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Freies Blatt · 1892-08-21 · 20 (21.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
20 (21.8.1892)
Date
1892-08-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4. Freies Blatt. Nr. 20. '•Inobcartifcl iiu jenem christlichen (Reifte, wie ihn seine voraussichtlichen Brotgebcr erfasse». 'Icach seiner Meinung blüht ossenbar sein Weizen. „Treue Abonnenten" stehen ihm hilfreich '^ur Seite, um die '^lirnie beim;iibriiigeu. Bei einer gleicher Zeit mit' dem Katholikentag -nnl'crntcnen antisemitischen Bcrsaninilung iji der kcop oldstad t wieS Herr T r a berk ans die Vinzcr Versammlung und aus die Besprechungen über «Gründung eines großen katholischen Tagblattes hin. Wenn nun diese Bersaininlung' nichts anderes Ihn» würde, als die Entstehung dieses TagblakteS;» beschließen, meinte Redner, so wäre dies die dank barste Arbeit, die seit Vangcni in Testerreich getha» wurde. Taraufhin erhob sich ein Schutzpatron deS „Teukschen BolkSblattes", der den Anssührungen des Herrn Trabert entgegentrat, da ohnehin ein christ liches Blatt erinire, das einen schweren Mampf sichre und daö durch die Gründung eines kakliolischen Blattes gefährdet würde. Allein der Gesi»»nngsl>old ans Tolee in <''alizien ist nicht der einzige, welcher durch die Maßregelung des „Baterland" sich veranlaßt sieht, :» I:r Iiuii>-.«>- zu ipeciilircii. Herr Pscnncr ist Anich-aursi der Welt: hat inan denn vergeblich seit laugen fahren für ein „christliches Taglüatt" geichnorrl und endlich glücklich st. Ti» kr. znsainjnciigebracht? -- Taß sich also Herr Pieiiner auch melden werde, war voransznsehe». Und in der Thal ürectle er in seinem Blättchen bereits einen »Fühler ans in Gestalt einer herzbrechenden Lamentation über die Knansel-rider christlich antisemitischen Presse gegenüber. „Tie wenigen bestehenden christlichen Blätter haben ja leine hohe Auslage und finden geringe Unterstützung." geüeht der ausrichtige „B o l ks s rc u nd". „Meine zwch so glänzende Paradeversaninilung kann^uns über die THatsache hinweg täusche», daß es in Bezug ans die katholische Presse in hohen und niederen Mrciieit an Einsicht und an der Tpfcrwilligkeit uiangelt Z»!.dc»i anderen Unternehnien wird eher gegeben, aber zu Preß» zwecken lassen .sich die wenigsten, sonst gutgesinnten Personen herbei. XTie'lseseplichen Eini^ranlnnge» Zciinngsstcmpcl, Eankion:c..-, welche -» Tcntichia'nd nfcht bestehen, allein' lind nicht die Ursache der geringe» I?-! und Perbrettung der^läiholischeg T rgaire. Biele Malholiken sterben, d:e T.ru'ende hinterlaiicn, snr alle wohlthäkigen Zwecke etwas vermachen, des Aschenblödels' „Matholische Presse" gedenkt aber niemand. Tie gisiige ,'ndenpresse dafür sinder allseitige Unterstützung'nnd verdirbt bas Bost »inner, mehr inid mehr. Biele Matholiken glauben aber, es »ehe ohnehin nicht schlecht und halten schön fest die Taschen zu, damit ja len, denselben - «teilt. T Berblendnng Während sich ’o die guten Aiivenvandien bereits in die Erbschaft des „Baterland" theil.m, ergebt sich dieses in den bittersten Mlagen über die Wortführer m der Preßiertiou de-'-. z'iuzer Maiholiknuages und über dis ihm widerfahrene schlechte Behandlung. T.rß nur . nicht etwa, unter den „christ ' licheir" Uenrnalisien e:n recht erbitterter Eonciirrenzk-iviivt wegen des „christlichen" Tagblatkes entbrennt! ' „ Tit ii'JlllDcrfraFI Dro Ans W-r.i dling be' >!:. ne. r.nbnrg erhallen wir solgende Zlischrist: .'