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Freies Blatt · 1893-03-19 · 50 (19.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
50 (19.3.1893)
Date
1893-03-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt Abomicmknisprris: Organ zur Abwehr des Antisemitismus. (Jianjiäörig mit Postzustndung .! ft. 2.50. ^»Ivjäbrig fl. 1.25. BicrtkljLIirig fl. —.05 — «injtint Nummer»«tr. Erscheint au jedem Sonntage. Nedactio» und Administration: Wien l. Sciterstatte 10. Nummer 50. Wien, 19. Mär; 1893. 'II. Jahrgang. 1 ~ 1 1 ) - " " -- Oerein zur Abwehr -es Antisemitismus. n Wien. 18. März Abermals hat der Verein zur Abwehr des Antisemitismus eine» glänzenden Tag z» verzeichnen, »nd abermals hat unsere Bewegung einen Beweis steten Wachsthums und zunehmender Lebenskraft abgelegt. In der gestern, den l7. d. M , stattgehabten dritten Generalversammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus wurden folgende Herren stimmeneinhcllig zu Ehrenmitgliedern ernannt: Hofrath Professor Dr. Theodor Billroth, Mitglied des Herrenhauses rc.; Bartholomäus Ritter v. Earneri; diese Frevler an der Humanität die wilde, ungezügtltc Agitation in die Reihen des Volkes trage», desto mehr sehen sich die Besten der Gesellschaft, um Staat, Bürgcrwohl und Wissenschaft hochverdiente Männer, Aristokraten der Geburt und des Geistes, bemüfsigt, den nur zu leicht begreiflichen Ekel vor. der Berührung mit jenen Elementen zu überwinden und thätig an der Bewegung zur Bekämpfung der Seelenpest, dieses so verderblichen socialen? Aussatzes, theilznnehme». Wir werden natürlich auf die Bedeutung und die Borgüngc der gestrigen Gkneralvcrsammlnng noch des Eingehenderen zurückkommen. Die Zionisten. Alois Czedik Freiherr v. Bründelsberg, k. und k. Geheimer Rath, Mitglied des Herrenhauses, Landlagöabgeordneter rc.; Ricolaus Dumba, Mitglied des Herrenhauses: Moriz Freiherr v. Ebner-Eschenbach, k. und k. Feld- . niarschall-Licutenant, k. und k. Geheimrath rc.; Dr. Moriz Ritter v. Eigner, Präsident der oberösterreichischen Advocatenkammer, Mitglied des Herrenhauses, Landtagöabgeordneter; Dr. Ludwig G a n g h o f e r, Schriftsteller; Eduard Ritter v. Gniewosz - Olexvw, k. k. Scelivnschef a. D., ReichsralhSabgeordncter rc.; Dr. Theodor Haase, Superintendent, Rcichsralho- und Landtagsabgeordneter; Ludwig Lobmeyr, Mitglied des Herrenhauses; Bincenz v. Miller zu Aichholz, Mitglied dcü Herrenhauses; Earl Ritter v. Olschbaur, k. k. Notar, Borstand des Wiener MänncrgesangsvereineS; Peter Freiherr v. P i r q u c t, Rcichsralhs mid Landlagöabgeordneter; P. K. Rosegger, Schriftsteller; Ferdinand v. Saar, Schriftsteller; Dr. Guido Freiherr v. Sommaruga, Hof- und Gerichts advocat, Reichsraths- und LandtagSabgeordncter; Wilhelm Friedrich Warhanek, Professor i. P., Präsident ^dcö Journalisten- und SchriflstellervereineS „Eoneordia"; Dr. Moriz Weitlof, Hof und GerichtSadvoeat, Mitglied des niederösterreichischen LandeSauöschusses, Obmann des „Deutschen Schulvereines". Eine derartige Reihe illustrer Namen spricht selbst in beredtester Weise, welchen Gewinn der Verein zur Abwehr dcö Antisemitismus und die ganze Abwehrbewegung mit dem gestrigen Tage zu verzeichne» hat. Je mehr die antisemitischen Tendenzen sich in ihrer natürlichen Rohheit und Verruchtheit entblößen, je mehr Wir erhalten folgende Zuschrift: L ö b l i ch e R c d a e t i o n '. In der, letzten Nun::»:'.' Ihres geschätzcn Blattes erschien an leitender Stelle ein Aufsatz „Die Zionisten", der in durchaus richtiger Weise jene Folgeerscheinung des AutiseuiitiSiuuS kritisirt,,dic sich alS Stärkung des jüdisch-nationalen Gedankens bei einem Theile des Judenthuins nianifestirt. "Nun glaube ich aber einerseits, daß die oben bczcichncte Bewegung bei den geistig minder entwickelten jüdischen Elementen nothwendigerweisc erfolgen mußte, weil das aUgemcin giltige Naturgesetz von der Gleichheit des Druckes und (Gegendruckes vor de» Thoren deck inlcllcctucüen Lebens nicht Halt macht; andererseits halte ich die ausgesprochene Einseitigkeit jener entschieden reactionären Bestrebungen nicht für ein speeicllcS, vielmehr für das allgcnieine Eharakteristikon jeder wirklich nationalen Bewegung. Es liegt in dem (leiste ihrer Betrachtungsweise, die sich nicht ans das Ganze her Geschichte, , sondern auf ein enges und bisichränklcs Gebiet derselben erstreckt, daß sie nicht zu einer unbefangenen Würdigung aller Thcile der Menschheit und weiterhin zur richtigen Erkcnntniß der historischen Enlrurfpnctioü des eigenen Volkes gelangen kann. Nur von diesem.niederen Standpunkte aus ist es möglich, in einen blinden Naccnhaß zu verfallen, oder die Verwirklichung der zionistischen Hirngespinnste als wünichcnswerth zu bezeichnen: Höher als die Nationalität und ihre Interessen stellen die der Humanität, und wciui der Patriotismus keine lieferen Motive als den Zufall der natürlichen Abstammung anfznweisen har, wenn er fick, - __ nicht auf die Erkcnntniß von der- Bedeutung des betreffenden Volkes ' für die allge in e i n e Menschheirsentwicklnng gründet, dann ist es traurig um ihn bestellt. Der aufmerksame Beobachter 'der gegen — wärtige» Verhältnisse wird einen .geschichtlichen Proecß nicht verkennen, ' welcher, wie jeder andere, der Willkür vollkommen entbehrt ■ und jene zahlreichen, gebildeten Vertreter des jüdischen Stammes tangirk, die sich'nicht um die Fahne des Zionismlls gcschaart Hatzen. Mehr oder weniger zurückgeftoßcn von allen Stationen können dieselbe» nicht national sein: in Folge dessen werden sic imnier weniger veranlaßt, ihre Aufinerkiamkeil einem einzelnen Volke zu widmen, ihr Blick wird mehr auf das Allgemeine gelenkt, auf das Ohtte und Schöne in alle» Nationen und .somit in ihnen der kosmopolitische Gedanke geradezu großgczogcn. / Eine Summe latenter Energie wird in ihnen . aufgespeichert, die später, in Bewegung gesetzt, auSströmcnd in alle Kreise der Bevölkerung, ihre stgcnbringcnden Wirkungen enthüllen wird. Ich muß hier betone», eS ist keineswegs meine Ansicht, daß die Inden >

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