Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 9 (1929-1930)
- Issue
- 2 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 24 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B B. Nr. 2 werden, wenn man ihnen 'die \löttlft hkijt gäbe, aileli die Handlungen und l.ci-äongen des Präsidenten freimütig /u kritisieren. F.in kleiner Schritt, dem Präsidenten Einfluß auf die W ablcn des übrige»-' Beumtertrates -und der Ausschüsse cin/urüumen. wäre, wenn■ derselbe in einem besonderen \\ ahlgangc in der ersten Sitzung des Februars gewählt und dann /u den Beratungen des Votvv uhlaiisschus-.es zuge/ogen würde. Man kann sich auch. Wenn man ganz besonders \nrsiehtig sein will, ,darauf beschränken, die Y\ ünsclie des künftigen Präsidenten ülier die Zusammensetzung des Beamtenrates und der Ausschüsse Cntgegenzunehmen und ihnen nach Möglichkeit Bechnung zu tragen. Damit wäre den Kompetenzen des \or- — Wahlausschusses und besonders deiLl.oge in keiner Weise F.intrag getan. Audi die Ciefabr einer C'li<|uenw irtschaft-, die manche ül>eräng.stlichen (iemütcr befürchten mögen, würde ' damit gebannt sein. Heilte lastet eine ungeheure -Arbeit auf den Schultern des Präsidenten. Wer selbst einmal dieses Amt bekleidet hat. Weift, wieviel Anforderungen täglich an seine ph\sische uiid seelische Kraft, gestellt werden. Die Frwartungen der Brüder, mit denen sie den Amtsantritt des neuen Präsidenten begleiten. sind nicht gering, sie richten sich über die Erfüllung der eigenen Anliegen hinaus auf die ganze Persönlichkeit des Präsidenten, auf seine Eigenschaften, kurz auf seine F.ignung zum Führer den Loge. Also eine Forderung, die das höchste und letzte Ziel alles menschlichen Stechens in sich sehlieftt. und die man sich auf die I-oge übertragen denken muft. um den oben aüfgezeigten W iderspruch deutlich zu machen. Ich habe einmal in der E-oge dieses Führerproblem in einem Heferat erörtert und darf in Anlehnung an dasselbe folgendes sagen. Die l.oge mit ihrem Strelien nach idculcn Zielen, mit ihrer häufigen Betonung und Hervorhebung derselben in jeder Sitzung verleitet die Brüder allzu leicht, sich an schönen Worten zu berauschen, ohne die entsprechende Tat folgen zu lassen. .Das ist eine innere ITnwuhrhaftigkeit. vor def jeder sich hüten sollte. W as man darum von einem Präsidenten, der ein wirklicher Führer der l.oge sein will, vor allem verlangt, ist. daft er sich bemüht.' die Forderungen, die' der Orden an tlen Bruder steift, in sich zu verkörpern. daft er ein weithin sichtbares*- Beispiel gibt, wie man sich strebend um die Erreichung des OrdensideAls bemüht, daft er nicht nur präsidiert. vorsitzt, -sonder« die Fugenden des Ordens auch 'außerhalb-der l.oge vorlebY. daft er alles in allem eine sittlich gefestigte. eine auf' tief ethischer Grundlage aufgebaute Persönlichkeit sei. Das höchste und schvvierigst zu erfüllende Ideal, von dem die anderen nur ein Feil sind, ist das der Bruderliebe. Niemand wird von dem Präsidenten verlangen, daft er jedem Broiler mit offenen \rmeii enlgegeneilt. ihn an seine Brust zieht und ihm den Brudcrkuft auf die Wangen drückt; aber man erwartet, daft der Präsident sich bemüht, jedem ein guter Bruder zu sein. d. h.. daft er das Maß an Menschenliebe und wahrer Güte aufbringt, das ihn befähigt, ja ihn zwingt, inneren Anteil zu nehmen, was den einzelnen Bruder bewegt. Das mag als ganz lächerliche Forderung, als Utopie angesehen werden, über die eine allzu rationalistisch eingestellte Welt mit einem Achselzucken hinweg geht, und doch besteht gerade darin so oft der geheimnisvolle Erfolg