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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-12-01 · 9 (12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
9 (12.1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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i i derBEßLINE ,0<a E N U.O.BB. BERLIN W62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS . 9. JAHRGANG 1 DEZEMBER 1929 NUMMER 9 Zum 10. Todestage Julius Fenchel^ Von Br. Josef IIir»ch, Präsident der Julius Fenchel-Loge. Wenn inun das Leben des ersten deutschen Großpräsidenten Julius Fenchel schildern will, muß man gestehen, daß von den äußeren Einrissen seines Lehens nur wenig bekannt ist. Eigentlich nicht \iel mehr, als daß er um 7. Oktober IKJti in Frauenhurg in Ostpreußen geboren und am 25. Dezember 1919 hochbetagt und lu|>tligechrl unserem Bruderbünde entrissen wurde, nachdem das Schicksal ihm ein langes Krankenlager ersparte und er sich bis in die letzten Tage seines Lehens geistig und körperlich frisch erhallen konnte. Trotz dieser wenigen Daten seines Lehens steht seine Persönlichkeit scharf umrissen \or uns als Erwecket' und Hüter um (iedankengängen, die er in seinem kulturbew ußten Seelenleben empfand und für eine künftige Generation \oraus ahnte. | Fenchel war kein übcrschüuniendcr Jüngling, als er die Gründung des Ortlens Bnle Briss anstrebte, er war ein gereifter .Mann, dessen Ideen ^Lurke W urzeln faßten in seinem jüdischen Sclbstb.ew ußlsein. Lassen wir seine eigenen Worte sprechen, die in einem Brief vom 2. April Ifllti zum Ausdruck kommen. Er schildert die Judenfeindschaft der Gründerjalire mit bewegten Worten: ..Die Unduldsamkeit in Gesellschaftskreisen wurde täglich größer. Man rückte ihres Glaubens wegen ton den Juden überall ab. In den meisten Vereinigungen wurden gerade die gebildeten jüdischen .Männer geschnitten. Auf den Straßen wurden Kurrikuturcn auf die Juden verteilt und auch an den Straßenecken befestigt. Passanten mit jüdischem Aussehen wurden Fahrkarten nach Jerusalem in die Hand gedrückt. Den Arbeitern wurden abends, wenn sie aus den Fabriken strömten, Schriften in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, im Tiergartens icrtel gegen die reichen Juden vorzugehen. Wenn es nicht zu Pogromen kam, so war dies nur der disziplinierten sozialen Arlieitcrsehaft zu verdanken. Die Regierenden laten nichts, um dem Treiben Einhalt zu tun.“ Was Uitcn nun die Juden selbst zum Schulze ihrer Interessen? V ersammlungen wurden cinbcrufen und' Beschlüsse gefaßt, bei den Behörden vorstellig zu werden und selbst an den Stufen des damals | allmächtigen Thrones das Recht zu suchen.! Fenchel fühlte dus Klägliche und Erniedrigende eines solchen Tuns. Sein fein empfindendes Sclbstbew ußtsein ließ cs nicht zu, als Bettler sein Recht zu suchen. Er wollte die Juden zur Selbstbesinnung, zur Selbsterkenntnis führen. Er wollte seine Glaubensgenossen innerlich frei von Rücksicht auf Judcnfeiudschalt machen und sie dein Gedanken ztilührcn, daß sie auf einem \orgesehobencn Posten der Kulturarbeit ausharrcu müßten, um durch innerliche Geschlossenheit einen Damm' otilzurichten gegen die feindlichen Wellen, die ihnen, enlgegenströmlen.; .Nicht leicht war cs für ihn, Mitkämpfer und Mitstreiter zu finiten, denn gerade die sogennunten prominenten Juden ließen ihn im Stich, halten w ie stets kein Verständnisfür .die fiele des Emplindcns und lür die voraus.ilmcmlc Erkenntnis, die von diesem in bescheidene!) Lebensbahnen wandelndem Manne ausging. L as selbstverständlich erscheinende Dinge, wie der Zusammenschluß der Angeluindcten und \ erlolgten w urden von ihnen aus Aengstliehkeit gegenüber, der umgehenden Gcsamllicil vermieden und als unrichtiger Weg«bezeichnet. Fenchel fand nur ein kleines Häuflein Getreuer, die sieh um ihn seharten, während die große ..Menge ihn für einen unhiilbaren Phantasten hielt. Fenchel war selbst Ordensbruder gewesen und balle ein hohes Amt in seinem Orden bekleidet. Er warf seine Vergangenheit hinter sieh, um dem einzigen Ziel zu leben, einen jüdischen Orden zu schaffen ut)<l nicht etwa einen jüdischen Verein, wie es viele gab für die verschiedenen Zwecke des Lebens. Er schreibt selbst: „Wir unterscheiden uns von anderen Organisationen besonders dadurch, «laß wir in normalen Zeiten allwöchentlich Zusammenkommen zur gegenseitigen Belehrung. zur Linderung der mit dem menschlichen Leben ver- DieToynbee-Halle der Berliner Logen U.O.B.B. veranstaltet aus Anlaß ihres 25 jährigen Bestehens am Sonntag, dem 12. Januar1930,abends 8 Uhr einen FESTABEND * in der Hochschule für Musik, Charlottenburg, * Fasanenstr.1, unter Mitwirkung erster Künstler ANSPRACHEN; GroBpr&sident Rabbiner Dr. Leo Baeck. Festrede des I. Vorsitzenden Kommerzienrat Maximilian Stein. Die Vertreter der Behörden. Die Vertreter der Organisationen jüdlsch>sozialer Arbeit. SchluBansprache: Direktor G. Bach, II. Vorsitzender. Eintrittspreis 1,— Mark Besondere Mitteilungen ergehen noch Wir bitten, diesen Abend für uns freizuhalten , * -- — - — —-^ --* — —

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