Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 27 (9.10.1892)
- Date
- 1892-10-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Pulver bcftreitt . . . ii* siellke sich ljcraiii', diif; die Majewska die Finger eniseriit habe, m» sie ilireni ehemaligen Liebhaber in den Rauchsang zu düngen, damit seine Hemd, mit der er den falschen Treuschwur gelhau, eiitetiprftie und verdorre, und dos; überdies dos in den Sorg gestreute Schießpulver ebendemselben entwendet mar nnd bewirken sollte, dos; er mit demselben und der Leiche zugleich alliuölig dahinschwinde." T er ('ffaube an die' Heilkraft der Reiche äußert siel, in der grünen Steiermark in: dem befremdlichen Wahne, daß die barmherzigen Brüder in l'ftaz das Privilegium besitzen, alljülirlich ein Blenschenleben für Heilzwecke ausbenten zu dürren, diesem Behuse werde ein jüngerer Mensch, ivelckier fick, wegen eines schlechten Wahnes oder einer sonstigen leichieü Eikrankuug in das Srdensipital begibt, abgefangen, an den Fußen aufgehängt und zu Tode gekitzelt. 'Tie ehrwürdigen Brüder siede» sodann den Leichnam zu Brei und verwenden denselben gleich dem Feit und den verbrannten Knochen in ihrer Apotheke. Um Ssteru, sagen die Verne, verschwinde ans diese Weise alljährlich ein Bursche spurlos int Spiiale. Tr. Bernhard Münz. Schluß folgt' Bcrcin zur Abwehr des A»kise»iiliri»iis.> Ter Ausschuß des Bernues;ur Abwehr des Auiisemitismus hielt im Va.iifc dieser^Woche unter.^nr-ebung zahlieicher Vertrauensmänner eine Sitzung ab, in ivelckier tos Programm rjjr die demnächst zu verontkaliende Pivtestknndgebiing gegen die antisemitischen Ans'chreiinnge» in der letzten Vondtogs'ession beralhen wurde.- Au der Versamuilung iiohmen n. A. : Horrotb Professor Tr 'Je o 11) n a g e 1, Landtagsabgeordneter i'' e v Ii o v d :i s, (''eiierai M iugo;; i. Major t" „ ft c, die ("eiueinde iiiilie ii lllil,?i. .4 i m ui e rin a n n F r a u e n be r g e r, Seiler - und T j ö r II v Nachdem tsemeinderath Tr. U b l als Vorsitzender bekoniirgegeben hotte daß 1*7 Vereine ihre .^iisliiumuiig pur geplanten B-eeiestkundgel'iing schristlich eingesendek haben, nahm Hosrath Professor! Sr. Lioih nagel das Wort, um die Stellung des Bereines gegen; ül er den uiumalinoirhoren Aussührimgett der antisemitischen Wortsührer j;n vräejsiren. Saß dieselben nicht unerwidert bleibe» können, führte er ans, >ei [er.im,um llar, in dem nur »och der :)uft eines ("efübles f teilt Ausland ,,»d guter Sitte wohnt Es handle sich nun darum, dn-.ck> eine' unvo'anie Manifestation darzulhnii, daß die Bevölkerung ani 'olch rüde liuJie die gebührende Anlivort nicht »ckiuldig bleibt. Wer m'inoch das gei ingfte Maß von tsereckiligteitssinn besitzt, wein nienusilickies <Ve'ül>l noch nicht völlig erbhanden getomine» in. der könne, wenn er auch bisher;it tiefem Unheil noch nicht ch-laugt fein sollte, gns diesem einzige» B.i'viel e>-'ehen,;n welch traurigen Eousequeiize» der Anti'emitisinu's »übrr All das, was sich i*:t Vaud tage ereignet hat, fei eine biainiänbevdg .illüslralion von niedriger Senkniigsweise und :ob-n Wutliausbiiicheu. Tie Personen, ivelche in',trage koiniue», stehen lies inner jeder T iseuffiou. 'Worum es sich handle, das sei, an den gei'nnd in Sinn und das «''eiechrigkeiisgefühl der Berölkerung zu appel Inen und über den Aniiseiniiisinus ein reruichkekldes Berdiek zu sprechen. Sr äsrilinagel schlug sodann vor, auch au die Aerzte Eiulad,ingen zur v>oieeiirren Pröi-sir.