Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 8 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 157 Nr. 8 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.o/ß.i. unsere Uleiben würde, Idaß uns sein liebenswürdiges Interesse erhalten bliebe, daß er uns weiter bei unserer Arbeit unterstützen, nueh der, Arbeit im Rrüderkreise durch seinen herzerfrischenden llum^r noch \iele, viele Jahre erfreuen würde. j Ganz kurze /.eit ntjr wurde unserem Wunsche Erfüllung da schlug ihn, den Inimmer Müden, tückische Krankheit, (ruf ihn da, wo er es luin schwersten empfinden mußte: er, der l.chcndigste von allen, schnell bereit mit Wort und Tat, voll regsten Arbcitsdrauges, in sprühendem Eifer, seine Ansichten und (iedanken lauszusprechen, sie lebhaft gegen andere Meinungen zu verteidigen , er wurde plötzlich aller Ajisdrucksmüglichkeitcn j beraubt! (•rauen packte uns,! als uns die schreckliche Nachricht ereilte wir hulxfn nie auszudenken gowagl, was es für ihn selbst bedeuten jmußte. Aber gehofft haben w ir, seine zähe Natur würde sich! am Ende doch noch durchsetzen, er würde eines s c h <> n e nj Tages w ieder bei uns sein können. Wie baben wir dann mit seinen Angehörigen uin ihn gebangt, wie uns mit ilujen gefreut über jeden noch so geringen Fortschritt zum Besseren; wie wurde unsere Hoffnung neu belebt, als wir einen ersten, mühsam hingcmallco Namenszug des armen Kranken erhielten, einen ersten Erfolg des Unermüdlichen, der mit bewunderungswürdiger Ausdauer sich abmühte, die Fesseln der Krankheit zu durchbrechen. Unser Hoffen war vergebens wir-' buben ibn draußen zu (irabc getragen, der immer Bastlose, Tätige, ist zur ewigen Buhe., eingegangen. j In unserem Gedächtnis w ird er fnrtlchcn als die tatkräftige, starke Persönlichkeit, als die gerade wir im B. G. A. ihn immer kannten, als der natürlich, einfache Bruder, der in seiner ungekünstelten Menschlichkeit uns so recht die Beligiosität des l.ogcncmpfindens, des Brudergedankens Verkörperte. Unser unauslöschlicher Dank, unsere herzliche, aufrichtige Verehrung folgt Br. (ieorg .Silberstein in die Ewigkeit. Er ruhe in Frieden von den Mühen des l.ebcns wir aber wollen in seinem Sinne Weiterarbeiten, für die Gesamtheil unserer geliebten Berliner Logen! Oskar (!. Norden. Zur Psychologie der Logenarbeit Von Br. Expräs. I)r. Kurt M. Fleischer (T. J. I..). Im bitteren (iefübje der Erfolglosigkeit schleicht gar mancher Bruder nach jahrelanger I.ogenarbeit enttäuscht beiseite. Die großen Ide^n des Judentums bis zur Brudergemcinschufl aller Menschen, sie warten auf jene ferne messianisehe /eit. Die Fordeirung der tätigen Bruderliebe und der eigenen Läuterung ist problematisch. „Liebe Deinen Nächsten, denn er i,st wie Du“, jener größte ethische Imperativ wird als jüdischer Gedanke voller Selhslbew underung immer wieder zur l.ogcndebullc gestellt. Und was lehrt die tägliche Erfahrung? So denkt der einsam gewordene Bruder, und doch bat er Unrecht, auch wenn der Tuterfolg der Logenarbeit nicht oft zutage tritt. Der Psychologe A d I e r in Wien führt bekanntlich alle Irrungen der Seele und des Charakters auf zwei Gefühle zurück, einmal auf das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit; von dem jetzt nicht gesprochen werden soll, obwohl cs sich