Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 23 (11.9.1892)
- Date
- 1892-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 23 Freies Aus antisemitischen Blättern. lAntisemitische GesundbeitSlehre.) Zu den von der Eünnmuue Wie» aniirfiitt« der Eholeragesalir im Jmereffc der Bevölkerung geplanten Borkehrunge» 'iehreib: taS „Bolksblalt": „Werden.alle diese vorgeschlagenen sa»itä>e»„Per- Ksserungen in Fälle», wo eine verheerende Seuche an die Psorten Wiens pocht, ihr den Einzug wehre», so lange der größte gesundheitliche Uebelstand Ileri'cht, die allgemeine Nolhlage des arbeilendeu Volke«?" Sie ptolhlage ver Mmlfe aber der „FudenlideraliSinus", und er sei daher auch die Hauplursache ichlechter gesundheitlicher Verhältuisie. die man nur beseitigen könne, wenn man mit ihren Urhebern gründlich ausräume. Radt'ealeu Schulz gegen die Eholera wurde also nur ein ailüiemitischeS Regime, piechlensteni als Ministerpräsident und pueger als Bürgermeister, gewähren. Hat die Rothlage in Rußland nnd Bersten, die Epidimieu in Astiacha», Xasan, Moskau, Niickznif Nowgorod und Seherau aueti der „FudenliberaliSmus" verschuldet '? ' Gegen Bctgaili linö Vergauie.i Fi» Briefkasten der „linversälschten Seutlche« Worte" isizu lese»: „Aus mehrere Auslagen. Einem antisemitische» läglich ericheinenden VolkSdlatte' gegenüber lönnten sich wohldie deutsch nationalen Anweiniten .neutral', ja vielleicht sreundlich verhalle», wen» kein Bergani dabei seine "Hand im Spiele hat. Einem Volksblatt aber mit Bergaui und Bekgai iS werden ivir stets gegnerisch gegenüberstehen, denn. Wö.tbruch tau» niemals ist deulichuationalen.»reisen gebilligt oder auch nur stillschweigend geduldet werten II. d. Gr. Sch." - Für envaige »nleriiehinungslustige Aulisei»,den, die dem Sveeulanten vo» der pinken Bähngaise Eoneurrenz niachen wollen, ist diese ReutralitätSarklärung iiiimerhi» erinutkigend. /Antisrniitenpagerbier.» Jin „BolkSfreu nd" annoncirt ein Söbliirger Wiilh Aiitifeiniteu Pagerbier Senuiäch't durfte einer unserer wackere» Selcher iiieister zum Genüsse christlich socialer" stnackwüme einladen 'Wohl bekomm'«! Snbring und Rußland.» Ser Slet-rer „F l! de »sra g e" gesalleu die a»li semiiiichen Seelen, ivelche auf Bismarck schwöre», nicht, noch weniger aber die „Sglmuehiiiare»", und speeiell pueger wird von ihr wieder in der lebten •.'himmei >o bebandeli, als ob er deren Redacieux. je-Kälte psäudeu lassen' Sie „Fudeufrage" beiet Sühring »nd das die Inden ve,folgende heilige Rußland an, dessen .»lugbeil nt preist. Seil AnlifeuiitiSinns aber definirt das Slenrer Blallcheii als eiiic „sreiheikliche Bewegung", die sich nicht mit ServiliSmuS oder Bel'oiieuriillus vernägt. Was werden wol» die seuchlsröhlichen Berdhrer unserer, aukiieniitiichen Größen zu dieser gegen sie gerichteten Sesinition sagen J Bermuthliets werden sie von „Wisch" imd „Unsinn" sprechen, denn die Anli ieinileniec teir sind gegen einander teineSivegs höflicher als gegen Juden Försters Feldzugsplau. Ser Festredner Paul Förster schreibt im peipziger Wocheubliit seine« Genofie» Sh. Fritsch: E« gebe einen durchaus gebotenen (^eschä'tSanlileiniliSiiinS, „nd derselbe solle^ im Handel nnd Wandel zu sejnein Rechte kommen. Mag solle Frauen nsid xiuder „bilehren" und eigens für sie Ber'ainiiil,ingen veranstalte». Fuden müssen grundsävlich von Aniiiemitenverialninlungen ausgeschlossen werde», denn