Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 19 (14.8.1892)
- Date
- 1892-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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^eitc H freies Blatt. ' vo» Forischriklsmänner» durch Scaildalicencn und Gewaltactr störten'? Nun wagt ihr über eurc eigene Vergangenheit i» dieser Weise zu -nrtheilen!. . ■ Nein, die Tenksauleu' werden während ihrer „Zehner- und Elsermessen". >» ihre» Slainmgasihäiisern keine Einwendungen erhebe» und vielleicht gar in die Klagen über die „Unanständigkeit" der Versammlung« »»enger einstimme». Besuchern solcher „Messen" kann inan auch, wie eS der „Volkes, eund" ihui, erzählen, l daß die Luden Seuchenherde in Wie» bilden; LV daß der Lude durch leinen Fusel Christen vergi'ie. weshalb die jüdischen Gi'tltülteil gesperrt »>erden sollten: 3 daß der Millioncndcsrautanl Jägerin Franl'url bei «Bericht nicht io 'reundlich behandelt wurde wie Buschhoff in ' Cleve, weil letzterer ein Lude ist, ersterer aber einen Milliarden Hilden -de schädigt Kat: 4. daß für die Hilden die Ldee des Blulopsers nicht erloschen in. »'eil sie in Christus den Messias nicht erkennen wollen. Das Publicum, ilir ivelches Pseuner schreibt und schreiben läßt, wird an die Bildung von. Seuchenherden durch Juden ohnewcilers glauben, und mündliche Erläuterungen anliseiiulischer Agenten dürsten ihm die Sache noch, klarer machen niid bei blingen. daß-die indischen Äerzte eben ans lenere Einnäbmsanellen bedacht sind. Tie gläubigen Leier des „Volkes,rund" kennen ohne Zweifel auch christlich arische Branniweinschankc». und ein Theil derselben iviid wohl auch schon gehört haben, daß die Bramuiveinerzengcr fast dnrchgehents hohe Herren und viele, unter ihnen Gönner.der „Christlich Socialen" .sink. Aber diese gläubigen Veker ^d Gesübls, nicht Berstandesinenichen Möge» sic auch selbst Brannliveinschänker oder gar Braninweinbrnder sein, der Äu»ru>: „Sperrt die jüdi sche» Giilbiillen!" berührt ste umipatht’rfi, und sie wiederholen ihn, ohne auch nur oberflächlich zu mitten, ob er den thatiächliche» Berbältnissen entspricht. Taß sie.sich nicht erst den .stop'' zerbrechen, um hem Staate einen Ersatz sür den Entgang a» BrannNveiiisteuer zu - schassen, ist selbstverständlich. Ebenso leuchtet es ei», daß man bei Mensche» dieses Schlages Lnstizorgane verdächtigen kann, wen» dieselben zwischen . einem geständigen Defraudanten »nd eine>n : uiischiildig Verfolgten euicn Unterschied inachen. Am alleisichersien aber gehl! der ..Bolkjsreund", indem er. um den Glauben an das jüdische „Blnlritual"! zu befestigen, sich daraus beiittt, daß die Luden Christ»? als Me'sias i.jchl anerkennen Weiterer Beweis» bedarf cs nicht, selbst die historischen .Zeugnisse Rohlings sind überflüssig . . Was würde Pienner erst lenken. wenn er^an der Spitze eines täglich encheineiiden Blaues stü»de> Tie Aussichten hiefür sind! aber nicht sonderlich günstig, denn nach dem letzten Ausweise über den. von ' ihm bereits »eit Jahren gesammelten „Fonds;»>» christlichen Tagblatt" beläuft sich deriekbe ans 's« > st 7!' kr, und damit läßt sich selbst bei den Hunger löhnen, welche antisemitische Herausgeber ihren Mitarbeiter» zahle», kein Tag blau gründen. lLosk Wtftanttn. Tie ,.S stdeu tiche Rundschau" bringt »Iller dieser Spivmarke solgende» Ausspruch