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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1928-11-01 · 8 (11.1928) · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
8 (1928-1929)
Issue
8 (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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Seite 218 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U. O. B. B. Nr. 8 Er baute auf der englischen Sprache auf, änderte sie aber bis zur Unkenntlichkeit und verunstaltete^ sie. Die Worte sind übelklingend. zum Teil unaussprechbar, außerdem willkürlich gestaltet und deshalb einer organischen Entwicklung unfähig. Gleichwohl hatte sie mehrere tausend Anhänger. Zeitungen, Klubs u. dgl.: es war ihr aber unmöglich, sich international durchzuset/en und so schlief sie ein. Daneben entstanden zahlreiche andere Welt-Ililfssprachen. ca. 60 Systeme und mit den früheren Pasigraphien ca. 200 Weltspraehen-Kntwürfe. Eine einzige von ihnen und zwar auch nur eine Abart, und zwar btw uBtc Abart des Esperanto „Ido“ (Abkömmling) hatte gm das Jahr 1900 herum starke Anerkennung und Verbreitung gefunden. Auch diese ist allmählich zurückgegangen und \on dem Esperanto bei weitem überflügelt worden, so daß jetzt Esperanto allein als anerkannte \\ eit -Hilfssprache angesehen werden muß. Was hat nun dem Esperanto seine Anerkennung \ erschafft, was hat bewirkt, daß es in der schwersten Zeit, die für die Aufnahme der Sprache in Erage kommen konnte, nämlich zu der Zeit, als <fie Menschen durch den Mißerfolg der zunächst mit großer Hoffnung l>egrüßten Welt-Hilfssprache \ olapük enttäuscht waren und an einen Erfolg einer solchen Sprache überhaupt nicht mehr glaubten. Anerkennung und Verbreitung in dein ungeahnten Umfange gefunden hat? Drei Momente erklären den Erfolg: erstens: die Vorzüge der Sprache selbst, zweitens: die Persönlichkeit des Schöpfers der Sprtuhe und schließlich der große leitende Gedanke, die von dem Schöpfer der Sprache sogenannte interna ideo. Die Vorzüge der Sprache: Die Sprache verbindet einen hohen konstruktiven und logischen W ert mit einer ülteraus leichten Erlernbarkeit und einem besonderen Wohlklang. ..Esperanto prezentas la forton de la angia. la filosoficcon de la germana, la precisecon de la franca ka,j la belsonecon de la itala lipgvo." Esperanto verkörpert die Kraft der englischen, die Gedankentiefe der deutschen, die Genauigkeit der französischen und den Wohlklang der italienische^ Sprache. Es ist eine fonelisehc Sprache, d. h. es wird »lies so gesprochen, wie es geschrieben wird. Sämtliche Worte werden auf der vorletzten Silbe betont; die ganze Sprachlehre hat nur 16 leichte Hegeln, von denen es keine Ausnahme gibt. Die Sprache ist zwar künstlich geschaffen, verwendet aber nur natürliche Sprachstämme, die sie den drei großen Sprachgebieten dem romanischen, germanischen und' slavischen — entnimmt. Jede Wortgattung wird durch ihre Endung charakterisiert. die Deklination ist denkbarst einfach, ebenso die Konjugation. die nur wenige unveränderliche Endungen aulweist. Die Sprache ist außerordentlich wohlklingend, sie erinnert im Klange an die spanische. Die Mitteilung von Sprachproben und Einzelheiten der Wortbildung sollen einem späteren Aufsatz. Vorbehalten bleiben. BERTHOILD AUERBACH-L06E Montag, den 10. Dezember 1928, 8 Uhr abends CHANUKKAHFEST mit künstlerischen Darbietungen unter Mitwirkung erster Kräfte und anschließendem Tanz. Eintrittskarten zum Preise v. RM 1.50 einschl. Steuer sind an den Logenabenden in der ersten Etage des Logenhauses zu haben. DR* MAX SIMON SIMON BRAUN Präsident Für den Geselligkeitsausschuß Die Schönheit der Sprache eignet sich auch durchaus zur Verwendung in der Poesie. Zamenhof