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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-07-01 · 4 (7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
9 (1929-1930)
Issue
4 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBUNE OG EN UO.RB. BERLIN W62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS 9. JAHRGANG JULI 1929 NUMMER. 4 Der Logentempel \>ni Br. I'.iiiil Bernhard' ('o h n (.1, II. I..I. Fs ist oft gesagt mul vv icdcrlndt worden, bald als ein AAilzwort, liald mit ernsteren Gedanken. «laß der Logentempel im l aufe der .lalir/.eiintje für eine große Anzahl von Glaubensgenossen die Sv nagogc verdrängt hat und gcwissermnß«,i> an ihre Stelle getreten istj Jedenfalls ist uii/.vveifelhaft, «laß der regelmäßige Besuch vier l.oge, gleiehviel an vvelehein Tage, für inanche unserer Logenbrüder eine Art Freitagabend geworden ist. Der Logentempel bilde! für viele den einzigen Ort und die einzige Gelegenheit, ihrem Judentum regelmäßige Nahrung ztiz.uführcn und sieh seihst als Juden zu bekennen. So merkwürdig und beinahe läelierlieli diese Beobachtung selieint, ist sie doeli sti/.ialpsvehologiseh von allergrößtem Interesse. und es verlohnte sieh wirklich, über diese Dinge im weiteren Rahmen zu sprechen und sie sogar w issensrliaftlich. d. h. im Sinne der Gesellschaftsphilosophie zum Gegenstand der L ntcrsuchung zu wählen, liier sollen heule nur Konturen einer Untersuchung angedeutet werden, für die vielleicht in späterer /eit sich Ort und llaiim finden werden. Wenn man sagt, daß den Logentempel die Holle der Synagoge lür manchen übernommen hat, kann damit selbstverständlich nur die nfoderne Svnagoge gemeint werden, die sieh von der alten Schul ja recht wesentlich unterscheidet. Ich möchte die Mut Wicklung von der alten zur modernen Svnagoge hier, ohne irgendwie Kritik üben zu wollen, als eine ..Reduzierung auf Feierlichkeit“ bezeichnen. Dadurch, daß inan das Almcmor aus der Mitte der Svnagoge an die Wand rückte, wurde eine Distanz zwischen l^eter und \ orbeter bzw. Vorleser geschaffen, die früher nicht vorhanden war. Der Yorhcler wurde als ein buchstäblicher Vorsänger hinausgestellt und infolgedessen sank «las Mitbeten, das alle Gemurmel tler Svnagoge, immer mehr in sich selber zusummen. Die moderne Sv nagtige ist durch ihre Stille ebenso charakteristisch wie <1 io alle durch ihren Lärm; der Charakter des alten \ olks- und Ycrsummlungshnuses (Reih llakneseth) ist geschwunden, die Mitarbeit «les Volkes fehlt. Wenn man den Logentempel und unseren Dienst in und am Logentempel betrachtet, so überrascht die absolute Ähnlichkeit beider. In der Tal ist, glaube icli, das Maß an Feierlichkeit, das die Synagoge uufz.uvveisen hat, der Feierlichkeit unserer Logenversammlungen nicht so beträchtlich vcfraus. Im Gegenteil, während moderne Sv nagogenbauten mit dem l'rcppenaufbnu bis zum Thoraschrein an der Wand von selbst «lern Ganzen den Kindruck einer Schaustellung geben, ist die Anordm'ing des Logentempels viel glücklicher und sogar traditioneller. Die vier Hochsitze an den vier Wänden des Tempels für die Präsidenten und W ürdentrüger der Loge hildcii einen gilt absc ilicßOndcn Rahnk-n. der die Logengemeinde zusainmenschl eßt und» ziisainmenhäll. Die Geheimzeichen «ler Loge beim M.in— und Vusgang. die Klopfzeichen «les Präsidenten lind <li«i Zeichen au der Für, und vor allen Dingijn die Liturgie «ler Loge« sin«J/vohl geeignet, eine Feierlichkeit zu schaffen. ' die''«lein Ganzen nicht geringen Anstand und sogar Würde gibt. Wenn mau sich nun fragt, wo die psychologischen Duellen liegen, aus denen «lie große Zuneigung nicht nur zum Logenleben, sondern aueli zu diesereigenartigen Form der inncrc.ii Logensitzung klimmt, so muß man antworten, daß «las Logenwesen am stärksten den bürgerlichen Idealen unserer heutigen Großstadt juden entspricht. Fs’ist, ob man nun leider sagt oder nicht, «lulnit gekommen, daß der /.eilmensch für lein religiöse Feierlichkeit nicht luehjviel übrig hat. Ihm sagt die Svnagoge nichts mehr, shist ihm zu viel und zu wenig. I'.in Zuviel an rcligiösyr Feierlichkeit und ei^ Zuwenig an Mitarbeit. Der jüdische Geschäftsmann von heule mit seiner Taclilishctraclitung ulle^ Ding«/, irreligiös wie er vielfach geworden ist, steht eben nicht mellt jeden Freitag Abend in Schul, vor «Illen. Dingen fehlt ijim der innere Konncy mit de« religiösen Gemeinschaft, die in der alten Zeit sich am stärksten in jenem Zusammenbeten äußerte, «las dem Rrnnden eines Meeres .glich. Die Liturgie der J.oge, die übrigens auch in ihrer Sprnchform ungemein an «lie deutschen Gebete unserer Svnagoge erinnert, hat es außerdem auch viel treffender als «liese verstanden, «las bürgerliche Ideal widerzuspiegeln, hat «lie Menschheit an Stelle der Religion gesetzt und Judentum liun selbst mit „Menschheit“ so restl'os ausgeilcutel, «laß man es schließlich vom deutschen Idealismus^ nicht mehr gut untcrseheiilen kann. Lud schließlich haben sowohl Liturgie als auch «ler ganze Komplex «ler Fogcnformcn jene Feierlichkeit gesehalfen. «lie der Bürger immer gebraucht hat, um sich auf eine höhere l.bene zu heben alsl die l'.hcnc unserer mainmonistischen W eit nun einmal ist. I Man soll das nicht ifonisch nehmen, sondern sozialpsvchidogisch werten. Der Bürgermensch will Feierlichkeit, nur darf sie nicht in rcliguise A.erpflichluug allsarten. Diese Sehnsucht nach der gehobenen Stimmung bedeutet aber eine nicht geringe Gelahr, der mich'-das Logenleben nicht ganz hat entgehen können. Der Si-hreibcr dieser Zeilen hat im >

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