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Freies Blatt · 1892-07-24 · 16 (24.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
16 (24.7.1892)
Date
1892-07-24
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Seite. 7. Nr. 16. Freies Blatt. V- UeberfiiUung des Saales die Freimachung der Gänze »ur mijtee.fl schwer durch zusühre» war, gelang dies »ach einiger Zeit dank der gute» DiScipti» der Arbeiter. Hierauf nahm Herr Schuhmeier das Wort zu einer Eröffnung», aufprache und sagte: „Den Anlaß ,»r heutigen Versammlung haben die Vorfälle der lebten Zeit gegeben Sfe wissen, daß die .Ehristlich Socialen' Persaminlnngen adhielleu, zu welchen.un» der Zutritt verwehrt wurde. (Ruse der 'ämit'eniiteH: „v!ut)t wahr!", wogegen sich seitens der Soriatdemokraten lebhafte Pfui Rufe erheben.) Die heutige Versammlung fall Gelegenheit bieten, sich gegenseitig auszusprechen." (Beifall.) ES wurde sodann zur Bildung deS Bnrean geschritten. Die Antisemiten mußten den Versuch, ihre Candidale» für daS Präsidium, die von der lebte» Versaminlniig beim „goldenen buchsen" trev be . kannte» Wed rat, Burger und Ragoschan Skt) dnrchzusebeu, ansgeben. Mit nberwältigender'Majorität wurden die socialdemokratische» Candidatenstörbter znin Vorsitzenden, Toxsch zu desseil Stellvertreter und Seeber;n»i Schrift' s,'ihrer gewählt. Es erhielt sodann -Ltldhauer beiß »er alS Referent zur Tagesordnung: „Christlich social oder soeialdemolratischb" das 'Wort. Er erivähnte deö vor v/erzeh» Tage» slattgehabten Periainnitnng der „Christlich Soeialen", in welcher Tr. bueger und Tr. Geßniaiin die Gelege)iheit beiitibte», das große Wort zu führe». Zweck der „Ehristlich Socialen" fei,' den RunbnS, welcher über den Häupter» der „christlich socialen" Parteiführer schwebe, aber schon i»t Schwinden begriffen iei, zu erhalte». Die Antiseinite» unterbräche» hier den Redner in erregter Weise n»d riesen: „Beleidigungen!" Toch wuiPen sie bald von de» Socialdemokraten uiedergezischt. Bon »n» an steigerte sich ,edoch von Satz z» Sab die Ustruhe, so daß der Redner nur stellenweise z» verstehen war. AIS er den Rainen deS Prinzen bieclj't enstein nannte, erscholl ,n. der Versammlung ein vereinzelter Ruf „Hoch biechtenstein!". Tic Anti teniite» glaubten, daß der Prinz thatiächlich durch die beim Schank befindliche Thür jn den Saal eingetrelen sei, und brachen in sohlende Ruse „Hoch biechien-' nein!" a»S, welche die Sociatdcmokrate» mit stüimische» „Psni"-Rusen und ..Rieder mit biechtenftei»!" erwiderten. Rach diesem Zwischenfalle, ivährend dessen der erste „Hoch biechlenstein!" Rufer anS dem Saale durch die Ordner entfeint worden war, fuhr beißner fort: „Fch werde mir zuerst erlauben, Herrn Tr. Geßntati» ein wenig zu charalterifircn. Zch »inthe ihm. nicht de» Mnth und auch nicht die Eigenschaften zu, paß er die Znteiitionei», ivelchc d.ie große Masse-des Volkes beseele», in sich ausgenommen hat, daß er sie leimt und versteht. Ges)>»ann ist in unseren Augen eine 'RnU. Er l<;,t weder politische Erfahrung »och stenntniß vom SocialiSmnS; er ist eine Person, die durch Zufall, wie so viele Andere, eine politische Rolle spielt. Über lnr; oder lang aber spniloS vom politische» Schauplatze verichivinden wird. Herr Tr. Geßniaiin hat n»S lebthi» beim .goldenen buchsen' das .christlich sociale' Prograiiun entwickeln, ivollcn,. aber Dr. Geßinann ist für uns iideihaupt nicht vorhanden^ daS, was er spricht, eriftirt nicht sür »nS »nd hat in unseren Auge» anch nicht den geringsten Werth! Etwa» Anderes ist es mit Tr. bneger. T>e>er kennt so ziemlich schon die Einrichtungen der socialdeinokratischen Partei. Ei hat Gelegenheit gehabt, wen» anch i» bescheidenem Maße, i» Beziehnng zu »»4;n. treten." Unter sortwäßrend steigender Unruhe, ivelchc sich anS dem i^arten, wo, wie eS scheint, die stärkste Antiseiniteitgrnppe sich befand, in den Saal verpflanzte, setzte beißner seine scharfe Eharakteristil bneger'S kort, der sich uichctnd eifrig Rctizen machte. „WaS hat Tr. bneger als