Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 10 (12.6.1892)
- Date
- 1892-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10. Freies Blatt. der Gesaunntzahl, die Zahl der UiiivcrsitätShörcr 101* Pcrcent, bic 3ahl der Techniker 16 8 .Pcrcent. Daran« zieht der Verfasser den Schluß, daß die Inden besser al« andere GesellschaftSjchichtcn die Be dcutung der Bildung begreifen/ Die Zahl der Inden, bie der Militär pslicht Genüge geleistet haben, betrug in, Jahre 1872 P;"> Pcrccnl, im Jahre 1876 2 Pcrcent, im. Jahre 1886 6 Pcrcent, im Jahre 188;"> •J 2 Pcrcent Die Zahl der Verbrechen, die seitens der Juden begangen worden sind, betrüg im Jahre 1881 4 2 Pcrcent, im Jahre > 885 4 Perccnt. Als Verbrechen, die sich die Juden niemals z» Schulden kommen ließen, werden angeführt: Hochverrat!,, MajestätSbelcidigung, Störung der öffentlichen Ruhe, öffentliche Gcwaltthätigkeit durch boshafte Beschädigung und stiindcSwcglcgnnq. Wie soll nun die Gewinnung dcS Elementes, das ^noch nicht ttiiscr" sei, erfolgen'? — das ist die Frage, die der Verfaffcr nach An fuhrnng all dieser statistiscksen Taten, die daS Ergebniß einet genaue» Prüfung bilde», anfwirft. Er selbst beantwortet sic wie folgt: „Dieses I>cute noch gleichgilligc Element, daS somit zum größten Thcil „noch nicht unser" ist, zu iiatioiialisircn, ist eine öffentliche Pflicht ... Es ist nicht;n besorge», daß diese Arbeit erfolglos sein werde. Ter größte Thcil dieser ländlichen Bürger ist der Eulturanfgabc gewachsen, insbesondere ist die jüngere Generation befähigt, die Viirfcit im conscrvasivc» z'agcr in ehrenhaft loyaler Weise anSznfüllcn. Schon sehe ich Vcrtreter dcrsclbcn ans dem rechten Flügel tapfer kämpfen. Dan» wird auch die gescllschhsllichc Gleichberechtigung erfolge», und wird cS kein TiSza nölhig haben, ein Gesetz Über die Mischehen zn erlasse», weil die Fori», wie diesem gesellschaftlichen Bcdürsniß l^cnügc geschehen soll, sich das Vcbc» selbst schassen wird. In dieser Mzichnng kann inan belehrende und crninthigendc Beispiele in den Stammbäumen nuferer Adels gcfchlcchtcr finden." \ Die Assimilirung der jüdischen t^roßgrnndbcsitzci ist »sch Ansicht dcS Verfassers leicht dnrchzuführcn. Es handelt sich nur darum, ihnen die Salons dcS Adels zn erschließen. WaS aber die Polonisirnng der Vlasscu der jüdischen Bevölkerung bctrissl, so schlägt der Verfasser vor: l. Tie Aufhebung der jüdischen Privaischnlen, die Durchführung des Schulzwanges, Errichtung von ErgänzungSschulcn für Gewerbe und Ackerbau. 2. Errichliurg einer höheren RabbinatSschulc mit polnischer VortragSsprachc. 6. llntcrstntznng von VolkSvcrcineü, die die Verbreitung der Bildung und Aufklärung j unter Inden sich zur Aufgabe setze». 4 Die Zulassung der der polnischen Sprache mächtigen Jnlclligcn; znni gemeinschaftliche» gesellschaftlichen l'ebcn. I>r. M. A— 4. Dr. Bainberger r>ot seinen Mälzern. Der deutsche rlicichStagsabgeordnctc Tr. Ludwig Ba in bei ger hiclt kürzlich vot seinen Wählern in Alzey eine Rede, in welcher er auch auf die in drei zum Wahlbezirke Alzen Bingen gehörigen Dörfer» vcranstaltclcn antisemitischen Versammlungen zu sprechen -tarn iind unter Ändcrem sagte: ' Die schlimmste Teile an dein prcustischen Tchulgesetz sei die Ernenerung de» .stampseS der Eonscssionen gewesen. Tagege» sei da; Ende al» Tieg der ' össenllichc» Meinung höchst erfreulich Viel mehr al» si iihcr sei unler den