Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 8 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
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V Seite 96 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. - — - - ' - — s _ Nr. 8 Herrschers; In brüderlicher Verbundenheit mit dem Geschäfts- Ausschuß und dem General-Komitee wurden die Beschlüsse gefaßt und ausgeführt. Mit warmem Eifer -förderte er die Mitarbeit Mer Frauen an den Aufgaben des: Ordens. Wie jeder Bruder des' Ordens, - so hatte auch jede .Schwester, die mit ihm sprach, das Gefühl, l>esonderer Wertschätzung und besonderem Interesse zu begegnen. i« Die Mitarbeit der' Jugend war ihm Herzenssache. Mit nie ermüdendem Eifer, ermahnte er die Väter, ihre Söhne mul Schwiegersöhne dem Orden zuzuführen, um die ln der .Jugend liegende Kraft der Begeisterung dem Orden dienstbar zu machen. Deshalb steht juch die Jugend trauernd an der Bahre ihres Heimgegangenen Freundes. ' Mit diesen' hervorragenden Eigenschaften des Herzens -und "des Geistes verband sich bei dem Entschlafenen eine gewaltige Arbeitskraft und organisatorische Befähigung. Der Distrikt zählte bei seiner Amtsüberpahme 33 Logen, als ,er sein Amt niederlegte: fast hundert.' — Seine Liebe und sein Eifer galten allen jüdischen Angelegenheiten; ln ungezählten Organisationen arbeitete -er mit. Eine Zierde des Anwaltstandes. widmete er die reichen Erfahrungen seines Berufes .gern dem Orden und ^nderen jüdischen Aufgaben. Ein. wunderbarer Zauber von Jugend blieb ihm bis an sein Lebensende. - Frisch und lebendig steht erin unserem (iedächtnis. Uns hat er einen großen Teil seines Leben* gewidmet; wir sind gewiß, daß sein Werk fortleben wird, r Für die Tiinendorfer Jubiläums-Loge, die in dem Heimgegangenen ihren Namenspatron .verloren hat, sprach Br. PräsL Ileineinann Stern. Der Deutsche Distrikt des U.O.B.B. hat einen hervorragenden Führer verloren; den Brüdern* der Timendorfer Jubiläums-Loge war er mehr. Er war der Loge, die seinen Namen trägt, ein väterlicher Freund, der Freude über das Gedeihen seines Kindes empfindet und sich für dessen Entwicklung verantwortlich fühlt. Was dem Wirken des Unvergeßlichen das Gepräge gab, das war sein Optimismus, sein unversiegbarer Glaube an den Erfolg des Fluten. So hat er den. bekannten solonischen Ausspruch variieptO „Niemand ist vor seinem Tode unglücklich zu preisen“^<L/ In der schweren .Zeit, in welche dip^erslen Jahre der Timendorfer Jubiläums-Loge fallen, teüt er seiner Loge zur Aufrichtung ein Gleichnis von 'Humboldt zugerufen, dus heute wied,er uns allen als Notanker für unser Hoffen . und Wirken dienen kann: „Die Kurve zum Fortschritt der Kultur ist eine ansteigende, wenn es auch gewisse Einbiegungen gibt, wie man es bei der Besteigung eines Berggipfels erlebt, und es ist freilich nicht bequem, sich .in einer solchen Einbiegung gerade zu befinden. Aber allmählich wird die höchste Spitze des Berges doch erreicht.