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Freies Blatt · 1893-04-16 · 54 (16.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
54 (16.4.1893)
Date
1893-04-16
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Freies Blatt.?eite 8. getreuen eine schürfe Rüge crtheilen, zugleich aber sie ermahneu, dem Führer wieder blindlings zu gehorchen« TaS genannte Schönerer Blättchen schreibt: „Und wo nur ein Recke ersteht, ei» Man», in dessen Adern deutsches Heldenblut , stießt, der mit freiem Auge im .stampfe zum Himmel blicken darf, weil dieser Kamps -rein, weil dieser Streit heilig ist, dort regt sich Loki, der Unheilvolle, und reicht der blinden Menge den Mispelzweig, damit der Held falle, wie Baldur fiel. Kein Fremder koante den Lichtgott rödteu; der eigene Genosse, der Mitbewohner in Asgardmußte es thun. «Za, die Treue! In unsere» Tagen steht sie auf dem Papier' weil sie in den Herzen keinen Platz findet. Lange, lange Jahre habe» Alle, die noch Gefühl für ihres Volkes Unglück hatten, nach dem Erlöser geseufzt; von der Stunde an, da er gekommen, da er sein Herzblut gegeben im heiligen Streit, tönt aus der Menge derer, für die er gestritten, die sich seine Freunde nannte», dasselbe Wort, das einst im Gerichtshöfe zu Jerusalem ertönte: ,Kreuzige ihn!' Und er, dem Haß und'Verfolgung, Kerker und Bande nicht die Liebe zu seinem Bolke, die Treue gegenüber seiner Ueberzeugung aus dem Herzen zu reißen vermochten, er mag deute im biileren Zorn ein altes Wort wiederhole», das da h>ißl: ,Ter Himmel bewahre mich vor meine» Freunden; mit ineineu Feinden werke ich schon selber fertig.' Ja, er, der Führer, Georg Schönerer, er hat cS erfahren, war Treue im .XIX. Jahrhundert bedeutet, wie tief sie im Wcrthc gefunken ist. Ta kommen sie, alle Jene, die Alles bester Misten, und nergel» herum, um der Welt rin neue» Beispiel jener traurige» Bilder zu bieten, a» denen ja die deutzche Geschichte keinen Mangel leidet' Teiilk zurück an Hermann' de n Cherusker, de» Helden, der Roms Adler in den Staub warf, der Teutichland rettete aus den Klauen der Cäsaren. Ein solcher Held durfte ja nicht auf seiner Höhe stehen bleiben; das wäre ja eine Bcrmiidtgnng gegen die alle deutsche Uneinigkeit gewesen. Asto herunter mit ihm! Kreuziget ibn, der eS gewagt hak, besser zu sein als die Uebrigen!" In ebenso hochtrabenden Worte» wird dann die Abiieigting gegen den PersoneneulluS al» „ein gar zu schöner Mantel für die häßliche Nacktheit der Gesinuungsarmuih" verhöhnt und sogar der Ausspruch gewagt: „C Michel, nach lieber . nicht auk; tu niüßtest dich ja auS Scham wieder »iederlegen und die Augen schließen, um die Schande nicht zu sehen, "die a»S deinen behaglichen Psüklen emporgewachten!" Trotz dieses Ausspruches werden aber schließlich die Ungetreuen autgesordert, in sich zu gehen, das Krilisiren und Rergelii bleibe» zu lassen und sich wieder eiumülhig unter „untere alte, liebe Ehrcnsahne" zu stellen. Mit Christus und Hermann dem Cherusker läßt sich alio Schönerer vergleichen, und von seinem „Martyrium des nüchterne» Gauuiens" läßt er erzählen, »in die Adgelalleneu zur rrnigen Wiederkehr zu bewegen. Er will nicht gehen! (Wie es gerade paßt.» Ein Landstraßer Wähler schreibt uns unierm V2. d. M.: Tas „Tcutiche Volks bl all" erklärt in seiner heurige» Abendausgabe, der Wahlausschuß der „christlichen" Wähler auf der Wieden habe sich