Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 51 (26.3.1893)
- Date
- 1893-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Freier Blatt. änN'ii. '.'u'dt immer nicht genug.?io 'Kvbactioii wird auf dic ganze CHichichtc aiifmevffam gemacht, das Buch liegt vor, der anii i't bekannt und stiginatinit, und man lagt: „dSciui man auch i; foi :>i ichtigkeit der 26orte zweifeln wollte, so ist tt.etdings die Dache nicht io gesprochen worden, aber wal>r ist sie deohalb doch." D >:? in die stanipsesweise der Antisemiten, und ich muß sagen: Ho-si'cki in das allerdings, aber es in.— die Dpitzbnbcnlogik. 26 »u wir ivciicrs, einen 2stick werfen auf die Hogik jener 21»ti 'eini'en. die u»s räumlich nälter stehen, bemerken wir wiederum die i'.nii.uür! ebne» D mge Ei» hiesiges'Anriscniitenblatt liest einem anderen 21Iiiiienbiatt die Leviten - dic Herren. sagen sich gegenseitig in - a.ner 2rei'e und mit einer Gründlichkeit dic Wahrheit, wie dies Außen n.IE.r.de n:clt> io gut vermöchten — und wirft ihm vor mit der edlen nie::, sittlicher Entrüstung, dag in dein Blatte ein musikalisches RCetat euch enen in, in dem Üenbinstein s 3i'icf gelobt worden ist. r'run wird nicht etwa behauptet, rlrubinNein.hätte schlecht gespielt, .'ilin' d'ller die Dhaliache ist doch bekannt: Rnbinstein in ein ändc, und 'ein Dviel in gelobt'worden! 5a kann ich nun mit dem besten 26;U:it weder eine sittliche noch eine, vernünftige Hogik - cruircn. Das ttest das Bnllieuiii, das lieft es wiederbolt, es gewöhnt sich daran — und da? in das Unglück, das in das Traurige an der Dache. Das sittliche 2'.:'.'itßi'ein des 2'olkes, das derartiges liest,, wird abgestniupft. >iunnlertsche Leistungen werden benrtbcilt nicht nach ihrem Wcrihc, '.'»de.n ausgebetld ron der Dbati'ache, ob der Nniinler ein Ende in >d : n:ein. Darum muß.das Dviel eines üinbinstein ichleäck befunden werd.i, ::::d .ein üeoinan Hernraminen GesinnungSgcuosscn Türk als u? i reichuet Bi an nein,;n welchcr^nttlichcn 2'crkomi»ciiheit dies uud ich frage: äü äemand imstande, auch nur einen antiken reu Henk darin in entdeckend an Dinn und Beistand darin? .... r i.'er Hane ist der Menschheit iehr turangenebni geworden, weit mehr, .2durch 'eine Heiüiingeu, als durch alle die zweisclhaficn Änlagcli 'en-es Eearakieis dadurch, dag er wirklich eiw/s lautes. Bedeutendes und Boeti'ches geschrieben hat Es in ein, Siinderspicl, wenn Rubin n n kurnutnrgernacht wird, weil er ein ände ist: cS ist ein Siinder- 'r' . ir.nln'eine Längerin heruntcrgemacht wird, nicht weil sie eine i;'::i n. sonde:n weil sic einen ariden geheiratet hat — deshalb ': :V. "'.'eng >'chl ch: alles das in ein Kinderspiel gegen dic :r:.; »de, j.des ineii'ehllche (Gefühl lies answühlendc Handlnngsweise,? .' .nt g.ge» des "Andenken eines Richters, wie es Heinrich Heine ist, li.l t n n. d Eine hochstehende aran, dreifach gekrönt mit der Gloiiolc de. Be.i'enat, der -dlen 26eiblichkeit lind dcS Unglücks, eine staiicrin >"' d.n:?!>ror:e erwännt sich für die herzergreifenden Dichtungen Hane s, »nd »nt unbe»angener , eiende an dein schönen tritt sie dafür n. das een: Manne ein 5errtinal ge'etzt werde. 2liu rlehcin soll sich r .ü'in.rl .'.leben, u.nk» nicht aufdringlich soll cs uns dic ('vftalt .'