“ In dieser Ermunterung hat uns unser unvergeßlicher Namenspatron ein Erbe hinterlassen,' dessen wir uns immer erinnern'* Werden, wenn Not und Jammer der. -Zeit unseren Glauben Und unser Wirken erschüttern sollten. Dann wird auch die Erinnerung an seine liebe und verehrte Persönlichkeit nie in uns erlöschen. Denn kein Erinnern an einen Menschen ist herzlicher und dauernder als das, das mit seinen Lehren .und Taten verknüpft jst. Dann wi' :e Timendorfer Jubiläums-Loge, /die berufet! ist, das A des Br. Ehren-Großpräsidcntien ßerthold Timendorb Zukunft zu tragendes sich'nlclit genügen lassen, sei. ten zu ehren, sie will und witd in seinem "6 K ' ' Geiste wirken, u. h. im -Glauben an die Wahrheit und Notwendigkeit unserer Ordensideale und im unablässigen Bemühen um ihre Verwirklichung. Dann wird auch der schöne altjüdische Gruß an. die Toten' ein Quell unversiegbarer c Lebenskraft für uns werden: „secher zaddik lib’rochoh“, das » Andenken Br. ßerthold Timendorfers wird der Timendorfer Jubiläums-Loge Ansporn und Wegweiser sein zur Erfüllung ihrer Pflichten, solange sie Seinen Namen trägt. Ein Harmoniumpostludium schloß die schlichte Feier. Unter den Klängen des Harmoniums verließen die Angehörigen und die Teilnehmer den Logentempel. L e s s e r U r y Von "Br. H u g o Wittenberg (J. F. L.). I.esser Ury, der große jüdische Maler, ist tot, und mit ihm ist der erste deutsche Impressionist und der größte deutsche Pastellmaler dahingegangen. Einfach und einsam war sein Leben. In einer großen, ungemütlichen Atelierwohnung Jiauste er über 30 Jahre ganz allein. Ein kleiner- Kreis von Freunden hatte sich um ihn geschart, doch auch mit diesen Freunden hatte er infolge UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: N a me . Eingetret. GeboF en Verstorben Deutsche Reichs-Log-e Rudolf Sternefeld 2. 4.1910 5. 3.1874 13. 10. 1931 Felix Lippmann 28. 4.191$ 31. 3.1887 18.10.1931 ßerthold-Auerbach-Loge Ehrengroßpräsident ' Geheintrat ßerthold „ Timendarfeis^ ' 5.11.1883 1. 9.1853 5.10.1931 Willy/Kastan N. 28 2.1921 15. 8.1887 14.10.1931 t*' M ontefiare-Loge Eduard Brock ( 16.11.1903 14.12.1875 5.10 1931 Itlfre ihrem AndenkenI seiner' Eigenart, seines Mißtrauens und seiner Verbitterung oft erhebliche Differenzen. Er wäre heutenoch weit. mehr, als es der Fall ist, berühmt und bekannt, wenn er eben nicht so. menschenscheu geworden wäre. ’ \Vie alle Neuerer wurde er zuerst nicht verstanden, seine .Werke wurden verhöhnt, und der Schöpfer wurde ausgolacht. Er verschloß, sich dadurch immer mehr in sich selbst, ging aber keinen Schritt von seinem Wege ab, und fast 25 Jahre lang mußte er sichbuchstäblich durchhungern, bis er^die Genugtuung hatte, daß seine Malweise anerkannt wurde, und er erlebte es, -daß heute, was Licht- und Farbenbehandlung anbetrifft, die meisten guten Künstler seine Nachbildner geworden , sind. ' In seinen Hungerjahren hatte er sich an die allereinfachsle Lebensweise derart gewöhnt, daß er auch, als er schon besser situiert war, in der gleichen puritanischen, ja geradezu dürftigen Art .weiterlebte.' Nur alle drei bis vier Tage wurde seine Wohnung einigermaßen in Ordnung gebracht. Er heizte selbst, er bereitete sich seine Mahlzeiten selbst. Ein Paar Würstchen waren schon ein üppiges Mahl, oft genügte ein Ei als Hauptmahlzeit, und wiederholt war eine rohe geschabte Mohrrübe mit einem Glas 'Zuckerwasser seine tägliche Delikatesse. Er fürchtete immer wieder, daß noch einmal eine Zeit kommen würde, wo er hungern müßte wie früher, und deshalb gönnte er sich nichts und behauptete, diese einfache Lebensweise bekäme ihm am besten und sei seiner Gesundheit dienr V