.'::,r Herr Redacreur; 'o. a. n> bekannt >ei» eiirüe, halten eS geivine keine für uiinnigünglich i*•'tl ilo;v oder hfier gesagt untskdtiche TageSvolittk auch auf da« ' »>>- >ä.. :v,f;;t '.tu.wen, r.clmi fi.ti der gequälte csroßüädler;u»i Zwecke der z^.rnckzichr Wenu . .r.bilde, oder wa« ja beute ichon sasi ideniisäi in. '.'».in mir lein ewige» Ee'cinmpse über t-ir Jiidenhcrrütcaü und Jude» wi-etb ä-.i'': 'in .'ree.id q:ackl:>t> entrönne» zu sein 'glaub», dann hat er da« Be»- ». e . it;e „H.pv \vvp" in de» Bergen und THaler», de« Wiener II nee- und Iio.b k>artiger witerbaUe»;u bereu. Ter Bauer, rvelcher ',ie y.'i:. Br-.lvii-nmg't-is gute (*elö de« oue.ii einheiinsi, der kleine B. amte,- .-ur.:r 5i.ii der Meinl >'enieS' vielleicht lüdinhen Arbeitgeber« entzogen 'ndn, n. ' nnausaeloins Bnr'ch.tien, de.en yüzige« Rcssorl von äkechi«- n aeu r.ea, eren- Eimn.nein« und die Teetinaiion von »»-m-u. sein ioute, e.’ '' sin: v a'ia:.v:.-e. iit n 'oaenannlen , nidenreinen" Sommerkrifcheu. »U'er 'äu'.ieS We„"!ü,', e;. :t nicht gerate zu dieser Sorte antisemitischer kandaus.-iübal'-'. '-i - : , '.'vielter Billenbrsitzer find hier in der Mehrzahl, soviel ich > tib'.il, .'>.1,!. Wie es nun demioäi lammen mag, daß e« in diesem N->.e er .»'l-!i, -ihnis von liberalen iLbrinc» benwhnien Trfe. trotzdein so S.v! ...NN», iiiiieii",!»>eiß i.li michk anrngebe». ,ii> beicheide mich damit, Thai i ui : ' eii. 'Aaii unternimmt; B. an einem schönen Lomineriage ' i'i. i! £■< 1,1 rgnrcb da« liebliche Weidlingihal und läßt such zu kurzer Raii . m - n un .1 i’M.ii B nikiche» nieder, iveläie liier angebraäit sind ^ist e« ' irt.t .i;;< imf; 2>»e, -aß der Milte Kanddrer da durch eine große, INI! B.-lani': Aöibel angebrachte scnlchrist begrüßt wird, welche besagl: „Aie mit » T'Nden!" Wer da aber glaiibk, daß sich die Weidlinger Bane::- um i.-'.-i k.einen An'inerksaiiikeil begnügen, >rri sich. Es gibt Mensche» ■eiKii i.-ar zarie in tc,»scher Lvrache vielleicht doch -noch z» me-ani» liingen tonnte, mit darum sinden wir gleich daneben van geübter Hand die .-i , e ,i i .tiei'i ■ \ h-1 - les juives!’ oft das nicht zart? To viel Ruhestätten'für den müden Wanderer, der in dem Crte fein schwere« Geld läßt, sovielmal wiederlole» sich die Inschriften: „Rieder mit de» Juden!" und „Ali»» las juives!' Laß der Antisemitismus i» den Geistern und Kerzen seiner Bekenner Wunder wirkt, habe ich gewußt, allein daß die braven h'andleule, um die Juden zu beschimpfe», extra sravzösisch lernten, hat mich in Staunen versetzt. Vielleicht kannte man den keilten auch noch Englisch beibringen, damit fie ihre sinnigen Inschriften auch in diese Weltsprache übersetze» können. Aber merkwürdig bleibt diese Intelligenz der Weidlinger Bauern doch. Achtungsvoll lTkr„(^cist dcs Zoscphillismus.) Ein Schlesier schreibt uns: Ter kinzcr Maiholikcntag zcichnctc sich durch inhumane Kundgebungen aus. Tas Meiste in dieser Beziehung leistete nach lueinciii Dafürhalten jener .Baron Morsch, welcher ein nnversälschtcr Anhänger der Schnabl'schen stl'üchstciilicbc ist. Ter edle Baron, welcher Andere und.spcciell die ihn, nicht zusagenden Wiener zui» i^dniiß miiidcrwcrthigcr Flcischsortcn vcrtirihcilcn will, ferner sich davor fürchtet, daß bei besseren Arbeitslöhnen i» den Llüdtcn billige Mncchtc und Mägde für Grundbesitzer schwer anszutreiben sein werden, mnd sich sogar nach dem Anblicke ausgehängter Tircctorcii siibvcntioiiSbcdürstiger Berkehrsinftitute sehnt —- dieser „christliche" Tocial-Resoritier verflieg sich in kinz zu Schniähwortc», ivclche eine große Bcrletziing der dem Maiscr Joseph schuldigen Pietät sind. Baron Morsey sagte: Ter Joscphiilismns habe eine llnsrüchtbarkeit ddr l^eistcr, polizeiliche Bevoriunndniig, Untergang der Wisicnschasl, ja das Jahr zur «Folge gehabt: die geistige Mncchliing des BolkcS