Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 11 (1931-1932)
- Issue
- 5 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4885084-6352739-6352950--1351-4886357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 60 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 5 Jahresbericht der Julius Fenchel-Loge 1930/31 Weshalb kleine Logen? Wie oft ltcgegnen wir Brüdern aus unseren großen und alten Logen, die uns die Frage vorlegen: „Weshalb mußten Sic eine kleine Loge l>egründen? Warum Sind Sie von uns gegangen und haben sich Ihrer neuen Loge zugewandt?** Oer Bericht.« den wir über das vergangene Geschäftsjahr 1930 31, unserem 4. Gründungsjahr, veröffentlichen, möge auf diese Fragen die Antwort geben. Unsere Julius Fenchel-Loge zählt zurzeit\ö8 Brüder. Ein lieber Bruder, Dr. Julius Ilcymann, ist uns leider im letzten Jahr durch den Tod entrissen worden; ein neuer Bruder hat sich unseren Heilten angeschlossen. Oie Ourchschnittsltcsucherzahl "der Logenaltende Itetrug 32 liti(Wlcr, also mehr als 5!)"u der Mitglieder, ein Beweis daTür, daß die größere Hälfte der Brüder an unseren Altenden, unseren Interessen, unserer geistigen Tätigkeit Anteil nimmt, und daß nur. ein kleinerer 'Teil unserer Brüder — sei es—aus’ persönlichen Motiven, sei es aus wirtschaftlichen Gründen — beiseite steht. - Aber auch um diese Wenigen, Uninteressierten Itcmühen w ir uns ständig, um sie dennoch an unsere Arbeit zu fesseln und w jeder unserem Freundeskreis anzuschlreßen. Eine augenltlickliche Ablehnung unserer Ideen darf kein endgültiges Aufgeben sein, ein zeitweises Versagen keine absolute Verneinung. Gemeinsam mit dem w. Präsidenten Br. Wilde ültcrnahuten es die Brüder, durch Heimabende, durch persönliche Besuche- und freundschaftliche Mahnungen die Zaudernden für unsere Arlieit heranzu/.rehen und den persönlichen Kontukl mitihnen zu gewiitril£n.- , _ . Oie Mannigfaltigifeti.'tler ,Vorträge in unseren offenen und geschlossenen I.ogenf.xyelcljg.Wi’cfi hauptsächlich mit den modernen jüdischen Problemen, alter auch mit aktuellen Fragen tun Politik und W irtsebäfl liefaßten, hatten Beifall und großen Zuspruch. Unsere Schwcstötm. sowie einen weiteren Kreis von Angehörigen konnten wir als Gäste Itci uns begrüßen Wir hatten vor offener Loge u. a. Referate, die uns einen Einblick in das Leiten unserer Gemeinde, gewährten. Br. Expräs. Kirschstein sprach über die „Verfassung in der Jüdischen Gemeinde“. Unser Br. Expräs. Hirsch referierte über „Jüdisches Leben in einer kleinen Stadt“. Br. James Silberstein von der w. Spinoza-Loge sprach über „Austritte aus der Gemeinde“. Dem Orden gehört nicht mehr an: Deutsche Reichs-Loge. Alexander Ililler, lialensee, Kurfürstendainm 102. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: N «,m e Eingetret. Geboren Verstorben Berthold-Auerba cli- Loge Salo Tworoger 11.12.1911 24.10.1873 22. 7.1931 Montefiore-Loge Simon Ritter 22.11.1921 18 2.1872 20. 7.1931 Ehre ihrem Andenken! Die Frage des Pazifismus fesselte uns an vielen Abenden; so hörten »vir Br. Fried über den „Interkonfessionellen Friedensbund“ und Br. Rabb. Dr. Salomonski (A.G.L.) über „Die allgemeine Friedensbewegung, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen“. Gemeinsam mit der w. Montefiore-Loge hatten wir das Vergnügen, den bekannten Vorkämpfer der Friedensbewegung, Pater Franziskus Stratmahn über das Thema „Die Friedenspakte der Großmächte in religiöser und sittlicher Beleuchtung“ sprechen zu hören. Angeregt durch die Großloge widmeten wir mehrere Abende der Aussprache über die Entwicklung, des Logengedank^fC der Stärkung brüderlicher Zusammengehörigkeit und Mein Problem der Ausdehnung unserer Ideen auf einen größeren gleichgesinnten Kreis: In diesem Sinne hatten wir Referate des Br. Expräs. Karl M. Baer (T.J.L.) und Br. Expräs. Kirschstein über „Intensivierung und Extcnsivierung des Logcnlel>ens“, sowie des Br. Expräs. Jaffe von der w. Spinoza^ Loge ül>er „Treubrüderschaft“. 1 Ferner hatten wir die Freude, ein weiteres Referat des Br. Expräs. Baer (T.J.L.) „Der Generalkonvent des Ordens im Jahr 1930 in Cincinati zu hören, <welches uns höchst interessanten Aufschluß über das Logenleben unserer amerikanischen Brüder gab. Schöngeistige, politische und wirtschaftliche Vorträge hielten uns: Dr. Alfred Hirschberg: „Die Bedeutung der Reichstagswahlen für die deutschen Juden“. Br. Berger von der w. Montefiore-Loge: „Jüdische Räubergeschichten aus dem Rheinland“, Br. Zielinski: „Erlebtes und Erlauschtes in Jugoslavien und. Italien“, Dr. James Kirsch: „Probleme des modernen Juden“, Br. Vizepräs. Georg Herlitz von der w. Montefiore- Loge: „Dubnow, die Weltgeschichte des jüdischen Volkes“. Gemeinsam mit der w. Montefiore-Loge hörten wir einen hochinteressanten Lichtbildervortrag des Rabbiners und Gelehrten Br. Dr. Altmann, 'Trier, über „Das erste Vorkommen von Juden und jüdischen Siedlungen im Rheinland“. Unsere Vorträge haben stets das Interesse der Brüder und Schwestern gefunden, wie es die angeregten Diskussionen nach den Referaten bewiesen. In finanzieller Hinsicht waren wir in der glücklichen Lage, im vergangenen Jahre unsere Position bessern zu können. Ncl>en der nach den Satzungen der Loge vorgeschriebenen Stärkung des Fonds konnten wir eine Ilinterbliebenenfürsorge begründen, durch welche den Hinterbliebenen eines Bruders l>ei dessen Hinscheiden sofort eine Summe von 500 UM. zur Verfügung steht. Unsere sonstige finanzielle Lage ist ausgeglichen, wenn auch die Eingänge durch die Schwere der Zeit nicht flüssiger geworden sind. An der Harmonie unseres Logenlebens tragen in reichem Maße unsere Schwestern bei, welche am geistigen und geselligen Aufbau unserer Bestrebungen regen Anteil nehmen. Am Schluß jeder Loge versammeln sich Brüder und Schwestern in zwangloser Form zum Austausch ihrer Gedanken, und viele herzliche Freundschaften haben hier ihren Anfang genommen. Freundschaft, das ist der Sinn unserer Julius Fenchel- Loge. Sind wir auch nur ein kleiner Sektor des großen Bruderkreises Bne ßrith, dem wir dienen und dem auch wir uns verbunden fühlen, so halten wir doch um so fester zpsammen, und um so stärker umschlingt uns das Ordensband der Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Arthur Sussmann, Protokollierender Sekretär. 1