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Freies Blatt · 1892-10-23 · 29 (23.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
29 (23.10.1892)
Date
1892-10-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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feite 2 Freies Blatt. Nr. SA. um iiu'Nt lliniMf'ei'.lieit z.ugeittc Angriffe gegen die »lediciiiUche Wistemchaft ime icbei Gmntl.ig,' embchrcnto tugenliaftk Verdächtigungen gegen die jüdischen °.'te>-,te und eie Si’itiilet Wiens erhöhen. Indent der Verein der Aerzte des l Bezirkes iider tiefe aln>teulid eu Verleuindunge» feilte tieffte Entrüstung aus- .'i i du, l.inn er zngteicki fein lebb.it,es Vedauern darüber nicht unterdrücken, dag die l e.n'enen "Irren e.d e AnSdrürte von Robbest und in ihren Folgen unberechen b.ue H.nieten »ickit >o'urt und in der energischesten Weife verhinderten oder tnrückit'ieiei:. rer i'l e v; t; i dt e B c r ei n des > I. Bezirkes faßte folgende Resolution: ' Von einzelnen Abgeordneten des niedetosterreichifchen Landtages wurden in d -n lebte» Wiblingen g.iu; nngereckttfertigte Angriffe gegen den iir;tlichen Stand i.be b.invt und insbe'ondi'te grobe, ehrverlebende Verdächtigungen gegen die A.'.gie ■::’.i-ei Eoi'.'e'sion und gegen die Spitäler ausgestoßen. Vbzwar die V iv:: Vro'i "orrn L i: dII ig und fitest schon in den betreffenden 2i(<iingeit ::e n.nulte;iiinck:i.n'ei!en veriuckn habe», so füblt sich der Aetztlickie Verein e s bl Ve;i! o dennocki verantastt, seinen iieisten Ab'ckieu und seine Entrüstung i'l.i i-ne nnanati'ietrbaren und lngenbatten Veicktuldigungen anszndrücken, und! "t. de. st in ^i.tiiii't von den maßgebenden Faetoren inehr als bisher ge u >nen werke, um 'olcke Ausbrüche der Robbeit, ldie nur geeignet sind, dar '■envnbiienni irreznfnbreii, biistaiiznkaltcn oder wenigsteuS energisch zurück rniret'en ES erscheint dies mit fo noilnvendiger, als bei einer etwa herein bnechend n Eride-.nie'durch deuei 'Hebeteien die Aerzte als die Hüter der öffent lick en lU.nn dl eit zu,» Schaden der Attgeineinbeit in ihrer Thätigkeit gehe,»,nt Bo:» Aerztlichen Be re in t m- III. Bezirke wurde folgende 'Vt;;;u'it befdiii'tfen : ' fei .i vlide Veie.n int III Bezirke weicht ''eine Entrüstung aus über : .V;ti-.1 eit Wt'>en''ck>äst'UNden, aiglichen Stand-tim niederösterreichischen : .'ge von feite t' g r...biseordueteii zngefügte Veleidigniig und dankt den - . . ::audta.zab,:e-evdnet«» .K-.-t-r nmirniticus Pro'estor Ln divig und P.o . " Educh.d -fließ 'tir die energische Abwehr.. Br.-.'e'for E! r o z a k iogioseiner Aittrittsvorkesung. deren bereits' .: 'i■. i'pvtjtetT’Jiininrfi' fe-e „/vieicit Blattes" Erwähnnug gelkan wurde, a l t.tilg »t.'lgcudes: .'.'A'its Betreu' ,1s dank: .Vene:: für den freundlichen Empfang, den fie . Vit'ver U7tl'.ll . :» li.Bevor ich zu meinem Thema übergehe? l .l .! l.l tim!'!», et!'.'!, Ge,'.eiiKand zu berühren^ der UN» Aerzte und auch i- . :: e Vev. ■» die s-ch den tnedieintichcir f Indien widmen, ziemlich nabe l ,1.1;j; s -ch-.r. ii.ei'^ ne':::; lieutzutage der ganze ärztliche Stand Vera . l i..l.l.i'.11- - --i.i-d Anseitu nn./n ansg."'eb: in. Es ist dies um io schwerwiegender, e.,1 A.,'eti.7.u:gif. aus dem Sckoße höchster Körperschaften ausgeheii. Es an, -*uack-er Trost, daß de.iei Angrstfe auf nn>'eren Stand von vollständig a. . 