Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 5 (8.5.1892)
- Date
- 1892-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite •>. Freies Blatt. die Bcrauick'ung der .Vllintimisra»;lit*‘ mit dieser Wahl kann niir von Renten ansgehen, die sogar Gebetbüchlcin dazu mißbrauchen, nni in dieselben erdichtete Rundschreiben dieses-Humanitären Institutes einzuschmuggeln, welche Einfältigen und leichtgläubigen bcibringen sollen, daß die Jude» ans der ganzen Welt fortwährend ihr verderben planen, widerwärtig in es, daß die Organe,. welche die Eandidatnr Sr Mi lcwsti's ponssirt hatten, cs Herrn Hofinokl nachgerade als Schande anrechnen, mit Hilfe .antinationaler', d. h. siidischer Stiminen gewühlt worden;u sein. Bei nächster (Gelegenheit werden dieselben Organe für einen Kandidaten, der ihnen genchmf ist. um die .antinationälen' Stimmen zärtlich werben und unter Ausdrücken der höchsten Ent rüstung über de» Anliscmikismus an de» Bnrgernnn der .Brüder mosaischen Glanbens' appelliren." «Allliscmillschc Erccssc in Galizien». Ans Rara j ow bei Btzezan wird berichtet, daß dort antisemitische Ereene entstanden. Unter den Bauern wurde das »Rrücht verbreitet, daß die Inden de» römisch tathokische» S rtsvsarrer Iemiolo mißhandelt chatten, dreitausend Bauern stürzten sich ans die indi'chen Srödlerhallen und Berkantsbuden, i» denen sie' die Waareir vernichteten »nd Alles -von oberst zu unterst kehrten. S ic jüdischen Bewohner des Sites schlosse» Ihre lüden und verraniinelten chrc Wohnungen/ In den jüdisäkeii Wohnhäusern würden säinintliche Icnsterschcibcn zertrüninicrt Ern der N'endarmcrtc gelang es, die. Srduniig wieder herzuncllen. Rllliscillitlsllllls Ittlü Sittlichkeit.»In Ri. :r des ,,/vreien Blattes" berichteten wir unter dieser Svitzmarke von ciiicui S c a n d a l p r o r c ß, zu welchem unsittliche Äns'chreitnngen mehrerer vrononeirt ahtifcn\i11id>cy Herrchen von, R n d e r e l nb „SaroNia" in'leivzig führten, i/et' Broeeß in bereits znm Anstrag gelangt: Es wurden zwei Mitglieder der .. Satsni.t" zn je zwei Monaten, ein Mitglied zn drei Monaten 'R'.tngiiiß, der Gründer der „genialen" Idee gleichfalls zn drei'Monaten, drei andere Mitglieder zn je zwei Wochen Esi't'ängiiiß, der angellagtc . Iri'eur :n zwanzig Mart 'Geldbuße und die drei initwirkenden Rainen zn je einet Woche Geiängniß vernrtheilt. S er .Mitangeklagte Elnb versitzende wurde' sretgeivrochen, wr-l zur B e r a n st a l t n n g d.iescs . n tzs e > n b e f a n d e. r e s . B e r g n ü g n n g s e o in i t g e b: l d e t 'rede n w a r - . . . Rstlilelllilisllllls nnv HNMittllltN. In Iiichack, bei z'lugsbnrg l'-.u nch die I.etwiltige Ienerwehr, .nachdrm sie bereits ztvanztg volle Iabre b.-nande»-und 'egsnsreich gewirkt hat, ansgelöst, weil, in letzter .-(eit-elretbnnge» zwilchen Inden und Ehrtsten in I-olge antisemitischer Heizere-en' sich 'ü/lr.tr machten Es waren z. B. Hatipnuairii, 'trassier, ' '>iet'c»sülner n dgl Inden, und das konnten Nch die''nnve'rsäl>chten L.'titschen in eiuent humanen Bereit! doch nicht gefallen lauen. Ans Dein jiiDrurfiltCI! 2l>autCII.. Tic in Berlin erscheinende» . Mn t tb e tl t> ii g e n ans dem' Be reine zur Abwcb/ des '.'l n t i > e m 11 ist» t> s" 'bringen felgend»» Artikel ans der osiietö'eti- E v r a" in Madrid: „Unter den , vcn'chiedenen »ichtpolitischen d'/.tnniatrn, dir auch nüser ".