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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-12-01 · 9 (12.1929) · p. Seite 180

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
9 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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Seite 180 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B. B. Nr. 9 bundenen Bedrängnisse und zur Förderung der Mcnschcnvürde.“ Der Gedanke der Achtung der Menschenwürde in jedem anderen sollte zur wirklichen Brüderlichkeit erziehen. (Auch heute noch nicht genügend erkannt.) Kr schreibt weiter: „Wir legen Wert auf Ruf und Charakter unserer Brüder, wir lvegnügen uns nicht, wie l>ci sielen anderen Vereinen, daß unsejre Mitglieder Beiträge zahlen. Ks gibt bei uns keine Generalversammlungen mit Referenten und Korreferenten, wir sind eine Schar von Brüdern, bei denen die Stimme eines jeden Bruders so viel gilt, als die eines anderen.“ Auch der Gründung des Ordens stand Hemmnis auf Hemmnis entgegen. Die amerikanische Ordensleitung wollte den Freibrief nicht erteilen, weil nicht genügend Prominente Träger der Bewegung seien. Vor den Delegaten der Ordensleitung trat Fenchel hin mit den Worten: „Sie haben den Freibrief für eine deutsche Loge zu treuen Händen von dar Ordensleitung erhalten. Sic können mir den Freibrief verweigern oder mir erteilen. Wenn mir der Freibrief verweigert wird, so werde ich einen eigenen Orden gründen und wir werden selbst Freibriefe erteilen.“ Kndlich am 2(1. März 1882 gelang die Gründung der ersten deutschen l.oge L.O. B. B.. der würdigen Deutschen Reichs-Loge. Loge auf Loge wurde gegründet. Am 25. Juni 1885 erfolgte die Gründung der deutschen Großloge mit 12 Logen in Deutschland. Julius Fenchel war der erste Großpräsident von 1885 bis 1887. Kr legte sein Amt selbstlos in die Hände seines Nachfolgers, weil er erkannte, daß die Bewegung, die er geschaffen und bis dahin geleitet, über den Rahmen seiner eigenen Persönlichkeit hinausgewachsen war und ihm in den Händen seines Nachfolgers besser gewahrt schien als in den eigenen. Selbstlosigkeit und Bescheidenheit, wie sie als Grundlage einer wahren Brüderlichkeit nicht l>esser zum Ausdruck gebracht werden konnten! W enn wir nach diesen wenigen Tatsachen und Kreignissen aus dem Leben Julius Fenchels seine Persönlichkeit in wenigen Worten scharf umreißen wollten, so müssen wir gestehen, daß seine Gedankengänge etwas vollständig Neues schufen, den (iedanken der Erziehung zum Sclbstbewußtsein und zur Krkenntnis deV wahren Pflicht eines Juden im Bewußtsein seiner alten Tradition, frei zu sein von der Wertung durch die Außenwelt, aber nicht in L’eberliehlichkeit, sondern in Bescheidenheit das Bewußtsein zu hegen, mitzuarbeiten an Kulturaufgaben der Menschheit. „Worte, Weiser des Denkens, verhallen in Todesstunde, Nur die schattende Tat bürgt spätem Geschlechtern die Kunde.“' Festloge aus Anlaß des Ordenstages a m 20. November 1020. * . Aut Kinladung des Verbundes der Berliner Logen U. O, B. B. versammelte sich eine große Anzahl von Brüdern aller Logen im Tempel zu einer Festloge. l>ie Feier des Ordenstages, eine Kinrichtung. die vom verewigten (iroßpräsidenten Marct/ki als eine seiner ersten Amtshandlungen eingesetzt wurde, war in Vergessenheit geraten. Seil einigen Jahren gibt die hw. Großloge unter Redaktion des Br. Großsekretärs Alfred G o 1 d s c h m i <1 t alljährlich \ortreffliche Feslnummcrn zum Ordenstage heraus, die der Pflege des Ordenstag-Gedankens gewidmet, sind. Seinem Anträge