Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 11 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 288 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B. B. Nr. 11 'Jerusalem“. (Welt-Verlag). Di« Verfasserin ist, gleich Ziona, der jungen Heldin des Buches, etwas wie eine Marannin; /war Tochter eines getauften Vaters und einer christlichen Mutter. al>er fühlbar jüdischem Wesen und Empfinden nahe; zumindest in ihrer glühenden Liebe zum Boden, zu Licht und Luft, zu den gewaltigen Erinnerungen und dem prophetischen Odem des Heiligen Landes. Noch mehr vielleicht in ihrer kühlen Abwehr der nordisch-unjüdischen Art ihrer Mutter und am allermeisten in ihrer ironischen Entlarvung des christlichen Missionswesens in Palästina. Die Tragödie der inneren Vereinsamung, des leidenschaftlichen biblischen'Forschungsdranges und des Zu-' sammenbruchs des „Pusche Jisroel“, ihres Vaters, muß ergreifen. Das Buch ist in einem zarten, geist- und lebensprühenden Stil gesellriel>en und vermittelt,wie kein zweites dje Wirklichkeit und zugleich die Roinantik_der Natur und der Menschen im . Jerusalem der letzten .Jahrhundertwende. Auf den gleichen heiligen Boden, nur um UHU) Jahrezurückgewendet, führt uns Emil L u d vv i g , der Künstler biographischer Dichtung, mit seinem „M e n s e li c n s o h n“ (Ernst JLivvohlt-Verlag. Berlin). Der zweite Jude.t nach Georg Brandes, der sich an das verantwortungsvolle und gefährliche Unternehmen wag«, nicht wissenschaftliche Forschung um das Jesus- Problem zu geben, sondern ein'abschließendes Urteil und ein gerundetes Bild jon ihm. Die f rage der Gültigkeit dieses Bildes sei hier nicht erörtert,das, wie beim Autor natürlich, in vollendete Form gefaßt ist. Aber dem jüdischen Befremden darüber sei Ausdruck gegeben, daß Ludwig, der sich mit der ersten Zeile des Buches fest zum jüdischen Stamm bekennt, sich nichtsdestoweniger vom antijüdischen Geist der Evangelien so vollkommen durchdringen läßt, daß er deren Auffassgng von den . Pharisäern, ihre Judas-Dichtung und die KampNegende von dem als unmöglich erwiesenen Prozeß und Kreuzestod als Grund- elemente seiner Darstellung hinnimmt und weitergiht. Ludwig hat gerade diesmal, anders als l>ci seinen sonstigen Biographien. die vielseitige Forschung beiseite gelassen und sich ‘ den Jüngern und der Kirche anvertraut. Darum kann sein Buch uns wohl fesseln, aber nicht überzeugen., Da packt uns ganz anders die palästinisch^ Dichtung Altai e n p s (Pseudonym für Wlgdimir J a b o t i n s k i), betitelt „R ichtcrund Nar r“, cfor die Simsonsage unterlegt ist. Hier hat gleichfalls ein Schriftsteller hoher Dualität gestaltet, aber nach gewissenhaften und tiefschürfenden historischen Studien, deren Niederschlag so plastisch lebendig kristallisiert ist, daß dreitausend - Jahre zurückliegende \ ergangenheit wie heutigste fGegenwart dasteht. Das Leben und die Tragik Simsons verlieren unter Jaliotinskis Feder zwar die monumentale Naiv ität de* bibli- UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. ' Geboren Verstorben Deutsche Reichs>Loge Moritz Koppel 14. 2.1885 18.12.1844 8. 1.1929 Fedor Ludwig 16. 3. 1907 7. 12. 1870 15. 1. 1929 Siegmund Merzbach 28. 1.1905 27. 7.1869 16.12.1928 Berthold Auerbach-Loge Max Neumann 22. 2:1909 4. 1.1863 12. 1.1929 Alfred Schleich 10. 11? 1919 2.10. 1882 14. 1.1929 Montefiore-Loge Jacob Ostwald 22.11.1921 21. 1.1838 17. 1.1929 Max Dukas 24.10.1920 25.12.1890 29. 1.1929 Benjamin Schwabe 11. 2,1913 1L 8.1862 7. 