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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1930-11-01 · 8 (11.1930) · p. Seite 132

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
10 (1930-1931)
Issue
8 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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Seite 132 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 8 Der Orden, was verlangt er von uns und was bietet er uns? Von Br. Vizepräs. Ernst M o s e v i u s (D. R. L.) Jede Gemeinschaft hat das Recht und die Pflicht, an ihre einzelnen Glieder gewisse Forderungen zu stellen. Je höher diese Forderungen sein werden, desto wertvoller und inniger ist die Gemeinschaft. Mindestforderungen kennt höchstens eine lose Vereinigung, deren Mitglieder in irgendeinem Punkte gemeinsamen Anschauungen huldigen. Das Fehlen jeder Forderung bedeutet praktisch das Aufhören der Gemeinschaft überhaupt. Umgekehrt ist es el>enso. Auch der einzelne darf und soll aii die Gemeinschaft, der er angehört, Forderungen stellen, deren Höhe durch den Grad der Bindung bedingt ist, durch die er an die Gemeinschaft gefesselt ist. Unsere Ordensgemeinschaft ist eine freiwillige Lebensgemeinschaft homogener Elemente auf ethischer Grundlage Sie verlangt daher qualitativ und quantitativ ein anderes von uns als andere' Gemeinschaften. Der Orden, der seine einzelnen Glieder Brüder nennt, kennt kein Minimum an Forderung, er kennt nur ein Maximum. Immer dann, wenn dieses Maximum nicht erstrebt wird, besteht höchstens Mitgliedschaft, nie aber Bruderschaft. Entsprechend dem Ordensziel, das die harmonische Entwicklung der Persönlichkeit bezweckt, wenden sich die Forderungen des, Ordens an den ganzen Menschen. Jeder einzelne I.eltensbereich wird von diesen Forderungen erfüllt, Geist und Charakter, Gedanken und Handlungen werden gleichermaßen beeinflußt. Bevorzugt der ein-, /eine ein Sondergebiet, das seinen speziellen Interessen entspricht, so kann dies nicht als Schaden angesehen werden, Dem Orden gehören nicht mehr an:- y' Deutsche Reichs-Loge: Oscar Colin, Wilmsdf., Prinzregentenstr. 24. Max Hirsch borg, Charl. 5, Kuno-Fischcr-Str.^ 5. Arthur Lenz. Sclibg.. Martin-I.uther-Slr. 46. Alfred Meyer, Dahlem, .Schweinfurthslr. 88. Theodor Möses, NW 40, Thomasiusstr. 24. Rechtsanwalt Karl F r i c d 1 a e n d e r, NW 87, Ilartdelstr. 3. David Homb.urger. Wilmsdf., Wiltelsbacher Str. 15. Sanitätsrat l)r. Max Löv insohn, Charl. 4, W ielandstr. 13. Max’S e 1 i n g e-;p. Charl. 2, Bleibtreustr. 41. Bcrthold Auerbach-Loge: Alex II i r-s c h, l.ichterfelde. Dahlemer Str. 77. Harry J a c o b u s, Charl. 4, Giesebreclitstr. 19. Jacob . K a u l m a n n, NO 55, Pasteurslr. 11. Benno W orniann, W 30, Stühhenslr. 1. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. ' Geboren Verstorben Deutsche Reichs-Loge Ernst Neufeld 29 12.1909 6. 4.1867 25.10.1930 Berthold Auerbach-Loge. Geh. Justizrat Dr. ] Hermann Oberneck 25. 2.1918 4. 9.1854 7.10.1930 Dir. Ferd. Alexander 18. 2. 1907 11.10. 1877'27. 10. 1930 Carl Rotholz 23. 5.1910 13. 4.1856 26.10.1930 Eduard Galtewski 2.12.1:89 15. 2.1847 4.11.1930 Montefiore-Loge David Heinsfurter 22.11.1921 9. 2.1:82 20. 9.1930 Leopold Müller 26. 2.1924 13. 4. 1878 16. 10. 1930 Ehre ihrem Andenken! wenn nur der große Zusammenhang nicht außer acht gelassen wird. Die Sonderinteressen setzen erfahrungsgemäß dort an, wo gewisse Lücken empfunden werden, insofern ist Spezialisierung von besonderem Nutzen. So wird der Orden für den einzelnen eine Lcbensschule, in der seine Persönlichkeit zur Reife gebracht werden spll. Demzufolge fordert der Orden vor allem Charakter. 