Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 7 (22.5.1892)
- Date
- 1892-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Serlage ru IIr* 7 des ..Freien Älaltes". Zweite Generalverjanunluug des Vereines;nr Abwehr des AnlilemitismnS. Tikiiskag den 17. Mai hicll der Bcrein zur Abwehr des A nIffc INitism»s im Laalc des ^eslerreichikchcn Ingenieur und Ar chitektcnvcrciiics feine zweite Generalvcrsa m in l u n g ab, welcher nebst einem a»S dcn besten Ständen dcr Residenz sich rccruti rcndcii Pnblicliiii auch die. Ehrenpräsidenten des BercineS nrcilierr Friedrich v. Vcitcnberger, Hofrath Professor Nothnagel und (Sras Rudolf Hopos beiwohnten. Ter interessante und gleich würdige wie ammtrte Pcrlauf lieferte den schlagenden Beweis von.der Gebens traft des Vereines und dcr regen Theilnalnne dcr Mitglieder, die in .gcliobencr Stimuiung und mit dein Ausdrucke vollster Befriedigung anseinandcrgingcn. Wir lasten nun einen, ausführlichen Bericht über >die Versammlung folgen- Ter! Präsident I-reiherr. v. Suttner begrüßte die Vertanimlnitg mit einer lnrzeii Aliiprache, in welcher - er beioine, daß der .Perein 'keineswegs, wie die Anzisemitclt glauben machen wollen, im Entschlafen begristen fei. Er liabe im Gkgcnlhcil eine zwar stille, aber erfolgreiche Tbäligkeil entfaltet, ' wenn, er auch nicht nach. Art der Gegner mit lauter Rcclame in den Wirchsbänietn und Heutngetischänlett herumwanderte, vor deren Tboren, goldene RaubiKicre als Schilder herabhätigen. (Vebfjafte Heilerkcil, tllutf: Beim „Goldenen Vtidiktt"!; Ter Präsidenl ertbeillc hicrqnf, ehe er znm ersten Punkte der Tagesoidnnng überging, dein Ehrcstpräsidenten. Hot'ralh Nothnagel d^s Wort zu einer Rede, deren mariner PtilS'dilag bei aller wisseiiichaslliche» Tiefe, deren krä'iiger, voller Tenor bei aller Würde die Zuhörerschaft zu ituederbollein siürntikchen Beikall hinrist und jedenfalls den Glanzpunkt dieser Bersammkntig bildete Ho'raih Notb nagel sagte: „Alle, welche heule hier vcr'amineli sind, habe» sich in Eineni Gedanten ' gcfnnde», Ein gleiches Empnnden beseelt, tragt nnS alle. Wie versilneden dcr Än'chauntigi kreis der Einzelnen in iovialcr, in politischer und mancher sonstigen Beziehung sein möge, in Einern, in dem hier entscheidenden Punkte berührt er sich bei uns allen — in dem Eekithl für Gerechtigkeit. Tiefes Kit uns vor Jahresfrist znsammengeführt. Und die aus demselben entspringende ethische Pflicht, die schmachvollen Angriffe gegen unsere indischen Mitbürger abznweltren. hat diesen Verein in daS reden gerusen. Ich weist nicht, meine Herren, tra? größer in einem kühlenden Menschen kiti muß: ob der Ekel über das wüste Treiben, welches .sich als Anti ietnitismns.bezeichnet, oder der Zotn über dasselbe, oder eine ticke Traurigkeit darüber, daß eine solche Seelenpest sich verbreite» konnte. ' Wenn eine wahrhaft große Bewegung die Meitichett ergreift, >'o liegt ans nabmSloS auch eine .bedeutende Idee zugrunde, tut An'iiige vielleicht von manchen nicht erkannt, nicht verstanden, aber doch rinnt Inhalt bergend, der irgend einen sitllichen Aern entschließt und darum auch eine Lebensbercchtignttgbedingt und gewährleistet. Wenn in den Steont einer solchen Bewegung die Welle» den Einen odet^ den Anderen verschlingen, ko. ist das wohl beklagens werth, aber cs sind das Cpfcr, welche wetiigtleiis einer forlichreiiendett Eni Wicklung gebracht wurden, die der Geiamntlheit zugute lotitmt. Meine Herren! Von eitlem solchen Standptinlie aus die aniiiemmsäte