Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 38 (25.12.1892)
- Date
- 1892-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AdoiiiiciiientsPreiS: i“ :i:j|Utllig Mil '^uitiufcilbuilil . . fl. -•.Ml. v ■ :vfl. I.5J. Siicrloljiihvij fl. — .fiS iit^cliic .'iuittnicrii 1 fr. COi\wn 3111* 2lbirchr \*s Antisemitismus. Crschciiu nu jedem Sonntage. Rcdactio» inid?KmiiiiiftrfltiPii: LlOicn I. Seikerstättv 10. Hummer»*. Wiru,!?'». Vccrmt'tr IM. I. Jahrgang. . . ., . j.. Das „?v r c i c Blatt" bietet beute feinen Vefern eine Wcihnachts - Mtn^gabc mit Original Beiträgen von B. (fnnicri, Adalbert Hafsncr, Cduard Kulte, (yincririi Ranzoui, Uli 3dinir, ,,»d Bertha v. Snttner. u Die ^eelenpeft. Bei Brnttleilung einer Handlung voi» sittliche» Stand punkte fragen wir pach den ihr zugrunde liegenden Motiven, nach de» Absichten, denen'sie zum Durchbruche verhelfen soll. Der gute Zweck heiligt zwar nickt die dose» Mittel, und ebensowenig ist ein verwerflicher Plan minder verwceslich, wenn i»ai> zn seiner Berwirklichnng an und für sich zulässige Mittel anwcndet. Zn dein eiiicn nnd anderen Falle ist aber eine Begriffsverwirrung leicht möglich. Ist jedoch eine Handlung ihrer EulstchungSnrsachc und ihren Zielen nach gleich niedrig, so kann sie Rienianden, i-a tiov vcntl und für Milm.nschc» ein He.z Heu, auch -nur viwcu Augenblick irrcführcn. (iMiirf) beim Auftanche» der snrchlbapen Seclenpest, gcüannl Antisemitismus, zn Ende der Sicbzigerjahre ertanntcn Männer von scharfem Berstande. und edlem Geniülh, welche Gefahren sic berge und wie unheilvoll sic wirken müsse. Wir wären die letzte», welche dem nationalen oder dem evn seisionelü» Fanatismus daö Wort reden würden: aber um wie Bieles erscheinen sie besser alö der auf Raeenhaß beruhende Anli- 'einilismns. Der naiionalc Ehanvinisl mißachtet die Eigenart Anderer in Sprache und Sitte; er sucht ihnen seine Art, welche wieklich oder vermeintlich höher steht, nuf;udrän.,eu. Auch dein Glaubenscifercr schwebt als Ziel vor: die Scligniachung Aller »ach seiner Fm-o». Wohin aber führt der Antisemitismus? In seiner letzten Eonscgncnz zu in Mord, vor die vueger'sche Alternative: Köpfen oder Hänge». , Trägt der AntisemitiSnstis in seinem ganzen Wesen ldie Merkmale moralischer Inferiorität, so sind auch seine Hanptverlreler dnrchgchcndö Persönlichkeiten von niederer Gesinnnng oder' ganz gesinnungslose Wichte, welche mit der Ucberzeuhung. die sic früher zur Schau trugen, .keinen Erfolg erzielten oder nicht einen solche», wie sie ihn angestrebt hatten, und nun hoffen, ihre Selbstsucht' vvltkonrtnen befriedigen zu können. Wir haben bei sorgfältiger Prüfung der Eharaktcrzüge, welche die einzelnen Wortführer des aulistmitischen Heerbannes answeisc»,' bei keinem detjilben solche cnldrckt, daß wir ihn auch nur für einen ehrlichen Fanatiker halle» tonnten. Welche» Eindruck enipsängt man, wenn ein Schriftsteller wie Dühring, der den Racenhaß in eine Art winenschfitliche» Snsteinü zu pressen sucht, eine mit diesem,System nicht in Eniklang stehende Äußerung, die er in früheren Jahren üb.r Spinoza gemacht hatte, durch küilstliche Deuteleien seiner jetzigen K >mpfstellung anzupasscil sucht? Wie steht Richard Wagner da, welcher, imchdem er vom Eompositcur der „Hugenotten" Wohlthatc» empfangen und dafür seiner Dankbarkeit in überschwetiglichen, eines selbstbewußten Manueü geradezu nuwürdigcu Worten AuSdruck gegeben hat, das Indcnthum und insbesondere seinen Wohllhäter beschimpft? Bon de» Persönlichkeiten jener antiseinilischen Wortführer, welche nur ans dem Gebiete der Raeenhetze eine