Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 9 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 108 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 9 7-:--- : nun}»: „Die immer stärker um sich greifenden Gegensätzlichkeiten innerhalb unserer jüdischen Gemeinde geben zu den -.ehlimmsten Befürchtungen Anlaß. Und wenn die Logen auch nicht gutunmittelbar Einfluß auf die erhitzten- Gemüter nehmen können, so müßte doch alles geschehen, um diesen streitbaren" Geistern die Schädlichkeit ihres Tuns in bezug aül unser .ludentum vor Augen zu führen. W ir Brüder liefern den schlagenden Beweis dafür, daß man sehr wohl grundverschiedener W'cltansthjiuung sein kann, ohne dem anders denkenden Bruder die Ueberzeugungstreuc abzusprechen, ohne ihn zu vetdei/en oder gar seine Ehre anzutästen. Unser Orden lehrt uns Achtung vor der Uelverzeugung aller unserer Mitmenschen: denn wir wissen, daß ein von \ orurteilen freiet Mensch bewußt nichts Schlechtes wollen kann. Politik muß grundsätzlich von den Logen ferngehalten werden; denn in ihnen suchen und linden wir’ Aufrichtung, Freundschaft. Belehrung und Nächstenliebe. Tolerenz und Neutralität sind durchaus keine blutleeren Begriffe; wir müssen siit pflegen, um unsere Bindungen zu stärken und unseren Arbeiten die breite Basis zu erhalten. Der von mir Ivcreits einmal zitierte Nietzsche sagt: Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden. W ir müssen unsere Ordensgedanken zum Gemeingut unserer außenstehenden Glaubensgenossen machen, müssen die geeignetst Menschen ausvväldcn. .sie lür unsere Ideale gevvinnen--und begeistern und uns dadiit■■wertrolle Kräfte, neues Blut zuführen. V<ftallem aber müssen wir. dafür sorgen, daß die Logenbrüder untereinander eine engere Verbindung bekommen. Gewiß wirken der Gemeinsame Ausschuß und der Logenverband bahnbrechend auf diesem Gebiete, doch es muß eine noch viel engere \ erhindung von Loge zu Loge, von Bruder zu Bruder hergestellt werden, -damit die Brüder nicht fremd aneinander Vorbeigehen, sich näher kennenlernen und auf diese Weise wirkliche'ßfüder werden. Wir müssen ^len Gemeinschaftsgeist mobilisieren und werden damit derp Begriff Logengesinnung Farbe JUid Substanz geben. Mit apodiktischer Kraft müssen wir immer und immer vv ieder auf unsere Schicksals-, Logen- und Glaubensgemeinschaft hinweisen. Unsere Lugen müssen jedem Bruder zur Akademie der Menschenliebe, der Brüderlichkeit und der Ethik werden, in der jeder Bruder das Examen des Charakters vor sich selber zu bestehep hat. ^Unsere Logen müssen uns ein Cörnpendipm des-Geistes, sein, das dem Ungeist und der-Gemütsroheit ftf\er_ 4lla-*«a w irksam entgegengestellt werden kann. Wir dürl^h qjfsert *I*fcile nicht gering schätzen, vv ir. müssen für sie glühen a^td für sidykämpten, durchdrungen von der heiligen Uefierzeuguhg von der Größe und Güte unserer \ufgaf>e. Der religiöse Glaube an das weltumspannende unserer Mission muß uns ganz und gar erfüllen, damit wir uns unserer Zugehörigkeit zum Orden Bne Briss und der UNSERE TOTEN Der Orden - beklagt den Heimgang folgender Brüder: fl a m e Eingetret. Geboren Verstorben --£- Deutsche Reichs-Lote Benas Levy 23 2.1901 9. ^1856 20.11.1931 David Loewenstein 22 3.1902 20. 6.1865 22.11.1931 Montefiore-Loge Adolf Heymann " 22.10 1912 22. 1.1862 20.11.193! Leo Wolff 8.11.1904 3. 2.1853 30.11.1931 Dr. Moritz Grün 23. 9.1913 20. 