Bewegung prüsen zu wollen, wäre eine Versündigung gegen eie elementarsten Forderungen nicht nur der Gerechligkeil und Humanität, 'andern selbst dcs kchlichten Verstandes, .steinerlek Idee und keinerlei noch >o verschrobenes Ideal - liegt in Wahrheit dieser Bewegung zugrunde, lein zündender Gedanke führt sie. kein leuchtendes Ziel winlt tut ihrem Ende. Von alledcm das Gegentheil! Wozu, : meine Herren, soll ich in dem trüben Stint pke rühren, anS welchem die Gtki! blaken des Antisemitismus aussteigen ' Tie Alle kennen ihn ebenkognt wie tdi. Und ich muß tagen, daß eS mir widerstrebt, das traurige Gewirr von Be schränltheit und Schwäche, von 'A'cid und Haß, von Allem. iva« tlcin und. ltäß lieb; in der Pzenichennatnr ist, und Iva-S in feinem Zutammkitwitkeit die empörettde Irai> e des Aniijemitismits Beifall? erzeugt hat, psitchplogisch;t» analttsiren. Nur von den tlaren Höhen der hjstarischen Anschauung möchte ich in dieser Stunde de Sache, für welche wir mit, Gruft und Treue Jtt wirten nnS bemühen, in wenigen Bentetkungett beleuchten. Inrchten Sic nicht, daß ich Sie durch TetailS ermüde. Ich bin teilt Historiter von Jach, aber ich bin immer der Meinung gewesen, daß die Geschichte die große b'ehrmeistentt der Menschheit sei, daß sie uns vor Allem Gerechtigkeit lehre, zveb ha''ter Bestall.» 1 Gleichsam zu ihrer Rechtfertigung und mit einem gewissen Hohn weisen die Antikeutiten öfters darauf' hin, daß ja nicht sic zuerst und nicht gegenwärtig zuerst gegen die Juden Stellung genommen hätten, sondertt daß, wie sie meinen, ici.on >eii den ältesten Zeiten dies von allen Völkern geschehen sei — Zunächst ist natürlich in dieser Iassung diese' Behauptung nttzntretsend. Tenn gleichwie, e4 heute noch in einer Neide von Staaten ist, so sind auch frill^r Jahrhunderte vergangen, nt. denen die Bekenner des ' mosaischen Glaubens vollständig utthebelligt ncbcti den anderen Staatsbürgern leben tonnten. Und wenn Gegen käve eiitstanden sind, was lehrt die Geschichte, .was war der Grund derselben? Tas erste Auktreten des ^vkosaisinnS in der Völlergeichichtc ist eine Erschnnnng, .deren ttncrtneßliche enlinrhtstorische Bodeutnng ich nicht'besser au» zudrücken retmöchte als mit den Säven eines der voruelimliett und obicetivsten Historikers, nämlich V v. Ra n ke's. Tiefer iagf: „Tie Idee von Iebovah ist nicht etwa ans dem Nalnrdiensi enstvrungcn, sie ist ihm etttgegengesevt. kie mokastche Schöp'nngsgtz'dnchte ist ein Manifest gegen die Abgötterei, welche die Welt beherrschte. Tem PolnibeisntttS entichivand /n iieincr Vielgestaltigkeit die Idee kelbst, ans der ev hervorgegangen ist: er ve/vandelie sich in Götzendienst. Temgegenüber trat, hier die absolute Idhe der reinen Gottheit auk, frei von jeder Zukalligkeit der Anschaltung. Eine erhabenere Inaugurativn des sittlichen ikebens i« der menschlichen tsteiellichakt könnte nicht gedacht werden. In dem einkachen Iortgang eines nationalen Natttidienstes bätt.' es keine Geschichte des Menschengeschlechtes gegeben. Tick getvinnt erst in dem Monotbeismns. der sich von dem Natutdienst lcsretüt, cstrund nnj> Boden." So weit Nanle. Und tvrttn auf Grund eines foTTlieu tSegeniaheS die Stätnme mo'aisitien Belettntntsses von den. Völkern um sie herum 'nebenbei, auch diese waren Semiten' angekeindet wurden, dürktt. können wir mit unkren heutigen An schanungen daraus den Inden eilten Vorwut' machen? Ttne Irage bcautivortct sich kür leden, der a'incn Innkeit von k'k'techligteil-jsinn in sich