heule ivaltcnden Verhältnissen die össeillliche Meinung in der tage, sich Aechl zu verschaffen, und lvenn e» ihr ievl nicht gelänge, anch Tenl'chland entli'ch aus,eine Tlnfe lvurdiger liberaler, Zustände eniporznbeben, so sei e» »nsere eigene Schuld, lt'ebhasler Beifall., Bor Allein g^lle e» auch die Pflege de» cA-,„einte leben» in liberalem Tinne zu fördern, in der BolkSschnle solle >r>eder die Regierung noch die t^eistlichleit die Herrschaft führe,», sondern die Gemeinde. An» dieiein. «lirnndc sylnpalhisire er auch mit denl Widerstand gegen die Aendcrnng de» hessischen «si,„iei»drgcsktzeS, welche» die Wahl der Bürgermeister in die Hand der stkegiernng legen ivill. Er habe ja nichl gerade Ursache, sich für alle Bürgermeister zu begeistern, aber lrotzdei» die bi ei Häupter der berühmten Gemeinden von sTchorndheii», Esselborn lind .göngernhcii» ihm soeben bescheinig! Höllen, daß i je eine Bersanunlniig von t.">Ü<> Milglicdern ihn zur Abdanlnng aus gefoltert hätte kgrosic Heiterkeit, — e» sind nänilich iinnier genau t5i»> Peisouen dageipeie» lHeiterkeit> — so wolle er anch diese drei lNeineinden nicht gestört ivisse» in dein Vergnügen, sich solche Bürgermeisp-r zn ivählen, die ihrem tüe schmucke enisprächen. lHeilerkeit., tziur boise er, daß diese bei Erfüllung ihre» slanderainllichen Bernsc» genauer zählten.al» bei Bescheinigung der Ziffer von I.'>V0 Anweiende». E» sei doch schade, das, gerade so kleine Dörfer so grvste Täle-snr Bersanimlnngen besaßen, wie e» scheine, »»> die sie manche Ei'oßstadt beneiden könnte zLYroße Heiterkeit.) Das! er diesen anliscinilischcn Aussorderniigen eine Antwort gebe, werde wohl »iernand erwarten ilebhasle» Bravoi, ebenso Hab« er es gehalien, al» der Abgeordnete tziebermaiijn v. Tonnenberg ü» Reichstag meinte, er sRednerl besäße nichl mehr daS Vertrauen seiner Wähler. EinerPartei gegenüber, die einzig n»d allein aus die niedrigste», Leite H. 1 |»ee u lire, e csainiiiliing ^eincinstcu und büsarligsten Eigenschajte» der-Mensche n sei jede Rechtfertigung eine nuverdiente Ehre, »nd die B hielte e» wohl ebenfalls nicht für. der Mühe wcrth, daß ihr Vertrete! sich gegen diese» ekelhafte Treiben vertheidige. sRain'cheiide Z»stii»»»lng.) Der Ant semitisinns sei eine derirnigcil formen, welche die Feinde der Freiheit wähllei, um diese zn bekämpfen. Estrade indem sie jetzt zu diesen niedrigsten und ekelhaslcsic» Waffen griffen, bezeugten sie, wie schwer e» sei, die liberalen n >ch »,il an ständige» Waste» zu besitzen. Auch sei da» beste Mittel der Abwehr Bewegung selbst. Da» sage er immer anch allen denen, die diele conscssiottellcin Boden betreiben wollten Er rnse ihnen zif: se dann bekämpst ihr am >vi r kscki» neu den A » tisc u, i «i »in u die liberale Abwehr äus liberal, n> i e d'i e l e P r i n c i p React i on.d^en A nliicin i lismiis nur hegt, um das l/ibera zn bekämpsen. «Tiüruiischer Beifall.» ' 'Nachdem Abgeordneter E l> sti st und mehrere anderesticd icr bezeugt hatten, daß Dr. Bambcrger der Versammlung an» de» Herze» da» Wort, der A»li gesprochen habe, ergriff schließlich A'otar W o l s f. aus Mai»; um in ebenso scharfer als trcistndcr Weife das «''ebahren scinitcn im Wahlkr-eisc zu,gcißclli. Er sagte: Tie Veranstalter nnd Bcsncheit der drei Radauversaininlungeu Heini, Xöngernheiiii nnd Esselboi-,i, in welchen die bekannten, von Bürgermeister» beglaubigten Resolutionen gegen-den