Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 12 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 152 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 12 Brüderlichkeit und Ideenreichtum, diese fruchtbringenden Bestandteile lebensvoller Institutionen, die festgefügten Fundamente unserer Loge gewesen und bis auf den heutigen Tag geblieben, sind. Männer, wie Fenchel, Wolff und Jablonsky, landet' in ihr ein weites .Feld ,zur Verwirklichung traumgewesener Ideale, und Brüder, wie Bergei, Metzenberg, Mayer und viele andere, haben up dem Aushau solcher Ideale mit Geist und Inbrunst gearbeitet und den Höhepunkt in der Mitarbeit unseres uns ergessenen, niemals zu vergessenden Br. M a - rc.tzki gefunden. Muß man sagen, was Br. Maretzki der I. vge und dem Orden gewesen ist? Seines gesegneten Wirkens wird in der Deutschen Reichsluge alljährlich mit erfühlter und ersehnter Regelmäßigkeit gedacht; F.r gab der Loge und damit dem Orden das eigentliche Gepräge. Der Stuhl des Präsidentenwurde ihm zur Kanzel, von der seine großen und bleibenden Gedanken über Menschenliebe und Bruderliebe, über ethische und soziale Ziele, über Selbstlosigkeit und Charakterbildung predigte. An seinen Lippen und an seinem Wesen hingen die Brüder, an seinem edlen Menschentum lichteten sie sich auf. Sie eiferten ihm nach, ohne sich zu ereifern; sie lagen zu seinen Füßen, .ohne fußfällig zu werden. F.r war das Vorbild für unseren hochverehrten Dayul 1. ich l c n s t e i n, dessen W irken -wir nie vergessen werden, für unseren würdevollen Siegfried Kaufmann, für unseren luuuor\ oll-w itzigen Alben Bloch, für unseren allbeliebten Zeichenerklärer Max R o s e n t h a 1, für unseren Großscliatzmcister Gerson Bach und für jeden der vielen mit und nach ihm wirkenden Präsidenten, die ohne Ausnahme in dem von ihm gep+legten Geiste zum Segen für die Loge arbeiteten. So wurde es eine Selbstverständlichkeit, daß die Homogenität der Führer sich auf die Brüder übertrug, und daß aus dem Gleichmaß der Lebereinstimmung ein Gleichklang der Seelen erwuchs, der sich zu der einheitlichen Empfindung verdichtete: .Jeder von uns vta.Virpert die Loge, die Loge ist unser! In den ucligiösen ' und den politischen Auffassungen un-crct Glaubdnsbrüder vollzogen sich im Laufe der Jahrzehnte die verschiedenartigsten Wandlungen; Wandlungen, die zeitweise die Köpfe erhitzten und die Geister aufeinanderprallen Dem Orden gehören nicht mehr an: Deutsche Reichs-Lage: Hans Auerbach, N 54, Alte Schönhauser Str. 46. Erich G r ü n b a u m, W 30. Freisinger Str. 2. Adolf Jacob, NW 21. Stromstr. 69. C'urt W i n d, Charl., Kantstr. 22. , Montefiore-Loge: Willy Friedländer, W 15, Darmstädter Str. 7. Ernst Hertz, Charl. 5, Suarezstr. 30. Victor Lercli, W 15, Kaiserallee 20. Julius Neuberg, W 50, Spichernstr. 2. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren - Verstorben Deutsche Reichs-Loge Moritz L. Feibusch 4.11.1882 7.10.1850 7. 1.1932 David Henoch 2. 4. 1910 12. 8 ls71 16. 2. 1932 Berthold Auerbach-Loge Rudolf Silberstein 20. 1.1919 7. 3.1882 13. 2.1932 Julius Pieck 15. 4.1912 20 10 1861 20 2.1932 Robert Qrünthal 4. 3.1901 14. 3.1867 27. 2.1932 Montefiore-Loge Sigismund Noher 18. 1.1927 22. 3. 1865 2. 3.1932 Ehre ihrem Andenken 1 ließen, aber unserer Loge blieben deratige Konflikte fern. Die herrliche Toleranz, welche uns aus Leasings Nathan leuchtet und die besonders in dem Satz Ausdruck findet: „Ein jeder eifre seiner unbestochenen von Vorurteilen freien Liebe nach ...