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Freies Blatt · 1892-05-08 · 5 (8.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
5 (8.5.1892)
Date
1892-05-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 l 'Jlüomicmcitwiircitf: mit Posl,»se»d»n.,', fl. 2.jv. aiicrtctjät)v.fl.—.OO.'Wit ^«ofHufcnft. fl — cc.-> Ifittldue dummem l U ®t\$an zur ^lbwehr bcs Antisemitismus. (vridicint nu jcDtm 3ouuin<ic. Ncdactio» liafi 'iltniiimftrntion: lOicu ' I. ^>cirovftättc IO. Nummer tUicir, II. .Mai 1892', I. Jahrgang. -r———-1 ■ ■" -——— eine avfle Bloße gibt, so ocvl cut cv an Einfluß un) muß. hänsig .vom öffentlichen Schnnplatze verschwinde». Ein niuiseiniiiicher Wortführer wild dagegen desto populärer, . je mehr cs ruchbar wird, daß er Schlechtigkeitenbegangen hat, Md de» Ahlwardts . überreichen ihre Berrhrer, in Berlin irfib anderwärts nach jedem neuen Svreiche neue Lorbcerkränze. Die Morabbegriffe des Antisemiten-unterscheiden sich wesentlich vcm denen dos Eiilturaic-nschen. Nur -ei'ij aiiliseniiiischer Agitator kann sich damit brüste»/ daß es . it)m iuäjpenö einer Wahlaeliou geglückt sei, von einem liberalen Bürgers welcher ihn irrthümlicherweise für eine» feilen Berrälher hielt, .'illlt fl. zn erwische», die er einem antiliberale». Zwecke Angeführt habe. Rur ein antisemitischer Dcmagog im Prieslergewande ist im Stande zn sagen, er'würde esnemrDieb, der'einen Hilden bestohlen,' die Absolntivn ertheilen, da i» diesem Falle" nnr eine Revindieation vorläge und früheres christliches.Eigenthnni wieder inchristliche Hände gelangt wäre. , Mit-dem Anlisemilismns ift/ nicht 511 paeliren.^ er ist mit aller Entschiedenheit Mampfen. Während die Antisemiten die „Inden" worunter sie auch alle hnman nird sortschrilllhh ge sinislen Ehristen verstehe» — wtrlhschafllich proseribiren, gehl die Rachsichl liberaler Gcschäftslente aller Eoiifefsionen so weit, daß sie ihren EommiS keine,-.Hindernisse in den -Weg legen, wen» diese Answieglern Assistenz leisten, welche ihre Brolgeber sehmähen,»nd;» schädigen bemüht sind. Die anlisemilische Bewegung ist ohne Zweifel stark verbreitet, aber si's ist es zym Theile dank der Schwäche von Parteien und Personen, welche sie für verderblich Halle», jedoch-aus übel angebrachter'Großmnth und Friedferfligkeil schonend behandeln. . ' > - . £om*>romittii*cnfcc v£onipromiffc. Es mehre» sich leider die Anzeichen, daß in verschiedenen Per lrelnngskörpern Männer, welche sich;n den Grundsätzen der Menschenliebe und Gleichberechtigung.bekenne», geneigt sind, jenen Zugeständnisse zu maeheu, welche diese Grundsätze verhöhne», Bor rechte fordern und Mitbürger bedrücke» wollen. Wir spreche» nicht von Heuchler», welche die schönen Worte „Humanität'" und „gleiches Recht Aller" bloß im Munde führen, weil es ihr Interesse erheischt, innerlich aber mit den Feinde» des von ihnen beschworenen Programms shmpathifireii^ Solche Leute planen stets den Abfall und desertireu gemeiniglich in dem Augenblicke, i» welchem sie es gefahrlos zu thu» vermöge». Uns handelt es sich nur ui» ehrliche Männer', welche a»s Schwäche, um des lieben Friedens willen, den Wide-rsacher» entgegeiikonime», sie durch Bersöhnlichkdit zu gewinnen suche» und sogar davor, ihren priuerpiellen Standpnnkt zu opfern, nicht zurückschrecke», um nur diesen Zweck zu erreichen, An diese wollen wir. ein ernstes Mahnwort-richte». l'iiiicipiis olisU! iDInn kann mit Meinungsgegnern, von denen man sich i» der Wahl der ^Mittel unterscheidet, Bereinbarungen treffen und durch eine Bertagung -von Streitfrage» selbst den Boden zu einer gemeinsamen ersprießlichen Thäligkeil ebne». Wo aber solche Gegensätze bcstehe», wiezwischen den Forlschrilts- -freunden und de» Antisemiten genannten Bekämpserii des modernen Rechtsstaates, ist ein gemeinschaftliches Wirken »nr möglich, wen» man die-wichligsteu Principien verleugnet. Die Absicht, um jeden Preis den Kampf zu vermeide», ist au und für sich keine löbliche und j?liitifciniteu gegenüber umsomehr eine