Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 35 (4.12.1892)
- Date
- 1892-12-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439249--0340-4886879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Freies Blatt Aboniitinkntsprkis: Ganzjährig mit Postjusendung . . fl. L’.NO. „■ Halbjährig fl. 1.23. Bicrlcljährig fl. —.C5 Einzelne Nummern 4 kr. Nummer 85. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. (vijiliciiit an jcbrm Soiiutngc. Wie», i. {lffriiilicr I t',9?. 'JicOiUtiaii ii»d SlDrniiiiftrmion: lOicn i. stoirovftatio 10. I. Jahrgang.! r;*mi7 Der „jüdische Salstimcber" in Galizien. (erigiiial-Minheilimfl des „Freien Blatte»" » kemberg, 2!». November. Das „Deutsche Bolksblatt" (Nr. 1.-101 vom 21». November) brachte einen Artikel „Der jüdische Salzwucher in (S'nlr,ien", in welchem den galizische» Inden der Borwurf gemacht wird, daß sie! mit dem Sal; einen, schiiiähtiche» Wacher treiben, den einigen i Großverschleiß wie auch den LI leinverschleiß des Salzes a» sich l gerissen »nd so „ein Monopol im Monopole geschaffen" haben, > welches ihnen jährlich Millionen abwirft, den Aerniste» der Armen! aber diesen nvthwendigsten Bedarfsartikel vertheneit. Im Nach , slehenden wollen wir n»r Einiges'ihatsächlich berichlhien »nd die; Expectorationen des Aaliseiliilcnt'lalteö ins richtige Beht stelle». j Es heißt in diesem Artikel: „Die Juden setzen sich innächst i» den ausschließlich. >i Besitz deS Großverfchieißes, m» jede störende Eoiiemren; zn beseitigen." Diese Behanplnng entsprieiit nicht d/r .?>' Inl'eit dev» ihalsächl'G hen Gsch!-'iß >»:e '’lcj'rfc Vertretungen in ihren Händen, welche das BorzugSrecht des direeten Bezuges des Sudsalzes von de» Lalinenverwaltuiigen besitze» und von diesem Vorzugsrechte Gebrauch machen. Erst wenn das ganze produeirte Sudsal; von den Bezirksverirelnngen nicht verbralichl werde» kan», wird das Tal; an private Großvorjchleißer ab gegeben. So sieht es in Galizien mit „dem ausschließlich jüdischen Besitze deS SalzgroßverschleißeS" ans. Der Detailvinkanf des SalzeS, wie jedes andeien täglichen Bedarfsartikels, hat keine einheitliche Organisation. Entweder wird das Sal; von den Bezirksoertretungen in eigene» Niederlagen zu! einheitlichen Preisen verkauft oder ebenfalls;n einheitlichen Pensen. > an Unterhändler abgegeben, die verpflichiet sind, das. Sal;;n gewissen fix bestimmten Preisen;.i verkaufen. Die Bezirksver iretunge» haben die freie Wahl, als Unterhändler diejenigen Personen;u bestellen, die ihr Bertrauen besitze». Und wen»'in viele» Fällen das Bertrauen der Bezirkövertretniigen, die über de» Bei dacht einer auch nur mäßigen Indeüfreundlichkeit -- leider, da> f ich hinznfiigen — erhaben sind, auf jüdische Händler sälti, daun ist! eö nur ein Beweis der Bertrauenswiirdigke.it der j,wischen Händler und zugleich der Hinfälligkeit dee weiteren Behauptungen des , anliseiirilischen Heyorganes, daß die jüdischen Kleinhändler ihre Kunden betrügen' und an dem Salzhandel''Millionen verdienen. Die Ziffern, welche dps „Boltsblatt" anführt, sind vollständig anö der Luft gegriffen; das „Bolksblrtt" könnte ebenso leiecht behauptet habe», daß die Kleinhändler am Salze niecht zwei, sondern zehn Millionen verdienen; das sind »»eonlrolirbale Ziffern, die * leicht hingeschricben sind, aber durch nichts erhärtet werden können. Wir aber, die wir diese Salzhündler kennen und mit ihnen Berkehr habe», sehen ihre Millionen nicht; dafür sehen wir ihre Armuth, ans der sie trotz aiig.strengter Arbeit, gerade wegen des knappe» Nutzens beim Salzverschleiß, sich nicht.herauöarbeiten können. Wir wollen hier auch auf die Genesis der vom galizische» VandeSansschnß unternommenen Bestrebungen, das Salzhandel monopol für Galizien zu erhallen, mit einigen Worten eingehen, da sich däiaus ergeben