-is'aiuinluiig ergihen;u lasten und einen der ib lben Piimararu Ir; S cki o l n mit der -Ausgabe zu betraueii,' namens der Aerzte gegen die. anti>emiki>che»v Insinuationen Berwahrung einmlegen. Vandlagsabg.oidneler «"erhardns schilderte in drastischer 'W-ei'e.die Borgänge in jener Landlagssitzung und sprach sein Bedänern darüber ans, daß nicht von ine.ßgebender Seite spontan tinier dem Eins-incke der beschämenden Ansichreitniigen den -Hetzein die verdiente Abterligni'g zuibeil geworden fei. Ser Landmarschall habe es leider an der nöibigeu Energie' rehleii laffeu, nnd seiner sonst io anerkennens wenbeii Vl.b:-sirü>digteir nnd Suldiainkeil fei es znzuschreiben, daß Schundei nnd Eon-o-.teu nch;» immer frechere» Angriffe» versteigen. S er 'Borsitzeude legte de» Ennvurf einer Reiolntio» fitr die Protesttieriammlnng vor, von welcher nur Professor Sr. Benedikt ivüuschte, daß ste auch der: autoritativen Persönlichkeiten nabelege, Ansschreitniige» d'e°d gekeuiiteichneisu 'Art nicht stillschweigend hinzniiehme». Sie Beriammlnng beanstiagle Sr Uhl und Professor Sr. Benedikt mit der endgiliigin Stvlisiirng der Reiolntio». woraus nock, ("emeinderath S jöruv den Antrag einbrachte,' ans die Tagesordnung der Ber 'aniinlnng auch ein Referat über den seit Entsleben des Anlisemitismns immer intensiver werdende» 'Niedergang von Handel nnd <"eiverbe zu setzen, stiackideni noch mehreie Redner die Bedeutung ber kaiserlichen Worte an die Selegirlen Sueß und Richter l,ervorgehobe» hatten, , wurde beschlossen, die Pro lest ve rsa »i ni l u » g für Tonnerstag den I."> d Meinzubernsep. Billinghost Wolf Mlirgrsiil gtgcil Kroilawttkcr. Sie Eandidatur des Sr r o u a w e k te r in der Fuiier» Stadt für das durch den Tod Tr Hcrbn's erledigte rlteichsrathsuiaudat brachte, wie bereits wnd rbolt erwähnt wurde, die Antisemiten aller Bekenntnisse außer 23 I a 11. Nr. 27. Pa»d und Band. Von Wie sing er bis zu Jro herunter ziehen alle antisemitischen Kämpen gegen den freisinnigen Volksmann los, und Einer überbietet den Anderen an <>seschimpfe.. Sonst aber sind die Widersacher Kronawetter's nicht einig, und eS ist schon ein Kleeblatt von Gegencandidaten zu verzeichnen. Ta ist zunächst der Gutsbesitzer Maxiniilian ivnebrid) August Heinrich Willibald Hubert Freiherr von Bittinghoff, genannt Schell zu Schellenberg. An diesen Vice- Viechtenstei» reihen sich zwei wahrlich drollige Genoffen: Karl Hermann Wolf und Georg M arg es in, pensionirter Profeffor, Gntsbesitzer und Sbinann des Vereins der Steuerzahler im politischen Bezirke Vana in Tirol. Sr. Kronawetter hielt am i>. d. M. "vor einem größeren Kreise von Wühlern der Innern Stadt seine Eandidatenrede, in welcher er seine Stellung zur antiseniitischen. Bewegung besprach und sagte: Nicht als Jiidensreund trete er vor die Wähler hin, sondern als Menschenfreund. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben dargethan, daß die Antisemiten selbst mit der varlawentarischen Iiislitntio», der wichtigsten des öffent lichen Lebens, Mißbrauch treiben. Dieser Mißbrauch finde seinesgleichen in keinem Lande. Beispiellos sei, daß jeder parlamentarischen Äepslegenheit;um Trotz Bürger und Bürgerinnen io schamlos beschimpft werden können, wie dies leider im Landtage gekchebe». Bedauerlich sei es, daß solche Menschen noch in die Lage koinmen, sich auf das Pertrauen von Wählern berufen zu können-, das zeuge von einer tiefen Perkonimenhnl in der Wählerschaft, denn wenn neben wuthgieriger blinder Habsucht nur noch Neste gesunden Sinnes vorhanden wären, dann müßte ein wahres BotkSgericht über Leute derartigen Schlages hereinbreche». Was die antisemitischen Wortführer