Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 31 (6.11.1892)
- Date
- 1892-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. v Freies tieff« nicht;um Ätzdrücke brachte, worauf da- „Pate rl a » d" derselben gastliche Aufnahme gewährte. Im Schreiben Pergcr's heißt es: „Mir zuzikmutheii, daß ich die Inden reinwaschen wollte, ist eine unbrüderliche Beschuldigung. Es ist kein Jude gewesen, dein die .Hrn:jc#formcl ein Acrgerniß war, sonder» ei» Protestant, dessen Reinwajchung die nanicnloscu Herren Katecheten übernehmen zu wollen scheine». Ich erachte es als meine» Berns, auch gerecht gegen Andersgläubige zu sei» und die Verleumdung zn verachte». Man inüßte mir eigentlich dankbar sein, daß ich die Wahrheit ans i’idit brachte, denn i in anderen Falle wäre eine Jude »Hetze entstanden, der wahre Thaibestand wäre doch aus Licht gekoininc», »ud nia» hätte wieder zu dem nicht mehr »»gewöhnliche» Entschnl dignngs mittet de» schlecht I»sor»iirlgewesenscins greisen müssen." (Hein Brief Vergani's.1 Es -ist geradczit unbegreislich, wariiin die Ami semiteu in den Leitartikel», Emrenlels, Nachrichlsrubriken rr. ihrer Blatter eine wahrhaftige Al laslast von Langweile und Tnmmheil auiftapeln, während-sic die eigentliche» Sensalionsnachrichlen ga»; hinttn, in winzigen Lettern im Brief laste» ablhu». Wenn sich z. B. zwei Großanlisemikcn gegenseitig die größten Schändlichkeilen »achzusagcn haben, so lhun sie das im Briefkasten ihrer Zeilung ab. Tamm ist dieser auch die interesianteste Rubrik antisemitischer Blätter und wird von nns mit besonderer Liebe behandelt. So bringt der Brieskasten der letzten Nuinmer der ,.U nv ers äl sch re» deutschen Worte" wieder die Er iniierniig an ein interessantes Schreiben, welches Bergani am 21 September IK>!» an Schönerer richtete. ES lautete: „Hochgeehrter Herr von Schönerer! Ter Teutschnationale Verein ist aus gelöst Ich flehe Sie heute a», bewilligen Sie mir eine» .Tcut>chcn Volksvereinalliogleich zu gründe»' — sch flehe Sie an, sprechen Sie ein Macht - ivorl für die Deutschnalionalen und für das .Völksbiall' — denn es leidet die antisemitische Sache durch das Hervorkrängen der so genannten .Bereinigten Ehristen' oder .Ehrisrlich Sociale»-. Lenke, wie Lueger! Gregörig! Hawranek! Pfister! Schneider machen »ich breit, Hetzen ossen gegen uns Nationale und geheim gegen in ei n Blatt. — Ich bitte, ich stehe Sie an,-» Helsen Sic nns und lassen Sie Ihr Werk nicht io vernnstaltcu. In Eile-und Aufregung! Ihr ewig treuer . ' Bergani." Temi'Or» mutautnr! Heule gehören „Leute wie Lueger" zu Berga«»'» cisrigsken Mitarbeilern und Patronen. I». f(vint Drohung. i Jro droht der sortschrittlichen Presse. Sic solle die „Teutkchen" ilies: Antisemiten» nicht mehr.gar z» lange reizen, denn deren Gulinülhigkeil dürfte bald zu Ende sei». „Semiti'che Zeitungsbriil, hüte dich!" — schließt Jro» Trohung. Wir aber erlauben uns-u bemerke» :^Richter im Processi Schönerer waren die Käthe Holzinger, Kaiskn, Lorenz und Schmiedel. >>. iWas dic „Ilnvkrfiilschkcll" cintragcn.)' Aus »Krems wird uns geschriebe»: Tie „U nvcrfä lschte» T eutichen Wor le" waren am st!. Juli d. I. wie io oft confiscirt worden. Tiefe Beschlagnahme wurde jedoch gerichtlich als iliuzerechlferligl erkannt