manches nicht „geistig eingestellten" Präsidenten. Diese Brüderlichkeit ist natürlich zeitlich nicht begrenzt, man kann sie nicht nach einem .lalire abstreifen wie einen Handschuh, oder sie ist nie gewesen. Ein Gefühl läßt sich nicht ausschalten wie ein elektrischer Strom. Es nimmt von uns Besitz, ganz und ungeteilt, und kann nicht durch kleine Enttäuschungen. die niemandem erspart bleiben, vernichtet werden. Darum bin ich der ketzerischen Meinung, daft die Brüder Präsidenten, die nach ihrem Amtsjahre den Weg in die Eoge. gar nicht oder fast niemals tnehjführt, diese Bruderliebe nicht empfunden, also die Erwartungen, die die Eoge auf sie gesetzt hat. nicht erfüllt« haben. Neben diesen Gaben des Herz-ens muft aber ein wirklicher Führer auch solche des Geistes besitzen. So wünschenswert und notwendig auch die Arbeit des ' Ausschusses für die geistigen Interessen. der Eoge ist, so hat doch der Präsident auch die_ Verantwortung für die Eeistungen auf geistigem Gebiete, und die Eoge soll den Stempel seiner geistigen Persönlichkeit* tragen. Ist es im Sinne Kants die wichtigsfe Pflicht des Menschen, um Aufklärung, um Erkenntnis zu ringe^i, so soll der Führer einer geistig eingestellten Gemeinschaft dieses Streben in irgendeiner Form erkennen lassen Auch der Präsident darf gutmütig dem Reichen alle Genüsse gönnen, nur nicht das Privileg der Bildung. Damit ist nicht gesagt, daft er alles W issen der Welt in «sich aufgenomtnen haben muft. aber er soll doch ein Mali an Intellekt besitzen, das ihn befähigt, alle geistigen Strömungen, nicht zuletzt auch die auf jüdischem Gebiete, in sich aufzunehmen und sie hier zurückstrahlen zu lassen. Wenn in der Eoge Vorträge aus allen Gebieten des Wissens gebracht werden, die, von berufenen Persönlichkeiten gehalten, oft den Durchschnitt weit überschreiten, so ist es für den Präsidenten eine außerordentlich schwere, aller ebenso wichtige Aufgabe, den Inhalt in einer W eise in sich aufzunehmen,- daft er ein zusammenfassendes Erteil sich zu bilden vermag. Es ist leicht, irgendwelche nichtssagenden Worte zu sprechen, aber der Führer einer geistig eingestellten Gemeinschaft hat in geistiger Beziehung Verpflichtungen, und die Brüder erwarten, daft der Präsident auch einem geistig bedeutenden Redner gegenüber ihre Eoge in würdiger Weise repräsentiert. Wenn von dem Präsidenten dazu noch Anregungen ausgehen sollen, die die Arbeit der einzelnen Ausschüsse befruchten, wenn er mit klarem Verstände und einem nicht alltäglichen Wissen jeder Situation, die sich überraschend durbieten kann, gewachsen sein will, so muß man von ihm eine geistige Kapazität erwarten, die den Durchschnitt weit überragt. Dazu kommt noch, daß er das I.eben der Eoge in neue Bahnen lenken muß, wenn das Interesse der Brüder nicht er- UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: -\-:-:- Name Eingetret- Geboren Verstorben Akiba Eger-Loge Max Brodriak 4.12.1921 14. E 1850 5. 4.1929 Ehre seinem Andenken! Dienststunden des I.ogenbüros. Wochentags: 10 bis 3 Ehr. 'Fel.: B 5 Barbarossa 8651 52. An Sabbaten und jüdischen Festtagen, sowie an Sonntugen und den gesetzlichen Feiertagen ist das Büro geschlossen. Sprechstunden des Verwaltungsdirektors 12—2 Ehr. Außerhalb dieser Zeit ist Br. Baer weder persönlich noch telephonisch zu sprechen. Die lieben Brüder werden dringend gebeten, sich in allen Angelegenheiten, deren Erörterung mit Br. Baer persönlich nicht unbedingt erforderlich ist, an das Eogenbüro zu wenden. Der Ausschuß für die gemeinsamen Angelegenheiten der Berliner Eugen U. O. B. B. Norden, Vorsitzender. J