verfehlte, als dieselben in einer Eöneessiou nur ein Shiuptoi» der Schwäche erblicken, woduich sie sich ermuthigt fühlen, weitere Forderungen zu stelle». Ein neutrales Gebiet, auf welchem man mit ihnen das Gemeinwohl fördern könnte, ist nicht vorhanden. Für den Antisemitismus ist Alles und Jedes im staatliche» und eommuiialen Leben -nur ein willkommenes Object der Hetze, gleichviel ob die Währungsfrage, ein Armeugefetz oder die Berwaltu»^ eines Friedhofes in Ber handlung Jlel)t. Die Antisemiten bringen den Talmud zur Sprache, wen» in einer Gemeinderalhsfitzvng der Boraitschlag für die Reu Pflasterung einer Straße beraihen wird, und die Subveiilionirniig eines Berciues zur Hebung des Fremdenverkehrs ist ihnen nur ei» willkommener Anlaß, gegen dys „Großeapjfal" und die „Indenpresse", ihre sattsam bekannten Redensarten vorznbringe», die sie mit Behagen auch auslische», wen» ein anderer Gegenstand, B. die Regelung der Lehrerbezüge, auf der Tagesordnung fleht. Dadurch, daß man der eigene» Ueberzeugung Zwang anthnl und einen Wunsch aiilisemilischer Hetzer erfüllt, bewirkt ' inan nicht einmal für kurze Zeit ein friedliches Beisammensein. Der Effect ist keineswegs der erwünschte; die Antisemite» lohnen die Rachgiebigkeit damit, daß sie alterorten ausposaunen, eine Eapitnlativn erzwungen zu haben, nnt* unverändert forlfahren, Speetakel zu machen. Eoiiipromisse mit Antisemiten können nur eoiiipromilliren. Wer human, wer gerechtist, soll nicht sei» Strebe» dgranf richten, eine Bereinigung bei guter Laune zu erhallen, deren Hauptzweck eingestaiidenermaße» kein anderer ist, als Mitbürger» Böses zu zusügen. Wer anständig ist, muß sich die Antisemiten hübsch vom Leibe halte». Die Letzterem sind nicht etwa auf eine Stufe mit sonstigen politischen Gegner» zu steilem. Wenn bei irgend einer politischen Partei ei» Fsihrer oder hervorragendes Mitglied sich - v Per arof)C prcvpbet." »V E ü. in Berlin liat sec Büchlein vcrös'cnliicht, -vliel.! '*i eelö e A lU - > s.c t an cneiirc anli /cm Beilage von F van 'Wro ii tilg, aniiieniiii'che Reelitsanwati Dc Sleiai ein welches den Titel Ti'üjvt: „ i*c r g c 0 ß e- 1v 0 i warbt, c E > »-Mat, ,c Und Abielicedsw semitische»' ^renn^e.- ' Tie Aiuisemilen kenne» einander, »nd wenn sie einmal ans der Schule ichwatzeir-, lind ihre f^estäiidniise in'oweit interessant, als man. dadurch erfahrt, welche Meinung'sie selbst von ihren G'enost'en habe»!,, kliilerichlaglncg.^llctnndensälschnng. Betrag und Ervrkssncrg, .cnciinalion znni Meineid'—. all dies wirst Tr, Stein dem sanio'e» 'UVeun 'Alstwardt »»verdlünil vor -Er schreibt: " * .Zweimal stand der Rector '.stblwardt Vinnen /caliresiriit vor den S.deacite» des cäercchlS. Tas erstemal ro>cr er cvegen Unic'ccchlagccng angellagt, wurde von desti Lchroibcr siecer dZ-'ile» veilhcidigt »nd »ach einer Berailning von-rcec - Äinute» sreigecprochen, zwar'nichl coeit -eine lt»-ch»ld erwie>e», >o»t*ri! weit seine Lchntd nicht »achgewieie« war. Toch das ist i»i cistecr. das selbe. Bor iveirigen Wochecc ist.ier dagegen ivegen vertenniseri'cher Beteiscgniig zu vier Atonalen vernribeitk worsecc. Siaaisauwatt uns chetc-tnShos lurt’on -cni" Bersahre» mit de» schärfsten Anssriiaen belegt, ötew erbSmastige Ebrab schneidere i wurde eS genannt. Leine sZrezmde cicht da« nicht an: altäbendo.v wird ihm ssierlichst -von, deutschen Atännern atiestcrt, das; -eine Ebrenhasiigleit , nicht gelitten hat. Teliicche Männer überreiche» ibi», de»r Helden, eicce^i vorbeer^ Iraiiz! 'Wir Annseinnen. spreche» co viel.von der Fndeniiioratp der Talmud moral: aber Icach de», »eneste» Boclominninen ccliisse» wir correcterweice auch von An lis-e mite»in 0 ra l, von :st b Iwa rd t-^t't0ral iprechen. - Eine Behauptung Ahlwardk's, daß er durch cuic Biirgichau sur einen Lehrer namens 01] r, der dann durch Selbstmord geendigt liätie, in sinaiizielle Berlegeicheit geralhen ivare, ivird von'Tr. Stein in solgegder Weise erlänken l

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