Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 1 (10.4.1892)
- Date
- 1892-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite I Nr. 1. Freies Blatt. .Die Direction der Gegenseitigen VersichernngsgeselP schast in Krakau erwarb käuflich von der Fürstin LzartorySkä unter überaus günstigen Bedingungen den Gütercomplex Podhajce und verpslichlete sich, alle Pachtverträge mit den bisherigen Pächtern, darunter auch mit den Brüdern Dr. Sigmund und Marcus 2 ili e tt fe l b,- >oeld\e bu'i '.’.'icialii'fe des (''utetf Pohhajee pachtweise iunehatten, aufrecht- Vtiftilto» Blau che von dielen Pachtverträgen haben noch 14 Jahre ',1t 'laufen.? Bach 'ilnkauf dieser «l'üler verpachtete die Direction der Gesellschaft den ganzen (äompler ans l^rund des (Gutachtens „eineS der .angeiebensken .und' im ganzen Binde überaus geschätzten Bürgersden aeuaunien Herren Viliensetd, deren Effert die größten Portheile ge wäbue^,. Mid iveil „die Direekion die Ueberzenguiig gewannen hatte, daß ein günstigeres iTttcn nicht Rm erlangen sein ivirdB (5rsl nachher ,si der endgiliige Beschluß, die Podbajce^ (^üter zu erwerben, gesagt worden. welcher, oline, Vieles Snerlzweiielbaft gewesen wäre. Hiczn wurde die. L'ueeri^» veranlagt nicht.bloß durch Rücksichten sinattzieller Ratur und d.e vollständige (Gewähr, dag die Herren Vilicttfclb . ihre Per ' vslichkungen genau eiiibalien werden, sondern durch das oberwähnte ("utiuiueti, in dem vs n. A beißt: „In erster Vtttie lmtf; ich Herrn' Vilienlkld erwälineii, welcher drei Boriperke Meierböse in einem O'c iailintiansmaße von .irea 2)iX> Jocki bewirlbichaskel und es zu einer l oizitglichen HwUiit ^bringt. indem er jährlieti;>00--4(H) Ssod) düngt n»d das Ackerland sebr lorgsäliig bebaut." - ..Die Herren Vttieitfeld selbst," beißt es weiter in den „Ani llarnngen" der Direrliou. ..'elüugen eine H'enonemchalt-mit den bis berigen Pacht.::' rot, all,:ndiestr Anirag wurde nicht anqettomisten.') Angesichts den,!: ,üb»'!lieg di.-' D:r-'ekion die Pachtung' den Herren J VtlietitelP, ivelch. >cho > feit 1 ‘* Jabveii bte; Meierböle iHiditeteii. .,»nd diese Mi,:liest »nterlcheiden sich d.:iin van deip anderen."dag sie «in .bellen bnr riliichattei sifid". Herr D>. Sigmund Vilientetd itt ein im ga Vande bekanuier Rechisgelebirer, tvelcher schon mcbrere juritusche, von de: B.nnen'chatt geschützte Weite j'„ volnischer -Sviackie "verösienl -41eine, nvd s"n Bruder, Her: '.siiarens '.'ilienteld, in ablolvtrier Pol». leditüH't; . - ch::nl:ch,n Pael^e>. «ahen. sich/durch dieien Pacht : »' i1:-» u bedi 'l>l «nd lucteintreii gegen die „lieber *»!•>: : s. :T' :; :•> des beintatlicken Bodens " an .lrernde Hede s:'. P:'len 'and in der ganzest galiz>>chei! Prelle einen '.-luten Bvid.-.cho.: ü):d. reuerke zur. Dvvosition und zum Ber trags . b. nch>' L e B ",i ksatis'chüne und andere anionome Kötverichatten t-'ü''t'.te!,:: ^cken ''ornütchen Krenzzng: Meetings forderten in z!Kr- -v,:b.>-nd R.e'd^-t!0:!-.!:'' die r veenon der (He'eU'chail »i:>s, den B-.nst: - :> 'Herr.:: Vilienle!" als ani: national „n»i jeden P:.:s" '-ii rc« . ' i;i :. I •: : .:: : : e:v Bersickerungsgeiellichatt lab sich .lzi u.b. - d . .sB dieselbe erbobeneu Beschulti^nngen gezwungen .... ' :: „::ße: .d.