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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1933-02-01 · 11 (2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
12 (1932-1933)
Issue
11 (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBLINERALO€! E N UO.RB. BERLIN W. 62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS 12. JAHRGANG FEBRUAR 1933 / NUMMER 11 Logenarbeit im Sinne Maretzkis t Deutschen Reichs-Loge, ehrt alljährlich in der ersten Andenken des zweiten Groß- Ein Sitzungsabend in der Die Deutsche Reichs-Loge Sitzung des Kalenderjahres. das Präsidenten des deutschen Order sdistrikts, Louis Maretzki, durch eine Arbeitssitzung, in d^r Gedanken und Lehren Maretzkis im Mittelpunkt der Logenarbeit stehen. ' Die Anregung zu diesem pietätvollen Gedenken gab der verstorbene Exlpr. Br. David Lichtenstein. Der diesjährige Maretzki-Abend brachte pine Rede von Br. Expr. Paul Mannheim (D.R. L.). j Br. Mannheim feierte Lpuis Maretzki als die Persönlichkeit, die nach den ersten Jähren des Suchens dem deutschen Zweig des Ordens das geistige Gepräge gab, das heute noch den Inhalt des Ordens bestimmt. Als Beweis für die nachhaltige Wirkung seiner Lehren sei auf die Entwicklung des Ordens in Amerika verwiesen. | Dort geht die Entwicklung in die Breite, sportmäßiges Auffjtssen von Massenmeetings und Massensammlungen geben dem iOrden das Gepräge: bei uns dagegen Konzentration, Verinnerlichung und das Bestreben, die Arbeit auf einen kleinen Kreis von Menschen abzustellcn. In Amerika herrscht Formlosigkeit mit größerer Freiheit in den Sitzungen für den Einzelnen, Hinzuziehung AußenstehendiT. ja Andersgläubiger, zu den Logensitzungen — hier dagegen ein treues Festhalten an! dem Hergebrachten, an der bewährten Form, so wie Maretzki es z. B. in der Fes^chrift zur Feier des 20jährigen Bestehens des deutschen Distrikts schildert: „Die feierliche Form der Eröffnung und des Schlusses der Sitzungen, die gehobene Art c er Debatte, die Begeisterung und der Idealismus, welche dii Verhandlungen durchwehen, haben einen starken, erhebenden Eindruck auf die Brüder ausgeübt und nachhaltig gewirkt." Wie nachhaltig diese Wirkling ist, beweist die Tatsache, daß in den meisten Logen Präsident und Brüder darauf achten, daß noch heute, nach Jahrzehnten, die feierliche Form der Sitzung, ohne Beifallsodef Mißfallcnsiiußcrung, gewahrt wird. In seiner Rede, anläßlich des 12jährigen Bestehens der Großlogc führte Maretzki aus, daß zu diesem Zeitpunkt .TS Logen mit ca. 3200 Brüdern bestanden. Er zog die Folgerung aus dieser schnellen Entwicklung mit folgenden Worten: „Mit dieser Entwicklung stieg auch die Achtung für unseren Orden. Anfangs bespöttelt, teilnahmslos behandelt, er freut sich unser Orden heute der allgemeinen Beachtung und gilt als bedeutender Faktor im! Leben der Juden. Man sah bald ein, daß das Gemeindeleben als solches die Mitglieder der Gemeinde nicht befriedigt, es schwebte sozusagen in der Luft, daß etwas geschaffen werden müsse, wo eine häufigere Aussprache stattfinden könne über das, was der Judenheil’ heutzutage nottut. Das alles war in unserem Orden gegeben, hier waren alle Mittel dazu vorhanden. Darum scharten sich um unsere Fahne im Laufe der Zeit mehr und mehr die intelligenten für die Veredelung des sozialen Lebens sich warm interessierenden Glaubensgenossen, 'liier fanden sie den neu traten Boden zu wirklicher undi fruchtbringender Arbeit." Wenn man diesen Ausführungen, auf den Grund geht, so müssen wir ihre Richtigkeit und Gültigkeit au* h tür heute, und die Zukunft anerkennen. Wie oft haben wir es erlebt, daß' Brüder, die in unseren» Bunde sich betätigen, hier durch erst für allgemeine jüdische Dinge gewonnen wurden. Es «var zweifellos das größte Verdienst der Männer, die den Orden begründeten, daß sie ihn» die jüdische Note gegeben haben, die trotzt aller Gegensätzlichkeiten und Verschiedenheiten der Auffassungen doch schließlich eint und bindet. Es ist an uns, dafür zu sorgen, daß es so bleibr Der Orden ist die einzige, weltumspannende Organisation, in der jüdische Ideale in ihrem ganz e n Umfange gepflegt werden können. Maretzki übermittelt uns auch das historisch gewordene Wort: „Heute gilt die Devise; Nichts für sich, alles liir die Gesamtheit. Mit dieser Devisewird der Orden siegreich ••inziehen in alle Gemeinden unseres Vaterlandes, in alle Herzen, die für die geistige Wohlfahrt tind die Ehre unserer Glaubensgenossen kämpfen." Der Erfolg des Ordens ist zweifellos irr der Tatsache zu suchen, daß er* den idealen Gedankenrichtungen mehr folgte als den materiellen. Es gilt daher, diesen idealen Gedankenrichtungen auch für alle Zukunft' den Vorrang einzurämen, denn nur die ideale Richtung kann die Stetigkeit der Logenarbeit gewährleisten. Obwohl das Auf und Ab der wirtschaftlichen Entwicklung .auch in den Logen sehr stark verspürt wird, erkennen wir doch in dieser Not- und Kriscnzcit klar die Notwendigkeit, mit allen Mitteln zu verhindern, daß wir den materiellen *Gedankengängen völlig verfallen, Auch hier ist uns Maretzki wieder Lehrer und Führer. In dem letzten Aufsatz, den der verstorbene Meister verfaßte: „Die Einwirkung der Loge auf den einzelnen Bruder," schreibt er folgendes: „Die Aufgaben mehren 'sich,' siü verbrauchen einen großen Teil des Vermögens und auch' der Arbeitskraft der Brüder, fast möchte man sagen, es ist des Guten schon zu viel. Viele soziale Einrichtungen sind aus schwerer Zeit geboren, manche ist in hohem Grade sozial und kann nicht mehr entbehrt werden.. -Dabei ist eine Nebenwirkung eingetreten. Der Sinn unserer Brüder bew-egt - sich ausschließlich nach der Wohlfahrtsseite hin. als ob diese der alleinige und einzige Zweck der Loge sei. Die Brüder sind teilweise zu der Ansicht gelangt, daß mit der Wohlfahrt der Logentendenz genügt sei." Diese Worte treffen in vollstem Umfange auch heute noch zu. Unzählige Male wird die Frage gestellt: „Sind wir denn noch eine Loge, wenn in irgendeinem vorliegenden Notfälle nicht mit der Zahlung eines Geldbetrages cingegriffen werden kann?" Es bedeutet eine völlige Verkennung des Logenbegriffes, wenn man die Loge ausschließlich zur Wohlfahrts- und Unterstützungsorganisation-stempelt. Die Existenz der Logen würde auf das schwerste gefährdet sein, wenn sich diese Tendenz noch in stärkerem Maße durchsetzen sollte.

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