-and drücken,- in.unstreitig eine der ärgsten: der Wucher! Wir l'ezweeten heute nicht, uns init denen vielseitigen 'ch -d-.t Iindgrb,Ingen, sondern init'cuieni Mißbrauch zn beschäftigen, der tunt: stets;»* Anstübrnng gelangt, jedoch leicht zn beseitiget^ ':r.i. '. W:: inanen die B-rivailethanstalten aus leider, zind Scknnnckiachen: wir wollen ihnen die enormen monatlichen Zinsen, d'r ihren S v'ern abnelnnen. nicht streitig mache», da das >"'.tetz von dar« t . echugt. und iosern das allgemeine Sittlichleiisgeiübl lneigeg.'n Nch nicht cmvört. it'nd sie in ihrem eltecht. —^"Aber keineswegs e.enelien -hn.-ndas eltechl zn. das «Rietz bei Bertragsablattt äbzti 'chat'en, indem ,',e ijch verviandete «Rgcnstände, was auch von Wetlli' sei, dadurch anetgt/en, keß aie die UnglN.ktichen, di« die «"'egenstände einzu-. ä"e:i aiißer'tatidesind, des Werthü-berschnnes' über Kapital und ej n'en betäuben, etnerte: ob derselbe das S rei .oder Biersachc des B'andes beträgt oder nicht. S teiet aller"Moral und «Rnechrigleit hohn 'vtechendcn aban'ache^I:e itauvt'achlich au' die bedrängte Elans drückt und die.ivaht'Uch etn-'S'.größeren Schutzes seitens der Behörde» .werth ivare. man sid' le.cht nctiTriiT'uideni man,die Inhaber genaiinteii inntn: anhielie, da.' .praktlsckw ii.id vernünnige Benahren, tvic es beim Brandamt l'.'tten!. anznneliin.'ii." w:e 'ich tiNiere z'eier erinnern werden, .-.wabni,n w-tbereits in .'tninmer I des „Ireien Blaues", welch - - ich: rck ch gi-aßs'/Alkzalil' von Cmcifio« - in Spanien C prer de> Be it'nche.iniig ivetden wir betonen abermals,' daß Spanien „jndenreiti" :'l, »nd daß der wuchet dort alio ran ~ ii»vertä>sch:en '.'lriern rerübk ivetden »liiß. j OHöCnllCßC tu /lilimiillicil.i Iüi die aniiiemiliiche Biovaganda in 'ltniiiänienwie anderwärts war die '.'lnsweiinng der vnvftctK»* Juden leck,! wanei aüt die Miible Man ichlng auf die trenideii Ein Wanderer und meinte d.tniil auch die. landesheimischen »Jude» I» ''tninanieii führte dies;» Änssäft-eilungen, »s^n bloß.Von Seilen des . ttr. ü. Pöbels, sondern auch von Seite der Behörden, so daß sich der Minister des Innern Eatargiu zu energischen Maßregeln bemüssigs sah. In einer Eircnlarnote an di: iiiitcrgcordnetcn Behörden verweigerte er dcii Präfrrten rundum die angesiichtc Ermüchtignng, Ausländer, welche die (Grenze ohne regelrechte Reisepässe oder andere giftige Rciscdocnmcntc überschritten habe», ans adininistrativeul Wege anSzuwciscn, und die. beschwerdesührciiden Indcii versicherte er, er.werde unter keiner Bedingung die geringsten Mißbräuche'dulde» »nd die Schuldige» nnnach sichtlich straft». Am dl. März richtete Ealargin nachstehendes- Eirrnlar. an die Präseetc»: Ich ersuche Sie, Inr gciiauesleii Dat'itachrichtnng.aiiznordiie», dah die angetouiiiieiien anSländische» Inden, die an der Uiikemitniß deS Riiinänischen leicht erkannt werden löniien, imbedingt ans die Prafcctiir. gesendet werden, Gleichzeitig veranlassen Sie, daß in Torjgemeinden, dein Gesetze gemäß, kein Jade Sprenlationcii mit spiritnösen Getränken, nicht einmal dnrch Anstellinig t'tnnäni'cher Schanker betreibe und die erlassencii Befehle betreffs der in Dörfer» sich aiiihalteiideii Inden befolgt werden. » Wenn diese C rdre auch kctncswcgö einen besonders stark cnkwickclkeii (speist der S nldianikeitverrakh und den Verdacht nahclcgt, Eatargin's frühere Acitßernngen feien lüoß ut nligni.I ffeisssc vr -cxfolgt, so wird sie doch noch ditrch die Metaniorphose überbotzn,, welche jener Befehl durch die Willkür nnlcrgeorchictcr Bcaintcr dnrchznmachcn hatte Ser Prüfcri von Botoschani erließ nämlich alsbald an die ilntcrpräfcrten folgenden Auftrag: Auf tssrnnd der früher ergangenen Anordnungen betreffs Vertreibung der Itiden aus den Dörfern, strenge darauf ztt ächten,- daß jegliche 'remde Inden,- eie an der Unkenntniß des Rnmänischcn leicht crlannt werden können, tinverzügtich über die Grenze geschafft