üttiche Bersammlnng des r'titsiichisratbes. >'.II n wurde beschlossen, mit den Herren V-ilienseld in Br.! tr.teii, nm sie'rnr Vöiimg des Pachtvertrages gegen B.tgutt.ua;tt besiiinm.'n. Bevor man jedoch nor», an die Bus Beichlnsies icliritt, erklärten die, Herren Vtlteitfelt', dag . : e rder <'*’cfcUid)oft keine' weiteren Berlegenbeiien .f ... : gl lind-, sreiwillig und obne jede (^ntichädigiliig . . B rb::: lassen,- wenn ikmen die bisher pachtweise inne - . - ' - M i-.U's'e :it derselben Bgeilc weiter belassen werden. a, t cn der v*i«tt<li(|ett Mcinuug mit' rvrenden begrüßt, .. .n .rssiäusratlie wnier-.ÄPerkeiinung der vairiolischen ve:r.n Vlienreld angenonimen. Man anerkannte den' t : .!' . Männer, gegetr welche nmn eben aus angeblich Berliner 2lntisemitenMebatten. An 2b). Juni verflossenen Jahres wurde in dem uralten Städtchen i-ika«ten der fünfjährige Ksiabe Hege mann in einem der Wohnung dxs jüdischen Schächters Busch off beiiachbarten Kuhstalle todt anfgcfundcn, verblutet und — wie cs wenigstens hieß — regelrecht gc- -schüchtet. Der letzte Umstand erwies sich als nicht ziitrefsend, aber der vT Perdacht lenkte sich trotzdem auf Buschosf und, wie es schien, mit Recht. Derselbe wurde mit sammt seiner Familie verhaftet, nach einigen Monaten, mangels belastender Beweise, zwar aus der Haft entlassen, > aber bald darauf wegen neuerlicher Perdachtsuiomente wieder fest.; genommen. Die Xaiitciier Assaüe ist ein Rechtsfall wie tausend andere; die Richter und tsleschworenen werden-' demnächst zusammentreten und i einen Wahrspruch fällen, der entscheiden wird-^öb Buschosf der Mörder des kleinen Knaben ist oder nicht. Man sollte meinen, dag die Sache gär keiner anderen Auffaffung fähig ist. Im Gegentheil! Seit dem : 29. Juni hatten die Juden von. Fanten bitterböse, schwere Tage zu ' leben. Richt in (iorfn, nicht an einem weltfremden Winkel Ungarns, , ' im Herzen von Mitteleuropa wagte diesmal das Märchen vom ritualen Mord ungeschent sich in seiner Mißgestalt zu zeigen, und °— es fand freundliche Ausnahme. Geschäftige Hände streuten längst bekannte Abbildiingeii und Drmlbtälichen auS, das Gespenst der Perhetzung hielt Umgang, und der ganze alberne Apparat, den wir von fpühSr^n, sogenannten -Ritualmordgeschichten her kennen, wird auch in Fanten anfgeboten. Wir wollen von den vielen Phagen und Gefahre» schweigen, ' denen die F'autener Jnhen in -Folge dessen auSgesetzt waren. In Persamniltingen und in der Presse und nun schon wiederholt im preußischen A b g e o r d n e t e n h a haben die Antisemiten immer'' und immer wieder e^te Sache zur Sprache gebracht »nd tendenziös anszubenten gesucht, die noch in den Händen der Richter liegt und des vompetenteil Urtheils harrt. Daß der Druck, den die Antisemiten so ans die Justizbehörde auszunben suchen, etwa durch ein lässiges, pärteii'chcS Porgehen'der Jnftizorgane geboten wäre, wird durch die That fachen selbst widerlegt.' Wenn es. den Autiseiniten aber wirklich nur darnili zu tltitit ist, daß Buschosf nach Recht und Gesetz behandelt werde, und dag die llutersuchnng ihre Wege gehe, warum halten sie im Abgeordnelenhanse verhetzende Reden zum Fenster hinaus? Dag - die- Poltsvertreiung sich znm Tribunal eonstituire, oder daß sie daS Dogma vam Ritualmord feierlich. verkündige, verlangen wohl selbst Stöcker 'und (-»'enoisen nicht. (5s kann also als einziger Zweck nur die planmäßige Beunruhignng deö PolkeS selbst übrig bleiben, auf welche man sich dann beruft, um die geschäftige, nichts verschonende