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Freies Blatt · 1893-01-29 · 43 (29.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
43 (29.1.1893)
Date
1893-01-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. 48. nur die Antisemiten, wenn irgendwo ein Viimp auftaucht, sich verpflichtet fühlen, zu erklären, daß der Betreffende keiner der ihrigen sei. (Jüdische Kosaken.) Der „Jcschny jkr.ag" thcilt über jüdische Kosaken am Don Folgendes mit: „Unter der Negierung dcS Kaisers Nicolaus wurden Kantonisten (jüdische Loldatrnsöhnc), die Hornbläser waren, in das Land der Kosaken coinmandirt, um dir Letztere» in den militärischen Signalen zu nuterrichtc». Einigederselben' haben sich im Gebiete niedergelassen und wurden in der Folge dem Kösakenstand zugezählt, ohne daß sie deshalb genöthigt wurden, ihre» Glaube» zu ä»dßr». Man wollte dazumal diesem Umstaude keine besondere Bedeutung beimcffcn. Erst viel später, als die jüdischen Kosakcnfchiiilicn sich bedeutend vermehrt haben und die Juden überhaupt ein wichtiges nnd geachtetes Element des KosakcnthnmS am Don wurden, versuchte cS die Ecntral-Militärvcrwaltung. welche nicht nmhin konnte, aus den Berichten des HetmanS das stetige Anwachsen der jüdischen Eonfession zu constatircn, und darin eine Gefahr erblicken zu müsse» glaubte, den jüdischen Kosaken am Ton den gütlichen Borschlag zu niachcn, entweder dcn-Glauben ihrer Bätcr zu verlassen npd zur orthodoxen Kirche übcrzutrcten, oder' daS Gebiet und mithin auch den Kosakenstand zu vcrlasicn, iu welchem Falle ihnen UntcrstützungSgcldcr versprochen wurden. Doch die jüdischen Kosaken lehnte» das Eine wie daS Andere mit gleicher Entschiedenheit ab, nnd man ließ sic ruhig weiter gewähren." Gegen, wärtig hat die Sbrigkeit im Kosakcnlandc von Petersburg die stricte Beeisung erhalten, wie der „Jeschuy Kraj" mitzutheilcn und die „Nowosti" zn bestätigen weiß, die genauesten Angaben über die Zahl der jüdischen Kosakenfamilien und deren Bestand cinzuscudcii. antisemitischen Oereinen- und Oer sannnlungen. lKkar und deutlich.) Die Temonstralioue» de» llciucn Häufleins, welches ans Schönerer schwört, lasten au Klarheit und Deutlichkeit »ichlS zu wünschen übrig.;}Ar Feier deS^Gedcnktages der Begründung des Tciltsche» Reiches fand eine Jestverjaininlnug des „Deutschen VolkSvereineS" statt, bei ivelcher der Redacteur eines Uliner Antiscinitenblatles eine „markige Rede ' hielt, die in einen „Heilrus" ans Bismarck anSklang. Tic eigentliche Festrede besorgte ein ninger Mensch, welcher RaknS heißt nnd an der inedicinischcn Facullät innnatriculirt ist. Rach cinei» von der „Ostdeutschen Rundschau" mitgclheilten Berichte sagte dieser Festredner: „Ter Staat weiß durch seine Schul gesetzgebnng i» wohlberechneter Weise zu sorge», daß seine Anschauungen jederzeit wohl gehegt nnd gepflegt werden, und sucht dieselbe» »och nach Kräften durch den religiösen Glaube» zu stübc». . . . Müssen toiV es hciuzmage nicht »och immer erlebe», daß Kinder deutscher Ellern von Staaiswege» die Ge schichte eines Volkes mit peinlicher Genauigkeit cingetrichtert erhalten. daS uns nicht nur ganz fremd, sonder» in seinem Wesen auch höchst- •(in »inst, und daß die Ausiprüche deSsclbeu als göttliche Weisheit zu Hallen ilmen anbesohlen wird, während die wahrhaft göttliche» Ideale unseres Volkes mit Fußen getreten, verhöhnt »nd in de» Kolh gezogen werden, wahrend »ns, lvcnn wir für die Ideale unseres Volkes cintretcn, Verfolgung, ja Kerker diohl. . . . Tie Gesundung nin'creS Volkes kan» nur dann mit Riesenschritte» vorivärtS geben und gründlich für dauernde Feiten gesichert werden, wenn die deutsche Geschichte dem eigenen Volte nicht mehr