werde», und Bktßitahinen zu treffen, daß fein Jade Speenlationen mit ipiiimoicN Getränten in Dörsern, auch' nicht durch Aitslellting eines rninäni' scheu SchänterS andererseits betreibe, lege ich Ihnen zur Pflicht auf, sich von i'iemeinde zn Geineitide zn begeben und zu frage», ob nt Dörfern Jude» ipirimo'e cvlraitUvei iiniea, nach die Geinciiideßetiereiiinehiiier zn veraiilaffen, daß dieselben solche (^elräule eoiiüSeicren und derlei EtablissemeiilS schließe».. Den in D orkge me indeii außerhalb von Marktflecken angesiedellen Inden in seitens der ziiständigen Gemeinden bekannt zn geben, daß dieselben Sorge dafür tragen, alle ihre Geschäfte, bi» znni kommenden ik.">. Avril zn liquidiren, da sie verpflichtet iind, in die Städte zu üb cr> i e d c l n , und ihnen nicht mehr gestattet >ci. in Dorfgemeinden zn w ohnen Herz S ora n, der rnmänische Vnegcr, wird mit der Anitsbcflissenhcil des Präfrrten voii Botoschani doch zufrieden sein und voraussichtlich auch keine Einsprache erheben, wenn sich derlei ministerielle Edirte nach dem gegebenen Beispiele weikerentwickel», che sic in die Praxis übergehen. Indes darf man nicht meinen, daß die rnmänischen. Anttscmtte» ruhig die Hände in den Schoß legen und ihr Geschäft ausschließlich de» fürsorglichen Behörden überkaff'cn In jüngster ^cit verbreiteten diese Vatto das entweder für die antiseiititifche Wahrheitsliebe oder für i die rumänisch.' Heeresverwaltuizg rompromitureiide l^erücht, daß sich in den äit der S stgrcnzc garnisoiiirendcn Regimentern .Inden — es ist nicht tzeiagt. aiti welche Beeise - Unlerofsieiersstellen erschleichen, um dann als wachtpöstenrömmandanten die Einwandernng russischer Iilden zn ermöglichen. In der Thal gelaffg es dem antisemitischen Abgcordnclcn . E laur Ä slaiiv mit solchen Abschreckniigsmilteln einen Srnck aut j da-G>iriegsminister>n»i anszitüben, t'o daß cs-dienachdrückliche Weisung ' erließ, daß int ganzen Bezirk des vierten Armeeeorps.avclchcs die Prulh- - linie besetzt IwU, jeder Unterosneier jüdistster Abstammung, auch wenn I er' getauft «st, einte weiteres ans dem Stellst entlassen iverden soll. - R'umäntcn ist jetzt hoffentlich social n»d national gerettet. I ' Tic oilDcil in Mlirokko. - Im „Erpori", dem Segan des deutsche» Ecntralvcreines fite Handelsgcographie, ist ein Borlrag des! Herrn Sr. Jan nasch über „Marokko" und die marokkanische Irage j.abgedrnckt, in dein folgende Stelle über die Juden vorkommt: „Sie i Inden sind vorzugsweise in den,Städten, in de» l^hettos eoneentrirt. > Sie iindeii sich aber auch in den Halte». Srlichatten, ans dein Vande j und selbst in den Saie» der nordwestafrikanischen Sleppenländer. Sie vertrete» tu Marokko auch die Iiitcrcsscn des iiiteeualio/ialen Handels, und ihre Berbiitdiiitgen erstrecken sich rbcnsowohl bis nach London, Parts-, Hamburg, Marieille, O'eiina ivie nach'Siuibtiklu, und zweifellos iverden durch ihre Handelsverbindlingen i» Marolko vielfältig europäische^ Ideen itnd Aiiichannngen eiiigeschmnggctt ilebrigens geben die-armen marolkanische» Indeii auch die tüchtigsten .Handwerker ab. Sic find cbeniognt Schmiede wie auch tüchtige Sijflfler, nnd ihre Holz arbeiten sind jedenfalls denen ihver anderen Eoneurrcnten überlegen. Ebenso sind sic i» der Mdcriitdnsirie vertreten. Es läßt sich nicht lcngnen, daß die im marokkanischen..'(bewerbe anftrelcnde '.h'ctgniig zur liinstgcwcrblichcii Scchnit vorzugsweise durch das jüdische Element vcr treten Ivird. Es mögen in Summa in Marolko »nd den südlichen Rebe»ländern etwa l'JOOOO Inden crisliren." Sas klingt denn doch elwas anders als - die so häzt/ig wicderlchrcndc Pehanptttng der anli-