Volksvertreter, als Rann, den die Ziiiiniinität schützt, gethan?" sagte der Redner. „Wie sieht eS mit den» politische» bebe» Tr. bneger'S anSb Er loinnit mir vor ivie ein Farbenlönig, der zu beliebiger Zeit und bei passender Ge legenheil die Farbe wechselt. Ein Volksvertreter innß cousequeut iejii, er .art sein Streben nicht »ach Sbe» und picht nach Unten richten, er »inß. wenn >r sich ans die Massen stützeit will, in wahrem Sinne das Fnterene des aibeitenden Volkes vertreten. Tr. bneger wird seine Vergangenheit selbst kenne», sie ihm vorzusühren ist nicht nölhig. Von dem Temolrate» bis zu dein Moniente. ivo er bei ker/FrohnleichnauiSprocession hinter dein Himinel geht Hier brach ei» förmlicher Sinrui loS. Tie „Ehristlich Socialen" schrien wüst durch einander: „Schluß!", „Recht hat er!", „TaS ist auch »othwendig!" :c. Tie Erregung war »ngeheucr, und eS drohte;» Thätlichkeite» zu koiniiieii. Rur mit vieler Mühe gelang cS den Srdpern, einigerinaszender Erregung zu stenern.. beißner hatte inziviichen, ohne daß er verständlich gewesen wäre, fortgelprochen. Man veruähm'nur einzelne Worte.' Plötzlich trat eine» Moment Rnbe ein und inan hörte, wie beißner sagte: ,/Wenn F ein and nnbewitß lugt, so ist er zu cinschnldigen, wenn er aber bewußt lügt, wie Tr. bneger, so ist das »»verzeihlich, und die Strafe dafür bleibt ilicht a»S! Ich i»»b es heranSsagen, daß Tr. bneger selbst nicht glaiidi, iva» er sagt, »nd daS ist eine politische bnmperei!" Fetzt erhob sich ei» wüster bärm. Ruse: „Riederträchtiger biimp.!", „Zurücknehnien!" und andererseits „Er kan» ja erividern, er ist ja hier!" dleöhne» durcheinander. T>. bneger, der bisher sch»u»i;es„d zngehört hatte, springt in böchster Erregung, btniroth im Gesichte ans und tritt gegen den Redner vor, alS wollte er sich 'huf leie» stürze» Plötzlich läßt er aber die erhobenen Fäuste sinken, verneigt sich mit süßlicher Miene vordem Redner, ' und sagt, nach seinem Hntc greifend: '.^ch danke schön!" Ter Einbernscr der Versammlüng sucht ihn Zinn Bleibe» zu bewegen. ES entspinnt sich zwischen Beiden eine lebhafte TiScuision, ivährend . t. welcher der Tuinnll sich fortwährend stergerd. E>»'i,,»sendstii,ini,ges „Psm '}• ei •/ füllt den Saal. Ter RegierungSvertrelcr bedeckt sich, »nd die Ve>iain,»i>cng m aufgelöst. Allein die Menge bleibt tut Saale und itiinnil das „bies. bei Arbeit" an. AlS der Reflai» ^sstlbez, „T,e Ar den hoch!" eiltuigt. schwing, Tr. bneger seinen Hut und stimmt in diesen Ruf ein. Tas lle,ge>l chie Er regnug der »>» ih» stehende» Arbeiter »och„»>ehr, und zwei speien vor T i.'bnege» - ans. Mit den, Rute: „FeIns Ebri'stus hoch!" bahnt sich »»» Tr. bneger de» Weg durch die-Menge. ES ist ein lui zer Weg, de» er am Lchänliische vorüber durch die stüchc i» den Hof zu gehe» hat, aber er lag» nur schritt weise vorwärts, umbranst von sortivaht enden »niiuterbrochenen „Pfui!" Rnten. Tie Faust geballt, mit. dem Ruf: „Fch iverd's Euch heimzahte»! FemS Christus hoch!" vetläßt er endlich den Saat Tie Aniiseniiieu, in viel zu geringer An zahl, dazu in kleinere» Gruppen int Saale veiiheilt, können ihrem Führer nirhi Helsen. Ans der Tribüne ist kreidebleich Tr. Geßmaiin zurückgeblieben und streitet mit den dort amvescuden Sodialdeinolrate». 'Man hörte - mir, wie , iüeßmanli, sagte: „Sie Hetzen gä die bente ans uns, Betbrechensind schon »»ter^ dein Teclinantet deS Ehristenthuins uiid unter dem Teckniantet der Social deuiokratie begauge» worden. Es ivar nicht.anständig, uns in solcher Weise persönlich anzugre'iseu " -Hieraus rännile .auch er da» Schlachiseld »Hier dem Schutze eines ihm vom RegiernngSverireter angeboteuen Tetectios. Tie Social deinokrate» stitniiiten iininer wie.der das, bied der Arbeit" an,' riesen: „Hoch r stioiiawetler!", „Hoch bassalle!", „Percat bneger!", jeder mit biechtrnstein!" und'- entfernte» sich dann' tangiau, _Vtu> der Straße war inzwischen Polizei »tauiiichasl erichienen, welche Ausaminlungen veibitiderle und siir Freihauung der Passage sorgie, Taielbst creigiieten sich keine besonderen Zwischenfalle. a»>1i Tr. bneger verinochle, ohne weiter inotestirl zn iverde», seinen Wagen zn er ' reichen' Von icinen stolzen Plänen, die Arbeiler ivider ihren Willen zum Anti teniitismiis zu bekehre»: düisie er aber ein tür alleinal geheilt sein'. 