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Freies Blatt · 1893-03-26 · 51 (26.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
51 (26.3.1893)
Date
1893-03-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonj»lme»tspreis: Ganzjährig mit Postznseudung . . fl. 2.50. Halbjährig ft. 1.25. vierteljährig fl. —.65 Emzelue Nummern 4 kr. Organ zur 2lbu?cbr öos 2lnti}Vmitismus. Erscheint n» jedem Loniitage. Nrdaclioii und Admiiiisiraliou: Wien I. Seikerstütto 10. Nummer 51. Wien, 2<». Mär; UM. II. Jahrgang. Tie heutige Nummer des „Freien Blattes" ist zehn Leiten stark. Der 2lhtifemitt£>mus und die £o$iF.*) Bon Bald»,» (lirollcr. Sec A»t seinitisinns ist bereit»« von allen möglichen Seithi beleuchtet worden, nnd ich »iahe mir nicht an, eine neue 1111b interessante Seite noch herä»s;»bringen. Darüber sind die Acte» geschlossen, »nd darüber kann bei »»befangen henkenden Menschen ein Zweifel nicht mehr anftanchen, dass der Antiseini ismns ein Ergebniß der sittlichen Berrohnng ist. Ed dürfte aber -echt gut sein, auch einmal zu untersuchen, in welchem Berhältniß denn der Antiseinitismus zur Vocjif steht. Ed wäre 'ganz gut möglich, daß der Antisemitismus sich logi'ch begründen ließe,, wie sich ja sehr LsieleS, waü und nicht gefällt, nnd wad wir als innerlich durch und durch verroht anfehen nnd bezeichnen müssen, als tic logiidje Eoiiseguenz >cinz bestiniinter Prämissen darstellk. Sehe» wir also zu, ivie diese Erscheinung, die wir als sittlich verwerflich irereitd eonstatirt haben, sich nr 1'ogik verhält. Die l'ogik selbst ist eigentlich eine Wisienschast ded Selbstverständliche», Sie ohnedies schl uirt» dad we studirt hat. 'Wisieuschast ist die l'ogik nicht überfl im Denken Perhältniß Es wa>- einer.deutschen Stadt ei» ans der Straße spielender Fud^nknabe einen des Weges daherkonnnenden Priester, der auf dem Bersehgange he griffen, war und dös allerheiligste Saerament trug, mit einem.Steine traf. Am nächsten Tage deckten die Reichen von tausend erschlagenen »Inden dar Pflaster der Stadt, und ihre anSgeplünderlen Häuser rauchten zur» Himmel empor. Unterdrücken wir alle Regungen eines modernen, oom Liberalismus durchtränkten Bewußtseins, das sich ans bäumen will bei de» Borstellungen so entsetzlicher Bilder, nnd wir werden unbefangen zugeben müssen, eS steckt noch nminer etwas wie Vocjif in dieser Thatsache. Es läßt sich noch immer logisch, begründen, wie ja der religiöse Fanatismus und in Folge dessen auch der religiöse Antisemitis uns sich logisch iinuierhin begründen läßt. Aber der religiöse Antiseinitislinis ist ein längst überwundener Standpunkt. Die Relgion thnt es nicht, mehr: die Rare muß eö jetzt machen, über die Reinheit der Raeen nicht sprechen, es ist auch Aber es steht fest, daß der Antisemitismus sich jetzt auf die Rare : Ungereimtheil, die sich in dem Witz ansdrückt, daß man lehrt ulid beweist NnS umständlich genau das, >vas wir n wissen. Daß sich mit Ratnrnothwendigkeir aus dein nicht ',u widerlegenden Satze: „Alle Menschen sind sterblich" ergibt, daß dieser, jener, knr; daß alle Menschen sterben müssen/ ist natürlich, ß Jeder, auch wenn er nicht an der Universität Vogik Fm Grunde genommen besteht ja darin die Essenz der der Vogik, daß sie uns dasür die Formeln schasst. Seshalb als Wissenschaft doch nicht überflüssig. Senn in unserem socialen .Haüshalte, in unserem gesellschaftlichen »eben überhaupt ist auch die Gerechtigkeit im Rechtsleben selbstver/tändlich. Es wird jedem normal vere nlagten Geniüthe und jedem normal veranlagten Berstande ländlich erscheinen, daß der, Sieb, der gestohlen hat. ein gesperrt weiden muß, und daß der unschuldige Mensch frei',»sprechen ist. Bei alter dieser Selbstverständlichkeit ist aber das Gesetz dennoch Issig. Daher ist auch die Vogik, diese rodisieirte (Gerechtigkeit, nicht überflüssig. Sehe» wir uns also an, in welchem der AntiseuiilisniuS zu dieser Wissenschaft steht, etwa nm das Fahr 12.">0 nach Ehristi Geburt, als in Ich will überflüssig, stützt. Di Abwehr deS ) Bor rag, gehalten in der dritten Geueralversainmlnng