des F F. Masaidek, des Verfassers der! „Dacht am Ätterbach'" und ähnlicher Meistenverke, ans welchedas „Sstmark voll" stolz ist: „C, biete Runen! Zuerst haben sie die armen Jude» vertriehe»,; - unk jetzt wolle» sie auch die Cholera nicht ins Land hineinlasseu Las ist doch ' die höchste — Intoleranz!" Tas ist vielleicht „lote", allein wo stecken hier j „Gedanken" L 'Thaisächlich haben die Runen nur zu gastsreundlich die Cholera ins Land hiiieingelassen, und selbst nach dem ossteielle» Ausweise sind in Ruß land seil de», Ausbruche der Epidemie bis 2 d. M. 23.919 Personen ge : ilvrbeN. -- Es ist seiner zivar kein loier Gedanke, aber wenigstens gehörig aus 1 geschnitten, wenn in derselben Rmnmee des in "Folge der „Xargheil" von . „llierglern" kränkelnden Blättchens dessen „Schriftleiter" betheüert, er möchte nicht um alle Schätze Vorder unt Hinlerindiens ein deutsch liberaler Ab> geordneter »'ein. Ter Wackere hat schon um einen weit geringeren Preis im! Tienste bei Pr ad e und V c r g a u i-verschiedene Standvuukle, jederzeit stramm,! eingenommen: übrigens werden deut'ch.liberale Wähkec ihn sicherlich nicht in ' Versuchung 'ähren " , , Wer bringt die Wilienschaft in Mißcredit'?> Tie Weisen von der Linke» Babngane behaupten, daß Virchow und Cont'orlen die Wi'scnichasi! Pald in völligen Mißeredil bringen werden. „I,'i>ui„ t>-n--r>- »iuo'v>!" lBautet Luden.- Aus Bruck an der Mur schreibt man uns: Tas hiesige Anlisemitenblättchen hatt die llnverkchämlheit. zu behaupten, daß Wechsel j fälschungeii qnsschließlick- Luden begeben, Leder vernünftige Zeituiigslescr weiß,! daß diele Behauptung eine'tendenziöse Fälschung ist. und ältere Steirer 'wissen auch, daß vor Fahren sogar ein steiermärkischer Abgeordneter, im Parlamente Nr. 19. ei» Clubgenosse de« Herr» Schönerer, wegen Betrugs und Wechselsälschung zu einer mehrjährigen .sterkcrstrase vernrtheilt wurde. Bor Gaunerthum ist keine Confessio», keine Skationalität und kein Stand gefeit. (Lm Lahrhundert der Denkmäler.) Tie Antisemiten ivollen dem kleinen Hegeman» in Lanlcn, jenem unglücklichen Rinde, dessen Ermordung dem Schächter Buschhosf zngeschriebeu worden war, eiu Denkmal errichten. Zimmer man n leitet hiesür in seinem Blatte eine Sanunluug ein. Das „Deutsche Volksblatt" hat auch bereits Einen Gulden „gesammell". (Stöckersche «uiidgebungen.) 3m „Vol'k" »nd i» der „Deutschen Evaugklischen Rirchenzeitniig" finden wir Schreibebricfe des Er Hof- Prediger« Siöcker. Der Ausgang des Procesjes Bnschhoss veranlaßte Herrn Stöcker, im „Volk" zu erklären, „daß bei solchen jüdischen Sachen ein unfaßbares Etwas über den Verhandlungen schwebt, und daß mau den Schuldigen nie tlitdeckt", über Gneist und über die kirchliche Freigeister« einiger Geist lichen hcrzusallen, 'die Sammliingen für Bnschhoss als ärgeruißerregeud hiu> zu stellen und schließlich seinen Anhang zur Fortsetzung der Ludcnhetze salbungsvoll zu crinuniern. Ln der „Rirchenzeitung" polemisirt Stöcker gegen Dreydorff, und jagt, er habe im preußischen Abgeordnete,ihause ausdrücklich erklärt, „daß er beständig den Ausdruck .Ritualmord' ablehne, seine Frcniidc vor dem Gebrauche diese« Wortes warne, und darin mit Herr» Rickert einverstanden sei, daß man den Ausdruck, weil er eine Beschwerung der Luden in ihrem Glaube» mit sich führe, einkür allemal aus der