eiitschloffen, gegen den liberalen Gcmeinderalhscaudidaten Tr. Scholz keinen Wahlkampf zu eröfinen und den „christlichen" Wählern Wahlenlhaltnng zu einvseble», weil die Wahl ohnehin in zwei Iahte» wiederholt werden muß ilnd der Wahlausschuß es nicht verantworte» wollte, daß in Folge eines Wahlkampfes einzelue Beainte oder Lehrer bei der „bekannten Rücksichtslosigkeit, der liberalen Machthaber" von der Gefahr einer Maßregelung bedroht werden. S, diele zarte Fürsgbge! Gau; dieselben Verhält,liste wie auf der Wieden bestehen auch be züglich der Ersatzwahl im zweite» Wahlkörper auf der Landstraße Talelbsi candidircir aber die Amisemileii den Trucker des „Teurschen VolksblatleS" und bearbeiten in schamlosester Weste Beaiiuc uud Lehrer ohne jede Scheu vor der „bekannten Rücksichtslosigkeit der liberalen Machthaber". Sind enva die Lankslraßer Antisemiten tapferer als die Wiedener oder die Wiedener Liberalen strammer als die Landstraßer? Rein, cs ist nur Auli>'e»iikenart, heute io und morgen anders zu schreibe», wie eS gerade paßt. »Julius (ffregr ein Zukunstsgeuoffc Vergaui TaS Pauschalienblatt von der pinken Babiigaste bringt ein.'Unterredung seines Prager Berichtersnrtters y mit dem Führer der Jungt chechcn. Darnach 'oll Julius Gregr gesagt haben: „Es »st unlcitgbar, daß wir \ Jungstchecheus dicienige Partei sind, welche mit Ihne» die meisten Ankliürsniigsviiukle hat, und zivar deshalb, und vielleicht lediglich »»r deshalb, weil wir eine nationale Partei siiib. Es ist deshalb auch natürlich lind erklärlich, wenn wir Gegner der liberalen i?i alttschechischen Partei sind, doch liegen die Perkättniste bei uns letzt >'o, daß es uns gegenwärtig nicht opportun erscheint, osten de» xamps gegen das Judembum auf unsere Fahne zu schreiben. Allein man darf überzeugt sein, daß bei dem lebhaften heißblütigen Temperament der Tschechen vieler Kamps, der' über kurz oder lang doch aus brechen Mi»ß und ivird. viel liefere Intensität, viel größere' Timensioncn an- Nr. 54. nehmen wird als bei Ihne». Es läßt sich jetzt-schon unschwer erkenne», daß in der breiteren Schichte des Bolke-s eine Antipathie» gegen das Judcnlhum vor herrschend ist; den» Jeder, der an dem nationale» Kampfe Iheilnimmt, und dies ist, wie die Wahlen bewkiseu, bei dem größten Theile de» Volkes der Fall, erkennt und sieht im Semiten jene» Dritte»,-der, selbst fern vom Schüsse, mühelos die Früchte deS Kampfes zu ernten bestrebt ist." Vorderhand wollen wir doch »och abwarten, ob der Führer der „freisiiiiiigen" tschechische» Nationalpartei dieser Angabe keine» Widerspruch entgegcusetze» wird. (Eine Alternative.) Tie „Grenzboten" gefallen sich darin, monatlich einmal ihre» gläubigen Lestru eine hochnothpeiiiliche Philosvphasterei über den Antisemitismus vorzusetzeii. NeuestenS spreche» sie in ihrer salbungsvoll coususen Weise zum soundsovielteumalc über die Berechtigung der sogenannten „Juden srage" als Racenfrage, um zu folgendem Schlußresultate zu kommen: „ES gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder die Jude» gehen vollständig »nd vorbehaltslos i» unserem Volke aus oder sie wollen ein besonderes Volk bleibe». Ist dies letzte der Fall, dann mögen sie irgendwo eincu eigene» Staat bilden und alle die Arbeite» und Kämpfe, die ein solcher einer Nation auscrlegt, übernehmen, denn für einen Staat im Staate gibt cs im heutigen Europa keine» Raum. Freilich wird