ei» unverständlich Vnch.mil sieben-'Ziegeln ist, sondern wenn die deutsche Geschichte Pas Evangelium keS 'deutsche» Volles geworden, au» dem es allein seine Heilslehrc schöpfe» lau». Aber getrostI Man wird es noch erlebe», daß die germanische und insbesondere die nordische Gefühls- und AnschauungSarl, eine freiwillige Milgabe der Mutter Natur, die angejüdelten Vorstellungsweisen, die ein Ergebnis; künstlicher Ver lchulung und religiösen Irrlhuines darstellen, mit Macht überwinden nnd nieder ringen wird." Darüber, was Rakus unter „augejüdcllen Vo> stelluiigsweise»" versteht, werde» auch Judenfresser vom Schlage eines Brunner, Wiesinger »nd Schcicher keinen Moment im Unklaren sein, Tie „christlich germanischen Ideale" sind »u» ei» überwundener Standpunkt; jetzt wird für die „nordische GcsühlS- »nd AnschauungSarl" geschwärmt. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Schwärmerei, gesährlich ist oder nicht. Jeder ilefterreichcr, der. sich seiner Pflichte» gegen Kaiser und Reich bewußt ist, dor nicht a» LandespreiSgebung denkt, muß es aber mit Entrüstung zurückweiic», daß so ein Schwärmer sür nordisches Barbarenthmn auch die. Mahnung ergehe» läßt, an dem größten Werke der Deutschen", an dem „deutsche» Vater lau de" bis zu dessen „Vollendung" mit- und weiter zn arbeiten. Der Junge zwitschert übrigens io, wie die Allen singen. In einer früheren Festversammlnng dcS „Deutschen Volksvereines", die anläßlich dcS, sechzigste» Geburtstages Tühring'S statlsand, iagle der Festredner, Fabriksleiter Joses Carl Kern reut er: „Gerade wir haben diese Gelegenheit gerne ergriffen, um zu zeigen, daß unser Blick auS dem dumpfen Kerker, in de» wir eingeschlossen sind, verständniß- und liebevoll zn den Hochgipfeln deutscher Größe emporzuschaue» vermag" Ter Anhang Schönerer« schließt über seine nunmehrige Stellung zum Ehristenthnm Seite 7. und z>w staatlichen Gei»ei»scha!t, i» der wir leben, jede» Zwcijel au». Ria» weiß, wessen man sich von ihin zu 'versehen Hai, und es ist »ich: schwer, sich danach einzurichlen, während die Aniiihrer der Christlich Socialen heuchlerisch ihre wahre» Ziele verbergen und im Trüben zu fischen suchen. Ter Verein, als dessen Dbmann Psenncr.snngirt, kann weit eher unberechenbare» Schade» verursachen als der „Deutsche Volksverein". (Elttuproulittirt.) In Folge der Wanderveriammlung des Vereins „T e n l s ch e Presse" in Währing erscheint der Abgeordnete Franz Richter arg com promitlirt. Dieser au» Slcncrgcldern aller Staatsbürger erhaltene Millelschullehrer wagte es, al» er für daS ZukunflSbÜttt der Antisemiten Stciinvendcr'scher Färbung die Reclainetrommel schlug, die Juden als Fremdlinge hinzuftelleir nnd von der Rothwendigkcit zu sprechen, die Feffcl» einer Fremdherrschaft ab zustreifeii. - Einem Mitlclschullehrer steht es übel an, die jüdischen Steuerträger nicht lals Ei'ihcimische anerkenne» zu wollen; von einem solchen erwartet man mehr Verständniß und mehr Takt als;. B„ von eincin subalterne» Postbediensteten. Hat Herr Fra»; Richter schon durch den Ton, welche» er selbst anschlug, sich eine-..Blöße gegeben, so -wird er in noch höherem Grade von Ver gaui comproinilsirt, welcher ans Anlaß dieser Wandervcrsammlung erzählt, daß Richter daS übelriechende Btatl von der Linke» Bahngaffe wiederholt „in Anspruch genommen" hat. - (Laudatores temporis aeli.t Man schreibt u»S: In, einer Gewerbe- Versammlung zu Mürzzuschlag traten kürzlich die Herren Schlesinger »nd Hosma »»-Wellenhof als Retter de» Kleingewerbes auf. Schlesinger erzählte dort de» Leuten seine LebenSgeschichle. Er (ei der Sohn eine» Mährisch Sckiöubcrger Webermeisters, habe selbst am Webestuhle gcseffe» »nd sei a l S Meisterssohn »ach einem Jahre sreigesproch en worden. Nachher habe er als Tiuruift bei. der Bezirkshanptinannschaft wegen seiner schlechten Handschrift.