! ich'ers rar 2lngen siilrre». Ein voesiivoller, iiiniincr versiegender B.rinnen soll aii'gerichtct werten, er» Horcliv-Brunuc», und an diesem 2-.lli'.uen 'all das 'Ponräitncdaillon deS Dichters angebracht werde», d . das Vorelev 2nd und den Horelcv äel'en zu unsterblicher Be-, ..emtleit gebracht bai. Bescheidener kann für eine» in beiden H tnt'pl'ären populärrn dichter das Denkmal nicht gedacht werde». 7 . II Vorelev Brnniicn würde inan stch vielleicht gefallen lassen, vielleicht ru.il nicht, denn die Dbati'ache, dag ein Heinrich Heine daS Horclcy 2:.d a.'diel'tet bat, r-'icht vielleicht aus, niu auch den Horclcy Helsen zu :.. nden.. ','ll er »tan liege sich den Horclen Brunnen vielleicht noch ,:ni:i.-. a 'al.en: aber die adccn Ässoeiation, dag inan dabei an den 7 ich:e: denken soll — das gebt niebt! Und nun wird ein Haberfeld ..'i! >us 26er! aefept, wie cs in solcher Brutalität, seitdem Hitcratnr- ' l ck'-. . 'cbr i.l n wird, noch nicht da »Var ach sage ja nicht, dag Heinrich 'ne uns' das adeal der Marinestugend fein soll. Aber wo ist je .: u. e. e n. dag man die persönlichen Lchwächeg cincS Menschen in 2- :.' wu -s ,'ick bandelt uni seine „»sterblichen 26erke! 2r .. n r: nnd Ieute an den 2?deu dcS Hora;. Losten wir plötzlich ' .'.n. - ' C.Vü '.'.".dienen nicht geleiert;u werden, denn Hora; war u Zch .uuu r und ein Lck'inarotzer und ist seinem MäcerraS in einer 2'.' . -! 'U :: au g.'we'-u,' wie sich dies 'mit dem freien germanischen ä nicht r nragt? Und jeder Lchuljunge weiß, dag Cicero ".!" '-'u e Elar>.k'-e:tzeld^war^ als welcher er dem 2-nartancr von dem ' ' tste..t wird. Oa, »ollen wir nun plötzlich autstehen und I . ist r:cht .las richtige, da» ela''sii'che Hateirr, daS Cicero ' .ei'/e i'u der 2.>i'ai'.n Istrrte nicht jene römische jrravitas. wie wir ' ' e.-stl" :: tar n an diKitt Tacitus und Cato Ceniorius’f Cicero da? .. .'si'ckiest. Vati in grichricben und Heine dic schönste» Viebcs- '. 2r-e st da Linn und 2wrstand, wo ist da Ho ik, dag man der e uu äugend die 'tsternug trübt au ciircni gerade;» bcgcisterndcn 2 >!: . uud dag man d ru deutschen.2wlkc cinku werthvollcu Lchatz? '::n, r :s Bergäileit' d-r .vreude an der Dichtung kommt mir Nr. 51. einem jncvc! am Hciligthuntc gleich. Zu den heiligsten Bcsitzthüincrn einer 'Ration gehört der eiserne Besitzstand, -liber den sie verfügt in der Äirust und in der ststtcratur. Und der wird einem Bolkc geraubt und verbittert — warum? 2lus (Gründen, für die sich eine logische Ursache niinincrinchr finden läßt, dic vielmehr wurzeln in der Brutalität. Wenn ich mir nun dic ganze Erscheinung dcS 'Antisemitismus vor Äugen halte, so wird in mir eine RcininiScen; ans der Kirchengcfchichte wach. Dic Lache ist nicht neu. Lv oft irgend eine sichre auftanchtc, hat cS genügt, wenn ein Prophet aufstand, um das Csegenthcil zu behai pten — er hat stets feine gläubigen (^cmüthcr gefunden.. 'Cs ist noch utcuialS etwas bchauptcS, etwas ausgestellt,worden, was nichtSwürdig genug gewesen wäre, um nicht doch noch 2luhüngcr zu finden; nichts, was so bodenlos ditntni gewesen ivärc, daß cs nicht von einer. Dchaar von.H.'luhänggru als ausnehmend klug und weife gepriesen wurde. 3m III. Jahrhundert n. Chr. CH blühte eine Tcctc, eine 2lbart der <»stiostikcr, dic .stainiten Djese haben einfach die bis dahin geltenden rcligiöscit tind moralischen Begriffe auf den .stopf gestellt, und ihre neue Religion war fcrli -. ,vür diese H'cutc war dic Lchlauge dcS Paradieses das Dyinbol alles Hohen und Heirlichen. 