ihnen das Ausgehen erschwert durch den »alioualcn Charakter ihrer Religion. Zur Staalenbildung aber haben die Jude» zu keiner Zeit besoubere Begabung bewiesen." Wir räume,l ein, daß wir, einige Nebensächelcheu ab gerechnet, mit Pen „Grenzbotcn" vollständig übercinstiinmen; auch wir wollen nichtvon einer jüdische» Nation wisse» und glauben, daß der Versuch, in oder außer Eüropa ein geschloffenes jüdischer Staatengebilde zu gründen, kläglich scheitern würde Aber nun zu der anderen Möglichkeit, daß die Jude» „vollständig und vorbehaltslos i» unserem Volke aufgehen" — was sagen die „Grenzboten" da;»'? Ja, da;» sage» sie gar nichts, an dieser Möglichkeit gehen sie so rasch als möglich vorüber. Tas klsordert vielleicht die antisemitische „Philosophie" >o. Z, diese „Grcnzboleu"! «Französisch russische Sympathien für Ahlwardt.) Französische und russische Blätter schlagen auS den Perleumdungeii, die Ahlwaidt auf der Tribüne deS deutschen Reichstages gegen hochstehende Staatsmänner n»d Abgeordnete vorgebracht halte, politisches Capital. Tie „Nowoje Wrcmja" z. B. veröffentliche das Bildniß Ahlwardt's und ciklärte, daß dcffen Enthüllunge» durch die Berichte ihres Berliner Corresvondenten vollauf bestätigt seien. Tie „K reuZ' zeitu-u g" stellt sich über dieses Vorgehe» der französischen und russischen Prcffe entrüstet; dem Srgane der Tivoli Antisemiten, welche einein Ahlwardt die Pforten des Reichstages geöffnet haben, steht allerdings diese Entrüstung nur übel au, zumal am Abende »ach der Verurlheilung Ahlwardt's im Reichstage ihm in einer Versammlung „Cvnservativer" von einem Haupiuian» a. T. ein Lorbeerkranz überreicht wurde. Briefkasten. L. R., Hernals: Ter Neid dieses der „Christlichen Faniilic" dienstbaren Blättchens genirt uns nicht: bei der in jeder Beziehung elende» Epistenz derartiger Fechter für die „christlich sociale" Reform finde» wir ihn vollkomme» begreiflich. Auch jener „Würdenträger", der dem Schoßt>ü»dchen seiner Gebieterin ein Martyrium verdankt, erweckt nur Mitleid. P. G.. Graz: Morre, der sein Reichsrathsmandat nicdergelegt hat, fühlte sich eben in der Gesellschaft eines Steinwendcr unbehaglich. Studiosus, Neudidschow: Ta sich der Vorfall ohne Zeugen abspielte, so wollen wir uns aus denselben uiilsoweniger eiulaffen, als uns die Fertigkeit solcher Apostel der Racenhetze iin Ableugneu wohl bekannt ist „Jnschuruil", Tilsit: Beste» Taut! Erscheint nächstens. Zur gefälligen Seachlung! Wir trlaubc» uns darauf ailsmcrkfam zu machra, daß wir bei Ucbcrscndunff voilAboliilcmclltSbcträffc» zwar Postmarkc», nicht aber Stempel an OirldtSstatt auiithmcil kömitii. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei dlbouncincnts-Annicldnngcn als Ntclainationen^ Name «nd Adresse (besonders Ort und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestein Willen nicht in der ^agc sind, eine Perantwortung für nichtbestelltc EstinPlarc zu übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengniommen im Sekretariate des Vereines, Wien, I., Pariscrgaffe 4. Abort«emeat»«nmelr>uugrn auf das „Freie Blatt" nimmt dic Administration, Wir», I., Seilerstätte 10, jcdkkzrit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Lummern abgegeben. - Probeuummern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Victor Zenker. — Truck von Ch. Reißer & M. Werlhner, Wien.

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