durch -he» Josephinismus sei auch einer der l'kründc sür 1 >*(»»». A„s die Gkschichtsiinkciintniß oder t^eschichtssälschung, welche diesen Lchmühwoite» - zligrnnde liegt, will ich hier nicht weiter ein gehen. Auch sür solche kcscr, welche mir eine Bolksschulc i» Testerreich mit gutem Erfolge absolvirt habt», wäre, scheint mir, eine Widerlegung Morsch's überflüssig, geschweige den» sürgebildete kcser. Wohl aber möchte ich dem Herrn Baron, der von Geburt ein Hannoveraner ist, die Worte ziiruse», die einst Anastasius Grün im Herrenhansc gesprochen, als ("rat Blomc ebenfalls Maiscr Joseph geschmäht hatte. Rur aus dem Muiidc eines Mannes, dessen WiegS nicht in Testerreich stand, lömie, meinte der vaterländische Tichtcr, eine Berunglii» psiing des Schätzers der Menschen lommcn. Eine» crsrcnlichen l^cgcnsav zu derartigen Erpcrloratioiicn bildet eine vom l^eistc der Humanität, von echt joscphinischem Geiste beseelte stccde, welche der Tupcriiiicndciil und ürcichsrakhSabgeorduetc Tr. Theodor Ha a sc bei Erössnimg des allgemeinen MrankcnhanseS zu Tesche» gehalten hat. Tr. Haase, dessen Ihalkrästigcr Initiative die Errichtung der hiimaiiilärcn Anstalt zn danlen ist, sagte bei der vor einiger Zeit staitgchabtcn ErössiiuugSsrier: „Wir haben ei» Mrankeiihans gebaut, um kraute Mensche» darin anfziinchuic» und zu pflegen. Ist der kranke Mensch deshalb ivenigcr ein Mensch und Bruder, wenn er seine Gefühle, nnd Jlcvankcn in einer anderen Sprache zuin Ausdrucke bringt als ivirz wenn er scincii Schöpfer in anderer Weise verehrt als wir: wenn er in einer andere» Gemeinde, einem anderen Vandc oder Staate seine Zuständigkeit oder Hciuiats bcrcchligung besitzt als'-wir? Wir sichen im glücklichen Besitze der o* lanb < n sn n d G c w i s s c n s s r c i h c i t, welche allen Staatsbürgcrn Tcstcrrcichs durch das Staatsgrundgesetz gewährleistet ist. Wenn aber irgend jemand es am incistcn beanspruchen kann, vom l^cwissens zwange frei zu sei», dann sind cs doch gewiß die armen Mranken, welche unserer besonderen Pflege und Tbhnt anvcriraut sein werden-, und welche, wenn sic'die-Schwelle unseres Mrankcnhauscs nbcrschrcitc», wissen müssen und werden, daß sic dort unter dem Banner dcr <''la»bcns und Gewissensfreiheit sichen, daß sic, ob sie Ehriste» odcr .Juden, äiatholit^n oder Protestanten sind, unter diesem Banner ihre religiösen Bedürfnisse ganz nnd voll werden l csricdigcn tonnen, während religiöse Bedürfnisse, welche sic nicht haben nnd nicht tcnncn, ihnen auch von keiner'Seite ansgcnöthigl werden dürfen. Bon Jahrhundert zn Jahrhundert pflanzt sich die ernste Mahnung des Weltcrlöscrs fort: N'chct hin und thnt desgleichen! Mußtenicht der Gedanke, 1>as von Jesus an die Spitze des E'csetzcs gestellte Gebot der allgemeinen Rüchstenlicbc ohne jede "R'cbenrücksicht und Rebcnabsicht in einem all gemeinen Mrankenhansc Ai verkörpern und durch das Wirken desselben vor aller Well zu bewähren, von alle» guten Herze» freudig begrüßt werdeizx-^Md das zumal in einer Zeit, in welcher der Egoismus, die nationale Ueberspannlheit, die eonscssionclle Engherzigkeit und der sociale Wahnsinn gegen die mühselig errungene Eivitisatio» und Enltur des JahrhtindcrtS mit fanatischer kcidcnschastlichkcit anküiiipst? -— llnb mußten sich mit den Herzen nicht zngscich die Hände austhnn, in» ein solches Werk zu unterstützen!' Ehriste» und Juden, Protestanten »nd Mätholiken reichten sich ini Dienste der allgemeinen Meiischenlicbc die Bruderhand. Tic Zahl der Spenden wuchs auf nahezu 10.000 und ihre Summe aus säst eine Bierteiuilllton. Wir preisen gerührten Herzens

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