4.1859 30.11.1931 Ehre ihrem Andenken l Jahrtausendgeschichte unserer Glaubensgemeinschaft würdig erweisen. Der in uns flammende Optimismus darf uns nicht verlassen; er muß uns weiterhin zur Pflege unseres Ordensgeistes anspornen, damit uns die durch den Orden 'gewonnenen Werte als heiliges Eigentum erhallen bleiben. In solchem Geiste an unserem erhabenen Orden’sbuu weiter arbeitend, wollen wir uns hierbei die Worte Paul de Lagardes zu eigen machen^ „Die l.ult drückt: bald wird der Wind stoßen, der Staub wirbeln, das Gewitter grollen und — nach ihm wird der ruhig strömende ltegen kommen, welcher Fluren und W ald und Herzen erquicken soll. — Und es bleibt hei der Bitte: Unser Brot für morgen gib uns heute: gib uns die ehrfürchtige Hoffnung auf eines neuen, noch nie dagewesenen Tages Lieht und Arbeit.“ Für die luv. Großloge spricht Br. Yizegroßpräsidcnt Wal- ( e r. Er erinnert daran, daß dieser Ordenstag als Erinnerungstag zwischen zwei Ereignissen stehe, dem Heimgang unseres unvergeßlichen Ehrengroßpräsidentön TimcndorfCr und dem l’ag, an welchem 50 Jahre seit der Errichtung der ersten Loge unseres Ordens i|t. Deutschland vergangen sind. Aus der Schilderung der Persönlichkeit von Bruder Timendorf er und aus dem Umstande, daß der Orden das erste halbe Jahrhundert in Deutschland'vollendet hat, schöpft er die Hoffnung zu demjenigen Optimismus, den sowohl Bruder Tiincndorfer* als auch sein Vorgänger Bruder M a r e t z k i vorgeleht haben, und mit dem dfer letztere auch seine Geschichte des Ordens ausklingen läßt. Bruder .Wolter weist darauf hin, daß ihm dieser Idealismus und Optimismus auch aus den Logen unseres Reiches, die er zu besuchen- Gelegenheit hübe, entgegenklingt. In der schweren Zeit sei es unmöglich, ohne die Hoffnung auf die bessere Zukunft in unserem Orden wirken zu können. Dieser Ansprache folgte ein Gesang von Br. Wilhelm Friedmann (M.L.), („Dem Unendlichen“ von Schubert), den Br. Dr. Bruno Meyer (B.A.L.) am Harmonium begleitete. Br. Präs. Dr. Max Simon (B.A.L.) verlas folgende Botschaft, die der hochw. Großpräs. Br. Leo B a e c k den Berliner Logen aus Anlaß des Ordenstages widmete: „Zum Ordenstage sende ich allen Brüdern unserer liehen Berliner Logen treue Grüße und herzliche Wünsche. Es möge gestattet sein, diese W ünsche wiederum in ein mahnendes Wort zu fassen: Lasset den Willen, zusamtnenzustehen, um einander und anderen zu helfen, nicht durch stetes Zweifeln und durch bloße Bedenken beengen und beugen. W er zu handeln beginnt, inmitten aller Sorgen und Prüfungen, erstarkt innerlich, und die gerade Tat führt alsbald zu geradem Denken. Und alle Tat hebt mit dem Heute an, so wie Goethe, dem dieses Jahr ja auch geweiht sein wird, cs an den Anfang aller Lebensweisheit gestellt hat: „Wie kann inan sich seihst kennen lernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche deine Pflicht zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist. Was aber ist deine Pflicht?, Die Forderung des Tages.“ Es ist dasselbe, was am Anfang der religiösen Geschichte Israels steht: „Wir wollen tun und hören!“ Wenn wir ,zp.* tun beginnen, dann werden wir alsbald begreifen. Bewähren wir es soy dann wird dieses Jahr, das ein schweres Jahr, vielleicht ein schwerstes, sein wird, ein Jahr der Sorgen, der Mühen und der Leiden, dennoch ein Jahr innerer Kräftigung, wahrhaft ein Jahr des Lebens sein.“ Hierauf folgte das 'Freugelöbnis für den Orden, das Br. Präs. Dr. Georg ,4^ e r 1 i t z (M.L.) sprach. 'Das Schlußrilual .wurde von Br. Expräs. Norden (ßp.L.) unter Ilarmoniumbegleitung von Br. Max Wachsmann (J.F.L.) gesprochen. Ein Postludium (vorgetragen von Br. XV aclismann) beschloß die stimmungsvolle Feier. Ö