Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 3 (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 3 Mit besonderer Wärme gedachte der Redner des Wirkens der To> nbce-1 lalle als Stätte jüdischer Volksbildung und des sozialen Ausgleichs und schließlich des Berliner Logenheims L.C). B. B„ einer Gründung der Berliner Logen, die heute 150 Brüder und Angehörige betreut.* — Leber die Grenzen Deutschlands hinaus lull unser Ordensdislrikt eine sozialfürsorgerische Tätigkeit entfaltet. Hilfeleistung für die Juden des Ostens ist vorn Orden immer als I .In cnplliclit empfunden worden. .- \n dieser Stelle richtete Br.—B a c h herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung an die Schwestern und die Schwestern-Vereinigungen unseres Distrikts. Der Ladung unserer sozialen Leistungen wäre undenkbar und unmöglich gewesen, wenn nicht unsere Schwestern mit hingehender Aufopferung uns bei diesen Arbeiten unterstütz! und gefördert hätten. Oft haben sie, wenn die KniTtc der Loge in dieser Zeit der Not nicht ausgereicht haben, die Lücke ausgefüllt. Hierfür sei ihnen Dank und Anerkennung ausgesprochen! Immer wieder und ohne Unterbrechung hat der Orden die Verbindung mit dem Geistigen und die Achtung vor dem Geist seinen \ iulcn Brüdern, die das Wirtschaftliche ganz umfassen wnlltc,^^ingcprägt. Unsere erzieherische und fortbildende l'ii^flTeit, die auch in einer adäquaten Geselligkeit ihren Ausfrnick findet, hat das jüdische Bewußtsein gestärkt. Vorträge und Referate haben den Brüdern die Geschichte der Juden nahegebracht. Die Gründung von Logenbibliotheken, die Förderung der Jugendliteratur, mitschaffende Tätigkeit an der Begründung des Gesamtarchivs der deutschen Juden zeugen \bn unseren Bestrebungen. An dieser Stelle gedachte Br. Großschatzmeister Bach der Männer, die führend an der Spitze des Ordens in diesem halben Jahrhundert gestanden haben. Ihnen und allen Brüdern, die für die Idee des Ordens gelebt und gewirkt haben, wurde eine .Minute stillen Gedenkens geweiht. Keiner unserer Führer und Mitarbeiter erhebt Anspruch auf Dank und Anerkennung. An diesem Tage aber, an dem der hw. Br. Großpräsident nicht in unserer Mitte weilt, gebietet es die Pflicht, seiner unermüdlichen Wirksamkeit zu gedenken und dafür zu danken, daß uns in dieser schweren Zeit in Br. Leo Baeck der Führer und das Beispiel gegeben ist. Dann führte Br. Bach seine Hörer aus der Vergangen- -heit zu den Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft. In den letzten Jahrzehnten befindet sich Deutschland trotz aller Widerstände und Rückschritte auf dem Wege zu einer Demokratie. Demokratie bezeichnet die Aufgabe, in jedem einzelnen das Gefühl der Verantwortlichkeit für das Ganze zu festigen. Unser Orden in Deutschland ist eine Demokratie: jeder Bruder ist für das Ganze verantwortlich! UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brflder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Max Frankenstein 12. 4. 1913 22. 7.1862 13. 5.1932 Bertho I d Auerbach-Loge Max Wertheim 28.10.1912 1. 6.1870 17. 5 1932 Dr. James Simon 13.12.1904 17. 9jl851 23. 5.1932 Montefiore-Loge: Dr Heinrich Hirschberg 23. 1.1906 24. 1.1856 5. 6 1932 Berthold Timendorfer-Loge: Max Dombrowsky 30. 3.1921 10.11.1868 6. 