1.1929 Ehre ihrem Andenken! t sehen Mythus, gewinnen aber dafür-an Tiefe und V ielfältigkeit der Problematik, an menschlicher Nähe und psychologischer Faßlichkeit, allerdings im heutigen, etwas romantisierten Sinne. Groß angelegt ist die historische Symbolik, die im nntiken Gev schelten neuzeitliches Schicksal zugleich ausdrückt. Ob aber die doppelte Parallele Juden — Philister und jüdisches nichtjüdisches Europäertum nicht allzu einfach und schematisch gehalten ist, das sei bezweifelt. Befremdlich für unser Gefühl ist auch Simons Einstellung zu den zwei Welten: im Grunde erglüht er viel mehr für Esutis Gewalttätigkeit, als für Jakobs Geist; seine Liebe gehört durchaus den Philistern, nicht dem eigenen Stamme, den er gleichwohl, nicht recht verständlich warum, bejaht und, unliegreiflich wie, verkörpert. Problematisch endlich bleibt die unerklärte, unvermittelte und unversöhnte Zweiheit, Richter und Narr, im Helden. Aber alle diese Fragezeichen heben die Schlagkraft der Gestaltung, die Größe des Wurfs, die Tiefe der Erfassung nicht auF. Das Buch ist der beste von . Juden stammende biblische Roman, den wir haben. (Meyer und Jessen, München). Dichtungen wie Altalenas, weit davon entfernt, uns dus biblische Original zu entfremden, führen uns im Gegenteil herzlicher ihm wieder zu. So hat es nun einen eigenen Reiz, sich in die „Richter“ zu vertiefen, wie sie uns, dem Urtext getreu,, die Ueberselzerkunsl def B u b c r u n d R o s e n z vv e i g in deutscher Sprache vorKihrl. (V erlag Lambert Schneider, Berlin). Man kann ül>er dies- Kolossalwerk immer nur wieder das gleiche sagen: gigantisch die nach- und neuschaffende Kraft, bewunderungswürdig das zugrundeliegende W issen und -das Einfühlungsvermögen. Aber cs ist immer wieder mehr Staunen als J.ielie, was das Resultat in uns hervorruft. Die Sprache geht zuweilen über das Kunstvolle hinaus, Wort- und Satzsinn sind, hie und da so tief, daß cs schwer fällt, sie heraufzuholen. Diese-, deutsche Bibel ist vielleicht fremdartiger, asiatischer, als die' hebräische. Und man verfolgt nicht nur in atemloser Spannung diese grandiose Jagd zweier genialischer Willen nach dem Endziel, dem Umguß der ganzen Bibel in deutsches Sprachgut jüdischen Geistes, sondern hofft auch mit Ungeduld auf'die äußere Vollendung, damit die innere in Gestalt einer Revision ihr folgen kann. Biblischen Geist, nicht in Sprach-, sondern in Sprechform, in Mcnschengebäi-de und Menschendarstellung zu gießen, müht sich die „llabimn“ gegenwärtig auf dem Boden des Heiligen Landes, nachdem sie in Europa und Amerika bereits von ihrer ungewöhnlichen Begabung hierzu Zeugnis abgelegt hat. Leber die Sprache, die Geste, den Geist, die Gemeinschaft, die Menschen, die an diesem Theatervverke schaffen, über die Geschichte ihres Strebens wie filier dit/Aufführungen, die sie bereits vollbrachten, über das alles unterrichtet eine kleine, aber entzückende Schrift unter dem Titel „I1 a b i m a, h e b r ä i s c h e s T lienter“ (Verlag Heinrich Keller, .Dr. V ictor Fleischer, Berlin). Der Text stammt von dem nichtjüdischyn Kritiker der Frankfurter Zeitung Bernhard Diebold. Aber noch beredter als er .wirken die großartigen 32 Bildtafeln, vCelche' die Künstler in den Hauptrollen und?vvei Szenenbildern'darstellen. Die (»leiche Aufgabe erfüllt für die Granowskjy-Bühne die \ Schrift ,,D as Moskauer .1 ü <1 i s c h c A k a d e m i s c h e Theater“ (Verlag Die Schmiede, Berlin), liier reproduzieren die gleichfalls w undervollen Tafeln nicht die Einzelkünstler, sondern, dem sowjetistiselien Gemeinschaftsprinzip entsprechend, nur Gruppen- und Szenenbilder. Ih,ncn haben mehrere Autoren Vorworte vorausgeschickt: Ernst 'Toller, Joseph Roth und Alfons Goldschmidt. Am ausführlichsten ist Roth; aber das viele Kluge, das er zu dem Wunder dieser Truppe zu sagen hat, wäre noch wirkungsvoller, wenn cs nicht mit ganz unmotivierten Haßausfällen gegen die Habima und ihr Hebräisch durchsetzt wäre. Line Lücke, die eine Neuauflage hoffentlich schließen wird, Forßetzung Seite 291 \ I