Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 12 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 153 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 12 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.'ß.B. ' ' Seite 153 Rüdeblick auf die ersten 25 Jahre der Deutschen Reichsloge Von Br. Expr. G. Bach (DRL.). Als am 20. Mürz 1882 nach Ueberwindung erheblicher Schwierigkeiten und Beseitigung mancher Hemmnisse von einer kleinen Schar überzeugter Männer die Deutsche Reichsloge in Berlin errichtet wurde, bestand der Orden in Amerika noch nicht volle 40 Jahre. Auch dort war die Initiative, von weniger als einem Dutzend Männer ausgegungen, die die Notwendigkeit eines engeren Zusammenschlusses zur Förderung ethischer Bestrebungen, aber auch zur Linderung materieller Not einsuhen. Die Deutsche Reichsloge als die Mutterloge des deutschen Distrikts hatte ursprünglich, ebenso auch die ihr nachfolgenden deutschen Logen manche materielle Belastung mitübernommen, wodurch zunächst verhindert wurde, daß der Orden in Deutschland eine rein ethische Einrichtung werden konnte. Es dauerte aber nicht lange, Bis die Erkenntnis sich Bahn brach! daß für deutsche Verhältnisse die aus Amerika übernommenen materiellen Einrichtungen nur einen Hemmschuh für die weitere Entwicklung der Ordensidee bilden könnten, und sehr bald wurden diese Eicrschulen, wenn uueh unter heftigen Kämpfen in der Mitte der Brüder, gbgestreift. Der Aufstieg des Ordens Bne Briss in Deutschland ging dann auch sehr schnell vorwärts, Julius Fenchel hutte das Fundament gelegt, Maretzki baute auf diesem Fundament das ideelle Gebäude auf und Timendorfer erweiterte und bildete die Fassade nach modernen architektonischen Grundsätzen aus. Schreiber dieser Zeilen gehört seit Fcbruur 1886 dem Orden an, hat also die vorher erwähnten Kämpfe nicht nur' miterlebt, sondern ist auch aktiv daran beteiligt gewesen. Als vor 25 Jahren die Deutsche Rcichslogc und mit ihr der deutsche Distrikt unter Teilnahme sämtlicher damals bestehender europäischer Distrikte das 25 jährige Bestehen der Deutschen Reichslogc feierte, saß er auf dem Stuhl des Präsidenten. Die Deutsche Reichsloge hatte damals bereits einen sehr erheblichen Bestand an Brüdern und war ziemlich gefestigt durch die Arbeit von Männern, die vorher auf dem Präsidentenstuhl gesessen hatten. Von den Gründern der Loge lebten damals nur noch 14 Brüder. Bereits das Zeitliche gesegnet hatten um diese Zeit die Expräsidenten Alex Cohn, Simon Schiff, Gotthilf Simon, Moses M c r z b u c h,. Emanuel Singer, Adolph Maier. Ihrer sei am heutigen Tage in Ehren gedacht. Die Zahl der hinterher in die Ewigkeit hinübergegangenen Expräsidenten ist ziemlich groß, es seien hier noch erwähnt Justizrat Jouchim, Dr. Leopold Ewer und Moritz Jablonsky; der Letztgenannte ist der erste Präsident der Deutschen Reichslogc gewesen. Unerwähnt bleiben sollen nicht die Brüder Maretzki, Weile, Alexander K a t z, Dr. Metzenberg und I). I. ichtenstei n. Unter den Expräsidenten der ersten 35 Jahre befinden sich die Brüder Albert Bloch, Justi/.rat Dr. Kuznitzki, Max Rosenthal und der Schreiber dieser Zeilen. Die Präsidenten, die die Geschicke der Deutschen Reichsloge nach dem 25jährigen Bestehen geleitet haben, werden wohl an anderer Stelle erwähnt werden. In den ersten 25 Jahren der Deutschen Reichslogc entwickelte sich das ursprünglich kleine Pflänzlein zu einem sehr stattlichen