und der durch die Eonnscalion dem Blatte verursachte Schaden über ausdrücklichen Anspruch Schönerer S mit 1H st. 25 kr. vom Kreisgerichke KremS vergütet. Tas „Politische Potksblatt" bemerkt - hiezu, daß der Fall, >öo nach einer aufgehobenen Beschlagnahme ein Schadenersatz anerkannt und beansprucht wird, ziemlich selten fei; gewöhnlich lassen es die Schristleitungen iu den ohnehin seltenen Fällen einer gänzlichen Aushebung der Beschlagnahme dabei bewenden, Recht erhallen zu habe». Schönerer kämpse stramm und unablässig gegen die vorhandene Preßordnung mit allen gesetzlichen Mittel», was natürlich selbst dann, wenn er obsiegt, ihm stets große Geldopser verursache! An einer erkämpften kleinen einzelnen Entschädigung erhalte er wohl kaum die Interessen Testier Auslagen. Nun wissen wir es, worin die journalistische Strammheit Sckwnerer'S im Gegensatz zu den übrigen Schriflleitiingeii (liberalen?i besteht. Interessant ist aber auch, wie hoch Schönerer selbst den.Werth.seines Staalsanzeigers razin. 18 fl. 25 fr. ist fürwahr selbst in Anbetracht der antisemitischen Hungcrlöhne ein winziger Kostenpreis. Und doch! Wenn inan bedenkt, daß eine Nunimer der „Unverfälschten" 2'.» kr kostet und annimmr, daß da» Blättchen nur 20) Abnehmer hat, so betrügt das Risin erträguiß für Schönerer 21 st. 75 kr. im Monate oder 522 st. im Jahre. In ,Änbeir.tchr dessen scheint uns die obencitirle Beschönigung der Schöncrer'schen „strammen" Kampsesweise nicht nur nicht gerechtfertigt, im Gegentheil, Herr. Schmuel Leeb Koh», wen» er es erlebt hätte, würde seinem Bertvandte» gewiß schiiiunzelnd zu dein Geschäfte gratutiren, welches er mit den „Unverfälschten" macht. t (Eine Verdächtigung bt» Tr. Schmcykal.) Antisemitische Blätter bringe» ei» Schreibe» zum Abdruck, welches ein bald mit Steinwender, bald mit Schönerer-liebäugelnder Herr Paul Pacher an Tr. Schmehkal richtet und das in der Fori» von Fragen den Führer der Tcutschen in Böhmen der Mil wiffeni'ä>aft an der Maßregelung der Reichcnberger-Stadlvcrtretnng zeiht. Wie die Warnsdorfer „Abwehr" miltheilt, hat Tr. Schmehkal schon zu einer Zeit, ivo Herr Pacher sich noch nicht zn dem genialen Gedanken cmporgeschwungcn hatte, die Berdächtigungen tschechischer und überhitzter „unversälschter" Organe in einem offenen Schreibe» znsammciizufaffe», dieselben i» Privalbriefen ans das entschiedenste zuruckgewiesc». (Zu/Rrichsrathswahl in Tcschkil.) Die „Troppauer Zeitung" brachte folgende Ertlärung: „Wir sind von »laßgebcnver Stelle zu der Eiklürung ermächtigt, daß-die vom .Teutschcn Bolksblattgebrachte Nachricht, cS hätte der Minister Graf Kuenburg an den Teschener Bezirkshauptma»» das bries liche Ersuche» um Unterstühling der Wahl de» Tr. Leonhard v. Demel zunr, Reichsraihsabgeordneten gestellt, vollkommen unwahr ist." Dr. v. Demel hat auch die ihm angebolene Eanditatur für da» durch den Tvd seines BaterS erledigte Rcichsrathsmandat des Teschener Wahlbezirkes abgelchnt, und eine Bersamm lung von Bcrlrauensniännern der deutsch liberalen Partei stellte den Advocate» Tr. Sobieslau» Klucki als' Eandidatcn ansT^-Uiu aber die ' Einigkeit, der Teutschcn auch in Ostschlesien zn stören, candidiren die Antiscinite» für tao erledigte Teschener Mandat Herr» Johann