Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 6 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 104 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 6 jagen". so darf »loch das Gefühlsmäßige nicht so in den \ordergrund treten, daß es dein kritischen Verstände nicht stichlialtcn kann. Cierade unsere Jupend ist im Gepensatz zu früheren Generationen pencipt, Begriffe mit der Schärfe des Verstandes zu analysieren, sie auf ihren wahren Wert zurückzuführen. Um nur eines herattszupreifen. so sei darauf hingewiesen. daß der Bepriff ..Bruderliebe" von einer-Anzahl Brüder. und wie ich plaube. nicht von den schlechtesten, nur noch als Phrase empfunden wird. Schuld hieran ist die verschwommene. unzeitgemäße Definition dieses Bepriffs. die dem einzelnen. perade wenn er es ehrlich meint, die Dissonanz zwischen Forderung und Wirklichkeit offenhart, und so notwendigerweise zur Enttäuschung führen iriviß-. Ks kann nicht die Aufpalte dieses Aulsatzes sein, im einzelnen die notwendipen Vorschläge zu machen, es penüpt zu sapen. daß Definitionen, die ihre innere Bercchtipunp erweisen, ohne allzu proße Mühe gefunden werden können. Unter „Vertiefunp“ der Logcnarbeit verstehe ich daher die Schaffunp einer straffen Ideolopie, deren Kenntnis für den Bruder oblipatorisch ist, und die dem Zcitpeisl insofern licclinunp träpt, als sie wahren Ewigkeitswert besitzt. Vielleicht wird uns zu unserem 50 jährigen Jubiläum eine solche „Lopcnlehre“ beschert. sic wäre das beste Geschenk unserer Generation an die Nachkommenschaft, denn sie würde die einzelnen Glieder unseres Bundes stärker an die Idee und damit an unsere Gemeinschaft binden, als dies bisher pcschehen konnte. Vermieden werden müßte hier lediglich eine in Dopmatik ausartende Starrheit. Die produktive Persönlichkeit soll vielmehr Gelegenheit finden, die l.ehrc auszulegen und selbstschöpferisch weiter zu gestalten Ahlem Von Br. I.eo Rosenblatt (A. G. 1..) Berufsumscbichtunp! Zurück aufs Land! Zurück zur Scholle! Der deutsw'.öfvlude wieder auf eigenem Grund und Boden! So und ähnlich lauten seit fast einem V ierteljahrhundert die schlagwortartig gefaßten Forderungen, die man immer und immer wieder in den jüdischer! Zeitungen und Zeitschriften und Veröffentlichungen liest. Eine ganze Reihe von Vereinen sind zu ihrer Verwirklichung ins Leben gerufen worden, proße Verbände haben sie in ihr Programm aufgenommen. Korporationen, Gemeinden und Philanthropen stellten und stellen gelegentlich Geldmittel zur Verfügung. Idealisten, praktische Landwirte. Nationalökononien von W eltruf. Aerzte. Statistiker treten in Versammlungen. Artikeln. Broschüren für diese Pläne ein. Ihre Berechtigung, ihre Bedeutung und ihr Wert sind wohl zweifelsfrei erwiesen. Aber die Verwirklichung stößt auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse. Nur langsam, sehr langsam geht es vorwärts, und schon lassen Skeptiker immer lauter ihren Unkenruf ertönen. Ich will auf die einzelnen Fragen und Problemstellungen hier nicht näher eingehen. (Vielleicht entwickelt sich in unserer Monatsschrift eine rege Aussprache.) Ks sind so will es mir scheinen vor-allem zwei Schwierigkeiten zu überwinden. Die eine, daß cs an genügend theoretisch und praktisch gut ausge- Dem Orden gehört nicht mehr cm: Spinoza-Loge. Siegfried M o s e s.. VV eißensee, Berliner Allee 233. UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deut sehe Reich s -1. o g e Dr. Eduard Simon 21.11. 