Baum und die Uebersiedlung nach der Wilhclmstraße bedeutete bereits einen Markstein in der Entwicklung der Reichslogc und des Ordens. Von Berliner Schwesterlogen waren inzwischen die Berthold Auerbach-Loge und die Reichslogc entstanden; die Leopol d Zuntz- Loge, die ein selbständiges Leben auf die Dauer nicht führen konnte, hatte sich mit der Reichslogc \creinigl und eine Zeitlang firmierte diese „Deutsche Reichs- und Leopold - Z u n t z - [, o g e“. ‘ Die Räume in der \\ ilhclmstraßc reichten bald nicht mehr aus, und die Berliner Logen mußten daran denken, ein neues Heim sich zu schuffen, Und dieses wurde unter dem 11. April 1012 cingewciht, cs sind die gleichen Räume, die noch heute unserer Arbeit dienen. j Die Arbeiten in den Jahren naph der Gründung sind oft und treffend von den beteiligten Kreisen geschildert worden, so daß cs sich hier in diesem Erinne'rungsblatt nur darum handelt, auf diese Arbeit kurz hinzu-weisen. Hie wurde besonders nach geistiger Richtung hin und auf ethischem Gebie'e beeinflußt von Bruder M a r e t z k i s. A., der unter l'cbcfw indung mancher Hemmnisse, die ihm persönlich erwuchsen, für die geistige und ethische Ausgestaltung der Logenarbeit unglaubliche Opfer gebracht hat. Das 25jährige Jubiläum gab dann' schließlich auch einen Beweis für das, was infolge dieser Arbeit bei uns geleistet und erzielt worden war. Niaht nur die theoretische Bearbeitung der Grundsätze des Ordens, sondern auch die praktische Arbeit nahm ■ mehr und mehr Gestaltung an. Es sei hier erinnert an die Einrichtung- - jüdischer Ferienkolonien, ein W erk von Adolphe M u y e r, den jüdischen Arbeitsnachweis, an. dein besonders Bruder G i n s b e r g .gearbeitet hat, die Krankenschwesternorgunisation, ein Kind von Maretzki,. Die weitere Ausgestaltung solcher Einrichtungen füllt in die Zeit nach dem 25 jährigen Bestehen, und es sei hjer ,nur erwähnt das Logenheim in Lichterfelde, auf dus die Berliner Logen mit ganz, besonderem Stolz blicken dürfen. I Das 25 jährige Bestehen gestaltete sich zu einer Manifestation allergrößten Stils. Etwa 5000 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands und derjenigen europäischen Länder, in denen sich Logen befanden, wohnten der akademischen Feier um 26. April 1007 bei und das Bankett war von etwa 1350 Teilnehmern besucht. Das darf nicht wundernehmen, denn, die wirtschaftlichen Verhältnisse lagen zu jener Zeit derartig, daß man ein Recht hutte. Feste zu feiern und Gott zu danken für dus, was war. Nie hat man. geahnt, daß diese, kurze Zeitspanne von 25 Jahren, um 1907 bis. 1032, ein Deutschland schaffen würde, in dem wirtschaftliche Zustände vorhnndeu sind, die Land' und Volk und jeden einzelnen so schwer bedrücken. Hoffen wir, daß in absehbarer Zeit unser Vuterland zu einer Gesundung gelangt und zu Verhältnissen, unter denen sich alle Teile des Volkes, alle Konfessionen und Religionen, ulle Stände wdhlfühlen, so daß einer den anderen nicht nur dulden, sondern verstehen kann und jeder das Wohl des Ganzen dem eigenen Wohle vorausstellt. Möge unter solchen Verhältnissen unser Orden sich weiter entwickeln und mit dazu beitragen, ein Segen zu werden für die Mitglieder des Ordens und für die gesamte Menschheit. Neuaufnahmen': / »1 Berthöld Auerbach-Loge: Julius Kiwi, N 65, Chausseestr. 60. Leon Picker, W 30, Berchtesgadener Str. 15. Spinoza-Loge. Direktor Moritz S c h w a r z, Charl., Preußenallee 33.