deS BereiueS zur Antisemitismus am 17. d. M. vorsichtig sein sott in der-Wahl seiner Eltern, die ist ',n einer ernsten Forderung, ',u einem Programm, *,n einem Dogma geworden. Und. hier beginnt die ungeheuerliche Bornirtheit des Antisemitismus, die Bornirtheit, die Menschen, verantwortlich machen will für etwas, wofür fie absolut nichts können. Denn man kann Fernande» verantwortlich machen für Alles in der Welt, aber doch um Gottes willen für seine Ab' staniniung nicht. Auf Grund eineWsolchen Schuld Feinandeii bedrohen, Fernanden beschimpfen, Fesnanden in seiner Eristeüz gefährden, in seinen heiligsten Enipsindnngen beleidigen z» wollen — wenn ich den besten Willen hätte, darin Fruch nur einen Funke» von Vogik zu finden, ich wäre eS nicht inistande: Was bei einem System herauskonimt, das sich auf die Reinheit der Rare stützt, dafür haben wir ja ein merkwürdiges, drastisches Beispiel. Der Sberbouze der Antisemiten, der unerbittlichste, härteste Bertreter der Racentheorie, der durchaus nichts wissen will vom religiösen AnlisemitisninS, der sich lediglich darauf stützt, daß ans dem semitischen Blute niemals etwas Gutes kommen könne, dieser Mann Hai sich gerichtsordnungsmäßig Nachweisen lassen müssen, daß in den Adern seiner eigenen Rinder semitisches Blut rollt: Was müßte nun logisch daraus folgen? Entweder die E>si'ii»tniß, daß die Vehre als solche falsch ist, oder ein beschämtes Fnsichgehen und ein: Sich',»rück-- siehe» vom cnrulischen Stuhle. Man müßte dann dieses (Geschäft ivenigstens in der großen Dessentlichkeil ansgeben nnd sich'damit be gnüge», irgendwo ein kleines Borftadtorakel aiisznstellen. Aber ln dieser Weise das Geschäft weiter zu treiben, ist ebenso nnlogisch wie die Thal . sache selbst, die uns hier schreiend entgegentriti als ein nierkwiirdiger Brleg dafilr, wie durch nnd durcli »»lo>ziich diele Bewegung ist. Eine andere Thatsache! Sa ist vor einigen Monaten in den ,.Senlich Socialen Blättern", einem' aniiseniikischcn Blatte, das in Scutsästand erscheint, eine (beschichte gestanden, 2>ie allerdings geeignet war, großes Aufsehen zuerregen, und das war direcs geninnzt für die Mitglieder aller Bereinigungen zur Abwehr des Antisemitismus. Sa hieß es: Wir lenken die Aiismertiainkeit aller .Herren, die die luivflid) vorkoniniende» Aiisichreiiunge» und Mißstände weder verhehlen noch .dulden wolle», auf folgende Thatiache: Ein'"stoß Rabbiner hat in einer geheimen Bersannnlnng eine stcede gehalten. . Sieie ücede wird iin» abgrdrncke. Sie ist inan kann nicht anders jagen vein, geradezu gefährliches, ein' schmähliches Product des meii'chlichen «Geistes. Natürlich >oar die. erste Regung, dieFei jedem nnbefangenen Veier sich daß die «Rschichie wieder einmal erlogen doch nick» so zu 'ein Senn die Sache war sehr genau citirt und belegt. Ein englischer ' Schriftsteller »aniens .'»«ohn Retrlisfe, -der, ivie hier ausdrücklich erwähnt ist, unter dein Titel „Rechenschaftsbericht über die politisch-historischen Ereignisse der letzte» zehn Fahre" ein sehr ernsthaftes Werk verö'seutiicht hak, hat diele ganze f Gelchichie mit seiner wissenschastlichen 'Autoriiät und' seinem Rainen vertrete». Da hat fid) aber etwas Merkwürdiges begebe». Schon aus dein Leserkreise dieses Autiseniitenblaktes. ist die ücedaetion desselben daraus ansmerksam gemacht .worden, daß — was sie ohnedies schon wußt — die ganze Geschichte wirklich erstunken und er logen war. Die Geschichte staininte einfach ans einem Sensations roinane, der tut »Iahre 1 s<»8 — erinnern Sic sich: „Sie litüoi'itd/’- > politische» Ereignisse der letzten zehn Fahre!" von einem Herry .Herinann (hödsche in Berlin heranSgegeben wurde, welch.-r mutet' dem Rainen »lohn Retrlisie gchrieb.. Er läßt in diesem Sensaiiousroniane gleich dreizehn ((stoß Rabbiner in der Rächt ans dem Prager Fndenfriedhofe sich versaniniel» und sie dort Reden halte»: nnd das wird als Thatsache dem Publieum aufgetijcht, um zu zeigen: So sind die - ^geltend machen mußte, die, E jst.- Aber diesntal schien es

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