Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 12 (3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O. B. B. Seite 129 Der Berthold Auerbach»Loge zum fünfzigjährigen Bestehen am 2. April 1933. Von Br. Kxpr. Prof. Dr. Ismnr Kl bogen. E.» war ein dauernder. unvergeßlicher Eindruck. den die Einführung in die Berthold Aüerbach-Logc in mir hinterlicß. Der feierliche Ernst. mit dem die Brüder Munin Oscar Schlesinger und Max Lenin die Personalien der Ein tretenden aufnahmen. die Begeisterung, mit der Max Meyer als Präsident seine Begrüßungsrede hielt, die gepflegte Ge selligkeit. mit der die Brüder sich nach der Einführung unter hielten, das alles mußte jedem, der in den Bruderbund trat, die Zugehörigkeit /u ihm als eine Bereicherung seines Lebens erscheinen lassen Aber das Leben besteht nicht aus Feierlichkeiten. es muß sich in der Arbeit bewähren. Für die Loge war dies das Problem, was sie in ihren allwöchentlichen1- Sitzungen leisten und zur Knüpfung eines inneren Bandes mit ihren Mitgliedern beilragen konnte Der Berthold Auerbach-Loge war das Glück zuteil, daß die bei ihrer Gründung führenden Mitglieder ihr lange erhalten blieben, und daß sich eine Tradition bilden konnte, die lebendig und belebend wirkte. Als ich eintrat, waren, bis auf die frühverstorbenen Alexander Malier und Heinrich Benjamin alle Kxpräsidenlen am Leben Heinrich Staub und Siegmund 11 a a g e n freilich bereits schwer leidend und vom Logenleben ferngehalten, aber ein Bruder von Weltruf wie Staub konnte nicht vergessen werden. Sigmund Hagen hatte sich durch das Vorbild unentwegter Arbeit für die Loge und durch seine zahlreichen geistreichen Aussprüche, die immer wieder zitiert werden, das Fortlebcn gesichert Träger der Tradition waren in e|rster Reihe Julius Fenchel-und David Wolff . beide seit der Begründung de» Ordens in Deutschland in Arbeit und Freundschaft eng verbunden, in harten Kämpfen treu erprobt, von der hohen Mission des Ordens tief durchdrungen. Schon aus Fenchels Haltung konnte man lernen, wenn er sich zum Reden erhob. Diese Gemessenheit, diese Ehrfurcht, diese Selbstzucht.' diese von jeder Pose freie Würde, der Ernst der Ueberlegung und des Ausdrucks - das alles zeugte von tler Auffassung, die der Altmeister von den Verhandlungen einer Loge hatte uiul mußte jeden Anwesenden mit Respekt erfüllen. W o I f f ,. der durch seine unverdrossene ruhige und sachliche Vcrwaltungsarbeir so unendlich viel für das Wachstum des Ordens geleistet hatte, stand als Großsekretär im Mittelpunkt des Logenlebens, war über alle Vorgänge im Orden aufs genaueste unterrichtet und 'konnte stets wertvolle Anregungen geben. Neben diesen bei den Kämpen wirkte eine Anzahl anderer Expräsidenten als Hüter des heiligen Feuers. Moritz Meyer, der bescheidene und anspruchslose Arbeiter, der das Witwen- und Waisen- Komitce leitete, Meinhard Ü o r c h a r d t . abgeklärt und ein sichtsvoll. der selten das Wor.t nahm, aber so oft er cs tat, etwas Kluges zu sagen hatte. Louis Kreslawskv. ewig freundlich und vergnügt, der mit der Loge geistig gewachsen war. und. abgesehen von früheren Leistungen, nebst Br. Oscar Tietz von der Montefiore.