eS „schicke" sich mehr daß der ..pingeklagte" zugegen sei, wenn .die Parteien der deulschen BgllS ge,uw'e,, über ihn beraiheu und streiten", sitichier Förster hat ein gar zartes LchicklichkeitS. und AiechlSgesüKl! Sorialdemokraien-will Förstep nur dar:» aus schließen, „ivenir sich dieselben bei früheren läelegeuheiteu als bernsSrnäßige Ruhestörer der Ebre und des Rechtes, initzuberathen, unwürdig erwiesen haben". Auch in diesem Falle aber würde eS, meint er, gut sei», der socialdeinokralischen Paz,ieileiiu,ig des betreffenden SrteS eine Anzahl .»arten zur freien Beifügung zu stell,», denn „aus diese unsere' Milbsiiger dürfen wir, ui», der Xlngheit wie um der Gerechtigkeit nnd Brüderlichkeit willen, nicht dauernd verzichten". Richt ezewiptzzl durch die Erfahrungen pueger S, will also Förster sei» Glück bei den Soeialdeinokralen Versiichen. pebhasre Fürsorge bekundet dann Förster für die Hi'breduer und Berleger von Hetz'chriflen. Er läßt sich wie folgt vernehmen: „Fm Uebrige» empfehle ich da« jebt meist beobachtete Berfahren, den Einirilt in uiiere Bersanimlnnge» mir gegen .gart n und ein bestimmtes Entgelt zu gewahren. Man erziehe da« Bolk auch in der Beziehung, daß es zu den .Nonen der Bersaniinlungen nnd zu den Ausgabe» und Zwecken de- BereineS eine gewisie mäßige Steuer als Spier beitrage... Schätzen wir rrnsere Genossen nicht zu gering ein; fordern wir ihnen bei ge - selligrii Zu'aii'.meiiküirfte»,' bei Feste» und Bersainnilungeir auch ein Schenlein s»r. irgeiid einen guten Zweckin der Ferne oder in der Rähe ab . . . Zu reu B ,l a 11. Bereinen, atS Männerbündeii, mögen sich Jugendbünde »nd zur socialen Lieberlhätigkeit und Belehrung Frauenbünde geselle» . . . Endlich spreche ich. im Namen Bieter nnd im eigene», die Bitte a» die Leipziger Geschäftsstelle au«^ baldigst einen .deutsch socialen oder antisemitischen Bädecker" zusauiinei,zustellen, ew dem die Vereine und die Vertreter unserer Sache, dazu die Wirthscha'ten »nd Mast- Häuser, in denen wir am besten absteigen und verkehren, seiner geschäftlich« An gaben »nd Anzeige» aller Art verzeichnet stehen. Sie Koste» weiden durch wsn Verkauf »nd durch Anzeigen leicht gedeckt werden." Wie man derartige „Bädecker" znsammensteUt, darüber haben antisemitische Verleger, und speeiell Feilsch, schon schöne Proben geliefert. -!- Eine bessere Verwendung.) Nach dem Elever Proeesse wegen de« Lantener KiiabenmoideS machte» die reichSdentsche», naineiitlsch die sächsische» Anliseiniten den preußischen Fustizbehördeli Vorwürfe wegen angeblicher^ UnterlassniigSsünden und . saninielt^ir Gelder,, die zur Ermiltlung des Mörders des kleine» Hegem o ii 11 verausgabt werden sollten. Gegenwärtig läßt sich aber daS peipziger Hrüblotl „Neue Seutsche Zeitung" zu einer bessere» Verwendnng der ihm zugegaugeneir Beträge aussorder». Ta daK^lZhzjd sonst bis zur Aufklärung des Fauleuer tknabeiimorde« als todtes Eapiml daliege» müßte, möge eS lieber;» einem anliseinitischeli PreßagitationSsoudS benützt werde». Für das Gebahren der autiseinitischeu Wortsührer ist auch diese Ailssordernng sehr charakteristisch. Fir anständiger Gesellschaft stellt man nicht einmal de» versuch an, Spenden zu einem anderen als dem von den Spendern bestimmte» Zwecke zu ver. wenden. Sa« Ganze macht den Eindruck, daß die Anreger der Eolleete gar nicht ernstlich »n die Erinittluug des stnabeninörders dachten, sondern