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Freies Blatt · 1892-11-13 · 32 (13.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
32 (13.11.1892)
Date
1892-11-13
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Nr. 32. Freies Blatt. Seite 6. — gegen fim'ti Man» vo» @(nie und Ehre zu eifinde» und zu verbreiten imstande ist. Ich hegte für Renan die größte Bewunderung, die höchste Achtung, die givßtc Zuneigung. Ich habe diese Gefühle öffentlich bekundet, wann immer ich von ihm sprach, »ud >o oft ich über ihn »chrieb. Ich fordere dieses clericale Blair ar>»,. den Beweis für die blödsinnige Anschuldigung zu erbringen, die eS gegen mich erhebt. (Genehmigen Sie, mein Herr rc. - - A T nm'aS. Trumoul — vtrschollcn.) Man schreibt lins ans Paris: In ganz Frankreich hat inan.außer der „I.lbre I'arole" des Herr» Trnmont nur noch ein einziges antisemitisches Winkelblatt entdeckt, nämlich ei» angebliches Witzblatt in Lille. Sonst ist von einer antisemitischen Agitation kaum eine Spur zu entdecken. Trsimont von den Bischöfen perliorrcseirt, wüthet jetzt gegen die konservativen und katholischen OS: selüchasiekreisc und gegen die >-i-,kraul clcrical monarchische Rechte der Rauuuer, weil sic sich des antisemitischen Treibens schämen und die T issamalionseampagnc gegen Juden und Republikaner nicht initmachen wollen. Er beschimpft die Gesammtheit der Pariser Journale, weil keines davon sprach, daß er seinen Arrest angetrctcn hatte, oder ihn einer sonstigen Erwähnung würdigt. Tic Artikel, die er im Arreste für sein Blatt schreibt, unterzeichnet er Silvio Pcllico — eine enorme Lächerlichkeit, welche ihn nicht davor, bewahrt, der Verschollenheit anheimzntaÜen. Um doch noch einigen Lärm zu verursachen, vergreift er sich jetzt an Herrn Senator Hebrard, Tircclor des „Teraps“. Er insinnirt ihni, aus^eni Panama-Schwindel Millionen herausgeschlagcn und eingcftccft zu haben. Es fällt keinem Menschen ein, daß Hebrard ihn einer Entgegnung würdigen könnte. Hebrard könnte sich allerdings -im Wiederholungsfälle den Spaß erlauben, mit einem Tistamatioiisproeene den antisemitischen Beutelschneider vollends zugrunde zu richten. Ter insolvente Trnmont spccnlirk wohl darauf, seine Verschollenheit um die Tarier einer Gerichtssitzung zu unterbrechen. Hebrard hat jedoch kein Verlangen, damit Zeit zu verlieren. Wieder einmal nngcrecht beschuldigt.^ Ter „Stambul" erzählt folgende interessante Geschichte: .Vor ungefähr zehn Monaten veiichwand esn Albanese ans Lilivria; das Verbrechen wurde den Inden zur Van gelegt. Trotzdem wurden dieselben dank dem Schutze der Behörden nicht belästigt. Nun hat man dieser Tage die Mörder entdeckt unter Vcrhältnisicn, die ans Wunderbare streifen. Ter Gcmordeic hatte einen Bruder, der Bäcker war, oder vielmehr Angestellter in cinckr Bäckerei. Mit diesem Bruder hatte er Ln Silivria zwei Tcfcn zur Brotbäckerei eingerichtet, welche die beiden in der Stadt schon bestehenden Seien schädigten. Ta bereitete »n» -ein gcwiffer Ljorghi, chemaligkr Meiner des Bäckergesellen, im Einverständniß mit drei anderen Bäckern, Waistl, Stamoti und Strati, einen .Eöup' gegen den Besitzer der beiden Backöfen vor. Vermittelst einer List zog chorghi den Albanesen, natürlich den reichen Albanesen, in' den Ssenraum eines der erwähnten Bäcker, und Wassil. versetzte seinem Eoncurrentcn einen Sch^tg. mit-der Art, daß er todt hinsicl.