'lll'eneil Elementen anege!en. Bur die sttiliche und ethische Aitrbildnng, mit l. '' . . .t ätlicher Tüchügkn: g.oaart, vennag . «ns Halt zu geben - und unsere W d l ß inds'i'ngteit ili stäikiy.gegenüber solche» Anfeindungen, Legen Sie daher, li'm e Herren, die Sie nch s'ür den >'o schweren ärztlichen Berns vorbereiten, . a i es'e: >a. ivickn auch au' Flie sittliche und etbi'che Vervptlkominiinng, die von I. ' ' nj bunl.'i.ell Bez»k>" unzertrennlich ist Wirken Sie in diesem Sinne, dann li nie mit veieime, 'ira't den Eteignineii gewachsen fein. lAUgemeiuer iiiti'ter AvvlgdlS und Pt ein Ruse.' >i.t äbulicker BE rite reriinheilte Hofraih Br. v. Stclliuag t :: Auil'.lllltlsliiuS im Bandlagc, indent er ». Ä, bclonte, es fei i'l-z.alllckieli, daß derlei iliigebenerlichlelten überhaupt zu Ende des II. lll",.'l'i.'.' Ealirbilitdens önentlich ausgesprochen werden konnten, ^ll rl' d Ausplache des brrühttiren Augenarztes fand allseitige siürinischc . :;_:r::: ’ Ans 2; b i:; g uns geschrieben: Tir große Proteslver- 'sälnmlnt'g l.l .1 lins'. '.llö ivltd wohl in der gebildeten BEell den Eindl n ck nicht rer fehlt I;!••.», den jede Enuneiatioii ehrlicher und charakterrou.r Biai:'.l,r zur ,v ige baben nrnß. Beider^ader scheint es sicher zu ' :>r, daß dle -<?,:ittiotuitt*dieit Bübereien nochUchk ihr Ende gefunden haben, und -aber' vermißten wir in der Bersammlung Eines, Es unüde. nael'dent die Angriffe Schneiders gegen den ärzkliä>en Stand reidaniinr ward,:', waren, nicht darauf hingewicien, daß jüngere Aerzte l lu'!., Äiiti'einiren lind. Aus welchen (Gründen, ist schwer zu sagen: Beiiviele konnten crl'er genügend angeführt werden. Ten anktfeinikifchen AVtZt.-n rs.ire Birchow's Äustvruch in Erumerung zu bringen, u'i lch.n er a:tt I ■>. Cctei ei l anläßlich der freier feines 7<). Eseburtsgellen l.ar: e.:'e:te laufet:' „Ech halte cs für die Pflicht des "st,,Inten, durch Belehrung -iUld Aiifklärnug veredelnd auf die niederen stsöllrrlast'eu etnznivirken. So» wie der Mensch von jeher der Hauptr-LetistanS .der Ulcdioinjfchcn, Studien sein soll, muß die Sorge ' . das BE i'h!e r-g : b > tt 'einer Mitiiieuschen iedkm '?l-r z t e ans Her; gewachsen sein." Mögen di« antisemitisch denkenden Aerzte, deren es leider viele gibt, diesen Ausspruch des großen Gelehrte» beherzigen. lieber das Benehinen deS Mechanikers Schneider tut niederösterreichische» Landtage, als Profesior Tr. S ueß ihn in würdiger Weise z^rechtivies, schreibt uns nachträglich ein Augenzeitge: Abgeordneter Schneider verbarg sich wie ein von seinem Lehrer zur Rechenschaft gezogener Schulknabe hinter dem Rücken seines Bordermannes und lachte mit boshafter Miene so heftig, daß cS ihn schüttelte. Ter Streich war ihm gelungen: er hatte ja nichts Anderes beabsichtigt, als die Entrüstnng der Gemäßigten hervorznrufen. Wer auf Ehrgefühl, Anstand und Würde bei solchen Leuten rechnet, ist nur daS Opfer seines Idealismus. Tie Wähler aber, welche <^ie Schlechtesten aus ihrer Mitte wählen, statt der Besten, sind Schwachköpfe. ES gibt genug Männer in den Schichten, ans denen die Führer der Antisemiten gewählt sind, die eine Zierde der Bolksvertretungskörper wären. Sellütverständlich sind sie keine Anlisemiten. Fhr Werth wird nicht erkannt, denn daS Bolk ist geblendet, verwirrt, irregeführt durch egoistische Streber, die gewiß eher an alles Andere als an das BolkSwohl denkegt. * * Aus Proßnip wird uns berichtet: Rabbiner Tr. Hoff hielt am 1 -■>. d. M. eine Festpredigt, in welcher.er sagte: Xönnen wir, meine Freunde, bei den mannigfachen Verirrungen - der Gegenwart, bei den vielieitigen Anseindimgeii, denen daS Israel der Jetztzeit preiSgegcbcn ist, noch wonnigen Herzens weittönende Hymnen und Jnbelliedei