-I.oge sich das größte Verdienst um den Bau und die Einrichtung des prächtigen Logen heims erworben hat. Von den jüngeren Präsidenten, die erst mit oder nach mir cintrart-n. seien Louis Rosenbaum genannt, eine anima candida. der dürrh seine ungewöhnliche Güte und nie versagende Hilfsbereitschaft sich sehr rasch die Herzen gewann. Samson Hochfeld, der erste Rabbiner, der in der Berthold Atff rbarh-Loge den Präsidentenstuhl innchatte und ihn durch seine vielen vortrefflichen Gaben wirklich zierte. Alfred Story, der im Weltkrieg gefal'ene. klare sachlich überlegte und gütige Anwalt, die rechte Hand Berthold Timendorfers. Als Großpräsident war Timendorfer viel zu sehr in Anspruch genommen, um regelmäßig die Logensitzungen zu besuchen, aber wenn er kam. w>ar es ein Festtag. ■ Nicht nur, daß sein sonniges Wesen Freude und Glück ausstrahltc, hatte er stets eine fruchtbare, anregende Mitteilung. Die Loge, aus der er hervorgegangen war. war ein Stück seiner selbst, ihre Würde, ihr Gedeihen war ihm Herzenssache. Ihr galt auch vorzugsweise die Werbearbeit, die er mit regem Eifer und mit günstigem Erfolg ausübte. Seine Beliebtheit in den verschiedensten jüdischen Gremien, -.eine zahlreichen gesellschaftlichen Beziehungen führten ihn mit vielen ausgezeichneten Männern ziiyammi-ti. die er für die Loge zu gewinnen wußte. Es waren Männer von Format, in ihrem Berufskreis ausgezeichnet, in tler Verwaltung tler Jüdischen Gemeinde oder anderer gemeinnütziger jüdischer Organisationen bc währt, die dem Bruderkreis beitraten Fm die gleiche Zeit warb auch Br. Siegfried Brünn in einem ähnlich gerichteten Kreise. Ebrauchen mir Namen wie James Simon und Paul Nathan. Martin P b i li p-p ' o n untl Salomon Kali sc her genannt zu werden, um zu zeigen, tlaß fliese Brüder tler Loge geistig viel zu geben hatten. Sitnahm nicht nur an Zahl beträchtlich zu. sondern nicht minder an Dualität. Gegenstände von weittragendem Interesse wurden ton hohem Niveau aus behandelt, die Debatten wurden anziehend die Brüder nachhaltig angeregt Das war das - sorglose erste Jahrzehnt meiner Logen- Zugehörigkeit, das seinen Höhepunkt fand, al' wir in Gegenwart des (trilenspräsidenteli Adolph Kraus aus Chicago im April 1!»1das nette Lügengebäude eröffn--» konnten. E« hat zwei Jahre lang seinen Zauber ausgeübt untl dem Logenleben a's fre ttligt—. It-sse'nder Mittelpunkt gi-ditit. Dann aber kam der Weltkrieg und nvt .ihm di - Sorge, die sei'dem nicht von uns gewichen ist und eine ungetrübte Jubiläiinvsfreude. wie etwa vor "2Ö Jahren, nicht atifkommen läßt Es ist mein inniger, sehnlicher Wunsch, daß der seelische Drin k, der auf uns allen lastet, bald v >n uns weiche, tlaß die Zeit wiederkehre, wo die Brii htr mit fri-i he it Mut und freiem Kopf sieh tler I.ogenarheit zuwcmlt-n. in ihr Knude untl Er hehung Enden! Möge es tler Berthold Atierbm h Loge beschieden ~em eine neue Blütezeit zu erleben, in tler dir alte Tra ditioit als Verpf'ii’htung empfunden werde /urft - Wirken für Wohltätigkeit Bruderliebe. Eintracht! Die Führer der Berthold Auerbach=Loge seit ihrer Gründung: (nlius E e n t licl s. A David Wollt s A Jtistizrat Dr. Heinrich S t a u I» - A. .Siegtmmd II a a g e u s A. Alexander M a 1) e r ■ s \ Geheinter Jtistizrat Beithohl T i in <• n tl i> r f r t s A Heinrich Benjamin -. A Moritz Meyer - \ ■ Louis Kreslawskv - .V Meinhard Borchurdt '..A. Max Meyer s. A. Alfred-Story s A. Moritz Roseriow s \ Rabbiner Dr. S. 11 t>c lifcld ' A. Louis Ru seil bäum A. Joseph Deutschland '. A Ferdinand Alex a n d e t - ~. A. Dr. Friedrich W o 1 f I Dr. Max G i n > b e r g Professor Dr. Ismnr IC 1 b o g c n Rechtsanwalt Eugen G o 1 d s t e i n Rechtsanwalt Dr. Benno W a Iler Hugo Blankenburg Rechtsanwalt Joachim II e i tl e n f c I d Theodor Kreslawskv Ludwig Daniel Justizrat Dr. jur. It. c. Julius Magnus Rabbiner Dr. Arthur I. ö w e n t u in m Rechtsanwalt Dr. Max Simon Rechtsanwalt Dr. Abraham Lob Bruno Schiesscr Rechtsanwalt Dr. Fritz W i e 1 u n c t.