-'Nachdem sic die Leiche in einem Rclldr des Sfens begraben hatten, thcilten die Mörder das Geld, welches sie in den Taschen des Tpfers fanden. Ter Mörder Wassil nun vertraute sein Geheimniß nach Ablauf von drei Monaten einem Forstbcamkcn an. Tiefer, der in Adrianopcl wegen eines Verbrechens im (^efängniß saß,' erzählte die Thatsache einem Tritten, der zufällig ein Agent der Geheimpolizei war. Ter Agent berichtete die Sache Edib Pascha, der alsbald dem Mustescharif von Tchatalga tele gravhirte. TerPolizcichef ließ die zwischen dem israelitischen und dem griechischen Viertel gelegene Bäckerei umstellen, und der Leichnam wurde bald entdeckt. Tas ganze Volk versammelte sich, um mit eigenen Augen' das Toter zn sehen. Es wurde bestattet, und alle Einwohner, ohne Unterschied beglückwünschten die Jude», deren Schuldlosigkeit erwiesen wurde" antisemitischen Vereinen und Versammlungen. »Lueger-Feier. > In einem Mariahilfer Gasihause wurde zur freier des Namenstages Luegers von den Antisemiten ei» Festabend abgehalten, bei dem einige bemerke,iSwerihe oraioroche Leistungen vorkamen. Herr Gregorig bezeichneke e» als „Fingerzeig Gone»", daß eine Firma, die angeblich einmal an Lueger eine Bestechung versucht halle, letzthin insolvent geworden sei. Ritter v Troll, welcher gegen feine Widersacher lich zumeist der Schsenknechte.bcdieut, erwies sich Herrn Lueger dafür erkenntlich, daß auch dieser ihm seinen Schutz gewahrt, und seierle „unseren verehrten Führer" und die „Einigkeit der christliche» Perlrerer". Ein gewisser iiuntschak bedauerte, daß „noch viele" Arbeiter sich um die amiseinitischen Größen nicht kümmern. <„Noch viele" - ist gut getagt Ter Bürgerichullehrer Rauscher machte A folgende Aeußerungen: l „Unser Dr. stark Lueger hat der Eorruptio» -eine« Lloyd, einer Donau l DampsschissfahrlSgesellschaft und deren Perl Heid igern i nt goldbetreßte» Fracke gegenüber da« richtige Wort gefundeil, »nd ich hosfe »»d bitte, daß er .auch in der Wiener Rath«st»be alle Schonung gegen eine Partei auf geben möge, von deren oberster Spitze ausgeschlossen zu wrrdcn fürwahr von jedem VolkSmanne als die größte coinmunale Auszeichnung zu betrachten ist. (Herr Schullehrer, diese Sprache geziemt Ihnen am aller wenigsten!» WaS soll ich noch von unserem starl als Freund sprechen? Er, i„ dessen Brust Raum für die Liebe zu den Arme», Unterdrückten und Geknechteten unseres Volkes ist, weiß auch dein Einzelne» echte Freundschaft zu spende« und zu erwidern!" (Die Pfändungen und Feilbietungeu, von denen man durch Lueger « Proceß gegen Scharf in den weitesten streifen stenntniß er langte, illnstriren drastisch diese Liebe;n de» Armen-nnd Unterdrückten. Was aber die Freundschaft anbelangt, so dürften, abgesehen von Dr. Mandl und anderen Jude», auch Beiter, Schallaböck re. mit derselben unangenehme Etfahrungen gemacht haben) Ter gefeierte starl, jedeizeil selbstbewußt, sagte, der Raum, in dem er sich befinde, erinnere ihn an das „Jett ei »es Feldher rn" (Ger.eralftabsches ist vermmhlich Gregorig) und darau, daß „wir »ns ii» stampfe bcsinde» »ud befinde» werden so lange, bis der Sieg erreicht oder wir ganz erlegen sind". Ter immer mehr ansartende Schneider lobte Lueger, weil letzterer die jüdischen Aerzte im Landtage angegrisien habe. Jetzt sehe man, daß „der ganze Eholerarummel nur gemacht wurde, damit einige große Juden Lankerolte entschuldigeu können". (Strkal und Wodal sind also au« purer Liebe zu de» bankeeottlustigeu „großen Juden" an' Cholera erkrankt, und crsterer ging in »einer Förderung jüdischer BelrngSplänc so weit, daß er staib.) Unter vielen anderen Glückwunschaussagcrn befand sich auch Herr Helbling, jetzt rin ebenso überzeugungstreucr Antisemit wie vor nicht langer Zeit, »och vor seinem Durchfall bei den LandtagSwahle», ein über zeugungSlreucr Liberaler. Das Menu ist im „BolkSblatt" nicht verzeichnet: den Theilnchmeru