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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1930-01-01 · 10 (1.1930) · p. Seite 206

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
10 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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Seite 206 . MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 10 Ausgehend von dem Gedanken, daß sehr viele Schwestern gerade auf dem Gebiet der Handfertigkeit große Fähigkeiten besitzen, die man nutzbringend verwerten konnte, wenn mau ihnen Absatzmöglichkeiten vermittelte, wollte man zum mindesten versuchen, diese Möglichkeit innerhalb der Loge zu finden. F.s stellte sich bald heraus, daß der Gedanke außerordentlich fruchtbar war. Die Idee, allen Schwestern, ohne ihren Namen preiszugeben, eine Yerkaufsmöglichkeit zu schaffen, indem man ihre Erzeugnisse auf rein kaufmännischer Basis regelmäßig zum Verkauf anbot, wurde überall mit großer Begeisterung aufgenommen. Unendlich viel latentes Können harrte nur darauf, erfaßt zu werden. Es gab Schwestern mit einer ausgesprochen zeichnerischen Begabung und solche, die im Stricken und Häkeln eine besondere Geschicklichkeit l>esaßen; andere wieder verstanden es, aus einem Nichts an Material die hübschesten Dinge hervorzuzaubern, kurz, ein kleines Kapital, bisher unverwertet und verborgen, sollte bald Zinsen tragen. Eine solche Unterstützung brauchte niemand mehr abzulehnen. und so gab es auch kaum Schwestern, die der Aufforderung, die Messe zu beschicken, nicht gern Folge geleistet hätten. Bald darauf konnte man die erste Handarbeitsschau der vereinigten acht Berliner Schwesternvereinigungen mit einer kleinen Feier eröffnen. Der Erfolg war durchaus zufriedenstellend. In der ersten Arbeitsperiode, die von HO l.iefernntinncn beschickt wurde, konnte bereits ein Umsatz von 1926 HM. erzielt werden. Günstiger rnoch gestaltete sich das Ergebnis des zweiten Jahres, man zählte bereits 54 Ausslellerinnen mit einem Umsatz von 3256 RM.'Wie in jedem gut prosperierenden Geschäft wuchs die Zahl von Jahr zu Jahr, und im dritten' Arbeitswinter brachte man es erfreulicherweise schon auf einen Umsatz von 4029 RM. bei 60 Schwestern, die ihre Sachen zum Verkauf ausstellten. Selbstverständlich erstanden dem Unternehmen auch Spesen. die sich jedoch mit dem gesteigerten Konsum nicht mehr erheblich erhöhten. Zwei Schwestern, Logenwitwen, leiteten den Verkauf ständig und wurden nach Vereinbarung dafür honoriert; durch Schwestern aus den verschiedenen Logen wurden sie dabei bereitwilligst ehrenamtlich unterstützt. Auch Büroartikel. Packmaterial und Sonstiges erforderten ebenfalls Mittel. Hier war es der Berliner Distrikt der acht Berliner Schwesternvereinigungen. der in dankenswerter Weise die Regelung aller dieser Ausgaben übernahm. Ein nicht geringer Teil davon kam Eogenmitgliedern zugute, floß also wieder in die I.oge zurück. Im Uaufe der Jahre verbesserte sich durch die Erfahrung noch manches, man lernte dies und das hinzu. Man begann sein besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß trotz der Vielheit im Gebotenen ein gewisses Geschmacksniveau nach Möglichkeit nicht verlassen v^urde; man versuchte, die Dinge, wie eine schöne Speise, die gut angerichtet besser mundet, nach bestimmten Grundsätzen hübsch zu dekorieren, trat an Grossisten heran, um eine vorteilhafte Materialbeschaffung sicherzustellen und beriet die Schwestern im besonderen bei der Auswahl von empfehlenswerten Artikeln. Zu diesem Zweck galt es, stets die Augen offen zu halten und in Kaufhäusern und Geschäften zu studieren, was sich am Ivesteri und vorteilhaftesten zur Anfertigung und zum Verkauf eignete. Schließlich mußte auch der Zeit Rechnung getragen werden, denn immer weniger Käufer konnten es sich leisten, große und teure Stücke zu erwerben. So Vielen wir in diesem Jahre immer wieder die Anfertigung kleiner und praktischer Dinge an, in der Hoffnung, durch die größere Quantität den Umsatz zu steigern. Kurz, aus dem v ielvers >rechenden Anfang wurde ein Werk, und alle, die teil an ilim haben, sehen es mit Freude und Genugtuung wachsen. Wer einmal Zeuge war, wie wunderbar es ist, wenn man den Schwestern bei der Abrechnung, das schöne, harte, selbstverdiente Geld rushändigen darf, der wird das kaum jemals wieder vergessen. Wo oftmals Verzagtheit und Mutlosigkeit die Schranke von Mei. -h zu Mensch aufrichtete, da verbindet uns heute eine befreiende, fröhliche Arbeitsgemeinschaft, und echt schwesterlich freuen sich Hersteller und Vermittler gleich herzlich an jedem schönen Erfolg. Die Annahme der Erzeugnisse wird geregelt, indem man jeder Lieferantin eine Nummer beigibt, an der ihre Sachen sofort als von ihr kommend erkenntlich sind. Diese Nummer wird dem Preis der Gegenstände angefügt und bei einem Verkauf mit im Kassenbuch vermerkt. Der Käufer kann daraus ersehen, wieviel er zu bezahlen hat, nicht aber, wer die Herstellerin ist. Unter Wahrung strengster Diskretion wird dann bei der Abrechnung, die einmal wöchentlich erfolgt, der Ursprung der Ware festgestellt. Die Handarbeitsmesse ist ein Segen geworden! Helft alle, die Ihr dies lest, daß das schöne Werk weiter bestehe; viele Wenig machen ein Viel, auch das Winzigste kann Freude Ivereilen und zum Gelingen beitragen, wer heute noch der Gebende sein darf, kann morgen schon der Nehmende werden. Immer aber wird Hilfsbereitschaft, Takt und Güte, oder, uin mit den Worten der Loge zu reden, Wahrheit, Brüderlichkeit und Eintracht das Ewige sein, das überhaupt über den dumpfen Alltag hinausweisend, uns im besten Sinne erst zu wirklichen Logenangehörigen macht. Erna Holdheim. BERTHOLD AUERBACH-LOGE DAS FÜR SONNABEND DEN 1B. JANUAR 1930 IN AUSSICHT GENOMMENE KOSTÜMFEST WIRD AUF SONNABEND, DEN 1. MÄRZ 1930 VERLEGT. BESONDERE EINLADUNGEN ERGEHEN NOCH. DER GESELLIGKEIT$.AUSSCHUSS i.A. SIMON BRAUN Dienststunden des Logenbüros Wochentags; 10 bis 3 Uhr. Tel.: B 5 Barbarossa 8651,52. An Sabbaten und jüdischen Festtagen, sowie an Sonntagen und den gesetzlichen Feiertagen ist das Büro geschlossen. Sprechstunden des Verwaltungsdirektors 12 bis 2 Uhr. Außerhalb dieser Zeit ist Br. Baer weder persönlich noch telephonisch zu sprechen. Die lieben Brüder werden dringend gebeten, sich in allen Angelegenheiten, deren Erörterung mit Br. Baer persönlich nicht unbedingt erforderlich ist, an das Logenbüro zu wenden. Gemeinsamer Ausschuß der Berliner Logen U. O. B. B. Norden, Vorsitzender

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