traurige Bedeutung haben, sonst aber gar keine, wollen wir diesmal nicht spreche». Die „affenartige Behendigkeit", mit welcher namentlich Wiener anlisemilischc Maulhelden von einem Parkeilager ins andere sprangen, ist übrigens.unseren tzescrn wohlbekannt. Welch nichtswürdiger Kampf,nitlel sich die Anliseinilen. bedienen, zeigte sich insbesondere in letzter Zeit. Die Bersnche zur Bvycollirung jüdischer Geschäftsleute, die Berwcrthnng gestohlener Doeumcnte zur Berdüchligung von Privaten und Behörden, die Erdichtung von jüdischen Berbrcchen — all das ist nichts ReneS, wenn auch seit einigen Wochen Massenerzeugnisse der' Hctzknnst und des Bcrleuindergeiverbes die ösfenllichen Märkte in Deutschland nur Oesterreich überslnlheten. Reu waren die Winkelzüge, deren sich Pastor Stöcker bediente. Wie Petrus den Herni, verleugncte er die Räcenhctze und erklärte sie für nuchristlich. Allein dies geschah nur, «»» den Antisemitismns nach obenhin „möglich" zu mache» und den llebergang der Eonscivaliven von der ver schänilen Antiseniiterci zu/ Demagogie eines Ahlwardl zuerleichtern. Die Berliner Rcgicrnngstrcise, weihe, wie aus de» Erklärnnge» der dortige» o'ficivsen Srganc nach der scheinbaren tzoösagung Steckers von der Raeenhetze hervoegiag, sich von', ihm halten täusche» lassen, merkten erst nach dem eouseroalive» Parle tage, woraus cs eigentlich abgesehen war, und Reichskanzler Graf Eaprivi beeilte sich, im Reichstage die Stellung der Ber liner Regierung zn den demagogischen Umtrieben klar und deutlich zu prücisiren. Erst jetzt nahmen auch einige Mü inrr per con-' servalive» Partei, denen der Sinn für Recht und Anstand noch nicht völlig abhanden gekommen ist, wahr, aus welche Abwege sie der von de» Freiherren v. Hammerstein, v. Wackerbarth :e. unlerstützle Stöcker -gebracht halle, und die Hössunngen der deutschen Anliseinilen sind nun, wie Förster und Pickenbach bekennen, herabgeslimint. Wir aber, -wollen hier an dem Tage, an welchem die Ehrislenhcil tin Fre>?de»fesl feiert, der Hoffnung Aus druck geben, baß'es-'durch cinlrä.h-.igcs Zusamincuivirken,Aller, denen Humanität und Gerechtigkeit lhener sind, bald gelingen werde, eine von. bösen Menschen heraufbeschivorcne, ihrem Ursprünge nach unsittliche' und in .ihren Folgen nnheikvolle Bewegung zit beseitigen. ‘ - iX'rfaiiunasfcicr. Zu allen Theilen unseres Paierlaudes ivnrdc der -.'»jährige <^edenlla'g der Erlassung der Staatsgrnndgcseoe feierlich begangen. Jene Verderb lichc Fraetiou, .bereu Eristenz und'Raine sich mit dent srciheiltichen ntriindgedantcn' innerer Berfassniig nicht in Einttang bringen ' laneu, nahm selbstverständlich au keiner Gedentseier theil. Ten -Anliieiuiie» sind die Slaatsgrüudgcseve ein Toni t+u 'Auge, namentlich jenes über die allgemcincu streckitc der Staalsbür,zcr, gegen ivelcheS ne sich tag lä.stich alfflchne». Bcstiinnit doch dicies t^rundgeiei.'Bow dein N'e ie-vc sind alle S iaalsbn rg.cr gleich, und die ösienilichen Aenitcr sind s-itr dieselben gleich zugänglich. Tic rolle «^tanbens nnd Geiz.'incnssrcihcit ist Iedernian» gewährleistet, und der Gennß der" bürgerlichen »nd p0 liti-sch c n etc ech re ist von de in Rcligionobctcn »kn isic u na bhängig. / Tic Bestiniinung, daß die össentlichc» Aenner alten Staatsbürgerngleich zugänglich-sind, namentlich aber deren Gestattung in berPraris wird in einer im Berlage des Pc reines zur Abwehr des Anti sc »1 i t i S in n S anläßlich des Bcrsai'snngsinbilän.us erichstnSne» Bro - schüre: „Tie rechtliche. Stellung der Juden i» Ceitoi reich" mit ausgezeichneter Sachkenntnis; eingehend erörtert. Ter Bn