wird, wie lügenhaft die Berdüchtigunge» des „Volksblatt" sind. ES sind gerade zwei. Jahre her, als die damals gegründete Galizische Handelsgesettschafl auf die - Idee verfiel, den galizische» Salzhandel in ihren Händen zu monopo lisiren. Dabei schaute für die Gesellschaft, nach deren eigener Aufstellung, ei» Gewinn von einer halben Million Gulden heraus. Um aber ihr Bestreben populär zu machen und sich einflußreiche Gönner zu verschaffen, hieß es nach außen, die Gesellschaft beabsichtige den Salzpreis im ganzen Nrnde^zu »nifkiren und zu ermäßigen und der Bevölkerung das Salz zu verbilligernr Auch damals wurden bereits mit der Regierung Unterhandlung?,, gepflogen. Die Regierung verlangte von den galizische» Handelskanimern ihr Gutachten; da erklärte» diese »ach genauer.Prüfung der Verhältnisse und Einholung von Informationen im ganzen Vande, daß von der bejh^iligt'en eonsuiiiirendeii Bevölkerring keine stlage» vorliegen, und dag die.jetzige Crgauisation des-Salzhandels . aufreechi zu erhalten sei. In demselben -Sinne erklärten sich die " galizische» Bezirksvertrelungen ganz spSntan i» zahlreichen Peti lionen an >en Pvleneliib im Reichsraihe gegen die Abmachung mit der Handelsgesellschaft. So stehen nun zwei Gutachten gegeneinander: das der galizische» HandelSkain»lern und Äezirksvertrelnugen einerseits und das des „Boltsblatt" andererseits; da wir weniger »»entschlösse» sind als der österreichische.Abgeordnete Schlesinger, fällt die Wahl zwischen diesen brid'n. '^'itach'-en. g-'r nicht 'schwer. Äiich scheint sie der Negierung nicht schwergesaite» zu sei»,, da sie de,» Ansuchen der Galizische» Handelsgesellschaft, ihr das Salzv.rschleißNionopol für Galizien :u übergebe», keine Folge leistete. " . -Nun hat sich der galizische Vandrsausschnß des Projee-les b.e inächligt, und zwar in der-Absicht, de» Preis beö Salzes für die - Bevölkerung, deren Hauptbedarssartikel das Salz allerdings bildet,;» verbilliger». W.r aber, wie das „Boltsblatt", meint, daß dadurch bezweckt wird, de» Kleinverschleiß de» jüdische» Händlern zu entreißen, der ke»i»t oder will die Berhältnisse i» oiitizie» nicht kenne». Abgesehen hievon, daß dazu keine Beraittassnng.vorliegt, wird durch die Ueberuahme des Salzverschleißmöuopolrs durch de» galizische» Vandesansichuß in der Organisation des Salzhandels »ur das Eine geändert, daß ein neues Zwischenglied hinzukonimt. Der r'andesausschnß wird den Bezieksverireiunge»s nach wievor -das Borzitgsrechl des Salzbezuges rinräunien, und zwar in einem noch höhere» Ausmaße, u-nd der Deiailhändler wird ders Salz mul) wie vor von der Bezirksvertreiung bezieheii. Wen» aber das „Bolksblatl".der Aetio» des i'anVesausschusses, das Salzverschleißnivnopol für Galizien zu erhalle», einen a»li seinitischeii Stempel aufdrückl, so mag dies im Ingerene der shsteiualisehen Berlfltzung liegen, sollte aber .'liemaiideu, der'den Aposteln des Heisse» keinen blinde.» Gllrub-e» ichenki, beirren. ' Sbindessen die Uebernahme des Salzverjeb'e.ßes -durch eines autonome von Natur aus schwerfällige- Behörde von Erfolg sein wird, ob dadurch -..i Hai such lech die Berbillignug d-s Salzes wird erzielt werden können^ ist eine Frage, deren Erörterung nicht hieher gehört uiid Fachkreisen überlassen werden muß. profc'flor Stvad’ dis 21iaim der cüyit. Vinrit .\vritas! Cb uia» au eh der Wahrheit iwch viele Hiuder uisse in den Weg legt, sie aus die heiuitnäischeste und raistuirtene Weise zu hennue» sucht, so kann, »tan sie doch.nicht i» ihre») Driüuiphzuge ausbalten. Sie geht über die große» und Heine» Streber,- welche nach dein berüchtigte» Grundsätze:- „£er Zweä heiligt die Mittel" atteS Mögliche und Uiiniögliche aufbirle», »in Helde»rolle» r» spiele», zu Macht »nd Ansehen zu gelange», zur aagesorduuug über: ne drnät l i 1 o.r'N V