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Freies Blatt · 1892-12-11 · 36 (11.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
36 (11.12.1892)
Date
1892-12-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AdoniicuiciitSprkis: G^»;i<iiirig mit Pofi>»st»t>ung . . fl. 2.5«. fl. , 25. 2-icttcIjahri., fl - .,.5 üinjclue 'Jliiutmtru I Ir. Mr§aii zur 2lbir*ohr des Antisemitismus.' ' aitnati«« «m» wDiiiimiiratioii: IDicn Crschtiul au jcftcm Soumagt. I. SmCaTtölU’ 10. Nummer Wien, I I. :Orcctitbrr IJW2. I. Jahrgang. ---ä--:- 2lbwehr: Der i'cvcin zur iHlni'cljv des Anliscm ilismns Ijat i» bir Bvrstandssitziing mim (>. d. M. über Antrag des Ehrcnpräsidenlcn Friedrich Freiherr» t>. Veiten b.cvc|ev de» Beschluß gefaßt, sich au gcsichlö der i» letzter Zeit zur Regel gewordenen antiseinilischeu Ansschrtitnngen iin Abgeordnetenhansc an dessen Präsidenten mit dem Ersuchen zu wenden, er »löge derlei die staalögrnndgesetzlich gewährleisteten Rechte von Staatsbürgern systematisch verletzende Reden und Auftritte »ach Kräften hintanhaltc». Fn Gemäßheit dieses Beschltst'scS begab sich am d. M. eine Deputation, bestehend aus den Herren Friedrich Freiherr« v. V e i l e» b e r g cr, Hof ralh Professor Tr. Nothnagel und A. G. Freiherr» v. Suttner, zu Sr. ExceUenz Tr. Smolka und überreichte ihm namens des Bereutes folgendes Schriftstück: Euere Eieeklenz! Hochwohlgcborencr Herr Präsident! Ter Bcrein zur Abwehr des Anlisemiiismns erachtet es als eine dringend gebotene Pflicht, an Euere Ereellenz als den Präfidente» des AbgcordnclcilhanscS des Rcichsralhcs mit einer ergebenen Bitte bcran znirctcn. Nicht das (iiercchtigkeitsgefühl, nicht das sittliche Einpunden allein, auch das Gewisse» , jedes recht senkenden muß. sich ans das Ent tchiedenstc und Energischeste auflchncn gegen eine Berso.tgung von Mit me n scheu, die an Entmenscht beit nicht mehr streift, sondern solche ist, eine Bcrfolgnng, welche für die ' Betroffenennicht minder quäl- und martcrvotl sein muß, als die Scheiterhaufen es waren, die chcmälS für sic errichtet'wurden. (Gegenwärtig wird in dem A bgcord n eten ha nsc nnier dem Schilpe der Fmmunitäl Alles gctban, um das Anselfen und die Ehre unserer jüdischen Mitbmgcr hcrabzusctzen, sic lies und schmerztichst zu tränken in Allem, waS den Menschen nicnschcnwürdig macht. Mit Bangen sehen Alle, denen das A-ahrc und Hohe noch etwas in, eine Bewegung wachsen, die, schlecht und unsittlich in ihrem Siern, jegliche Ausschrcitmig ans ihre Fahne geschrieben hat. Empörung über koiiimt jeden rechtlich Tentcndc», ' wenn er die nngcmcssencn, ans ,reizenden, grausamen Ausfälle und Angrinc auf liniere Mitbürger in unaufhörlicher Reihenfolge liest, t^ranen packt daS Herz, daß cs möglich ist, daß Mensch gegen Mensch so wülhcn tonne. Ter österreichische Reichsrath, der ein Musterbild vornchmcn und sachliche» ToncS für ganz Europa war, che Männer, denen die Heiligkeit ihrer Pflichten als Staatsbimzer und Menschen nur leerer Schall ist, ihren Platz in demselben cinnahmen» ist jetzt eine Schau statte der traurigsten Per-irru ngcn, U «gerecht igteiten und (st raus am keilen gegen nnscrc Mitbürger