“ war in der Deutschen Reichsloge immer eine unantastbare und unangetastete Selbstverständlichkeit. Der festgefügte Boden der Neutralität ist von keinem der Präsidenten, welcher politischen und religiösen Weltanschauung der einzelne auch immer gewesen sein mag, je verlassen wurde. Die daraus resultierende Konformität des Geistes ist trotzdem niemals zu einer Uniformität der Geister geworden. In den Diskussionen hervorgetretene Meinungsverschiedenheiten hielten sich stets in gemäßigten Formen und gereichten deshalb der Loge immer zum Nutzen. Bei aller Betonung der Individualität ist es in unserer anerkannt vorbildlich disziplinierten Deutschen Reichsloge noch niemals vorgekommen, daß ein Präsident an-deren bewährter Tradition der Neutralität etwa rütteln oder diese gar umformen wollte. Rein gefühlsmäßig hat sich jeder dem genius loci untergeordnet und in dieser primitiven Tatsache ist das Geheimnis unserer Kraft und unserer Kongcnialität begründet. Kleinere Reformen geschäftsordnungsmäßiger Art sind gelegentlich durchgeführt worden, aber das Sucher nach grundlegenden Umwandlungen im Logengebilde haben w ir immer zurückgestellt, weil die ragenden Ewigkeitsgedanken der allumfassenden Menschenliebe, der Wahrheitsliebe, der Brüderlichkeit und der Pflege geistiger Interessen Beständigkeitswerte in sich tragen, deren Vertiefung uns all das Wichtigste und Wesentliche erschien. So darf man, ohne ruhmredig zu werden, wohl sagen, daß die Deutsche Reichsloge ihre Mitglieder nach ihrem Vorbilde geformt.und sich als Erzieherin im Sinne ethischen und kulturellen Fortschrittes allezeit bestens bewährt hat. Als der geradezu fanatische Optimist Br. Fenchel den- Orden Bne Briss in bewegte; Zeit nach Deutschland verpflanzt hatte, sagte er einmal: „Der Haß wird uns zusammenführen, die Liebe Zusammenhalten“. > Diese wahrhaft prophetischen Worte haben sich in vollem Maße erfüllt, und man kann nur wünschen, daß sie sich auch in unserem geliebten deutschen Vaterlande und darüber hinaus in allen Teilen der Welt bald durchsetzen möchten. Die Deutsche Reichsloge, die nunmehr auf ein halbes Jahrhundert segensreichen Wirkens ’zurückblicken darf, wird sich weiterhin ihrer bewährten Tradition würdig zu erweisen suchen. Wir. haben den unzerstörbaren Optimismus, daß die Zeit nicht mehr gar so fern liegt, in der die Menschheit erkennen wird, daß nur solche Gedanken, wie sie in unserem Orden gepflegt werden, das wirkliche Glück auf Erden bereiten können. Zwar liegen heute noch Meere zwischen den Gedankenwelten. Aber der noch schlummernde Wirklichkeitssinn der Menschen wird, wenn einst geweckt, diese zu der Erkenntnis bringen, daß selbst Meere keine Trennung, sondern eine Verbindung der Völker darstellen, und daß die über die Kontinente verbreitete Menschheit sehr wohl zu einem Universum des Geistes und der. Menschenliebe geführt werden könnte. Das sind keine utopischen, das sind messianische Gedanken, an die wir glauben und auf die wir hoffen, weil wir an sie glauben. Dem Orden Bne Briss liegt die menschheitsgeschichtlrche Aufgabe ob, an dem Bau der Welt mitzuarbeiten. Vielleicht vergehen viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte, bis die Schönheiten dieses Baues erkennbar werden, — aber die W ege, die zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit führen, werden sich auf die Dauer nicht versperren lassen! Inzwischen wird im Schutze des großen Mutterordens die Deutsche Reichsloge zu ihrem bescheidenen Teil dazu beitragen, die weltumfassenden Gesichtspunkte wahren Menschentums weiter zu pflegen, in der unbeirrbaren Hoffnung, daß ihr hundertjähriges Jubiläum ein besseres Menschengeschlecht aufweist.