über den ärztliche» Stand gesprochen, sei nicht einmal in der Stube des verkominensteii Proletariers zu höre». Mit ver bluffender llnkenmniß. -ohne jeden Schein von Argninentation, in ordinärer,- tölvelbafter Weise wurde über die Wiffenschaft .geschimpft. Tie Wissenschaft sei nicht an die Race, nicht an eine Nation, nicht an eine Confessio» gebunden, sie sei (tzenieingut der ganzen Menschheit, tie pöbelhaften Insulten gegen die israelitischen Aerzte richten sich von selbst. Eselchen Anwerth sie selbst in anti semitischen Xreiien haben, dafür zeuge der Umstand, daß NeichSralhsabgeordneter Tr. Geßnian» einen ^nden namens?r. LLeig zum Hausärzte habe. Am 4. d. M. sprach Sr. Kronawettcr vor einer allgeuieiilen Wälilerversamnilnitg, und seine vom (''elfte der Freiheit und Humanitäl ' durchwehte» Ansführnngen ernteten stürmischen Beifall. Sas Kleeblatt Bittinghoff Wolf Marqesin ist der Eändidalur Krvnawetter's, nicht ge > jährlich, wenn alle sreisinnigen Wahlberechtigten ihre Pflicht erfüllen. i s! i i iProlcstklllldsiclillllsicil. vln der am u. d. M. stattgehabten Voll j versaminlnng des in e d i ei n i sch e n T oet ore n e ol leg i n ms hielt der Präsident desselben, Profeffor Sr. v. Neder, folgende Ansprache: Es wurde mir von verschiedeneu Seite» nahegelegt, in der ersten ärztlichen Persammlung eine.Kundgebung gegen die i>» niederösterreichischen Landtage gegen »„'ereil Stand gerichteten Angriffs zu veranlassen. Was die erste Heraussordernng belrisit, so ist dieselbe in erster l'iiiie gegen liivere Wissenschaft gekehrt. Sich glaube, es ist unter unserer Würde, etwas darauf zu antworten. Wenn jemand die Arbeiieli iämnitlicher Forscher, vie sich mit Mediein besaffen, i» den Staub zieht, so ist dies eine eigene Ansicht, eine Sonderbarkeit, die sich nur ichwer eorrigiren läßt. Bon giößerer Bedeulung ist die zweite von derselben Partei ausgegangene An-chilldigung und Perdäckitigung der Spitäler und jener Aerztewelche ihre Tieiiüe iind ilir Leben dem Staate und der Menschheit im Falle einer Epidemie zur Peliiigung gestellt liabe». Bedenkt man, mit welcher Hingebung und Aulovfeniiig die Aerzte nnd ganz besonders die jungen Aerzte ihr Lebe» einietzen: mit welchen Sckiivierigkeiien, Entbehrungen und l"efahre» dieselben zu kämpfen habe»; bedenkt mau ferner, daß die Spitäler, die hiimanste Fnilituli.-n sind, die wir im Staate übeihaupt haben, so kann ich iveiter nichts sagen, als daß die Betreffenden nur von dem ziigolloiesten Haffe erfüllt sein müssen, wenn sie Beichiildigungen ausstoßen konnten, die uns mit dem größten Abscheu erfülle». Lauen wir das lieber, und ivenden wir llnS der ernsten Arbeit z». Ser A e r; t li ch e Verein i in \ III. Bezirke, dessen Präses der k. k. Polizei Bezirksarzt Sr. Fosef Schrank ist, faßtein einer Plenarversaiiimluiig einstimmig den Beschluß, dem ffieetor Hofrath Sr. Ludwig und dein Abgeordneten Professor Sr. Sueß den wärmsten Sank für die Abwehr der ungualisieirbaren Angriffe ans den ärztlichen Stand seitens des Sr. Lueger und des Meckianikers Schneider im niederösterreichtschen Landtage ansznsprechen. Ferner hat eine in Breitensee stattgehabte, ans allen Kreisen des X-1II. Bezirkes stark besuchte Bertrauensmünnerversammlung deS Deutsch' fortschrittlichen Bereines in Hietzing einhellig folgende Resolution beschlossene Tie PertrauenSmännerveriaminlung des Teiltich-sorlichrittlicheu Bereines spricht ihre lebhafte Entrüstnng über das jüngste srandalöse Vorgehen des Landtagsabgeordneti^n Ernst Schneider anläßlich der letzten Landtagsdebatte ans