'Einen Charakter, der aufrecht für alles Gute und als recht Erkannte eintritt, der aber auch bereit ist, in die Gedanken und Empfindungen des Nebenmenschen einz.udringen, ihn zu verstehen. Er verlangt, daß der Bruder sich eine Weltanschauung zimmere, die ihn die rechte Einstellung zu den Dingen des Lebens finden läßt. Es folgert hieraus die Erkenntnis von den Pflichten des Menschen gegen sich, seine Familie, die Allgemeinheit. Soziale Bereitschaft entspringt dieser Erkenntnis, die Verpflichtung, von den ideellen und materiellen Gütern dem anderen mitzutcilen, so gut man es vermag. „Das Gute um des Guten willen tun“, das ist das Ziel dieser ethischen Forderung. Die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten und Kenntnisse ist gleichfalls eine der wesentlichen Aufgaben des Ordens. Zwar kann und will er keine Hochschule sein, trotzdem macht er die Brüder mit allen Wissensgebieten bekannt, zeigt das Historische und das Gegenwärtige, regt die Brüder zum Nachdenken an, führt den Produktiven zu eigenem Schaffen. Sind diese l>eiden Forderungen klar erkannt, so folgert hieraus ohne weiteres die dritte. Hat der Charakter die soziale Bereitschaft bewirkt, so wird der an Logik gew’öhnte Geist erkennen, daß Bereitschaft die V'orstufe der „Tat“ darslellt.- Unmöglich ist Persönlichkeitsbildung im Ordenssinne ohne Gemeinschaft. Nur in ihr und durch sie kann diese letzte Höhe erklommen werden^ Die „Tat an der Gemeinschaft“ resp. an den notleidenden Gliedern dieser Gemeinschaft ist eine der schönsten Früchte ernster Ordensarbeit. Sie ist uns zwar nicht Ziel schlechthin, wohl aber das hervorragendste Mittel zur Erreichung desselben. Durch sie ist es erst möglich, das Gute aus der 'Theorie herauszuheben und in die Praxis umzusetzen, kann die Forderung „Ordensbruder sein heißt Opfer bringen“ zur Wirklichkeit werden. So groß die Forderungen des Ordens an den Bruder sein mögen, größer noch ist der Gewinn, der dem Bruder winkt, wenn er sich bemüht, den Ordenslehren nachzuleben. Die Ruhe und der Frieden, die in seine kämpfende Seele einziehen werden; sind wie der Sieg nach bestandenem Kampfe, ein Sieg zwar, der zu heuen Kämpfen anspornt, dem aber weitere Siege folgen werden. Das Eindringen in ein Wissensgebiet ist wie Befreiung aus dunklem Kerker, die Entwicklung geistiger Fähigkeiten ermöglicht es deren Träger, nicht nur Neues zu erlernen, sondern auch den Lebenskampf erfolgreicher als bisher zu bestehen. Die soziale Tat endlich bringt die tiefste Befriedigung. Tausendfacher Gewinn ist es, dem Nebenmenschen geholfen, ihn der Verzweiflung entrissen, ihm Hoffnung gegeben zu haben. Ein Wesentliches vergrößert die geistigen und ethischen \\ erte, die durch den Orden vermittelt werden. Man sucht und findet „Menschen“. Der im Lebenskampf müde und still Gewordene erschließt im Tempel sein Inneres dem Bruder, gibt und empfängt wechselseitig. Bereicherung finden beide, Freundschaft verbindet sie oft fürs Leben. Rückschauend bekennen weise Männer, daß ihnen die I.ogentäligkeit richtung- und zielgebend geworden, daß ihnen Bereicherung fürs Leben erwachsen ist. Dankbaren Herzens künden sie begeistert die Ideale unseres geliebten Ordens Bne Brith.

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