bat, vv-n selbst. Wenn' weiter getagt wird, daß die Römer, welche doch alle änderen unietlochten Völler unter sich-dnldetett, den Inden mit besonderer Ieindkligkeit kbegegne, seien — toober kam dies, und pas bdtveisi cs? Zunächst muß kstgebanen werten, daß die gegen die Juden gerichteten unbegründeten Anklagdn nicht bloß dick, sondern in ganz gleicher Weise die EKrisien traktu Beide wo.rhu derselbe» Abneigung, demselben Hast und denietbcn grattsiitnef. "Ver''o:gtiilgeit attsgesevt. Tine aber entsprangen kincm tSrunde. tvclcher Ehrttten tvie Juden-zur böch'ten Ebre gereicht. Weit b t^de stch weigcrisit, Sie römischen' StaatSgojter zu verehren. weil-sic den Iiitpotatoren leine göttliche Anbetung erwei'cn wollten.-wen, sie mit »einer nitcrschüttertichen Treue au der Vdrehrung Aires Gattes 'asikijetten, die selbst dieungeheure volili'chc Btachstfülle des Roinerstaates uitltl zu brechen vermochte, deshalb bcstated teuer tk»egettsai>. Tann ertnir^ stir betnabe ein Ialtriatzse-nd sogenam>te Iudeii'rtge In den wilde» .Stürmen der- Vö!kerivaudeti,ng. tu den -von Blut sttud ttv.auk Körlichcit Aäntpke» erfüllten Zeiten bis etwa n:r. eie iViite ,des- M Ja!» .. Hunderts ent einen sitch. die Juden einer stillen und nt-.auge'ochztenet-. E usienz Sie lebten unterdcn andere!'. Votkern. rvie ut-luiidü.k- 'estget'tvllt irordeu ist. nicht mir unbeKeUigt, kondetn. als gleichberechligte Bitrge. nv.leh den orderen. Tie verwandelten Vetemfi’ciKaltnif'-', lauen aus dem in '.'inetj alten Hetmat - ausschließlich Äcterb'au und Viehzucht treibeudeu Volk- ..kunuu, .un.'sau'wäf.its. voll gebildet. Aber-nicht'etwa <t>olbgeichästo besorgten sie. -'onde-.-tt sie waten die Großtaustente, ivckche nebeiieden Snrcrn. den Itatieitern. nttd voll dcii de-'uf'chen Stämmen neben den Iriesen den Großwaareiirot-kebr t-.ud' it'.sb."ottde-.-e-,deu mit' dem Trient vermittetten. - Tie-betriebenden Handel' ivto - ich-: die. großer Natt' Herren von Hamburg und -Btemcii, 'rüber von Augsbnt-'g, Atlrnberg. Ba --t. Ihre durch.die Iabtbniidelte auirccht erhaltenen Beziehungen jlittt -T-eiert -.- mögtichten cs' iliitcit,'— fiiv ibre HeitnatSgeitosi'e.u, unter denen -sie tebten, die Vertnti'lcr eines unbedingt notbwcndigc» Bet!eines zu -eui ^anebettedoch trieben sie auch Ktjt noch AcherKut. baiteu Gnindlidsit- :t: Stadt und band, vollständig gleichberechtigt lebten ne unter ihten vat-.dsgeresi'eiti rereutzeue vom —blklaubenssanatistiius berbciget'übrte Aitkinkttttgen blieben nur Evtseder. Sie jlbcijtcn mit z'andsgenoksen wie die Pstichtau w auch die Rechte, sie wurden Bcssiver im SäöiiemaiK, und in .stöln'erzäblen die urchi'.'apesch.en-Ur-kttud.-.t von ' einem indischen Bürgermeister. Tann, etwa uni das Iabr 1100, kutt ein Umschlags be-zatm ntter .» 'stand, j welcher die vielbunderttährige Letdettsge'chichte der Inden einieitet ' Welche \ Momente begrinideten ilm? 'Wohl mag zugegeben 'werde,!, daß bei einer an lkidetischa'ilichcm Glanbenseiiex autstaittittettdelt Menge, wie sie die enrov-tt'chdn Böller zur Zeit der Äretizzüge waren, auch das deutsssionelle' Motnetü eine i gewisse Rolle gespielt habe. Temgegenüber muß tedoäi betont iverdev. daß! gerade die Päpste und die .stirche. in Erketininiß ihrer bohen Pflichten und in! edlem GerechiigleitsgcküKl 'ehr oll und vielfach Milde nuS Schonung gegen 'io I Juden 'orderten. Wobl kann es ferner möglich-fein, Kiß^ bei der 'damaligen! inicirsirsteit-Aiieinanterk>f>Iikßiing der vielfachen Siammesgenoskn unler einander