am Festabend sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach ausgezeichnete „Benscht" servirt worden. Wohl bekomm'«! (Eine gründliche Abfuhr.) Etwas verspätet gelangen wir zur stenntniß einer antisemitische» Versammlung, welche nicrkwikrdigetweise in der ami iemiliichen Presse, auch in der reichSdeutsche», ängstlich geheim gehalten ivnrde ES mag seinen Grund haben. Am 7. Tciobcr sprach nämlich der bekannte antisemitische Vielredner Tr. Paul Förster in st öl» über „die Hilfe für den Mittelstand im -stampf mit dem Judenthnm". Als Förster 2', Stunden perorirt hätte, meldete sich ein Socialdemokrat namens Meyer znm Worte und führte Folgendes aus: Er sei aus der jüdischen stirche amtSgcrichtlich aus getreten, da er aus dem Boden des -Atheismus stehe. Ter Wahrheit zur Ehre müsse er aber die falsche» Angaben der Antisemiten bekämpfen. (Lho Ruse, großer Lärm.) Ter Redner sagte mm: „Meine Herren, rufen Sie»doch nicht Lho! Ich gestehe offen, daß ich hier in Bezug aus AntisemitiSmu/ andere An schauungen als früher habe, und heute sehe ich ei», daß Ihr Schlachtrus: ,HaiU dje Indekl nieder!' vom moralischen, vom christlichen und voin humane» Standpunkte nur gutzuheißen ist. (Allgemeines Erstaunen.) Während die Bankiers, Actionäre, Großgrundbesitzer und Millionäre — und das sind nur Juden — iit Lau« und Braus leben und Auster» mit Champagner genieße», muß der Mittelstand, wie auch der Referent hervorhob, sich abrackein für das tägliche Brot, »nd auch die breiten Masse» des Volkes müsse» im Schweiße ihres An gesichtes das tägliche Brot verdienen. -Ruse: Sehr richtig!) Woher kommt es nun, daß dieses Brot-dem Volke so sehr verlheuert wird'? Daran haben nur, die Juden Schuld. (Bravo Rufes) Rehme» wir erstens die sogenannten Schutz zolle, wodurch jeder Bisse» Brot schwer besteuert wird. Wer hat »nn Interesse a» diesen Zöllen, und wer hat sie mit ins Leben gcrusen? Ja, meine Herren, das sind z. B. die Großgrundbesitzer Fürst von Fürstenberg, Fürst vo» Arcm berg, Fürst vo» Thmn und Dari«, Fürst von Bismarck; »»», meine Herren, das sind nur Juden! lHeilerkeil.) Toch »och mehr! Wenn daS Mehl einmal in stöl» augekommen ist, dann wird das stilo Brok statt der osficicllc» 17 und 18 Psg. von den Vorstandsmitgliedern der Bäckerinnung zu 21, 25> und 26 Pfg. verlaust, und woher kommt es, daß in dieser Weise daS brvteonsnmircnde -stölner Publicum tagtäglich um mehrere tausend Mark über« Thr gehauen wird? Sehr einfach, meine Herren, weil die .stölner Bäckerinnung durch und durch vcrjudet ist! » Heiterkeit.) Wenn nicht sämmtliche Vorstandsmitglieder wie jetzt Juden wären, sondern ehrliche deutsche Christen, dann wäre es nicht vor' gekommen, daß die Bäckerinnung mit de», Polizeipräsidium .(tölsch-HänneScheii gespielt und mit unwahren Angaben auf Kosten des Kölner PublicumS um sicki geworfen hätte. (Lärm; viele Stimmen: weitersprechen!) Ja, meine Herren, die Juden sind-nur Betrüger! Sie betrügen Staat und Gemeinde und ihre Mitbürger! Wir-haben die« bei den christliche» Sleucrdesraudalionen in Bochum gesehen, Baare und seine Freunde, die sich zu niedrig einschätzten, sind nälürlick» nur Juden! Inwieweit aber an der glücklich günstigen Wendung der Beleidigungsklage Baare gegen Fusangel die Juden schuld sind, habe ich »och nicht ermitteln können! Wir haben hier in Deutschland eine sehr schöne nützliche Institution, genannt Militarismus! Daß aber diese nützliche Institution Millionen nutz Milliarde» verschlingt uud jetzt »vieder extra 100 Millionen Mark aus Kosten de? Volkes fordert, daran haben natürlich' allein die Juden

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