1907 7. 4. 1864 3. 8. 1929 Adolf Jordan 25.11. 1905 22. 8. 1853 28. 8. 1929 Berth old Auerba c h-Lo g e .Gustav Michalski 27. 11. 1V05 23. 7. 1863 18. 8. 1929 Mo ntefiore-I.oge Albert Lew 4. 5.1897 12 1.1854 7. 8. 1929 Isaac- Moser 4. 12. iyoö 12 11.1861 12. 8. 1929 Simon Michaelis 12. 12. 1911 19. 6. 1859 30. 8. 1929 Georg VVeinstock -8. 5. 1906 4. 6.1872 5. 9. 1929 Ehre ihrem Andenken 1 bildeten jungen Landwirten und Gärtnern mangelt; vielleicht auch an genügend zahlreichen und guten Ausbildungsmöglichkeiten. Zur Erhärtung meiner Ansicht, daß dieser Mangel bestellt, möchte ich auf die Juhiläumsschrift des Vereins ehemaliger Ahlcmer „Erstrebtes und Erreichtes'“ hinweisen, woliei mir der 2. Abschnitt „Erreichtes'“ besonders wertvoll ist. Hier erzählen ehemalige Schüler der jüdischen Gartcnhauschulr Ahlem von ihrem Ringen, Werden und Ans-Ziel-kommen. Neben einer unbegrenzten I.ielie zu ihrer Schule und dem Direktor, spricht aus ihren Berichten ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. treue Kameradschaft und als Wichtigstes: Liebe zur Scholle, Liebe zu Mensch, Tier und Pflanze. Immer wieder hat man das Gefühl: diese Menschen, durch geeignete Ausbildung der Scholle gewonnen, werden /ihr treu bleiben, werden allen inneren und äußeren Umwälzungen unserer bewegten Zeit Trotz bieten. Die Berichte beweisen: gut ausgebildete Landwirte, Gärlcommtn schließlich zu einer gesunden „•igenen Villa mit Auto und Dienerschuft wird es nur selten rei.hen; aller vor den Sorgen, Nöten und Konkursen des Kleinind Zwischenhandels sind sie bewahrt. Und noch etwas beweis;n die Berichte: Ahlem ist trotz mancher Schönheitsfehler ( ein Musterinstitut. Eine Schule, die ihren Schülern neben p£itcr theoretischer und praktischer Ausbildung einen solchen (oeist in das Leben und seinen Kämpfen mitgibt, verdient unser aller Beachtung. Hochachtung und Unterstützung: Und eine Forderung ergibt sich hieraus: schafft die Möglichkeit und vor allem die Mittel, daß Ahlem ausgebaut wird. Nicht nur Ahlem bei Hannover, sondern vor allem die Einrichtungen und nicht zuletzt den Geist Ahlems in den verschiedensten Gegenden Deutschlands. Schafft möglichst viele Aushildungsmüglichkeitcn. ner und Handwerker Existenz. Freilich zur Doch ich sprach eingangs von z w e i Schwierigkeiten, die dem Siedlungs- und Umschichtungsproblem drohen. Und auch dieses zweite Hindernis - wohl das größere geht aus dem Jahresbericht der Ahlemer klar und deutlich hervor. Die Berufsumschichtung und Siedlungsfrage ist doch in erster . Reihe für deutsche Juden in Deutschland gedacht. Die Aufsätze stammen aber vorwiegend von Ahlemern, die in aller Welt eine Existenz sich schufen, nur selten in Deutschland. In aller Ehrlichkeit und Offenheit sagt es Herr S. Dyk, Güter-Direktor, Berlin, ehemaliger Ahlemer und eifriger Vorkämpfer des Siedlungsgedankens: „Es ergibt sich somit notwendiger- und logischerweise, daß die Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Landwirten nur Sinn und Zweck hat, wenn auch für jüdische Gärtner und Landwirte die Möglichkeiten geschaffen werden, die Tüchtigsten und Erprobtesten zu Dauerbeschäftigung und zur Selbständigkeit gelangen zu lassen.“ „Solche jüdischen