Retter Dhäligkcit nachher rechlfektigen zu könneii. Sb die aus einem solchen Porgehen nolltwendig folgende Untergrabung des öffentlichen :>techtsge'übls und der Achtung vor den gesellschaftlichen Rechtsgarantien beabsichtigter Hanplzwttk oder nnbeabsictitigles 'R'ebenproduet ist, bleibe ganz dalnngcstellt. Jedenfalls ist »ichts charakleristischcr für den Anti 'emilismns, der beständig die inangelhaslc Rechtlichkeit anderer 2eute im Munde lwr, als dag gerade er, wie teiiie^weikc Partei jetzt und früher nisiemaii'ch de» geiunde» Kern der (^ermitigkeit im Busen des Pottes verdirbt. _ Der Abgeordnete :)i i rf c vt hatte anläßlich der zweite» Vcfuitg des Jnüitetals dieses Porgeben der Auusemiteu in der Fantene'r Asfaike ins -gel,orige Vicht gerückt. Kürzlich glaubte nun der öonservative Freiherr v. Wackerbarlh datanf zltruckkommcit und die Begriffe des Abgeordneten' Rickerl berichtigen zu tollen, indem er ein nach bekanntem Mnsier gearbeitetes Traetätcheii über 'den sieitnalmord losließ. Wackerbarlh erwarb sich dadurch das unsreiwillige ^Perdienst, eine Debatte bervorgeruten zu haben, die eine blutige Riederlage der Anti tcmiten_ bedeutete. Im 'R'achsieliendeii reprodueiren wir die Haupt Momente dersetden: zu ,>.tk.' gezogen war.. .> .-t* r.".derb>!zid erledigt, und die Direetion - .l- -ns d.n : wberigechuttlichen Pächter» lind einer (''rupve .ü Bd .' ^'eiutsientckati in Perliaiidtnngen, Ivetche . v R.'ulk''!. sübrten.?a die rircetion die Anträge in den .d''>'i,tuchen Blättern vertauibarien - Bt zurüchNes. Da nun' bi stier l'M an .' : :''.' .? ist.' wurde die Gnt'cheikung beuc'ss der B-teacsi" ' "l:.!- "' : bi» Mai die'es Jabres ker- Tte u: ,t 1»'ut".l>n?sze>cheii VezAckmeleii >teilen ,.R:i'I' \: i::v.-,e,:- .. :.dv . c 2iu\;tcit etc iüe'eU'äiasi ln?\ . c.1'Mt ,'i» ü>:.:cigmigeti oevbnftitli.tte. Jusiizmiiiistcr v. Lchel t i ng: Ich verliehe nicht, wesbaib der Porreduer Ltsaderbarthi den .Vantfticrt .HiiabfimiüVe bei der dritten Vcimtfl des iLtals;nr Sprache gebracht bat. f Sehr wahr! links t Er selbst tann doch auch nur »vüin'che». käst der angetlagtc Schächter nach Recht und Ee>'ev abgeurthe'ilt wild. Ticier Jweä ist durchatis getvabtleistet. dic Borunfersitchung ist cingcleitct, der Verdächtige in Han. genitiiimen, -die Jeugcn sind vernommen, der Tbatbestand ist festgestellt, über die daraus'zu ziebenken Folgernngeii findet in diesem Augenblicke eine Begntachinng dnrch aiigefibene Sachverständige statt. Sobald diese beendet ist, weldeu"die Acten dem zuständigen (Bericht zur Beschlustsassmig übergeben iverden: .>i.e>e Pc'chtußsanniig wird wabrsäeinlich 'ä>on in der ersten Hälfte des April gnotgen. Ani die Einzetbliien der in Rete stebenden llnlerfiichung einzngeben, must ich mir oel-agen. i Jnstiininung lliits. s Ich will an dem emgegenstehenden Lerbatle» dos Herrn Borrednets keine .Hritif üben. Ich sehe mich aber durch '■ die Rücksicht, die ich ans die Unabbängigleit her Gerichte zu »ebmen habe, vor- : bindert, ihm ans diesem Gebiete zu folgen. iLehr gut! links.) Rur.eins möchte; ich berichtigen Ter Herr Porredner prach von den Geldmitteln, die seitens der! inti'cheii Pevölkernng deui von Berün^aus abgcsandten Criiniiialcommissär zuge geivandl^-eieii. Tiefe Thal fache ist ja tut Allgemeinen nicht unrichtig, aber sie i m;ui unrichtiger Seite dargestelll worden. Ter (5liutiualcommifiär Woli hat