daS Fulerene für de» Elever Proceß ailsbruteten, um ein hübsches Sünlinche« zu saniinenzubringe»: sie brauchen es ja sür die pösnng anderer Ausgabe», die* ihnen begreijlicheriveise mehr am Herzen liegen. Zum Proeeß Morös- Sie von den Pariser Geschworneii eriolgle Frei fprechung des Margnis de Mords und der vier mit ihm angeklagten Personen sowie die Svalionen, welche von den zu diesem Zweck geinielheten EamelotS bei»' genanulen Autisemileuführer bereitet wurde», haben die Pariser anlisenriti scheu Journale in einen wählen Freudenlaliinel versitzt. „Rach dem Triumphe vor der Furn," mfi die „T,i bre l'nr»!»- „der Sriuinph vor dem Volke. Ein gnler Sag aus der gauzen Pinie!" Sagegen geben die anständigen Blätler dein Wunsche An-druck, die aulijeniitische» Seandalseenen mögen einnial eiir Elide i-ehinen Fm „bFF>„ *1 l’.iris“ elklärt der unter dem Pseildonnm Nestor fchreibende SiputirteHenri Fouquier, derAiilisemiliSnlns'sei nichts Anderes als ein «öder, mit dem der EleriraliSmil« sich bei dem Volke wieder populär machen null, indem er peideiischaften schmeichelt, die man für eingeschlasen halle» konnte. Siese Aussassung verbreitet sich im französischen Pnblicni» immer mehr, während mau in publieistischen Zireisen so ziemlich die Ansicht »er sonst übel beleumdeten pro>Saril lheilt, die drei Pariser Blätler, welche^ das Monopol de» Anli semiliSnius ausbeuten, .. I, i r e l’arolr“, „I p t ran si^t-an t" nnd ,.A , l'irii,;', arbeiten mehr für ihren Abrntz als sür eine lleberzeuguug yrioffafton. - Herrn G. Zi. in Wien: ES hieße einem rohen Autisemilen gemeinste,I EaliberS zu viel Ehre eriveisen, wollten wir nnS mit seinem uufläthige» Inserat näher befassen, Sas Blättchen, ivelcheS keineii Anstanh nahm, eine so ordinäre Siundgebung zu pichlieireu, erscheint übrigens lhalsächlich „mit Ausschluß der Senenllichkcit". Herr» p. S. lll Stockera». vfhre Bemerkungen über die Zwettler lüernianen und deren Sedan Feier Pässen nicht in de» Rahmen unseres Blattes. Wir pfiisteru »ick»! lieber die C.neUe, aus der die „Sesterreichische pandzeilniig" die SensalionSnachricht von einer russische» Verschivörung gegen das peben des Fürsten NitolanS von Monlenegro geschöpft hat, können wir nur eine Berinnthung aussprechen. Sie „Schriftleilung" dürfte in einer streinser Rasierstube öder in einem dortige» WirlhShause von dem seitens Rußlands gegen den „einzigen Freund des Ezars" geplanten Attentate stennlniß erlangt haben. Herr» B. v. M. i» (iiraz. Ein alberner anlisemitischeo Scribler beschuldigt' geistliche Redaeleure ausgesprochen illtramoiitaner Blälter, daß deren publieislijcheS Wirken im Fnieresse der Fuden und Freimaurer gelegen sei und vo» diesen be.pstitl iverde. Fm Verdächtigen.leisten Anlisemiteu daS Unglaublichste. Btltritlserklllrmlgcn;uili „Pcrcin zur Abmhr des Antiseiiiitismus" wcrdcn cutgcgcuqcuoiitiiicit tm Skcretariate lcö BerriiicS: Wicn,-I., Parisergassc 4. ' Abonnrmeutsanmelduugen auf das „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I., «eilerstätte Ist, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nuunnera abgegeben. - Probenummern'zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen ans Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber: Ernst Victor Zenker. —.Verantwortlicher Redactenr (in zeitweiliger Abwesenheit des E. V. Zenker): Fofef Borwa.hlner. Truck von Eh. Reißer & 2)L Werthner, Wien. t