gewissen Einfluß erlange». Bliefkaften. . , Auf mehrere A»fragen. Berziüzer,lugen im Trucke halber, kann die Zu stellnng des „Berichtes der dritten Generalversammluiig des BereineS zur Abwehr des Antisemitismus" erst demnächst erfolgen. Sie erhalten dann destimint die Broschüre, >i., siolilt: Besten Tank, Leider verspätet. P ,,.. k,' Radilitz. Wir haben die Anfrage der Rcdaction der „Frau Waberl" übe,geben. I. F., Tcschcn: ES in dies derselbe Axinann, der Obmann des Bereines östirreichi'cher HaudlungSangestellter ist. Ter Berein ist antisemitisch. Toch scheint cs, daß nia» die Beiträge von Inden auch nicht uerschmäht ^citriuc-crftäruugcii;iiiil „herein;„r Abwehr Dc-3 Anlijemilismus" werden ciitgegcugcuemuicii im Leeretariate des Bereines, Lksien, I., Patisergaffe -t. " AbouileurculsanuielÄungrir ans Das „Freie Blatt" nimmt Die ADminiftration, Wien, I., «eilerstältc 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Rumnicrn abgegeben, Probcnnmincrn zur weiteren Berbrcitnng Des „Freien Blattes" werden GcsinyuligSgctioffcn auf Berlaugeu bereitwilligst zur Bcrfngnng gestellt. Herausgeber und verautwortlichec Redacteur: Ernst Bictor Zenker. — Truck von Ch. Reißer & M. Werthncr, Wie».