Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 6 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 164 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN Ü.O.B.B. Nr. 6 sei. AusdiesemGefühl heraus bewahren ihm soVielc, die man heute die „Alten“ nennt, durch die .Jahrzehnte, über ein Menschenalter hinaus, Freundschaft und 'Freue. £? Unseres Timendorfers Anwesenheit in einer Lo.- gcnsitzung ist ein Feiertag, auch heute noch. Oh er in der Debatte das Wort ergreift, ob er einen Bericht oder ein Referat erstattet, immer zeigt sich die große Sachkenntnis auf den verschiedensten Gebieten als Ergebnis emsiger Arbeit und gewissenhafter Beschäftigung mit den Dingen. Ob er bei festlichen Veranstaltungen der Logen oder der Brüder spricht, ob er Vorträge über Berthold Auerbach, über Walther Hathenau oder über die Frauen in der Bibel hält, immer offenbaren seine Heden völlige Beherrschung des Stoffes. Seine anerkannte, große rednerische Begabung verführte ihn niemals, ein sog. Schönredner zu sein; sie dient ihm nur dazu, die ernste Sachlichkeit seines \ ortrages ästhetisch und eindrucksvoll zu umrahmen. Die Zeiten leben noch in unserer Erinnerung, da die Berliner I .ogenpräsidenten keine Brüdereinführung ohne Br. Timendorfers 'Gegenwart Vornahmen. Er kam stets gern und nahm vollen Anteil an dem Wachstum der Logen. Besonders lag ihm die engere Verbindung mit den großen jüdischen Organisationen am Herzen, und als nach dem V orsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden, des Zentralvereins und der Alliance Israelite auch noch der Führer des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes der'Logt; beitrat, verkündete er zufrieden und freudestrahlend: „Nun ist die gesamte jüdische Wohlfahrt in der Loge vereinigt, der Ring ist geschlossen“. Br. Timendorfer wünschte damals die Zuführung hervorragender Juden zum Orden, mahnte zur Gewinnung solcher .Männer und betrieb selbst in vornehmster Weise seine besondere Propaganda. Es verging wohl kaum eine größere festliche Veranstaltung einer bedeutenden jüdischen Körperschaft oder seiner persönlichen Freunde, bei der er sich nicht während des Mahles erhob, über die Tätigkeit des Ordens sprach und die anwesenden Logenbrüder aufförderte, aufzustehen, um mit ihm auf das Wohl des Gastgebers und der Nichtbrüder zu trinken. Meist war die Zahl' der Brüder ♦ ♦ f ♦ I ♦ I ♦ I I Dank anftsagung Anlässlich meines 75. Geburtstages sind mir von Logen und Schwestern- Vereinigungen, Schwestern und Brüdern unzählige Beweise von Verehrung und Liebe zugegangen. Ich bin tief gerührt und beglückt darüber. Es ist mir aber unmöglich, einzeln zu danken. Ich bitte, mir zu gestatten, auf diesem XWege meinen tiefgefülüten Dank aussfrechen zu dürfen. Berthold Timendorfer Ekrm-Grosseräsid*nt der Grofilog* VIII U.O.B.B. Berlin, im September 1928 * * ♦ ♦ I ♦ ♦ ♦ * * * überwiegend, bisweilen imponierend groß. Auf solche Weise wurde manch Fernstehender für die Loge interessiert und gewonnen. * ‘ Wie selten einer hat Br. Timendorfer sich dem Geist der neuen Zeit anzupassen verstanden. Die Gewinnung der Jugend für den Orden liegt ihm besonders am Herzen. Andauernd mahnt er die Väter, ihre Söhne der Loge zuzuführen. Die Zukunft des Ordens durch stete Neubelebung und Verjüngung zu sichern, ist seine Hoffnung. Die Befolgung dieses seines Gedankens, immer die nächste, die folgende Generation zu gewinnen und zu halten, verbürgt in der Tat den Fortbestand der Logen. - Auch ein Vorkämpfer für die Emanzipation der Frauen ist er im Logen - leben geworden. Mit bewundernswerter Energie verfolgt er sein Ziel. Gemeinsame, offene Logensitzungen der Schwestern und Brüder propagiert er mit Erfolg. Begeistert zollt er dann der Rednerin seinen Beifall, zum Lobe der Frauen erhebt er seine gewichtige Stimme. Br. Timendorfer ist bis zur Stunde der große Lebensbejaher geblieben. Ihn erfreut das Schöne und Güte, er liebt die Menschen. Nach mancher Logenfestlichkeit plauderte er noch bis zum frühen Morgen im Kreise seiner zahlreichen Freunde; und wenn die Flasche „Henkel Trocken“ die Geister belebte und die Zungen löste, dann erzählte er von seiner Jugend, seiner Studienzeit und vielem noch, was ihn Bewegte. Trotz seiner überragenden Stellung im jüdischen Leben ist er frei von Stolz. Für niemanden, dgr ihn sucht, ist er unnahbar. Zu all denen, die seine Höhe nicht erreichen konnten, steigt er hinab. Als Mensch und Bruder hört er sie an, berät sie, hilft ihnen und achtet nicht auf die eilende Zeit. Oft erzählte er lächelnd, wie stark seine berufliche Sprechstunde von Brüdern besucht war, die Rat in - Familien- und Logenangelegenheiten suchten. Wie. die Pflanze ihre Blätter und Blüten in die Höhe reckt und die Wurzel tief in die Erde versenkt, die ihr die Kraft zum Leben gibt, so wurzelt auch Br. Timendorfer in der unendlichen Liebe der Bruderschaft; hieraus zieht er seine Kraft und Stärke, niemals hat er den Zusammenhang mit der Gemeinschaft verloren. Hierfür dankt ihm die Bruderschaft der Berliner Logen. Sie dankt ihm, wie schon so oft, daß er ihr seine ganze Persönlichkeit, so viel Erhabene^ und Edles gegeben hat. Sie dankt ihm, daß er sie hat Anteil nehmen lassen an den großen Gaben seines Herzens und seines Geistes. In diesen Dank ist einbezogen auch seine hochv erehrte Gattin, deren Güte und Nachsicht es ihm ermöglicht hat, so oft in unserem Bruderkreise zu.weilen, uns zu belehren und zu erfreuen. I Die innigsten und herzlichsten-Wünsche der Berliner Logen begleiten unseren ehrwürdigen und lieben Br. Timendorfer auch auf seinem weiteren Lebenswege. I G—g.