26aru>»? Dic Lchlangc hatte dem alten äudcngott einen richten Dort angclhan. staiii, der den Mord in dic 26clt gebracht hat, war ihr oberster Heiliger, denn er hatte die ganze stieligion, dic bis dahin bestand, so recht vom Grund aus coinproinitiirt. Und das war ihr Mann! Und ihr oberster ilpostcl — wer war daS? steig 2ludcrer als 3udaS afchariot. 3»das äichariot ist der einzige 3»de, der Gnade gefunden hat vor den 2lngcii der stainitcu. Cr ist i» den Rang der Heiligen erhoben worden, denn er hat Christum verrathcn. Das haben sic ihm nicht hoch genug aurechncu können. Mau sicht, man braucht nichts 'Anderes zu thun, uip Gläubige zu siudcn au» dem Markte, als daS '.Aichtswürdigstc, das Dümmste zu behaupten, es zu behaupten mit deni Brustton der Ucberzcugnng, der währe» inneren Ehrlichkeit, die da strebt durch tleciuhcit nach Einheit oder durch Einheit nach Reinheit; wonach man strebt, ist ja ganz einerlei: der Pathos »inß da sein, dic großen Worte, und immer werden t^lünbige sich finden, die dein Propheten sich anschlicßen. Die .große, tönciidc Phrase ist ihrer 'Wirkung iiniucr sicher: und darum, kann ich sagen, iü eS sicher, daß ebenso wie die stainitcu 2l»hänger - saiidc», auch die 'Antisemiten stets 2luhängcr finde» werden. Die Analogie zwischen ihnen ist nicht so weit hcrgcholt. Man nimmt einfach das her, was natürlich, edel,' sittlich, anständig ist: man stellt dies 2llleS auf den stopf — und hat eine neue Religion geschaffen! Auch üiit dieser kan» man selig werden! 2lbcr wie dic Weltgeschichte über die Siainitcn zur Dagcsordnuug überging, so wird sic auch über dic häßliche Erscheinung des 2lnljse»iitisnins zur DagcSordnniig übergehe». Die Lonne bleibt au, Himmel und leuchtet weiter, wenn auch dic Wolken über sic hinziehcn. Und gewiß, die 26olkcn werden vorbcizichcn; und wenn wir den vollen Glanz des klaren, Hellen Himmels auch vielleicht nicht erleben, wir werden doch inzwischen cintrelen und ein stehen für eine Idee, von der wir im tiefsten änncrn durchdrungen tin^i in der Ucbcrzcuguug, sic ist dic richtige uud'sic ist dic menschliche. Dritte Generalversclnnnlung des Vereines zur Zlbrnehr des Antisenn'tisnnis. 'Unter zahlreicher Bcthciligung fand am 17. d. M. dic diesjährige, dritte l^cncralvcriainiiilung des 2'erciucs zur 'Abwehr des 2lutifcniitiSinus statt. Dic 2'crsaninilung^ verlief durchaus oornehni und würdevoll, ihrer Bedeutung angemessen, und bildete so einen schlagenden lflcgeusatz zu den wüsten Radaüvcrsanimlungcn unserer ldcgncr. 2l. G. sireiherr v. Dutt »er als 2'orsitzcndcr erösfucte dic 2'ersauimlung mit einigen warmen Wqrtcn der Begrüßung, worauf er den Bericht über dic 2'crcinsthätigkeit in den letzten zehn Monaten erstattete. 2llS dic wichtigsten Ergebnisse der Dhätigkcit dcS 2'orstandcS bezcichncte er I. dic große 'ProtestVersammlung, welche einen glänzenden Bcrlauf genommen hat. und 2. dic bekannte Petition an den Präsidenten des 2l bg cord n c t c n h a u ses. „Es wardn das," fuhr Baron LUttner fort, „Ereignisse von bedeutender Tragweite. Unsere Protcstvcrsammlung mitten auf feindlichcnV (»'ebicte ist ebenso wenig ohne günstige folgen für unsere Dache geblieben, wie der Dchritt, den wir beim Präsidenten deS 2lbgcordnctcnhanscs unternommen haben. Hctztcrcr inSbcsondcrS hat in den Reihen der Gegner einen wahren Dtnrm hcrvorgerufcn. In ihrer ohnmächtigen Wuth hätten sic uns am liebsten eines Mordattentates an dem verehrten Dr. Smolka