Verhandlung wcglasscu solle". Lu der eineu Rnndgebnng wird mit dein „iinsaßbarcn Etwas" gehetzt, in der anderen die Veraillwortung für „Ritualmord" Manöver abgelehut. Wie schlau!. «Wie sic cs wollcn.l L» den leipziger „Deutsch sociale» Blättern" werden judenseindliche Acußcrungen aufgetischt, welche der Gegner Luther'-, Tr. Eck, gemacht hatte. An den Vorschlag Dr. Eck's: Man solle die Luden dazu verhalte», als „rinechte der Christin" z» arbeiten, und zwar „niedrige ver ächtliche Arbeit" - zu verrichten — knüpft das genannte Hetzblatt folgende Bemerkung: „So nrtheilte vor 350 Lahre» bereits ein gelehrter und kluger Mann über die Luden. Hätten heule alle Leute, die aus die. Bezeichnung .gelehrt' »nd .klug' Anspruch mache» zu könne» meinen, dieselbe Einsicht, so sollte es mit dem jüdische» Einfluß bald aus sein; leider ist die .ProsessorenwciSheil' sprichwörtlich geworden." An einer anderen Stelle plaidircn die „Deutsch socialen Blätter", wie es Mechaniker Schneider im österreichischen Abgeordnetenhause gethan hat, sür die Connscatio» jüdischer Vermögen. Wir leben nicht in den Zeiten eines Tr. Eck. und wenn man heutzutage mit einer Verniögensconfiscatio» anfinge, so bliebe man sicherlich nicht beim Luden stehen. Es läßt sich — um eine» Ausspruch des Abgeordneten Szczepanowski mutnti« miiUmtU anzuweiiden — nicht vorherdcstimnieu, wo, wann und bei wem da-Z Confisciren ein Ende hätte. .Für >'o manchen antisemilische» Wicht ist eS ein wahres Glück, daß er bei seiner Bösivilligkeit und Thorheit ohnmächtig ist. Briefkasten. Herr» G. St. in Wien, Macgarkthcn: Sic haben die Welle verloren. Schönerer war es, welcher diesem Ehrenniaunc i>en christlich gcrmanischeu Ralh erlheilte, sich aus ciuem festen, unzerreißbaren Strick aufzuhäugen. Philologc in Mödling: Sie frage» UN«, Iva« das für ei» itu»i»",'ü, wenn das Volksblatl schreibt: „risum teuere oniiien“. Wahrscheinlich Solecer. Herrn L. P—k in Voslau: Sb Gras Hübner wirklich Antisemit war, wissen wir nicht. Ein Reaclionär und Anhänger de« vormärzlichen Polizeistaates war er sicherlich: aber er besuchte niemals die Versammlungen beim „Luchsen", unterhielt keinen Verkehr mit Pcukcrt, fälschte keine Stampiglien und Stimm .zetiel und betrieb nicht handwerksmäßig das „Beuschelherausnehmen". Eifriger Anhänger in Egcr: Der Subscripiiouspreis sür das Buch „Antisemitenhanuncr" von I. Schrattenhol; beträgt 5 Mark. Ter Ladenpreis wird »aliirlich bedeutend höher sei». Suvscriptionsanmeldunge» sind, wie bereits erwähnt, an de» in Düsseldorf lebende» Autor zu richten. Herrn Dr. G. in 51.: Verspätet eingetroffen, erscheint nächsten«. Herrn F. Eberkh, Plojcst «Rumänien >: Wir bedauern; unser Blatt nimmt aber grundsätzlich keine Lnscrate auf. Beilrittsrrklärungkn;nm „Bcrrin zur Abwehr des Alikisriilikismus" werden enkgegeiigenommen im Lccrctariate des Bereines:, Wien, I-, Parisergasie 4. -— -------:--—. - - n - i."i ii Abo«ne«e»t»anmeldu»gen auf das „Freie Blatt" nimmt die 5>dmülistration, Wien, I., »eilcrstätte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probennmmern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blaues" werden Gksinnniigsgcnosscn ans Verlangen bereitwilligst zur Vcrsiigung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Ernst Viktor Zenker. — Druck von Ch. Reißer & M. Werthner, Wien.