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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1929-01-01 · 10 (1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
8 (1928-1929)
Issue
10 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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( derBEBUNE OGENUORB BERLIN W 62, KLEISTSTR. 10, LOGENHALJS 8. JAHRGANG JANUAR 1929 NUMMER 10 Zeitgemäße Logengedanken Von Br. BrunoSchießer (B. A. ft.). B r u (I e r 1 i e l> c und Kj i n t r u c li t sollen eine unlösbare Kette um die Ordcnsinitglicdcr schmieden, ihnen das Bewußtsein verleihen, in einem Krebse von besonderer Art, abseits der Nüchternheit des Alltags ,J;um eigenen Wollte und dem der Menschheit wirken und wachen“ zu dürfen. Ks sind ideale Forderungen, edle Hochziele des Ordens, welche der allgemeinen Verwirklichung entgegenharren. Nur das dritte Ordensgebot, W o h 11 ii t i g k e i t zu übejn, hat volle Beachtung gefunden, weil es dem gleichartigen, uralten und immer befolgten Grundgesetz des Judentums entspricht. Der Kumpf des einzelnen gegen den ihm innewohnende^ Urtrieb, seine materiellen Güter dem eigenen Genüsse vorzuhc halten, ist von vielen Brüdern siegreich durchgcfoehten worden. Materielle Opfer werden gern und freiwillig zugunsten der Hilfsbedürftigen innerhalb und außerhalb des Ordens dargebracht. Aber auf größere Hemmnisse stößt das Bemühen um Angleichung des Ideales der Bjir ft d e r 1 i c h k e i t an die Wirklichkeit des l.ogenlehcns. Egoismus und Altruismus stehen sich nicht nur im materiellen, sondern ungleich stärker noch im geistigen l.clicn widerstrebend Igegenüber. Dem eigenen Denken, der eigenen Weltanschauung wird eine übertriebene Wertschätzung zuteil, welche den Blick für die Geltungsberochtigung der fremden Meinung trübt und die geistige Kluft auch zwischen Brüdern unüberbrückbar erscheinen läßt. Ks zeigt sich auch hier die tiefe Wahrheit des Wortes: „Den größten Sieg erringt, wer sich selbst bezwingt.“ Große Siege sind selten. Um so heißer sollte das Bemühen um sic sein und um so stärker in jedem Bruder wirken. So wie der Psychologe mit den modernen Methoden der Wissenschaft für das Seelenleben der Menscheti Verständnis zu gewinnen trachtet, sollte jeder einzelne unserer Gemeinschaft mit dem uralten Hilfsmittel dgr Menschenliebe das für die Pflege wahrer Brüderlichkeit unerläßliche Einfühlen in die Psyche des Bruders zu erringen suchen.! Wer unter dem ständigen Einflüsse des Ordens steht und pich an seinen Arbeiten beteiligt, kann sich diesen Forderungen nicht entziehen, wenn er den harten Panzer seines geistigen Egoismus mit Wehr und Waffen der Ordensidealc zu zersprengen sich bemüht. Alles verstehen heißt nicht nur alles verzeihen, sondern auch alles dulden. Von der Duldung des anderen bis zur Achtung der fremden Meinung ist dann nur noch ein kurzer, aber entscheidender Schritt. Wenn dem Bruder nicht nur die äußere Achtung erwiesen, nicht nur seiner sozialen '4 [erlang Respekt gezollt wird, sondern auch seine Meinung und Gesinnung Anerkennung findet, wird das Streben um Vertiefung des Ortlenslebens den ersehnten Erfolg erzielen. Wenn auch die Ordensa'heit nicht nach äußeren, nicht nach materiellen Ergebnissen zielt, ist sie doch wie alles .menschliche Wirken den Bedingungen des praktischen I.ebens unterworfen. Nur die Gedanken, nicht aber.die Menschen schweben im freien Baume, die Wirklichkeit unterlieg! dom Gesetz der Entwicklung. Auch der Orden um seine einzelnen Gemeinschaften, die l.ogcn, können sich von dieser Bedingung nicht abstrahieren. Was vor langer Zeit begönnen wurde, hat in seiner! äußeren Gestaltung den Forderungen jener Gründungsepochel Rechnung getragen. Das Rad dei Zeitl drehte sich weiter. Andere'' Meinungen fanden ihnen Nit derscjl^ag in neuen Formen j>tentliehen und gesellschaftlichen I.ebefis. Die Logen scheinen außerhalb der Zeit zu stehen. Das'Beharrungsvermögen mancher Vertfreter der Ordensideen setzt dem Hineintrugen zeitgejniißcr Foi men und Gcdunken aus übergroßer Wertschätzung des Herkömmlichen Widerstand entgegen. Diese Ueherschätznng der Tradition wirkt der natürlichen Entwicklung entgegen und. läßt! neuzeitliche Bestrebungen im (Irden nur langsam Rnuinlgewinnen. Wohl«bedürfen alle gesellschaftlichen Bewegungen zur Erre cliung jbthisdlier Ziele der starken Wurzel wertvoller Ueberlief;rung, weil (.Anfang; und Fortgang ethisch, gerichteter Betätigung einl immer gleichjdeibendes Ziel haben. Da aber die Ausdri cksforinjen der menschlichen Gemeinschuft ständigen Wandlungen ijnterliegen, darf auch die Wahrung der Tradition nicht zum Selbstzweck werden. Sie muß ebenso der Erreichung des Endzieles untergeordnet bleiben, wie andererseits von de i Trügern| neuzeitlicher Ideen Mäßigkeit in der Geltendmuch mg ihrer' evolutionär gerichteten Gedanken gefordert werden Jnrf. Hier .salf jund muß der Ausgleich kommen, wenn unsere Bewegung ■ nicht verflachen und allmählich erstarren soll.; 1 ' I Als das Gesellschaftslchcn noeß unter dem Ejruck der autnkrutischen Staatsform stand and Ife demokratischen Ideen als revolutionär galten, mag die Sestin(mung über F rnhultung von Religion und Politik aus den Eröilterungen im Li gönkreise wegen der mangelnden Schulurg d<r Logenbrüder in sachlicher Diskussion konträrer Anscha iiungehj zur W'ahru ig’des Logenfriedens richtig, gewesen sein. Bruderliebe war i m Anfang ein i

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