- viel Ungemach über sich ergehen lasse» müsse». Endlich sei er das geworden, waS er jetzt ist. Tann sprach Schlesinger sehr viel von dem bösen Großcapual, den guten Kleiugewerbetreibeuden und der „christliche» Moral", natürlich auch vo» der Preffe. Letztere sei ei» unschätzbares Gut, aber der Mißbrauch mache sic zu einer gefährlichen Waffe, ^iliü anderen Worten: Tie anliicmitische Hetzpreffe, die de» Rus: „Kaust nur bei Christen!" erhebt und ihn als großen Mann preist, ist ihm icho» recht, allein andere Blätter miß sallrn ihm und. sollten chicaniu werde». Ter Realschullchrer Hofmann-Welleuhos pflichteteseinem Vorredner bei nnd schimpfte gleichsallS über die „jüdische Presse", welche mittelalterliche Zustände unterschätze. Tie „schöne alle Zeit", in der e« leine Freizügigkeit-, keine Gleichberechtigung aller Staatsbürger rc. gab, ivurde vo» beide» Iugeudbildneru gepriesen. Er wird ihnen aber, hoffen wir, nicht glücken, sic zum Besten von Meistersiohnen uud zur Kncchtmig der wirklich arbeilciidcu Classe» wiederznerwecken. g. i Russe» n»d „andere Orientale»", die „Sklaverei der Semiten" :e.s In der verfloffenkn 'Woche fand i» Berlin daS Stistuugssest des antiscmilischcn „Vereines deutscher Studenten" statt, wobei »ach dem Berichteder „Post" ei» General Sasse, der geheime Obe>sina,izralh Freiherr v. Rhein baden, Freiherr v. Wackerbarth, S löcker, Adolf. Wagner und Lieber 'mann v. Sonnenbcrg zu Gaste waren. Das große 'Wort führte Slöcker, der den höchst verzweifelten Vernich machst', witzig zu sein. Er erinnerte an eine Reihe von Ereignissen anS dem Jänner. Daß die Tragik nicht fehle, falle die Hinrichlung Ludwigs XVI. in den Jänner. Auch der Humor fehle 'nicht Am 17. Jänner fei Falk Cullusmiuister gewoiden und früher am 17. I,inner Windlhorst geboren, also früher ^nsgestande» als Falk. Möge auch die Gründung des „Vereines deutscher Slndenton" einst weligeichichlliche Bedeutung gewinne». Unter Anspielung ans' Caprivi meinte Slöcker, man müsse sich nicht bloß gegen Franzose» uud Russen wehren, - konter» auch gegen anderes-'! Orientalen, die, lvenn sie auch nicht Russe»- seien, doch vielfach ans Rußland zu' uns kämen- Tie „Sclaverei der Semilen" müsse aushören in Airika nnd in Europa, «general Sasse danlle namens des .OiiicicrscorpS für die Einladung. Tann feierte Liebcrman» v. Lonnenberg die autisemitiiche Jugend. Zu bcznerken ist, daß es einen acliven General Sasie in der teuiichc» Armee nicht gibt, daß der beirefsende antiseniilische Verfammlnngsbuniniler sonach ein Pensionist sein inuß, der also umkoweiuger- Berechtigung hat. seine Wenigkeit im 'Namen dcS ge sammle» Ossicierscorps sprechen zu laue». 2lus antisemitischen blättern. lBerlorcuc Licbcsullill. i Al-S im Teccmber vorigen Jahres tie Wiener anliicmitiichen Studenten in Elierlcin's Casino eine Versaminlung abbielle», um, man weiß nicht recht gegen wen und was, Stcllnng zu nehmen, beeilte sich da« „Tculschc Volksblatt", dieses.welterschütternde Ereigniß an zwei auseinandersolgenden Tagen durch längere Artikel urtii et v,l>i zn verküudc» Herr Vergani dachte offenbar, darin, daß er den deutschen Studenten um den Bart krieche, ein letztes Heilmittel für die galoppircnde Abonucnteuschwindincht (eines journalistischen GeschäslSnnleruehmciiS gefunden zu haben. Tie jungen. Herrchen haben aber die LiebeSbewcrbnng Vergani's schies aufgefaßt und dieselbe in einer voii der „Tentorria" arlSgeheiideir uiid im Rofenauer Amtvblatlr ver-

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