Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 7 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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t derBEBLINE ,0€IEN U.O.RB. BERLIN W62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS * 9. JAHRGANG OKTOBER 1929 NUMMER 7 Zum Ordenstag Am 13. Oktober eines jeden Jahres gedenkt der Orden seines Gründungslugcs. Seines Wegs sieh erinnern, bedeutet Kinkehr bei sieh selbst. Einsamkeit und Gemeinsamkeit werden nie starker empfunden als in der Selbstbesinnung. Wir im Orden sind ein Kreis zueinander strebender Männer. In gemeinsamer Arbeit, im gemeinsamen Streben nach gleichem Ziel sind wir gebunden. Brüder nennen wir uns. Natürliche Brüder bindet das gleiche Blut, die gleiche Krinnerung an gemeinsame Jugend, das gemeinsame Klternhaus also die Vergangenheit. Uns Brüder im Orden bindet das gleiche Ziel die Zukunft. Alle Zukunft aber ist aus Vergangenheit geboren. Wir stehen auf den Schultern der Männer, die \or uns waren. Auch unsere Schultern werden einst die Lust derer trugen, die nuch uns kommen. Was wir ton unseren Vorgängern int Orden empfingen, wollen wir mehren und wcilergeben an die Kommenden. Der Ordenstag, der in die ernste und besinnliche Zeit unserer höchsten Feslcj fällt, soll uns diesmal Gelegenheit geben, uns auszusprechen über unsere Bindung an den Orden. Diese Erwägung leitete dicj Redaktion der Monatsschrift, Berliner Brüder zu bitten, auf die eine Frage zu antworten: „Weshalb bist ■ Du Ben Briss?“ FJne Vielheit von Antworten ist cingegungen. Im Rahmen des vorhandenen Raumes lassen wir diese Antworten folgen. In dieser Vielheit ist unverkennbar eine K i n h e i t: Die Bejuhung unseres Ideals. Was ist uns aber der Orden? Wus will er mit uns? Was suchen wir in ihm? Vor uns allen solider Gründer unseres Ordens sprechen: „Der Kinfluß streitender, ernster Vereinigungen auf den Einzelnen ist von tiefer Bedeutung auf dessen Gesinnung und Gesittung; durch das mystische Gesetz der Vereinigung eignen wir uns die geistigen Kigenschaften derjenigen an, mit denen wir am meisten verkehren; wenn wir also mit den Gebildeten und Tugendhaften verkehren, so werden wir durch ihr Beispiel begeistert und durch ihre Milde ermutigt, so daß wir endlich die 'Fugend als höchstes Gesetz in uns aufnehmen.“! HENRY JONES, Erster Groß-Sar des Ordens. Als erster der Heutigen spricht der ' G r o ß p r ä s i - dent des Deutschen Distrikts U. O. B. B.: „Warum ich Ben Bpiss bin? Weil ich nicht bloß im Tage und auch nicht nur in den Jahren mein Dasein haben, sondern immer wieder das ganze Leben mit seinen Geboten und Zielen im Kreise von Menscheif aufrichtigen Willens zu mir sprechen lassen will." ' LEO BAECK. Unser Br. K hren-Gru ß präsident sagt: „Als ich_ im Gründungsjahr der Berthold Auerbach-Loge 1803 ihr beitrat, wurde -mir milgeleilt, daß der U. O. B. B. ein „\\ ohllätigkeits>erein“ sei. Als eifriger Logenbesucher habe ich bald erkannt, daß bei aller ethischen Bedeutung der Wohltätigkeit nicht diese hervorragende äußere Tätigkeit das Charakteristische unseres Ordens, ist, sondern, daß noch wertvoller als die „äußere Logcntiiligkeit“ die „innere Logentätigkeit“ ist. Ich bemerkte sehr bald un mir selbst, daß der persönliche Verkehr mit gleichgestimmten Menschen höchsten Einfluß uuf mein Innenleben ausgeübt hat, zwar unbewußt, aber nach außen hin deutlich erkennbar. Denn diese meine Logentätigkeil hat mich mit einem Panzer umgürtet gegen die Versuchungen der Welt. Sie hat mir einen Kreis treuester Freunde zugetührt, welche mich begleitet haben auf meinem ferneren Aufstieg zu den Höhen einer idealen Weltanschauung. Mein Denken, Fun und Handeln wurde durch die L’ehung unserer Tendchzen günstig beeinflußt. Wenn ich Unrechtes nicht gesugt und nicht getan habe,, so habe ich mich in dem Gedanken sehr oft ertappt, daß das unterblieben ist, weil in meinem Gewissen das rettende VV’ort ertönte: „jetzt bist Du Ben Briss, deshalb darfst Du das nicht sugen und das nicht tun“! , Die Freue gegenüber dem Judentum, die Erhaltung des Judentums bei den Mitgliedern und ihren Nachkommen galt stets als Aufgabe unseres Bundes, ja sie gilt als seine besondere Stärke. ", ' Wenn ich jetzt nach deinen Erfahrungen im Ldgenleben gefragt werde, warum ich Ben Briss bin? so untworte ich: „Um ein Jude zu werden mit allen guten Eigenschaften derselben, aber ohne deren Fehler“. BERTHOLD TIMENDORFER. „Wir leben seit Jahrtausenden in einer feindlichen Umwelt. Um 'unsere bürgerliche Gleichberechtigung tobt trotz ihrer gesetzmäßigen Gewährleistung in den meisten Kulturländern der Kampf weiter fort. Aus diesen Tatsachen folgt- ' meines Erachtens für jeden seiner Menschenwürde sich bewußten, von «Jen hohen Werten und ewigen Wahrheiten unserer Religion durchdrungenen und seiner Glaubensgemein- , schuft treu anhänglichen Juden die Pflicht, sich mit gleichgesinnten Glaubensbrüdern zu einer Liga zusammenzuschließen,