selbst, der nicht nur ein Sprachschöpfer, sondern auch ein außerordentlich feinsinniger und begabter Dichter gewesen ist, hat meisterhafte selbständige Dichtungen und auch U’ebersetzungen anderer Dichtwerke, z. 11. die von Hamlet, den Räubern, Iphigenie usw. geschaffen. Sein Meisterwerk ist die U’ebersetzung des „Alten Testaments“, die von'der britischen Bibelgesellschaft übernommen worden ist. Und damit kommen wir zu dem zweiten Faktor, der den Erfolg der Esperantosprache geschaffen, der Persönlichkeit des Schöpfers. Der äußere Lebensgang dieses Mannes war überaus einfach und dürftig. Geboren in Byalistok (Gouv. Grodno in Litauen) als der Sohn eines jüdischen Sprachlehrers, fiel ihm frühzeitig der Unterschied der vier Völker (Russen, Polen, Deutsche, .luden) und die Gegensätze zwischen ihnen auf, deren Hauptursachc er in der Verschiedensprachigkeit fand. Als Kind — gleichsam im kindlichen Spiele — suchte er eine künstliche Sprache zu schaffen. Dieser Gedanke beherrschte ihn wie eine Manie. Auf dem Gvmnasiuin in Warschau beschäftigten ihn erneute Studien und schließlich die Schaffung einer Sprache, die von seinen Kameraden mit Begeisterung anerkannt und gelernt wurde. Wohlmeinende berichteten dem Vater, daß sein Sohn geisteskrank.1 sei oder jedenfalls werde, und dieser verbrannte die Schriftstücke jahrelangen Fleißes. Zamenhof ließ sich nicht abschfecken, rekonstruierte alles aus dem Gedächtnis, probte und . verbesserte. Nebenberuf — im Hauptberufsstudiuin der-Medizin, Ausbildung als Augenarzt in Wien, Niederlassung an verschiedenen Orten. Im Jahre 1887 brachte er, wie eingangs erwähnt, das erste Büchlein heraus. Er war ein Märtyrer seiner Idee, der unter größter Not und Entbehrungen sein Werk, das er als Aufgabe seines Lebens betrachtete, fortgesetzt hat. Rührend ist, was er 1887 an einen Freund schreibt: „Ich fühlte, daß ich vor dem Rubikon stand und von dem Tage ah, an dt'm meine Broschüre erschien, nicht mehr zurückkonnte.“ Er kämpfte gegen Not und Mittellosigkeit, gegen Spott und Anfeindungen, die ihm entgegengebracht wurden, allerdings sich dabei aufreibend. Schon im Jahre 1917 erlag er einem Herzleiden. E'reilich hatte er noch die Genugtuung, seine Sprache anerkannt und über die ganze zivilisierte Erde verbreitet zu sehen. Auf den großen Kongressen, die seit dem Jahre 1905 alljährlich (Boulogne, Genf, Cambridge, Dresden, Barcelona, Antwerpen usw.) stattfanden, und wo sich Hunderte und Tausende von Delegierten der verschiedensten Länder Europas und der Uebersee zusammenfanden, genoß er geradezu begeisterte Anerkennung usw. Der wesentlichste Faktor desj Erfolges war die „interna ideo“. Zamenhof sah in der von ihm geschaffenen Sprache nicht nur das leichte Vcrständigungsmittel im Verkehr, im Handel, Touristik usw., ihm war der Kernpunkt, das Wesen und das Ziel, das er, sich gesteckt, etwas wesentlich Anderes und. Höheres, das sich ihm mit dem Begriff Esperantismus verband. Ihm verkörperte sich in der Weltsprache der Gedanke einer allgemeinen MenschheStsverbrüderung. Diesen Gedanken vertrat er immer wieder; vor allem in seinen formvollendeten Eingangsreden auf dem Genfer Kongreß von 1906 und dem Kongreß von Cambridge vom Jahre 1907. Diese interna ideo deckt sich mit dem messianischen Gedanken, auf dem auch unser Orden aufgebaut ist, der Erziehung und Höherentwicklung des einzelnen Glaubensgenossen zu einem Vorbild seiner Glaubensgemeinschaft und darüber hinaus zum vollkommenen Menschen mit dem Endziel einer allgemeinen Menschenverbrüderung. Und ebenso wie die Uebereinstimmung des Esperantismus mit dem Orden hinsichtlich seines Endziels in einer fernen Zu- Fortsetzung Seite 222.

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