anstimincii? Fawoht! Auch heutigen Tages können und solle» wir dem Ewigen für feinen nnverkennbaren Schuv, mit welchem er über Ftrael waltet, frohen Äntbes danken und ihn verherrlichen! Tenn ihr habt ja die frohe Botschaft veriwininen, daß nufer erhabener Kaiser vor wenigen Tagen als erwählter Sendbote Gottes, als Hort der Gerechtigkeit und huldvoller Beschützer aller seiner Unter thanen durch sein hochedleS Machtivort vor aller Welt gebrandinarkt hat jene berüchtigten Antisemiten, die in ihrer Boshaftigkeit sogar dort, wo sie als leider gewählte Volksvertreter das Volkswoht zu fördern verpflichtet sind, die Wissen ichast und die mnthtgen Verbreiter derselben^ weil diese auch unter den Inden sich befinden, mit eiserner Stirne angrifftn und verhöhnten. Ihr habt es ja vernoinmeii, wie. durch das in alle Weügegcnde» hinaustönende edle Zornes ivort unseres gtorreichen Monarchen niedergefchmettert wurden jene böswilligen Streber, die in threin Eigendünkel sagen: „Durch unsere kühne Zunge sind wir stark, um'ere pivpe» sind mit uns, wir können die hochachtbarsten Männer und Frauen Fkraels ungesirat't vetletinidcn und anklagen; wer ist unser Herr, der uns zur Rechenschaft ziehen könnte, da uns die Finniunität schützt?" Wistel ihr es ja, daß hochgelehrte und hochgeborene Männer, die als Zierden der Wiste» schaft und als peuchten der Menichheit nicht nnr in unfkrem Vaterlande, sondern auch weit über dasselbe hiiianssirablen, daß Bichtisraeliien einen „Verein zur Abwehr des AmiseinitiSinns" gegründet haben, auf dessen hoch erhobenein Panier die leuchtenken Flaininenworte: „Hnmaiiitüt und Gerechtigkeit" glänzen. Winet ihr^es ja, daß diese, dee böchsten Verehrung würdigen Männer in ihrem Herzeusaket und ibrrr Seelengröße für den heutigen Tag eine große Versammlung eittberufen haben, um in derselben durch eine laute, uiiuniwuitdene Protestkuudgcbnng ein vernichtendes Urtheil über das schmachvolle, un>er Vaterland entehrende Treiben jener zur traurigen Berühmtheit gelangten Menschenfeinde aiiszuivrechin. Wer muß da nicht in vollster 'Würdigung dieser hochedlcn That unserer gerechten nichtiiraelitischen Mitbürger jubelnd mit unseren Altvordern ansrnfen: „Ter AUgütige hat gar viele Sendboten, die von dem Gottesgeiste, dem Geiste der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Üiächstenliebe und der Vrudertrene beseelt sind und ihre ohne jegliche Ursache geschmähten israelitischen Mitbürger mit geftähttem Mannesinnth und edler Manneswürde vertheidigen!" (6efülschte Eintrittskarten. Tic Anlisemiten haben wieder einmal ihr erprobtes Äampfiiiiitel zur Anwendniig gebracht und sich gefälschter Eintrittskarten bedient, um sich in eine von Fortschrittsmännern einberufene Bersammlung einzuschleichen und sie durch Scenen, die eine „Schande vor der Welt sind", zu stören. Am Montag Abends fand im Saale „zum wilden Manu" in Wähizing eine stark besuchte Bersammlung des politischfortschrittlichen Bereines „Gew e rbeb un/d"- statt, auf deren Tagesordnung vornehmlich ein Borrrag des Reichsrathsabgeordneten Dr. Ferdinand Krona wett er über das WirthschaftSprogramm der Ehrtfittch- Tocialen stand. Im Laufe des Bormittags war die Bereinsle^tm^^ zur Kenntniß gelangt, daß gefälschte Eintrittskarten in großer Zahl ausgegeben worden seien, und es wurde deshalb eine strenge Revision der Einladungskarten angeordnet. In der That hatten sich schon vor 6 llhr am Eingänge des Bersammlungssaales zahlreiche Besitzer ge- I

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