Rosner aus Tesche» als Eandidatcn des Gcnossenschaflsverbandes, und zwar „lediglich vom gewerblichen Standpunkic a»S", wie c»'in Aiitisemitenblättcr» heißt. Hiebei wird der.Eandidat geflissentlich „Kaufmann und Holzwaarenerzeuger" genannt. Herr Rosner selbst bezeichnet sich als Bankier und Holzwaarenfabrikant. Tiefe richtige Bezeichnung erscheint jedoch mit Rücksicht aus den gewerblichen Slandpunkl iiiopportun, und aui eine Eorrectur der lhalsächliäicil Berhältitissc kommt es aiitiscmilischen Organen^ nicht an. (Zur Answandrrung au» Galizien.) Man schreibt u»s aus Lemberg Herr Ernst Bergani fährt, obwohl er als Galiziaucr Land und Leute keui». in seinem Wiener Blatte fort, die Aueivanderuug galiziicher Bauern aus „jüdische Ausbeurung" und Bersührungskunste jüdischer Agenlen zurückzuleitc». Ter Ab geordnete OkuniewSki aber, der sich in die voin AuSwanderungSsicber heim gesuchte» Bezirke begeben hatte, berichtet über die dortige» Lohnverhättnisse: Gutsherren zahle» Arbeitern zur Erntezeit -täglich 25 kr. ohne Kost, nachher 21 oder gar nur 18 kr. Mädchen verdienen 15 kr. und Burschen 12 kr. täglich Mit der „Ausbeutuug" scheint es demnach seine Richtigkeit zu haben; falsch ist jedoch da» Epitheton „jüdisch". Ebenso »mvahr ist e», daß Inden bei der jetzige» bäuerlichen Emigration als Agenten mitwirke». Polnische Blätter, die eher alles Andere al» der Verdacht de» „PhilosemitisinuS" tresse» kann, ei zählen nur von russische» Machinalione», von verhafteten Kirchensänger», gber nicht» von jüdische» Speculanten, die Rußland Emigranteiunaterial liescru Rassische Grenzbehördeu sollen die Auswanderungsbetvegnug gefördert »ud de» Bauern weisgemacht haben, „Väterchen" würde ihnen, wenn einmal die Eholera vorüber sei und sie gefahrlos überall hiuzichen könne», im Innern Rußlaute Grund.»nd Boden i» Hülle und Hülle anweisen. So darben denn viele Bauern, deren Nothlage izi Folge der EmigralionSsucht noch bcdenlciid verschlimniert wurde und lhatiächlich aller Beschreibnng spottet; gewissenlose antisemitische Hetzer aber haben die Stirne, außerhalb Galizien» ihrem f>. t. Publico die aller Wahr scheinlichkeit nach von Söldlingen eine» panslavistischen Eomilv» zur Russen ichwärmerei Berführteu als „Judcnopfer" vorzustclleu. Briefkasten. I». i» Krems. Besten Tank. Wollten Sic uu» nicht gelegentlich besuchen, um über da» augeregte Thema Rücksprache zu pflegen:' Herzlichen Gruß. Hrrr» sind. gilt'. L. P. in Prag. Wenn der antisemitische „Figaro" i» Wie» einen Gegensatz zwischen „christlich" und „griechisch" construirt, so ge schiebt das vielleicht, weil er die Grieckfen für Bekenner de» Islam hält. Bcikritlserklärilngcu;nm „Brrcin zur Abwehr des Alltistinikismus" werden cittgegtligtiiomiiic» im Lecrctariatc des Vereines, Wien, I., Pariscrgafle 4. , Ado»nemr«1»anmrl-U»gen aus das „Freie Blatt" nimmt die Admioiftratiou, Wie», l., Seilcrstätte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auH einzelne Nummern abgegeben. , Probenummeru zur weitere» Verbreitung de» „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenosse» aus Verlangen bereitwilligst zur Versügnug gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Rctacteur: Ernst Victor Zenker. — Truck von Eh- Reißer & M. Werthncr, Wien.