geworden, welche mit n»S arbeite», ringen, kämpfen nm die höchsten welche ihr Blut und Vcbcn gleich allen Änderen für daS große geliebte Die l| ( ii t i « r II u m m r r Batcrland hingcbcn, welche, wie nur die Besten des^l'olleS,. die schönnen menschlichen Tugenden bethätigen. An das .Her; Euerer Ereellenz, welches.stets für-das Hobe, (''iiu und alles (ideale warin geschlagen. .hat, an (ihr (i'ercchtigtcitSgesiihl appcllire» wir, indem wir' an Euere Ereellenz, als das bcrniene Haupt des hohen Hanies. dasebenso dringende wie ergebene Ersuchen, richten, Euere Ereellenz wollen innerhalb des Pmrla ments mit aller Energie durch die E'ewalt. ^welche in ,i h r e H a n d g'c legt i ft, d e ni' T r c i b e n d e s A »t i >' e m i i i s in n - e i n E nde he re i t c n. liienehmigcn Euere Eieellenz den Ausdruck der aufrichtigsten Hoch / schäm,ng, mit ivelchcr wir vcrha'rre» als Euerer Eieellenz ganz ergebene. Freihcrr v. Suttner 'tzrändein , Tr. Nothnagel V eilenbergcr Ehrenpräsideiil. ' -iZlirenpiäsiücnt. Sc. Exc>llenz Präsident Tr. Smolka empfing die Tepnlalion auf's Frenndlichfle, nahm das Schriftstück mit der Be'rsichernng entgegen, es einer gründlichen Einsicht zu nnlcrziehen, und sprach sei» Bedauern ans über das Benehmen der Anliscinilcn i ui Hanse und darüber, daß die dci^ilige Geschäftsordnung leidtr ' dem Präsidenten nicht die Machtvollkvinmenheit crlheilk, mit größerer Strenge cinznschreilen. Tr.-Smolka wies auch darauf, hin, daß in de» Parlamintcn anderer Staaten, wie Frankreich und Eng land die Präsidknlcn in der Page seien, weil strengere Maßregeln gegen Ucberschreilnngen der Parlament irischen Tsrdiinng anzuwenden. Tie widerliche und empörende Hetze gegen die jüdische» Staats biirgcr scheint sonach gnf jenen Höhepunkt getrieben zu sei», auf welchem es erfreulicherweise keine» Bestand und von dem ans es keinen Fortschritt, »nr »och den Niickschrill und den jähen Absturz gibt. Unter den peinlichsten (Gefühlen »uißten wir es erleben, daß sich die E-loatenpolittk der Antisemiten iii^sdreise drängle, die ernster, nutzbringender Arbeit gewidmet wwreii, und daß sie in den. Berlrctnngskörpern der- Reichshanplsiadl, des p,indes ans endlich auch des Reiches die schamlosesten Orgien aiiffü(;vic. Allein vielleicht war diese.traurige Erfahrung nölhig, um nicht bloß das, breite Bolk von der wahren Hst stall des Anlisemilisnuis zu über zeugen, um auch jene vornehmen.Geister, die sich von dem Ant: semitisnins bloß mit Abscheu wegwendclen, jetzt »zu energischem Proteste und lhäliger Abwehr anszuriilleln. Böir -begrüßen das, Schriftstück, welches von so kwchanichnlicheit-Mäniwrn wie Herren - hausmitglied Baron tzeitenberger, Hofralh Tr. Nothnagel und Baron Suttner dem Pkäsidenlen des Hauses überreicht wurde, als Tocnincnt einer neue» Phase im^iampfc gegen den Antisemit',smns. Tie Besten des Bolkes-sprechen bereits eine beredie^Spraclie gegen diü'e empörende-Ausschreitung des Fahr Hunderts, Freunde d.r Abwehrbeftrcbnngcn ralliiren sich, um, wie die Frterpellateonen Baron Sommarngas im Abgeordnetcnhanse und Tr. Saern'o ist » c lf « ö e i t c u Nrli.

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