Abgeordneten Bai» beiger gefaßt wurden, seien nicht abgesallene Wähler, nicht neue Estgner E» seien r ieluiehr obne Ausnahme alte Feinde, welche in ihrem, immer anosichisloser werde» gegen de» Freisinn und feinen berufene» Bertreler e» nun einmal -al» Ttnrinbock probire» wollten. Derselbe ließe sich »alürlich nicht zl Tei doch die antiseinitiiche Hetze sein einziger Berns, von dem J-r tranrige Erscheinung hiebei sei e»„ daß sich,Bürgermeister dazu diese» Aadaiiversnunnlungen' in. fauaiiuber Weiie da» Dienstsiegel in zu bringe». Eine Partei, welche sich ihr Dasezn erst anuli-ch besch, inigen lasse» müsse, sei ohne innere .»rast und >ucl» zu fürchte», am allcrweniesten.abcr im Wahlkreis Al;ei> Bulgen, wo ei» freier deutjäier Tin» in allen Bevölkerinig vorherrschend sei,"der eine solche elende, aus den öde» blinden Fanati»mn» rechnende Mache verab-cheue.! Unter lebhafter Znstininiung der V.crsanlmlnng führte anS, daß der AntiscmiiisninS vom Stanldpnnklc des Eh aber anch vo'n dem des 'AalionaliSnuiS verwerflich sei, nnd de» S ch c ff c l'schc». Verse» : Einfach dekn Deut'chen Reich, A» stühnheit reich', dein Adler gle-ch, Mög » täglich neu sich stärkest! Doch tlloi, bebnl'» vor Classenhaß, Vor Racenhaß, vor Massenhaß lind derlei Deufelswerke»-! in ^äiorns-. n jeiveiligen de» >la»ipse mit‘ B ö iti’f ieiinal rufen. ebe! Eiue hergeben, in Ainvendnng chichlen der >>«!! und den her stredncr tttenihiilns. schloß mit 7 Die ^udenvorfc*lguug in Nie Millionen von Mensche», die mannigsaey im Friede» il>r - <^„l und Blut für» Heimatland eingesetzt, dem sie fahren in selsciiscster Viebc nnd Treue, ergeben sind, werd reiche (besetzen lintc)-worscii„ die ihnen z'cben und t^edcihi möglich machen. Diese «besetze, die anS- Zeilen stirmme» Undilldsanlkeit fast ganz.Europa beherrschte, sind in jiingl verschärft worden »nd pressen mit sürchkerlicher Schwere eitrüglichc Angstschranbe die ritssische-n Jude», erniedrigen nnd schntzlosen Sclaven und drücken ihnen da» Brandma beladenen Mcnschenclasse ans. Znsalumelyzevserchl in innerhalb des weilen russischen stieiche», nnd selbst tstehicte gezwungen, lianptsächlich in Städten zu leben, wo Türstigkcit st'dei 'Art Hausen,, ist cs ihnen benomut^u nngchindcrt zu' bewegen: dnjlch barbarische Specialgesi Ilnterychinnng behindert, dürfen ste weder l^rnlidbesitz irgend einen Anlheil aN einem haben, nnd sind sie in lichcn Erwerbe ans Schritt und Tritt eingeengt, so »ahezil nnmöglich gemacht ist. ihr tünimerliches Tairiist >» zn fristen-, '.st'icht allein dein Ränme und der Wirkung sind sic in jeder Beziehungeingeengt, man versagt- Freiheit, eine höhere Ansbildnng sich zn eriverben, odee ihncn nur in einem Maße, da» wenig dcni Ilmsange ihr ilnd A'cignngcn cnlspricht! Tic .tiünstlichkcit nnd llnhaltbarkcit der sogenannten Maßregeln vom 6. Mai 1 , wodurch dir Juden i znsamincngcpscrcht nnd statt des großen jüdischen „Anned unzählige kleine „AnsiedlungSgebicte" geschaffen wurden, greller gezeichnet, werde» als durch die zahllosen sich erg and. nd iät ,velbe ihre Vor im Ezaren n schier n» ivo religiöse er Zeis noch al» eiste »n sie zy 'icflit einer find) igc lvrenzen rhalb dieser Armnth »nd sickl frei und tzc i» jedr-r rwcrb'en. nocli rein bürger )aß cS ihnen ilschenwürdig iSst'Iläre nack, en auch" die' gestaltet i>c, - Bediirsninc im e i!>r lefnpotäre» die Städte lliigsranoii»" tan» niichr uizciiden und - / «