5.1932 Ehre ihrem Andenken I Die wirtschaftliche W'andlung hat in den ersten drei Jahrzehnten unserer Gemeinschaft ein rasches und stetiges Anwachsen der Vermögen gebracht, dem jetzt ein noch schnelleres Hinschwinden derselben gefolgt ist. Unsere Aufgabe ist es, in dieser Zeit den Gedanken zu pflegen, daß der Mensch mehr ist als der Besitz, und daß seine Würde von diesem unabhängig bleibt. Bei voller Anerkennung dieses Gedankens werden wir uns aber doch darüber klar sein müssen, daß dieser Gedanke schweren Schaden erleiden kann, wenn die Voraussetzungen selbst für ein bescheidenes Lehen nicht mehr gegeben sind. Darum muß in unserem Kreise die Sorge um das materielle Wohl mehr in den Vordergrund treten als es in den ersten Jahrzehnten notwendig gewesen ist. Die Einsetzung von Beratungsstellen und Vertrauenskommissionen in den einzelnen Logen sind ein Schrritt auf diesem Wege, auf dem wir uns in verstärktem Maße betätigen müssen, solange nicht die Not der Zeit besseren Verhältnissen gewichen ist. Gewaltig~ ist im letzten Jahrzehnt auch die geistige Not gewachsen! Judenfeindliche Bestrebungen haben eine Isolierung unserer Gemeinschaft und der jüdischen Individuen bewirkt. Wie groß muß unser Dank denen gegenüber sein, die vor 50 Jahren aus dem Gefühl dieser Einsamkeit heraus uns eine Stätte geschaffen haben, in der wir Brüderlichkeit und Bereitschaft zum Verständnis und zum Beistand finden! Noch einmal ist deshalb an die Brüder der Appell zu richten, in der gesamten Judenheit bei Hervortreten verschiedener Anschauungen alle Kräfte einzusetzen, um das Gemeinsame in den Vordergrund zu rücken und sich abzuwenden von jedem Zank und Zwist, der auf Parteipolitik beruht. Die letzten dreißig Jahre bedeuten den Uebergang einer Epoche zu einer,, neuen Zeit. Uebergangszeiten lassen den Gegensatz zwischen Alt und Jung besonders stark empfinden. Wir werden bestrebt sein müssen, den Ausgleich zu fördern und durch die Zusammenführung von Alter und Jugend ein geistiges Zusammengehen anzubahnen. Die Gewinnung und das Zusammengehen mit der Jugend muß Aufgabe der Zukunft sein. Vier Arbeits- und Gedankenkreise sind es, auf die wir uns einstellen müssen: Die Weckung des 'Verantwortungsgefühls bei jedem Einzelnen für die Gesamtheit, den Gedanken zu pflegen, daß der Mensch mehr ist als der Besitz, und daß seine Würde von diesem unabhängig bleibt, die Schaffung von Kreisen, in denen der Jude trotz der Feindseligkeit der Umwelt die Wärme brüderlicher Nähe, die Bereitschaft zum Verständnis und zum Beistand findet, und schließlich die Gelegenheit zum Ausgleich zwischen Alt und Jung, die der Gemeinsamkeit der Aufgaben den Weg ebnet. i Das sind die eigentlichen Aufgaben der Loge: Keine andere Vereinigung, keine jüdische Gemeinschaft kann mehr und besser als unsere Logen diese vier Aufgaben, die sich aus der Wandlung der Zeiten und den Erfordernissen des Tages ergeben, gerecht werden. Waren wir einst eine Vereinigung gut situierter Männer, so müssen wir nun eine Vereinigung von Männern guten Willens werden. Forderungen dieser Art sind bereits wiederholt aufgelaucht und behandelt worden. Das Problem harrt aber noch der Lösung. Wir werden ihm ernstes Streben widmen müssen, um die Aufgaben erfüllen zu können, zu deren Verwirklchung wir uns zusammengeschlossen haben. Es hat Zeiten gegeben, in denen man den überstaatlichen Charakter unseres Ordens abzulehnen geneigt war. Die ganze Entwicklung der Geschichte der Menschheit zeigt uns aber, daß wir den überstaatlichen Charakter beibehalten müssen.