verlohnte, die Eigenart jüdischen Seins von hier aus zu untersuchen Das zweite, das Gemeinschaftsgefühl, gibt zu Störungen Anlaß, sofern es, fehlt oder nur schwach entwickelt ist. Gemeinschaftsgefühl^ von Adler Cooperation genannt, bedeutet, dns Eingebettelsein in das große Ganze, als dessen wichtiges, wenn auch kleines Teilchen man sich fühlt, bedeutet, alle Arbeit des Berufes und der Neigung mit Bewußtsein für die Gemeinschaft zu leisten. Wer nur an sich denkt, nur für sich arbeitet, Wer von der Gemeinschaft nur verlangt, ihr über nichts geben will („die Loge gibt mir nichts“), der wird niemals glücklich und so iin letzten Sinne erfolgreich sein. Gewiß besteht nun unser Orden nicht nur aus Brüdern ohne jedes Gemeinschaftsgefühl, aber doch wohl aus solchen, die dieses Gefühl zu hoher Vollendung uuszubilden bestrebt sein sollen und wollen. Die Antwort nun, die Adler cincon seiner Patienten auf dije Frage gegeben hat, wie er es denn nun unslellcn müsse, um sein Gemeinschaftsgefühl zu stärken, scheint mir bedeutsam, ju grundlegend für die Beurteilung des Wertes unserer Logenarbeit zu sein. Muchcn sie cs, sagt Adler, etwa so, wie der ächuuspieler, der einen Mitmenschen darzustellen hat. Lussgn Sie nicht davon ab, bewußt und immer wieder diesen ^Mitmenschen darzustellen, und eines Tages wird dieses seelische Truining dazu geführt haben, daß Sie nicht mehr Mitmensch spielen, nein, duß Sie es geworden sind, daß Sie 'Gemeinschaftsgefühl haben. Zuerst wohl Komödie, endlich aber innere Wahrbeit. Dieses Seelenlraining auf den Mitmenschen,-auf das „Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie.Du“ und nichts anderes ist ja npn unsere Logenarbeit. Daran, daß sie überall erkannt und geübt wird, zweifelt auch der Enttäuschte nicht, mag sie ihm auch manchesmal nur ein Schauspiel scheinen, am Ende wird ihr die Tat folgen. Also lehrt uns die Psychologie, daß wir mit unserer idealer. Bestrebung. auT dem rechten Wege sind. Sie lehrt aber auch: „Wenn Du, mein Bruder, die Gemeinschaft meidest und die Erziehung zum Gemeinschaftsgefühl damit ab- Ichnsl, so tust Du, einsamer Wanderer, das größte Unrecht Dir selbst an .und Deiner Gemeinschaft.“ Mitteilung Für die Brüder des G. B. A., welche die Hausaufsicht an den Silzungsabenden ausüben, sind neue Ausweiskarlen mit Dalum vom lti. . Oktober 11)211 ausgestellt worden. Die bislierigtpi Ausweise verlieren damit ihre Gültigkeit. Wir machen alle lieben Brüder’ darauf aufmerksam, daß f den mit der Hüusinspeklion betreuten Brüdern in Ausübung ihres Amtes die Beeilte des Hausherrn zustehen. Gemeinsamer Ausschuß der Berliner Logen U. O. B. B. Norden, Vorsitzender Dienststunden des Logenbüros. Wochentags: 10 bis 3 Uhr. Tel.: B 5 Barbarossa 8651 52. An Sabbaten und jüdischen Festtagen, sowie an Sonntagen und den gesetzlichen Feiertagen ist das' Büro geschlossen. Sprechstunden des Verwaltungsdirektors 12—2 Uhr. Außerhalb dieser Zeit ,ist) Br. Baer weder persönlich noch telephonisch, gu sprechen. Die lieben Brüder werden dringend gebeten, sich jn allen Angelegenheiten, deren Erörterung mit Br. Baer persönlich nicht unbedingt erforderlich ist, an das Logenbüro zu wenden. Der .Ausschuß für die gemeinsamen Angelegenheiten der Berliner Logen U. O. B. B. Norden, Vorsitzender.