in der Großlogenlagung 1018 entsprechend, erhielten die Ordenstage seit 1010 die Form, die sie jetzt halten. Der Vorsitzende des l.ogen-Verbandes Br. Präsident Josef Hirsch eröffnet« die Sitzung mich einem Orgel-Präludium mit dem Ritual, an das er eine kurze Ansprache knüpfte. Der Ordenstag ist ein Tag der Rückerinnerung und der Kinkehr. W ir streben danach. Liebe zu geben, ohne Lohn dafür zu beanspruchen. Wir Juden sind gewohnt, Liebe zu geben, ohne Lohn dafür zu empfangen. W ir aber wollen in unserem Kreisedas erreichen, was wir draußen in feindlicher Umgebung nicht erreichen können: uns selbstlos dem Bruder hinzugeben, ohne verkannt zu werden. Das Bibelvvort Neuaufnahmen: Montefiore-Loge: Jacob A r e n d t. W 15. Konstanzer Str. 8. Georg Drucker, NW 87. Agricolastr. 15. I)r. Rudolf K r h a r <1. NW 87, Beußelstr. 45. Rabbiner Dr. Julius J a k o b o v i t s. N 24. Oranienburger Str. 30. Direktor Ludwig Kahn. W 10, Friedrich-Wilhelm-Str. 16. Direktor Magnus Kramarski, W 57, W interfeldtslr. 24. Rabbiner Dr. Arthur L e v y. W 80. Münchener Str. 87. Krich M a r c u s e. NW 87. .Dortmunder Str. ti. Nathan S c h e f t e low i t z. SW 48. Fricdrichstr. 234. Julius Fenchel-Loge: Dr. Julius Hey mann, C'harlottenburg, Leibnizstr. 62. Dr. Franz .Moser, Halensee. Georg-W ilheim-Str. 6. „meine Brüder suche ich“ steht an den Pfosten des Tempels. Wir suchen unsere Brüder, um mit ihnen vereint soziale Ungerechtigkeiten zu beheben. Voraussetzung dafür ist, daß wir uns. dem Worte von Julius Fenchel entsprechend, dem Bruder mit Achtung seiner Menschenwürde nähern. Wir müssen uns freihalten von der Leberschätzung der Gaben des Geistes und der Bildung. Nur der Gedanke der inneren Bescheidenheit kann zur Brüderlichkeit führen. Geistige Kräfte sind zu wecken und auszuvverten, aber nur im Sinne der Ordensidee. Worte sind wertlos, wenn ihnen nicht Talen folgen. Der Orden kann mit Stolz darauf hinweisen, daß den Worten 'Talen gefolgt sind, die zur Ausgleichung sozialer Ungerechtigkeit geleistet wurden. Ks hat /.eiten gegeben, in denen die Treue zum Judentum selbstverständlich gewesen, eine neue Zeit hat diese Treue ins Wanken gebracht. W erte, die uns einst stark machten, haben wir verloren, wir sind von den Erscheinungen der Außenwelt und der Wertung durch die Außenwelt abhängig geworden. Der Orden hat aber wieder alle die zusammengeführt, die sich in Liebe zum Judentum miteinander verbunden fühlen. Andersdenkenden Liebe und Achtung entgegenzubringen, brüderlich mit ihnen streben, führt zu den höchsten Höhen der Menschheit. ln diesem Sinne wollen wir am Ordenstage das Gelöbnis erneuern, unsere Pflichten zu erfüllen als Menschen, als Juden und als wahre Bne Briss. Hierauf hielt Br. E.vpräs. Karl M. Baer (T..J.T..) einen \ ortrag über „Ursprung und Entwicklung unseres Ordens“. Kr schilderte zunächst die Zeit der Ordensgründung: das enge, zopfige Europa, in dem Reaktion und Heilige Alliance die Spuren der französischen Revolution verwischt hatten, die Juli-Revolution verflaltert war. Knebelung des geistigen, politischen und wirtschaftlichen Lebens beengten den alternden Kontinent-, der seine Kinder verstieß. Jenseits des Weltmeeres lüllten sich die Weiten der neuen Well mit Menschen. Unter den KiriwanÜerern befanden sich viele Juden, Vertriebene aller Ghclti Kuropas, die sich in dem großen Einfallshafen New York sammelten. Diese Flüchtlinge aus der Enge Europas unzuhalten zum weisen Genuß amerikanischer Freiheit, war die s

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