2lus antisenntischcn flattern. (Seilt fiinszigster GebnrtStäg.> Schöne rer Jmt sich IN ieinem Reichs auzeigcr so vsl und so länge alle Hiildigungei, zn 'eiuem ans deiz 17 Full sallenden. siinszigften Geburislage verbeien, bis auch dir leiste seiner Anliangei wußte, ivaS er anläßlich deS'Wiegenfestes. seines Herrn und Meisters zu Ilniii - habe.- ErgöststcheS leisten die ,den> enlrilizrleii Ritter isteorg mit Haut und- Haaren ergebenen Fournälche». Ta seiest die „band Zeitung" den Schtcgf' licrin von Rosenau als de» Bahnbrecher des denischuaiionaleii iüedanteu» in Testerreich und spricht von den „wirilii>kfti>il>U,en Fdeen", deren Vater SchöNeret sei» soll. Wenn Heine s .stntscher Recht behäll, nach wetchei» eine Fdee altes dninnie Zeug ist, -das Einem einfällt, min, dann lassen wir anch Schönerer'-.! ivirthschasiliche Fdee» gelten. Rur lniben anch die-'e noch die fatale Eige»s,k»i>st, daß sie schön por ih», vo» Andere» enidecli ivurden. .Toch mit einer GeburiS UIgs>zral>ilalioii darf man eS nicht so. ernst nehmen: so eizi ü>>. <R'biirlSl»g' -ist ein ganz besonderer Tag, an ivelchem man die Vorzüge gern etwas mntti vlicirt, ivährend ma» gewisse dnntte Pnnlie in, beben des Gefeierte» sti» ichweigeud libergebt. So glauben wir wenigstens das etwas b.efreinde.ndc i»e ständuiß des genaiiitze» BlattoS deuten zu müne», ivelchcs tagt, es sei „nicht der Tag, »»> all die Riederiracht, dre vom 'Höchverraih angcsangen biS ins . - Fainitienleben hinein ihre gistigen pketze wann,. deS Rähere» 'zu schildern" ' 'Run, allerdings würde die Schildernng in diesem Angendticke sehr. deplneiri gewesen sein; über ist eS denn auch'Taci. überhaupt nur an all die Rieder tracht, die vom Hochverrach angefangen bis inS Familieulebeu hinein thie giftigen Retze spann" zu erinnern'' AutHeiniiii^,e Schrislleiier haben in diesen». Pnnlie ivenig Zärigesstht - auch ihre» Abgöiieru gegenüber : nig» »>e:s; v'i »ichi, ob der Spolileiisel oder bloß stobold Ilngeschickliästeiz/' ihke Federn leitet, so iiiiangeiiebine T>»ge reite» 'sie oft den vo» ib»e» Gepiieienen voi ' Eitirte da der bekannte titeearische Znckerbäster in der leige» Riimn>e> der „U ii vori gl ich ten" deii AnSipriich eines angeblichen dentschr» iüelebrien nbe-r'. den indische» Abel, - wonach „der 'Rachköniniliiig des geadelte» Schachei fiiden, obgleich mit höchster stcasiiiiirlheit i» , Sans '»nd Braus erzogen, in -asten seine» Bcwegiingen, in aste» seinen .sthrperssiiiien beweise, daß die Fainiiie, welcher er entsprösse», ehedem'nicht mit Pflege höheren Geiellicha'islebeiis nch beschäiligle, nicht die Grazien >i»d Milien verehrte, nicht den Geinbten der IIu eigenniitzigkeii, Anfopterüiig »nd Sethoetlengiinng Rani» gab.' Fa, ivas werde» denn;» einer solche» Tactlosigkeit jene'Ritter iagrstf unter deren Ahnherren sich ein betauter alter Herr ans- Polntiv mit höchst iiiiari'chem Rainen bc findet'b f Toch kehren wir;» liniere» G,-atnla»leu zurück, »iurr dc»e» wir die „Sstdenlsche Riindschan" »ichl vergessen dülscn. Tic Siiilaiifgahe. ivclche der gcriiianische Füngting .st. H. Wolf zu Ehre» seines Herrn und Meiste, s geliefert Hai, bekommt »linbeftens die Etage „lobensiverlh". Tline einicfe lieber . ireibnnge» geht es. zivar auch-liier nicht ab, io z. B, wenn Schönerer ein - „Gottgeiaiidter" geiianni ivitd. Tagchen vrrräib der Ariilet iviitliän' stemit niste, wie die der renophvnt-i'icheii Anabasis Ter ,:Gottge>andte" ist hier wieder mit der .attische» Biene üeiiophon vergliche», „der teilte schwer bedrängst» Schaarcn anS den Steppen Asiens ziirücksiihne zur sonnigen Hcrruchkeil des ewigen Meeres, das sie aufjanchzeiid begrüßten: Thatalia, Thataua!" Minder i

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