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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1932-01-01 · 10 (1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
11 (1931-1932)
Issue
10 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBERLINEBALOG E N U.ORR BERLIN W62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS 11. JAHRGANG JANUAR 1932 i NUMMER 10 f 1 Zehn Jahre Akiba Eger-Lo^fe Die w. Akiba Eger-Loge, die am 4. Dezember 1921 als sechste der Berliner Arbeitsstätten unseres Ordens begründet .wurde, beging am Sonntag, dem 2 9. November 1931, Jdie Wiederkehr ihres GrOndungstages mit einer schlichten eindrucksvollen Feier im Logentempel, zu der zahlreiche Vertreter aller Berliner Logen und der hw. Großloge erschienen waren. Br. Präs. Paul Chon« leitete durch eine Ansprache den Festakt ein. Br. Chone führte aus: Wir sehen heute auf das vergangene Jahrzehnt zurück nicht mit dem Gefühl satter Befriedigung und nicht mit dem Wunsch, uns zu loben und gelobt zu werden, sondern wir fassen den heutigen Tag in so schwerer Zeit auf als einen v,Tag besonderer Verpflichtungen für die Zukunft. Unsere Loge hatte das~Glück in ihrem ersten Präsidenten und seinen Beamten Brüder zu finden, die es verstanden, ihr sehr bald respektvolle Achtung im Kreise der anderen Logen zu verschaffen. Gar bald war sie der Mittelpunkt eines regen geistigen Lebens und der Förderung jüdischer Werte und jüdischen Wissens. In erster Linie gebührt unserem verehrten Br. Expräs. Aronsohn und den Beamten aus seiner Präsidentenschaft herzlicher Dank. Ebenso danken wir seinen Nachfolgern und den späteren Beamtenräten und allen Brüdern, die durch ihre Aktivität es verstanden, die Tätigkeit der Beamten erfolgreich zu gestalten. Auch der Brüder, die nicht mehr unter uns weilen, werden wir stets gedenken. Wohin uns der Weg führt, das ist die bange Frage, die wir heute zu stellen haben. Die drei Worte unseres Rituals „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht“ mögen so klingen wie unmoderne Requisiten einer verklungenen Zeit. Sie scheinen ganz und gar nicht in unsere Zeit hineinzupassen. Noch bis in die letzte Zeit konnte man mit gewissem Recht sagen, daß diese Worte unseres Rituals ein paar selbstverständliche ethische Grundsätze proklamieren, die doch schließlich Gemeingut der gesitteten Welt sind. Heute aber klingen sie weiten Kreisen gerade des deutschen Volkes veraltet, weil man sie auch/niVht mehr theoretisch als ethisches Gemeingut gelten lassen will. '* .Wir haben gesehen, daß das Goethe-Jahr cingeleitet wird mit Grabschändungen, mit pogromähnlichen Zwischenfällen, mit Terrorakten an den Universitäten und mit dem offenen Kampf für die Beseitigung unserer Gleichberechtigung. Das Goethe-Jahr scheint Verrohuqg* statt (Vergeistigung bringen zu wollen. Und für diese Verrohung wird ein theoretischer Unterbau geschaffen, der von weitesten Kreisen des deutschen Volkes gut geheißen wird. Dieser theoretische Unterbau verficht die Irrlehre, daß ein gesundes Volk aufgebaut sein müsse auf rassenmäßiger Zugehörigkeit der einzelnen Volksteile, und daß es sich nicht um das Prinzip der Gerechtigkeit, sondern einzig um das Priqzip der Macht kümmern müsse. Diese Irrlehre hören und lesen wit nicht nur in' der rechtsradikalen Literatur und Philosophie, sonder^.bis weit hinein in die politisch auf mittler# Linie stehenden Presseerzeugnisse. So hebtsich denn für .uns für die Zukunft klar und deutlich wieder das alte Programm der Toleranz und Gerechtigkeit ab, das jetzt wieder beginnt, einen kämpferischen Inhalt in edlem Sinne zu. gewinnen. Für die Gerechtigkeit müssen wirunter Einsatz unseres ganzen Seins mit offenem Visier anknüpfend an die Ereignisse des täglichen Lebens kämpfen. Gerechtigkeit müssen wir zuerst im eigenen engeren Kreise, pflegen. Dies ist eine Sache der Selbsterziehung und der Disziplin; Gerechtigkeit müssen wir aber auch verfechten in den Gruppen und Parteien, denen wir zugehören; der Selbst)- 'j zenfleischung der jüdischen Gemeinschaft muß ein Ende geboten werden. Parteien sind notwendig, Weltanschauungsgegensätze sollen nicht verwischt werden, aber gerecht muß der Kampf untereinander ausgetragen werden. Die Parteien sind nicht dazu da, egoistische und unsachliche Gedankengänge einzelner ins’ Ungeme9sene, zu poterfzieren, sondern sic zu veredeln und abzuschleifen. Gerechtigkeit müssen wir alsdann erkämpfen im Staatsleben-uhd im Leben der Völker. Deutlich müssen wir die Anschauung ablehnen, als ob das i i > Berichtigung! Durch einen bedauerlichen Irrtum ist in der Dezember-Nummer unserer Monatsschrift bekanntgegeben worden, daß die Brüder Max Lewinsky, Wilmersdorf, Mofzstr. 43, Gerhard Meyer, SW68, Alexandrinenstr. 29a, Fritz Redlich, Cbarlottenburß, Windscheldstr. 4 dem Orden nicht mehr angehören, Wir weisen darauf hin', daß hier ein unliebsames technisches Versehen vorliegt, und daß die genannten lieben Brüder zu unserer Freude nach wie vor der w. Berthold Auerbach-Loge angihören. ' DI E iRED A KTIO N.

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